Neu im Podcast von myMONK: Ich schäme mich so. Und folgst Du myMONK schon bei Instagram?

Selbstbewusstsein. Lange Jahre lief ich ohne es durch mein Leben. Wo es war? Im Keller, ungefähr vier Stockwerke unter der Erde. Ich musste es zurückholen, mühsam, Treppenstufe für Treppenstufe. Klar bin ich dabei oft abgerutscht, wieder ein Stück nach unten. Mal eine Stufe, mal eine ganze Etage. Dann schlug die Selbstverurteilung zurück, zwei Haken Selbsthass ins Gesicht, drei Stöße Verzweiflung in den Magen.

Inzwischen sieht’s schon deutlich besser aus. Noch immer sind mir zum Beispiel Menschenansammlungen ein Graus. Noch immer steigen hier und dort Zweifel in mir auf, unangenehm wie plötzliche Luftblasen in einem öffentlichen Wasserbecken („Oh, ich dachte, hier gibt’s gar keinen Sprudel“). Aber ich traue mir auch immer mehr zu. Gehe raus. Stehe für mich ein. Lebe im Großen und Ganzen, wie es mir vorstelle. Ein paar Dinge hab ich gelernt auf diesem Weg. Hier sind zehn davon. Vielleicht kannst Du was damit anfangen.

Also, was machen selbstbewusste Menschen anders?

1. Sie laufen nicht vor ihren Gefühlen davon.

Für mich war das der wichtigste Schritt. Anhalten. Innehalten. Aushalten, was da ist an Ängsten, an Traurigkeit, an Wut. Mich nicht weiter ablenken mit Pornos, Fressen, Saufen, Fernsehen. Sondern mich kümmern und sehen: Kein Gefühl der Welt kann mich umbringen. Ich bin stärker, als ich denke.

2. Sie verstecken sich nicht in ihrer Komfortzone.

Immer wieder mal Ausruhen, sicher, das gehört dazu und darf natürlich auch sein. Aber auf Dauer schrumpft alles, was nicht wächst. Dann werden wir kleiner und kleiner. Ein Miniatur unserer Möglichkeiten. Die Komfortzone ist der Friedhof der Träume. Auch selbstbewusste Menschen haben Angst. Aber sie lassen sich von ihr nicht einsperren wie Überraschungs-Eier-Zwerge, die immer mehr in der Vitrine einstauben. Nein, sie tun, was getan werden muss.

3. Sie suchen nicht ständig nach Ausreden.

Verarschen weder sich noch andere mit billigen Schuldzuschreibungen. Geben die Schuld nicht dem Wetter, dem Verkehr, der knappen Zeit, dem lieben oder bösen Gott, der Erziehung, dem Gegenüber oder dem schlechten Feng Shui, ja, ja, da liegt ne Wasserader quer, aber wir sind trotzdem keine Opfer. Selbstbewusste Menschen übernehmen Verantwortung. Erinnern sich daran, dass sie sich verbessern und das allermeiste lernen können. Und entschuldigen sich aufrichtig, wenn sie einen Fehler gemacht haben.

4. Sie verwechseln Selbstbewusstsein nicht mit Arroganz.

Selbstbewusstsein heißt nicht, dass man der Allergeilste ist, dem ganze Sonnensysteme aus dem Arsch scheinen und einem ständig alles gelingt. Selbstbewusst ist, wer weiß, dass er immer damit fertig wird, wenn mal wieder etwas nicht oder nicht gleich gelingt. Er ist grundsätzlich mit sich im Reinen, akzeptiert sich und hat somit keinen Grund, sich über andere zu stellen, sie zu verurteilen oder schlecht zu behandeln.

5. Sie beschäftigen sich nicht zwanghaft mit der Meinung und dem Leben anderer.

Irgendwer wird immer etwas an uns auszusetzen haben. Und irgendwer immer mehr haben als wir. Mehr Geld, mehr Applaus, die schönere Haupt- oder Achselhaarfrisur. Dagegen können wir nichts tun. Müssen wir auch nicht. Denn was wir haben macht nicht aus, was wir sind. Stattdessen können wir unsere Gedanken stets wieder auf das zu lenken, was wirklich zählt: Wir. Hier. Jetzt. Und unser Weg. Der beste Vergleich ist der mit uns selbst: Haben wir uns weiterentwickelt, sind wir weiter als vor ein paar Jahren? Ein bisschen gelassener, ein bisschen weniger hart im Urteil, ein bisschen liebevoller?

6. Sie geben nicht zu früh auf.

Wolken am Himmel. Nebel, in dem man gar nichts mehr sieht. Blitze, die einen erstarren lassen. Die Sonne, die sich so lange nicht zeigt, dass wir uns vor ewiger Dunkelheit in unserem Leben fürchten. All das gehört dazu, ist Teil der Strecke, die wir zurücklegen müssen auf dem Weg zu unseren Zielen und Träumen. Die schweren Zeiten, das Hinfallen und Aufstehen und Weitermachen, das nächste Mal mit mehr Erfahrung. Selbstbewusste Menschen verlieren sich nicht im Problem, sie konzentrieren sich auf die Lösung.

7. Sie brauchen nicht unentwegt die Bestätigung von außen.

Gepinselte Bäuche, honigbeschmierte Münder, gehaltene Hände, geworfene Schlüpfer. Ich wünsche mir das. Gern mehrmals täglich. Doch inzwischen lerne ich nach und nach: Ich muss mich selbst darum kümmern, dass es mir gut geht, dass ich zufrieden bin mit mir, neuen Mut schöpfe. Kommen diese Dinge nicht aus mir, von innen, bleibt mein Selbstbewusstsein ein Sieb. Löchrig. Und schneller wieder leer als das Schnapsglas eines Alkoholkranken.

8. Sie verschieben die wichtigen Dinge nicht auf nächste Woche.

Gewartet habe ich schon auf Vieles. Auf manches aber besonders lang. Zum Beispiel darauf, mit myMONK loszulegen. Eigentlich sollte es „nächste Woche“ losgehen. Daraus wurden dann 416 Wochen. Acht Jahre. Die dicke, fette Angst war mir im Weg. Genährt hatte ich sie jedoch selbst. Mit dem Gedanken, alles müsse gleich perfekt sein, von Anfang an, ich dürfe mir auf gar keinen Fall einen Fehler erlauben. Natürlich ist das Quatsch. Der kleinste, vorsichtigste Schritt heute ist besser als der stärkste Sprint morgen, den wir dann doch nicht machen. Handeln stärkt uns und unser Selbstbewusstsein.

9. Sie verbiegen sich nicht.

Selbstbewusste Menschen können sich selbst bewusst zurückstellen. Mal, aber nicht immer und nicht auf Dauer. Sonst, das wissen sie, verbiegen sie sich immer mehr, werden zu menschlichen Spirellis (die von der geschmacksneutralen Sorte). Wenn wir uns selbst verlieren, ist alles verloren. Deshalb können wir’s nicht allen recht machen. Streit nicht immer vermeiden. Fremde Erwartungen nicht immer erfüllen. Sie wollen nicht um jeden Preis beliebt sein, sondern echt. Dazu horchen sie ein ums andere Mal nach innen: Was ist stimmig für mich? Was tut mir wirklich gut?

10. Sie glauben nicht alles, was sie im Internet lesen.

Nur, weil’s irgendwo so steht, muss es noch lange nicht wahr sein. Nicht mal, wenn ich’s geschrieben habe (damn!). Selbstbewusste Menschen schlucken nicht alles. Sie prüfen es und hören auf das, was ihr Verstand und ihr Herz ihnen sagen. Und vielleicht bedeutet für sie echtes Selbstbewusstsein was ganz anderes als das hier.

Mehr dazu im myMONK-Buch Selbstwertgefühl – Wie es entsteht und wie Du es stärken kannst sowie im myMONK-Kurs STÄRKER – Mehr Selbstvertrauen in 7 Tagen. Siehe auch Wie Deine „inneren Eltern“ Dich gefangen halten – und wie Du Dich befreien kannst.

Photo: Pedro Ribeiro Simões