Neu im Podcast von myMONK: Ich schäme mich so. Und folgst Du myMONK schon bei Instagram?

Text von: Christina Fischer

Ich sehe selten fern, doch das Fernsehen hat eine Sache mit sich gebracht, deren Genialität ich anerkennen muss: Die Fernbedienung. Ein Knopfdruck und das nervige Geschnatter der Moderatorin verstummt. Ein weiterer und ein haarsträubendes Fußballspiel verwandelt sich in einen schnuckeligen Heimatfilm, bei dem die Welt noch in Ordnung ist. So eine Fernbedienung, denke ich mir oft, müsste es auch für Menschen geben. Wenn Kollegen lautstark die neueste Bachelor-Folge diskutieren, obwohl ich mich konzentrieren muss – ein Klick und es wäre selige Ruhe. Und während mir mein Mann vorhält, dass „jemand“ wieder das letzte Eis gegessen hat, bräuchte ich nur den Kanal zu wechseln und er würde mich mit Liebeserklärungen überhäufen.

Wenn ich jedoch noch etwas länger darüber nachdenke, dann wird dieses Gedankenspiel schnell zum Albtraum. Denn, wenn wir andere nach unserer Pfeife tanzen lassen können, dann geht das umgekehrt schließlich auch. Und auch wenn es keine Menschen-Fernsteuerung gibt, gibt es doch Menschen, die wissen, welche Knöpfe sie drücken müssen, damit andere tun, was sie wollen. Hier sind sieben solcher psychologischen Tricks, die dafür sorgen sollen, dass Du tust, was andere wollen, ohne dass Du es merkst.

1. Aussitzen

Vielleicht gehörst Du auch zu den Menschen, denen Stille unangenehm ist. Ich bin so jemand. Wäre ich Geheimagentin bräuchte der Bösewicht keine publikumswirksamen Foltermethoden anzuwenden. Er müsste mich nur schweigend anstarren und ich würde singen wie eine Nachtigall. Es gibt viele Menschen, die gerne mehr wissen wollen, als Du zu sagen bereit bist und diesen Kniff vielleicht schon kennen. Wenn Du also das nächste Mal eine neugierige Frage nicht beantworten, nicht mehr über Dich ausplaudern oder einfach nicht weiterreden willst, lass‘ Dich vom Anstarr-Angriff nicht in die Enge treiben. Im Zweifelsfall: einfach gehen.

2. Überspielen

„Tu einfach so, als wärst Du mega selbstbewusst, dann glauben es die anderen auch.“ Hast Du diesen Tipp auch schon mal bekommen? Aus psychologischer Sicht ist da tatsächlich etwas dran. Politiker, die große Reden schwingen und in Wirklichkeit vielleicht keinen Plan haben, Teenager, die auf dicke Hose machen, und eigentlich unsicher sind. Gebrauchtwagenverkäufer, die Dir eine Schrottkarre als Rennwagen verkaufen – sie alle scheinen der Beweis zu sein, dass das stimmt. Zwar kann Dir „Selbstbewusst-Spielen“ helfen, wenn Du mal Lampenfieber hast und Deine Unsicherheit überlisten willst. Anders liegt jedoch der Fall, wenn andere dadurch getäuscht und übers Ohr gehauen werden sollen. Zwar kannst Du nicht auf Anhieb wissen, ob das, was Dir jemand erzählt nicht doch nur heiße Luft ist. Wenn Du aber irgendwie ein komisches Gefühl bei der Sache hast, ist zumindest eine gesunde Skepsis angebracht.

3. Einschmeichelung

Jeder möchte gerne gemocht werden. Kein Wunder also, dass es an illustren Kniffen, um die Sympathie oder gar Liebe eines anderen zu erschleichen, nicht mangelt. Klatschzeitschriften raten beispielsweise oft, die Körperhaltung des Gegenübers nachzuahmen, den Kopf leicht zu neigen und mit höherer Stimme zu sprechen (signalisiert „Bitte rette mich, ich bin so verletzlich“) oder unauffällig den Arm des Gegenübers zu berühren. Im Grunde sind diese Manöver harmlos, solange das Schulterklopfen und Arm-Anfassen nicht zum Hinterngrabschen und Schlimmerem mutiert. Solltest Du ein solches Werben um Dich bemerken und kein Interesse haben, helfen möglicherweise nur klare Worte. Auch im Sinne desjenigen, der für Dich solche Verrenkungen macht.

4. Verwirrungstaktik

Wir alle werden ja so gerne gebraucht heißt es immer. Genau darauf baut die „Foot in the Door“-Strategie auf. Sie besagt: Sobald Dich jemand um einen kleinen Gefallen bittet („Hättest Du vielleicht noch etwas Salz?“), ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass Du im Anschluss auch für einen großen Gefallen offen bist („Könntest Du mir vielleicht schnell ein Siebengänge-Menü kochen?“). Zum Glück haben wir aber oft ein gutes Gespür dafür, wann ein Gefallen okay ist und wann da eigentlich etwas zu weit geht. Nämlich genau dann, wenn Du Dich nicht gut dabei fühlst. Dann wird es Zeit für ein deutliches „Nein“ – auch wenn es schwerfällt.

5. Dominanzverhalten

Du kennst sie sicher auch, diese Zeitgenossen, die so viel Autorität verströmen, dass Du Dich fast schon reflexartig auf den Rücken werfen und ihnen als Unterwerfungsgeste Deinen Bauch zeigen willst. Meistens gehören diese Menschen zur Gattung „Chef“. Dass die jedoch so eine große Überlegenheit ausstrahlen, hat oft mit ihrem Verhalten zu tun. Sie sitzen breitbeinig auf ihren Stühlen, um Raum einzunehmen, sprechen langsam und mit tieferer Stimme, zeigen Abwehrhaltungen wie verschränkte Arme.

Professor Robert M. Sapolsky fand bei seinen Forschungen mit Pavianen heraus, dass genau diese Art von Verhalten bei den anderen Mitgliedern der Gruppe zieht. Wie schaffst Du es nun, dass Dir die Knie nicht schlottern, kaum dass der große Zampano den Raum betritt? Eine Möglichkeit wäre, Dich einfach dafür zu entscheiden, ihn zu mögen. Das Prinzip dahinter nennt sich „Akzeptanzresonanz“ und bedeutet: Wenn wir jemanden sympathisch finden, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass das auf Gegenseitigkeit beruhen wird, weil wir dann einfach andere Signale senden.

6. Bombenentschärfung

Da hast Du endlich all Deinen Mut zusammengenommen, bist mit wehenden Fahnen ins Chef-Büro gestürmt, um nach einer Gehaltserhöhung zu fragen und dann das: Irgendwie geht Dir die Luft aus. Die Firma hat im Moment einfach nicht so viel Geld übrig (die Arme!), also leiderleiderleider geht das mit der Gehaltserhöhung nicht, heißt es. Und seltsamerweise hast Du dafür vollstes Verständnis. Erst nachdem die Tür hinter Dir zugefallen ist, regt sich leise Wut. Woran liegt das, dass unsere Resolution so schnell dahinschmelzen kann? Eine Möglichkeit wäre die, dass Dein Chef Taktiken beherrscht, die Situation schnell zu entschärfen. Das Jammern über die schlechte Finanzlage appelliert direkt an Dein Mitgefühl. Vielleicht setzt sich der Chef sogar neben Dich. Denn je näher uns jemand körperlich kommt, desto weniger bringen wir es übers Herz, hart zu bleiben. Vielleicht schmilzt Dein Herz mit diesem Wissen beim nächsten Mal aber nicht mehr ganz so schnell.

7. Bremsmanöver

Natürlich kannst Du Deinen bombensicheren Job kündigen und die Welt retten gehen. Na klar kannst Du Dich vegan ernähren. Und selbstverständlich kannst Du eine Meerschweinchenzucht aufziehen anstatt Kinder zu kriegen. Ist ja Dein Leben. Ist ja Deine Entscheidung. Sagen sie. Was aber im Hintergrund unausgesprochen und trotzdem für uns wahrnehmbar mitschwingt, ist: „Ist aber halt scheiße.“ Die wenigsten lässt es vollkommen kalt zu wissen, dass andere schlecht von ihnen und ihren Entscheidungen denken. Das ist ein Schlag in die Magengrube des Selbstwerts. In der Folge beginnen wir dann oft weiter um unsere Entscheidung zu kreisen, stellen sie in Frage, sind uns plötzlich gar nicht mehr so sicher.

Es kann aber sein, dass diese Aussage der anderen weniger mit der Richtigkeit Deiner Entscheidungen zu tun hat, sondern vielmehr mit ihnen selbst. Vielleicht sollst Du weiter Fleisch essen, schön weiter im Hamsterrad rotieren und auch gefälligst Kinder kriegen und genauso viele schlaflose Nächte haben wie sie. Damit sie nicht das Gefühl haben, sie machen etwas falsch oder ihnen entgeht etwas, bremsen sie lieber Dich aus. Damit Du nichts wagst, das sie sich vielleicht selbst nicht trauen und ihnen ihre eigene Feigheit und Trägheit vor Augen führst. Bruce Lee sagte: „Man greift nur den an, der den Ball hat.“ Wenn sich andere so viel Mühe damit geben, Dich auszubremsen, dann machst Du wahrscheinlich in ihren Augen etwas richtig.

Es gibt viele Knöpfe, die jemand drücken könnte, um Dich nach seiner Pfeife tanzen zu lassen. Wirklich fernsteuern kann Dich aber zum Glück niemand. Denn im Gegensatz zur Flimmerkiste hast Du einen eigenen Willen und kannst reagieren, wenn Du weißt, was vor sich geht.

Ich bin letztendlich auch froh, dass es diese Menschen-Fernbedienung nicht gibt. Das gelegentliche Gemecker über das letzte Eis ist mir dann doch tausendmal lieber als Milliarden Liebeserklärungen auf Knopfdruck. Denn das ist immerhin echt.

Mehr dazu unter 13 mächtige psychologische „Tricks“, die Du kennen solltest und unter Souverän bleiben: Die 5 besten Reaktionen auf unfreundliche Menschen.

Photo: Conversation von Jack Frog / Shutterstock