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Deine Wunden werden durch die Heilung zu einem kostbaren Besitz, zu kostbaren Perlen.
– Hildegard von Bingen

In Deine wahren Träume entdecken schrieb ich, wie uns die Erinnerung an unsere Kindheit dabei helfen kann, vergrabene Leidenschaften wieder frei zu schaufeln. Hier nun ein weiterer Weg, Deine Träume, Schätze und Gaben zu entdecken.

Dabei können wir uns den Perlen bedienen: sie entstehen, wenn eine Muschel verletzt wird und sich daraufhin Teile ihrer Schale Schicht für Schicht im Inneren der Muschel ablagern.

Weil Menschen keine Muscheln sind, läuft es bei uns etwas anders. Aber auch für uns können Verletzungen wertvoll wie dicke Perlen sein.

Die 2 Wege, mit Verletzungen umzugehen

Wir werden verwundet von den Eltern, Verwandten, Freunden und Fremden, von Krankheiten und dem Verlust, unsere Schale und oft auch unser Kern bluten und vernarben. Anders als die Muschel können wir uns dann entscheiden:

  • Wir verdicken und verhärten unsere Schale, um den Schmerz in uns nicht in unser Bewusstsein und für andere sichtbar nach außen dringen zu lassen und auf der anderen Seite weniger verletzbar zu sein, einen dickeren Panzer zu haben.
  • Oder: wir nehmen den Schmerz an, setzen uns mit den Verletzungen auseinander, versöhnen uns mit ihnen und mit uns selbst und heilen uns so. Wir hören auf, uns selbst dafür zu verurteilen, dass wir aufgrund der Verletzungen so sensibel oder unsensibel geworden sind und sehen: all unser Handeln sollte uns beschützen. Auf diese Weise stärken wir unseren Kern und können uns eher öffnen – statt uns noch mehr hinter unserer Schale zu verstecken. Je offener wir sind und je stärker unser Kern, umso mehr kann er strahlen.

Auf unsere Gaben stoßen

Wählen wir den zweiten Weg, können wir dabei auch auf unsere Gaben stoßen. Schließlich liegen sie oft in dem, was uns zugestoßen ist. Unser Leid macht uns empfänglich für das Leid der Anderen – sofern wir uns mit ihm auseinandersetzen, statt all unseren Schmerz zu betäuben und zu verdrängen. Außerdem haben wir gelernt, mit dem Leid umzugehen, uns vielleicht von ihm zu befreien und es als Antrieb für unser Leben und Tun zu nutzen. Mit dem, was wir dort gelernt haben, können wir andere Menschen in ähnlichen Situationen besser verstehen, ihnen zur Seite stehen und sie an die Hand nehmen, als jemand, der nichts als einen bunten Strauß an rein akademischen Lösungen kennt.

Haben wir es nicht unseren Schmerzen zu verdanken, dass wir anfingen, uns mit spirituellen Themen zu beschäftigen, uns Fragen zu stellen, statt nur die Antworten aus Medien, Wirtschaft und unserem Umfeld blind zu übernehmen? Und kann uns das Wissen, was wir so erworben haben, helfen, unseren Mitmenschen zu helfen?

Ohne die zwei Jahre, die ich mich in Leipzig weitestgehend allein in meiner Wohnung vergrub, nie vor morgens um 3 Uhr einschlafen konnte (und auch dann nur, wenn das Licht angeschalten war), ab und an Alkohol trank (was echt übel ist, ganz allein), mich für meine damalige Akne hasste und mein Studium verwahrlosen ließ wie einen hässlichen Hund, den niemand mehr haben will – ja, ohne diese Jahre hätte nicht nur die Schattenseite des Lebens, die Einsamkeit, die Unruhe, die Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit, weniger gut kennengelernt, sondern mich auch viel weniger auseinander gesetzt mit den Themen, über die ich heute schreibe, und über die mich mit Dir, lieber Leser, jetzt gerade in Kontakt treten kann.

Hätte mir damals jemand gesagt: Tim, Dir geht’s gerade echt lausig, aber daraus kann etwas Wertvolles entstehen, ich hätte ihm mit Anlauf in die Perlen getreten. Nein, stimmt nicht ganz, dafür hätte mir in dieser Zeit die Kraft und der Antrieb gefehlt, aber Du weißt schon, was ich meine. Erst im Rückblick wurde mir klar, wie wichtig diese Zeit für mich war und heute noch ist, denn aus ihr ist vieles entstanden, das ich nicht missen möchte.

Aus vielen Gesprächen und Mails höre und lese ich heraus: so geht es vielen Menschen – aus ihren blutigsten Verletzungen wurden die größten Schätze für sie und die Welt.

Wo liegen Deine tiefsten Wunden?

Und wie kannst Du sie nutzen, für Dein Leben und für Andere?

Siehe auch: Wie man seelische Wunden heilen kann. Und hier findest Du weitere 7 Fragen, die Dich zu Deiner Lebensaufgabe führen.

 

Photo:  Magdalena Roeseler