Irgendwie können wir immer schlechter mit Negativen umgehen. Oder wollen‘s einfach immer weniger.

Mit dem Unerfreulichen, den Schattenseiten des Lebens, dem Schweren.

Massenentlassungen werden zum „Freistellungsprogramm“ – klingt nach Ferien, ist für viele aber nichts anderes als eine dauerhafte Reise in die Armut.

Die Alten und Kranken werden diskret über den Hinterausgang zum Friedhof abtransportiert, wenn der Körper am Ende ist, am besten noch mit idiotischen Smilies auf der Karre des Bestatters.

Alles scheint leicht und fröhlich und unterm Strich positiihiv sein zu müssen, selbst im größten Unglück.

 

„Ja, es sieht vielleicht ziemlich schlimm aus, die ganze Lage … aber in Wirklichkeit wird alles immer besser!“

„Ja, meine Frau schlägt mich, aber deshalb ist meine Haut so schön durchblutet!“

„Ja, ich habe Krebs, aber das hat doch noch keinen umgebracht!“

„Ja, er ist jetzt doch am Krebs gestorben, aber die Trauerarbeit läuft fantastisch!“

 

Nein, Scheiße ist das. Erstmal ist das ein dicker Brocken Scheiße.

Diese Erkenntnis zuzulassen ist nicht schwach, sondern stark. Alles andere wird zur Flucht, ohne jede Chance natürlich, als würde man vor seinem eigenen Arsch davonrennen wollen. Das verzögert Handlung und Heilung und macht uns immer instabiler.

Das hier ist auch meine kleine Kritik an der gefühlskitschigen Selbsthilfe-Erbauungsliteratur mit ihren kleinen Erleichterungen, die nach zwei Sekunden verpuffen wie ein Fliegenfurz (mache ich oft nicht besser, ich weiß, es waren einfach zu viele Jahre, in denen ich mein Leben mit Rosamunde-Pilcher-Filmen, Schlagermusik und positivem Denken retten wollte).

Und Kritik an den Leuten, die leidende Mitmenschen schnell zum Schweigen bringen wollen mit hingerotzten Das-wird-schons („… und jetzt Themenwechsel, reiß Dich zusammen, ich hab echt keinen Bock auf Dein negatives Zeug, könnte ja ansteckend sein“).

Deshalb heute kein beruhigendes Schlusswort.

… Oder vielleicht doch, wenigstens ein bisschen?

… Nein, zur Hölle, Hölle, Hölle damit.

 

P.S.: Hat nichts mit Jammern zu tun, wenn wir den Dingen, wie sie sind, in die Augen schauen (… bevor wir irgendwann wieder nach vorn schauen können).

P.P.S.: Siehe auch: Dein Unglücklich-Sein kotzt mich an und Warum Du so leidest.