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Ich selbst kenne Selbstmitleid ziemlich gut (ich armes, armes Schwein!). Alles nur noch Scheiße finden, mich nur noch in der Scheiße winden, bis ich sie nicht nur auf der Haut hab, sondern auch in der Lunge, im Mund, im Kopf, im Herz. Totales Opfertum, der totale Opfer-Tim.

Leider bringt das nichts, es macht die Sache nur schlimmer. Für mich war es und ist es wichtig, den Unterschied zu lernen zwischen Selbstmitleid und etwas anderem. Etwas, das uns wirklich helfen kann: Selbstmitgefühl.

Woran man Selbstmitleid erkennt

Man erkennt es gut an den Gedanken, die dann den Geist beherrschen, ihn endlos traktieren:

  • Warum passieren das Schlimmste immer mir?
  • Das Leben ist so unfair.
  • Gott hasst mich.
  • Warum bin ich so ein verkackter Loser?
  • Es ist alles mein Fehler.
  • Irgendetwas (alles) stimmt nicht mit mir.

Selbstmitleid ist ein Fass ohne Boden, ein Mann ohne Hoden (im übertragenen Sinne), unser Rückgrat wird zu Pudding und wir werden komplett abhängig und ausgeliefert.

Der Vorteil ist klein, doch es gibt ihn: Wenn wir Opfer sind oder meinen, es ohnehin nicht besser zu verdienen, dann können wir die gesamte Verantwortung für uns und unser Leben abgegeben. Schließlich kann man ja vermeintlich eh nichts ändern.

Je nach persönlicher Neigung kann man auch anderen die Schuld geben – und damit ebenfalls die Verantwortung, etwas zu tun. Wenn wir’s schaffen, dass ich jemand anderes nur schuldig oder mitleidig genug fühlt, wird er das Problem vielleicht für uns lösen. Wir selbst riskieren dann nicht mal zu scheitern.

Das hat schon was Verlockendes, wenn ich’s mir recht überlege. Doch der Preis ist ungefähr so hoch wie für fünf Euro ungeschützt mit jemandem vom Straßenstrich zu schlafen und dann lebenslänglich Aids zu haben.

Mit Selbstmitleid geben wir zwar scheinbar etwas von der Last der Eigenverantwortung ab, dafür aber auch jede Chance auf echtes Wachstum und ein gesundes Selbstbild.

Woran man Selbstmitgefühl erkennt

Während Selbstmitleid uns sämtliche Energie aus den Knochen saugt, lädt uns Selbstmitgefühl auf, gibt uns Kraft.

Folgende Gedanken kennzeichnen es:

  • Es ist hart und es tut weh. Doch ich bin nicht allein, ich bin für mich da.
  • Ich liebe mich.
  • Ich darf weinen, wann immer mir danach ist.
  • Es tut mir leid, dass ich das erleben muss, und ich werde einen Ausweg finden.
  • Diese schmerzhafte Erfahrung ist keine Strafe dafür, dass ich schlecht bin. Jeder Mensch macht schwere Zeiten durch.
  • Ich darf Hilfe suchen und annehmen. (Anmerkung: Das ist etwas ganz anderes, als jemanden manipulieren zu wollen, auf dass er unser Problem lösen möge.)
  • Ich werde an dieser Erfahrung wachsen, auch wenn ich mir das im Moment nicht vorstellen kann.

Solche Gedanken können wir trainieren, ebenso wie das heilsame Zulassen unserer Gefühle.

Auf diese Weise verschließt sich unser Herz nicht, säuft auch nicht ab. Es öffnet sich – dem Schmerz, der Wut, der Angst … aber auch dem Blick nach vorn. Wir nehmen uns selbst in die Arme und dann an die Hand auf dem Weg hin zu einem guten Leben.

 

Mehr zu solchen Sachen unter Der einzige Unterschied zwischen reifen und unreifen Menschen und unter Der Unterschied zwischen echtem Selbstbewusstsein und einem aufgeblasenem Ego.

Selbstmitgefühl trägt auch zum Selbstwertgefühl bei. Mehr dazu im myMONK-Buch Selbstwertgefühl – Wie es entsteht und wie Du es stärken kannst.

 

Photo: Ksenia Hovalt