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„Erst im Wald kam alles zur Ruhe in mir, meine Seele wurde ausgeglichen und voller Macht.“

Knut Hamsun

Eingepferchtes Leben in Wohnungen, Autos und Zügen, in Supermärkten, Bürotürmen, Nagelstudios, Fitnessstudios, Arztpraxen, Krankenhäusern, sogar noch im Tod, im Sarg. Alles hinter Wänden, Mauern, Blechen, alles widernatürlich und eng, als würde sich die Henne von selbst in die Legebatterie hocken, den ganzen Tag.

Eingepferchte Körper haben eingepferchte Gedanken und Gefühle.

Wenn ich auf der Stelle trete, feststecke im ewig gleichen Hirn-Karussell, dann drängt es mich raus, in die Freiheit. Am liebsten in einen Park oder Wald. Wie so viele Deutsche genieße ich das Grün, das Rauschen, das Zwitschern und wie die moderne Welt stiller wird, Schritt für Schritt. Last fällt von mir ab. Ich kann wieder durchatmen.

Denn die Bäume können nicht nur Kohlenstoffdioxid in Sauerstoff umwandeln, sondern auch Stress in inneren Frieden und Zweifel in Stärke und Einsamkeit in das Gefühl, verbunden zu sein.

Wie uns Zeit in der Natur stärkt

Die Natur ist heilsam – für Körper und Geist. Das haben auch Wissenschaftler bewiesen:

  • Renate Cervinka, Umweltpsychologin von der Universität Wien, und ihr Team zeigten, dass Spazierengehen im Wald das Herz ruhiger schlagen lässt, den Blutdruck senkt und die Muskeln entspannen lässt.
  • Dabei verschwinden Anspannungen, Stress und Erschöpfung. Außerdem erscheinen uns positive Gefühle und Gedanken größer und wichtiger als solche, die uns zermürben.
  • Die heilende Kraft von Bäumen hat der Gesundheitswissenschaftler Roger Ulrich schon 1984 beobachtet. Einer Studie zufolge heilen Wunden bei Patienten nach einer Gallenblasenoperation schneller, wenn sie einen Baum durch ihr Krankenhausfenster sehen.
  • Später konnte der Mediziner Qing Li nachweisen, dass in Waldgebieten lebende Menschen in Japan deutlich weniger häufig an Krebs sterben.  Der Umweltpsychologe Marc Berman von der University of Chigago hingegen glich die Baumdichte innerhalb Torontos ab mit den Gesundheitsdaten der Bewohner. Je mehr Bäume in einer Wohngegend stehen, desto niedriger das Risiko für Diabetes, Bluthochdruck und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Eine besonders beeindruckende Erkenntnis von Forschern um Jo Barton von der University of Essex:

Nur fünf Minuten in der Natur heben die Stimmung deutlich und erhöhen das Selbstwertgefühl. Am meisten bei jenen von uns, die ständig gestresst sind.

Die Zeit im Grünen festigt auch unsere Resilienz, lässt uns also besser mit Belastungen umgehen.

Das muss übrigens kein Wald sein, auch Berge, Seen, das Meer können uns diese Ruhe schenken. Introvertierte Menschen fühlen sich einer Studie von Forschern der University of Virginia durchschnittlich wohler in den Bergen als Extrovertierte, die sich an weiten Stränden besser erholen (die Berge erleichtern den geschützten Rückzug, die Weite kommt der inneren Offenheit mehr entgegen).

Warum uns Zeit in der Natur stärkt – Eine Erklärung

Es gibt verschiedene Theorien dazu, warum uns Spaziergänge so gut tun. Die offensichtlichste ist: Natur ist natürlich, ist etwas, dessen Teil wir eigentlich sind und wo wir hingehören, auch wenn wir das häufig vergessen in unserem so oft unnatürlichen Leben.

Die Psychologen Rachel und Stephen Kaplan erklären die psychologischen Effekte des Waldes mit der „Attention Restoration Theory“. Nach ihr sind wir im städtischen Alltag ständig Reizen ausgesetzt und unser Gehirn muss den größten Teil dieser Reize abwehren, weil sie für unsere eigene Situation nicht entscheidend sind und uns sonst überfordern würden (die Sirene heult, aber es ist nur der Nachbar, der da abgeholt wird; die Werbeflächen schreien, aber wir brauchen gerade keinen lebensgroßen Deko-Plüsch-Sumoringer).

Jedenfalls kostet diese Reizabwehr eine Menge Kraft, ermüdet uns, macht uns fertig. In der Natur jedoch gibt es viel weniger Reize. Die Psyche darf sich erholen zwischen Vögeln und Blättern, Wolken und Bächen.

In der Stille können wir außerdem die Musik viel besser hören, die in uns spielt. „Wenn man in einen Wald eintritt, so ist es, als trete man in das Innere der Seele“, sagte Paul Claudel.

Ist ja klar, wo ich jetzt erst mal hingehe.

Siehe auch 5 Gründe, die Kunst des Alleinseins zu üben. Sowie das myMONK-Buch für mehr tiefes, dauerhaftes Selbstwertgefühl.

Photo: picccus