|18. Dezember 2012 12:01

7 Fragen, die Dich zu Deiner Lebensaufgabe führen

Was die Lebensaufgabe (Bestimmung, Berufung) ist und warum sie so wichtig für uns ist, hast Du vielleicht schon hier gelesen. Unter Wie man seine Lebensaufgabe in 30 Minuten findet habe ich eine Technik vorgestellt, die Dir die Augen öffnen und Tränen hinein treiben kann. Sie basiert auf der Sprache des Herzens. Weil nicht jeder etwas mit diesem Vorgehen anfangen kann, möchte ich Dir noch einen zweiten Weg vorstellen, wie Du Deine Lebensaufgabe finden kannst. Sie basiert auf beiden Sprachen, der des Herzens und der des Verstands. Wenn Du eher ein rationaler Typ bist, Dich die erste Übung nicht weitergebracht hat oder Du sie von Vornherein schon zu schräg fandst, um sie auszuprobieren, können Dir die folgenden Fragen helfen, Deine Lebensaufgabe mittels analytischer Betrachtung zu finden. Die Lebensaufgabe wird Dir Orientierung, Kraft und Halt geben, Dich an Orte führen, an die Du mit simplen Vorsätzen oder Zielen kaum gelangen wirst. Ohne Lebensaufgabe ist es sehr viel schwerer, über sich hinaus zu wachsen, die Welt zu verändern und Menschen in Dein Leben holen zu können, die selbst brennen, inspirieren, aus ganzem Herzen lieben und leben, etwas bewegen.

Wenn ich Artikel wie diesen lese mit einer Übung, von anderen Bloggern und Autoren, dann wandern meine Augen über den Text, ich nicke hier und da mit dem Kopf und denke „ja, stimmt, so ist das, er hat recht“.  Dann surfe ich weiter, ohne mir Zeit für die Übung genommen zu haben. Ich fühle mich so, als hätte ich etwas für mich getan, nur, indem ich den Text lese. Und vielleicht ist es auch so. Ganz sicher aber hätte ich viel mehr getan, hätte ich nicht anschließend gleich die nächsten dreißigtausend Texte gelesen, sondern mir Zeit genommen, für diesen einen, mit dieser einen Aufgabe. Das sehe ich dann, wenn ich mich in den seltenen Gelegenheiten wirklich mit den Fragen oder Aufgaben befasse. Wir sind zum Glück keine Schüler mehr (wenn Du, lieber Leser, doch noch zur Schule gehst: mein Beileid, doch auch diese Zeit geht vorbei ☺), es gibt keinen Lehrer, der uns irgendetwas aufträgt. Übrigens, hatte ich schon erzählt, dass mir mal ein Sportlehrer in den Hintern getreten hat, als ich einen Volleyball als Fußball benutzte? Ich glaube, dieser Typ war sich seiner Lebensaufgabe nie bewusst oder hat sie genauso mit Füßen getreten wie mich. Der kleine Penner. Egal, zurück aus der Schulzeit ins Jetzt, aus dem Alltag dorthin, wo so vieles auf Dich wartet, zum Weg Deiner Lebensaufgabe. Und zu den sieben Fragen. Nur Du kannst entscheiden, ob Du Dir die Zeit nimmst, sie wirklich zu beantworten. Auf dass sie Dir helfen mögen.

#1 Was tust Du mit Liebe, was liegt Dir am Herzen?

Womit verbringst Du Deine Zeit am liebsten, wenn Du frei bist?

Malen? Schreiben? Reden? Musizieren? Schneidern? Entwerfen? Skateboarden? Gärtnern? Basteln?

Oder, aus verschiedenen Blickwinkeln anders gefragt:

Wofür würdest Du Dich am liebsten ehrenamtlich engagieren, wenn Du es noch nicht tust?

Was würdest Du Deinen Mitmenschen am liebsten von Dir geben?

Worin wärst Du am liebsten die Nummer 1 auf der Welt?

#2 Worüber willst Du immer mehr wissen?

Gibt es Themen, über die Du immer mehr lernen willst. Themen, bei denen Du nie das Gefühl hast, jetzt mal genug zu wissen?
Schaust Du Dir eine Kochsendung nach der anderen an, liest immer wieder Bücher und Zeitschriften übers Heimwerken, Gesundheit, Sport, Spiritualität, Psychologie oder andere Wissenschaften, sprichst Du auf Partys immer gern über etwas, um vom Anderen mehr darüber zu erfahren?

Oder, anders gefragt: zu welchem Bereich würdest Du in einer Bibliothek gehen, wenn Du dort ein paar Stunden verbringen müsstest (Toilette und so zählen nicht)?

Was Dich so sehr interessiert und worüber Du mehr und mehr wissen willst, ist das, was nicht nur Dein Herz, sondern auch Dein Verstand liebt.

#3 Wann bist Du inspiriert und kreativ?

Gibt es Tätigkeiten, bei denen Schaffenskraft und gute Ideen nur so aus Dir heraussprudeln? Könnte es sein, dass sich bei diesen Tätigkeiten eine Pforte öffnet, durch die etwas durch Dich real wird, das größer ist als Du selbst?

Fließen etwa die Farbe, Noten, Rezepte, Geschichten, Gedichte eher von selbst aufs Papier als dass Du sie Dir mühsam ausdenken müsstest?

Was auch immer es ist, das Dich kreativ sein lässt, ist ein Zeichen. Ein großes sogar.

#4 Was fällt Dir immer wieder auf?

Wenn Du durch die Stadt läufst, fernsiehst oder im Büro bist – was fällt Dir dann immer wieder auf? Wie schlecht (oder auch fantastisch) die Schaufenster dekoriert sind, wie lieblos Eltern mit ihren Kindern umgehen, wie sehr die Menschen ihre Seele oder ihren Körper vernachlässigen, wie amateurhaft Werbetexte geschrieben werden oder wie lausig Deine Kollegen ihre Reden und Argumentationen aufbauen?

Sicher hast Du Dich schon mal gefragt, warum um alles in der Welt bestimmte Verhalten oder Ergebnisse nicht auffallen.

Das, was Dir regelmäßig ins Auge springt, das, was Du besser, schärfer und schneller siehst als die meisten anderen Menschen, all das können Hinweise auf Deine Lebensaufgabe sein.

Vielleicht gibt es ja einen Grund dafür, dass ausgerechnet Dir ausgerechnet diese Dinge auffallen?

#5 Wofür bekommst Du Komplimente?

So manche kleinen und großen Talente sind uns entweder nicht bewusst, oder wir stempeln sie vor uns selbst ab als „ach, das kann doch jeder“ oder „naja, so toll ist’s nun auch nicht geworden“. Komplimente von anderen weisen uns auf eigene Talente hin. Insbesondere solche Komplimente, die wieder und wieder auftreten.

Die Lebensaufgabe vereint immer zwei Dinge: Leidenschaft und Fähigkeit. Es reicht nicht, etwas gern zu tun. Da kann man die Welt noch so gern mit seinem Gesang zu einem besseren Ort machen wollen, wenn die Stimme selbst nach Jahren des Trainings lausig ist, kann dies nicht die Lebensaufgabe sein (vielleicht ist es dann eher das Komponieren und Songtexten).

Während die ersten Fragen überwiegend auf die Leidenschaften abzielten, sind Komplimente objektive Hinweise darauf, dass in einem etwas Großes schlummert (oder bereits erwacht ist).

#6 Was würdest Du tun, wenn Du wüsstest, Du könntest nicht scheitern?

Der Verstand kann unser Freund und unser Feind sein. Unser Freund, weil er uns von gefährlichen, unsinnigen Vorhaben abhält. Und unser Feind, weil er Gefahren und Unsinn oft falsch einschätzt und uns so auch von Vorhaben abhält, die uns wachsen lassen und unser Leben sowie die Welt schöner machen würden.

#7 Was willst Du in Deinem nächsten Leben tun?

Noch einen Schritt weiter geht diese Frage. Mit ihr umschleichst Du Deinen kritischen, mit Gehtnichts und Darfnichts und Sollnichts vollgestopften Verstand noch leiser. Die Frage, was Du im nächsten Leben gern tun würdest, kann Dir die Lebensaufgabe offenbaren, indem sie die Matschgedankenmaschinerie beruhigt, gewissermaßen lahmlegt. Denn er braucht sich bei dieser Frage nicht einschalten und Dich von vornherein abhalten, weil nach ihm ja allein Deine Ideen und Träume absoluter Schrott seien, die sich niemals umsetzen ließen.

Also: wenn Du Deine Augen schließt und Dir Dein nächstes Leben vorstellst … wie würdest Du es verbringen, wer würdest Du sein?

Und was davon ist auch für dieses Leben schon nicht ganz ausgeschlossen?

Demnächst ein Kaiser, Tiger oder Elefant oder eine Elfe zu werden ist vermutlich schwierig, aber welche Deiner Träume könntest Du schon in diesem Leben verfolgen?

(Für diese Frage geht mein Dank an Denise Kempen.)

Wenn Du mehr über die Lebensaufgabe wissen möchtest, könnte dieser Text interessant für Dich sein: Die 12 Schritte auf dem Weg der Lebensaufgabe.
  

 

 

Photo: Dhilung Kirat

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13 Kommentare

  • Hi Monk,

    da ich nun schon 2 Stunden damit verbringe, mich durch all die vielen Beiträge und Kommentare zu lesen und – wie ich feststellen muss – du dir ein umfangreiches Wissen (und vermutlich auch durch Eigenerfahrung) angeeignet hast, bin ich so motiviert, dass ich (übrigens zum 1.mal) selbst ein Kommentar schreibe.
    Schon oft über einige Jahre hinweg hab ich “Tests” mit mir durchgeführt, hab mich in mich hinein gespürt, vieles niedergeschrieben und mir unendlich viele Antworten gegeben.
    Es hat mich nicht weiter gebracht als bis zu der Erkenntnis, dass ich gescheitert bin in meinem Leben.
    Der Gründe dafür gibt es viele, man könnte auch sagen Ausreden, denn jeder Mensch hat seinen eigenen Schicksalsrucksack zu tragen und fühlt sich deshalb nicht als gescheitert.

    Deine 7 Fragen finde ich sehr gut!
    Ich selbst hab diese 7 Fragen und auch deine “12 Schritte auf dem Weg der Lebensaufgabe” vor Jahren in eine Frage verpackt:
    Was würde ich tun, wenn ich nur mehr 2-5 Jahre zu leben hätte?
    Auch hier würde ich so viel tun wollen wofür 5 Jahre wohl nicht ausreichen würden.

    Ich kenne viele meiner Stärken uns Schwächen und war trotzdem bisher unfähig, etwas daraus zu machen. Vielmehr hab ich den Kampf aufgegeben und hab aufgehört zu “funktionieren”.
    Jahrzehntelang Arbeit, Familie, Aktivitäten für Menschen in meinem Umfeld, grenzenlos positiv und gebend. Ich hab es geschafft, jetzt freier zu sein als die meisten Menschen die ich kenne – mein Leben und meine Zeit gehört zu 90% mir!

    Um zum Punkt zu kommen: Ich habe jetzt die besten Voraussetzungen mich zu entfalten und bin trotzdem unfähig, mich selbst zu disziplinieren, um mein Leben so zu gestalten, wie ich es mir wünschen würde.

    Mein Körper ist gesund, ich hab keine Geldsorgen, meine Kinder sind erwachsen und im Berufsleben, habe eine attraktive, mich liebende Partnerin. Kann es sein, dass jeder Mensch nur begrenzt Energie in seinem Leben zur Verfügung hat?

    Liebe Grüße Andreas

    • Hi Andreas,

      vielen Dank für Deine Zeilen. Und für Dein Lob an myMONK – zwei Stunden mit den Texten zu verbringen ist natürlich ein Riesenkompliment. Also dann zunächst mal herzlich willkommen hier!

      Dass Du gescheitert bist in Deinem Leben, das kann ich aus dem wenigen, was Du schreibst, überhaupt nicht herauslesen. Du bist auf der Suche, und auch wenn Du vielleicht nicht sichtbar weitergekommen bist, dann sicherlich unsichtbar. Vielleicht stehst Du kurz vor einem Durchbruch. Und vielleicht haben Dich die letzten Jahre Schritt für Schritt näher an ihn herangeführt. Vielleicht hat Deine Verzweiflung darüber, Deinen Weg noch nicht klar identifiziert zu haben, dazu geführt, dass Du in Zukunft vielen anderen helfen kannst, die sich in einer solchen oder einen ähnlichen Situation befinden.

      Wenn Du auf Deine Frage “Was würde ich tun, wenn ich nur mehr 2-5 Jahre zu leben hätte?” noch keine Antwort gefunden hast, die Dich berührt … wie wäre es dann mit einer anderen Frage? Die Frage mit den 2-5 Jahren führt zu einem Druck, der Dich eventuell lähmt, wie mir scheint.

      Worauf hättest Du Lust, was würdest Du liebend gern tun … und wie könnte schon heute oder spätestens morgen der EINE, ERSTE / NÄCHSTE Schritt in diese Richtung ausschauen?

      Das Ding mit den 2-5 Jahren mag für manche funktionieren, für mich persönlich tut er es nicht – das erdrückt mich. Genau wie das Thema “Lebensaufgabe” auch nicht der richtige Ansatz für jeden Menschen in jeder Situation ist. Könnte doch sein, dass Dir etwas weniger Druck und ein Blick einzig auf den heutigen oder maximal noch morgigen Tag gerade besser zu Dir passt?

      Hoffe, Du kannst was damit anfangen.

      Liebe Grüße

      Tim

      P.S.: Ich glaube durchaus, dass jeder Mensch nur begrenzte Energien hat. Aber es ist nicht wie mit dem Spruch, “1000 Schuss, dann ist Schluss”, der gegen die Selbstbefriedigung angewendet wurde – sondern eher auf den einzelnen Tag bezogen. Nein, es ist sicher eher so, dass kein Mensch gleichzeitig für einen Triathlon trainieren (wenn er unsportlich ist), eine Non-Profit-Organisation aufbauen (wenn er das noch nie gemacht hat) und Schachweltmeister werden kann. Wir alle haben begrenzte Energien, denke ich. Und das ist auch völlig in Ordnung.

    • Andreas,du scheinst mir ausgebrannt zu sein.Mir ging es auch so ähnlich.Versuche doch mal täglich neue Energien zu tanken mit Tai chi chun,Meditation,Gärtnern,yoga.Tue was für dich selbst.Du mußt lernen dich selber zu lieben,wieder einen Zugang zu dir selbst zu finden.Nicht immer nur kämpfen,die Schönheit in der Natur suchen,eine gute Körperhaltung üben damit die Energie fließen kann.Ich wünsche dir dass du findest was du suchst!

      • Hallo Birgit,

        danke für deine Antwort!

        Also mit dem ausgebrannt sein hast du absolut Recht!
        Genau das bescherte mir eine unbefristete Pensionierung, da ich plötzlich unfähig war, auch nur die einfachsten Dinge zu tun.

        Das mit dem Energie tanken ist so eine Sache – für viele Menschen wird Meditation, Yoga etc. der richtige weg sein, jedoch nicht für mich.
        Oft habe ich auch von Menschen gehört: “geh raus an die Luft, in die Natur” – und dann war ich an der Luft und in der Natur – und ich habe es als total sinnlos empfunden.

        Ich kenne mich selbst schon sehr gut und weiß, dass Lust und Freude die Triebfeder meines Lebens sind. An 2.Stelle kommt der Sinn und das Ziel (manchmal auch in umgekehrter Reihenfolge).

        Aber da es dir selbst auch mal so ergangen ist und du da wieder einen Weg raus gefunden hast glaub ich dir natürlich was du schreibst.

        Liebe Grüße

        Andreas

  • Hi Tim, ich lese deine Lebensaufgaben Artikel gerne mit, aber bei mir tut sich einfach nichts. Weder breche ich in Tränen aus, noch finde ich eine klare Antwort. Ich kann mich super für etwas begeistern dass ich denke – das ist es jetzt – und nach zwei Wochen meine Meinung ändern. Daher ist dieser emotionale Weg irgendwie versperrt, ich kann dem nicht vertrauen, es hat sich so oft als falsch erwiesen.
    Ich weiß, dass meine Aufgabe etwas kreatives sein muss. Design oder Musik, ich mache beides gerne, bekomme bei beidem Komplimente usw. Ich bin mir nicht sicher, was das richtige ist. Als Designer in einer Agentur sitzen bis spät abends – das kann ich mir nicht vorstellen. Aber ebensowenig als Musiker auf Tour gehen, oder im Studio CDs aufnehmen und eine Aufnahme hundertmal wiederholen. Oder als Musiklehrer arbeiten, das ist auch nicht gerade das, was ich will. Und: Diese ganze Unsicherheit – wo kommt mein Geld her – macht mich krank. Die Suche nach dem nächsten Auftrag, nach dem Erfolg und das den ganzen Tag an etwas hart arbeiten… ich weiß nicht. Mir gefällt das Tun, der Moment des Erschaffens ohne all diese stressigen Dinge drumherum. So habe ich also schon eine grobe Idee, was meine Aufgabe ist – etwas kreatives, gestalterisches – aber keinen Job, dessen Arbeitsbedingungen zu mir passen (Agentur mit Überstunden und Termindruck / Musikunterricht mit großen Gruppen von Kindern oder eben generell der enge Kontakt mit Menschen – ich bin gerne alleine und hab mein ruhiges Umfeld, da sehr introvertiert). Freude habe ich auch einfach nur beim rausgehen in die Natur, einfach nur laufen, sein, ohne etwas leisten zu müssen. Ich empfinde gerade alles als Druck – man muss etwas tun, man muss sich beweisen – was sagt man den Leuten was man macht, wenn man grade die Ausbildung beendet hat und weder nen Job hat, noch eine Idee, wie es weitergeht? Horror!
    Ist es nicht besser, einen vielleicht nicht so erfüllenden, aber sicheren Beruf zu haben und seine Hobbies eben als Hobbies zu machen? Sein Gesicht wahren und einen Job vorzeigen können und auch Geld zu haben?
    Und was die Lebensaufgabe betrifft: ich hätte mich gerne mal entschieden entweder Design/Zeichnen oder Musik (oder sogar Schriftstellertum), aber ich pendele immer hin und her und denke meine Energie reicht mir nicht aus, beides zu machen. Ich bewundere Leute, die sich einer Sache widmen aber ich bin extrem vielseitig. Ich hoffe, das ist vll auch für irgendwas gut. :/
    Sorry, dass ich so herumjammere. Musste das mal gesagt haben. Viele Grüße, Lisa

    • hallo lisa,
      ich bin jetzt zufällig wieder mal auf die mymonk-seite gegangen und hab deinen “beitrag” gelesen.
      eckhard hat etwas angesprochen, das wohl auch in meinem leben entscheidend war in der kindheit.
      ich weiß, dass ich so viele talente in mir trage – ich so vieles begonnen und alles immer wieder abgebrochen habe. ich bin beamter geworden und fühle mich als gescheitert (wie ich bereits in meinem beitrag geschrieben habe).
      aufgrund einer schweren krankheit im ersten lebensjahr habe ich mich langsamer als andere kinder entwickelt und hab wohl nichts anderes gehört als dass ich nichts kann (meinem alter entsprechend). und mit diesem leitsatz hab ich wohl mein ganzes leben gelebt.
      das was ich kann ist, mich in menschen hinein zu fühlen und sie glücklich zu machen, doch das brachte mir nicht mehr als eine kleine bestätigung, einen sinn im leben zu haben.

      alles liebe andreas

  • Hallo Lisa,

    es kann gut sein, daß du zu den nicht gerade wenigen Menschen gehörst, die wichtige Lernprozesse nicht zuende führen konnten, weil sie z.B von unwissenden Erwachsenen dabei massiv gestört bzw. unterbrochen wurden.

    Das geschieht öfter als man denkt; z.B steht ein Kind am Rand eines Spielfeldes und schaut einfach nur zu – mit großen Augen und offen stehendem Mund – wie ein Spieler im Zickzack durch die gegnerischen Reihen läuft, um dann einen Erfolgstreffer zu landen.

    Der danebenstehende Erwachsene sagt mittendrin so etwas wie “Mach´ den Mund zu, es zieht.”
    Was der Erwachsene wohl komisch findet, hat u.U. langfristige Konsequenzen auf das Kind:
    Es hat sich in dem Moment in einem total offenen, äußerst ressourcevollen Zustand befunden, wo es die Fähigkeit hatte highspeed-mäßig allen Input zu integrieren.
    Kommt jetzt dieser oder ähnlich geartete Kommentar vom Erwachsenen, wird dies ebenfalls als Teil des Lernens aufgefaßt und der ulimate Befehl erteilt, den Highspeed-Lernprozeß unvollendet zu lassen.

    Als eine Konsequenz wird sich das erwachsen werdende Kind später schnell für etwas begeistern können, es eine Zeit lang tun, und dann aber abrupt beenden.

    Eine mögliche Lösung für derartige Phänomene wäre, sich Hilfe von einem Coach oder Therapeuten zu holen, die einem helfen können, die damals nicht beendeten Lernprozesse zu vollenden. Viele Grüße, Eckhard

  • Hi Tim, deine Beiträge sind für mich das wertvollste, was es “hier” so zu lesen gibt. Und die Themen betreffen IMMER auf wundersame Weise genau jene Fragen, die gerade in meinem Leben eine große Rolle spielen.
    Gewissermaßen bist du für mich so etwas wie ein Engel..jedenfalls eine Lichtgestalt. Danke dafür!

    • Vielen Dank, liebe Marion. Freut mich, dass meine Texte Dir etwas geben – auch wenn ich sicher kein Engel und keine Lichtgestalt bin, ist es schön zu lesen, dass mein Zeug so oft Deinen Nerv trifft! LG Tim

  • Ich liebe die letzte Frage: Was würdest du im nächsten Leben gerne machen?! Die ist wirklich spitze!

    Ich kenn zwar meine Aufgabe für dieses Leben schon, aber die Frage an und für sich ist wirklich genial! :-)

  • Ich beschäftige mich gerade den ganzen Abend mit dieser Frage… Was könnte meine Lebensaufgabe sein?
    Zuerst habe ich den Artikel gelesen, mit dem man nach 30 Minuten seine Lebensaufgabe finden soll.
    Ich habe mir diese Aufgabe schon früher gestellt und es läuft immer gleich ab:

    Ich komme unheimlich schlecht drauf.

    Es kommt nämlich immer dabei heraus, dass ich am liebsten frei sein möchte. Ich möchte nichts mehr tun MÜSSEN, mich entscheiden können, was ich tun möchte.
    Ich möchte finanziell unabhängig sein, mich fortentwickeln durch gewisse Seminare und lernen. Lernen! Französisch, Violine spielen (wenn ich Violinen in einer bestimmten Tonart höre, muss ich meist weinen), Badminton, klettern – ich möchte mich spüren, selbst etwas erschaffen.
    Ich beschäftige mich meist damit, die Welt zu bestaunen, indem ich Bücher lese, in denen ich gedanklich weit weg reisen kann und mich in völlig neue Situationen und Gedankenwelten von Menschen herein träume. Ich mag gerne lernen, wie andere Menschen ticken. Ich studiere übrigens Sozialpädagogik by the way. Aber ich tue wenig für mein Studium, weil ich ständig Berichte schreiben muss, Maßnahmen planen und so weiter – das interessiert mich überhaupt nicht. Ich möchte lernen, wie das Leben funktioniert. Menschen. Dinge sehen.
    Als Kind bin ich, wenn ich es am Pc nicht mehr ausgehalten habe – dort habe ich meist Spiele gespielt, die mit Wachsen und Aufbauen fremder oder eigener Leben zu tun hatten, also freier Gestaltung des Lebens – in die Stadt gegangen und habe Dekoartikel bestaunt. Es war der glücklichste Moment meines Lebens, als ich nach der Schule an einem warmen Sommertag auf meinen Bus gewartet habe, über die Bordsteinkante balanciert bin und der Sonne in ihrem orangenen Licht beim Sonnenuntergang zugesehen und dabei ein Lied gesungen habe. So glücklich, mit so wenig.
    Oder wenn ich Bücher lese, die “wie Pralinen sind” – so nenne ich Bücher, die mir einen Schauer über die Wangen treiben, die mich mit süßer Zärtlichkeit erfüllen. “Eat pray love” (Elisabeth Gilbert), “Wie in einem Traum” (Ulli Olvedi), “Zusammen ist man weniger allein” (Anna Gavalda) – das erste davon kennst du sicher und die zweiten beiden möchte ich dir ganz dringend empfehlen – das sind Bücher, die mich glücklich machen.
    Auch bei Musik muss ich oft weinen. Such mal “Taimanes Toccata” bei Youtube und dann gibt es so viele andere, die mich zum Weinen bringen.
    Außerdem liebe ich es, mit den Siddha Yogis in meiner Nähe zu singen. Die sind so voller Begeisterung in Liebe beim Singen, dass ich auch dann weinen muss.
    (Du weißt nicht was Siddha Yoga ist? Das denkst du nur, eigentlich weißt du es: Es ist das “Pray” in “Eat Pray Love”. Elisabeth Gilbert schreibt über Siddha Yoga und unseren Guru Gurumayi Chidvilasananda und der Ashram in Indien ist in Ganeshpuri. Ich bin quasi mit dieser Glaubensgemeinschaft aufgewachsen. Wenn du “Siddha Yoga Eat Pray Love” bei google eingibst, wirst du sehen, dass ich Recht habe^^).
    Ich war auch glücklich, als ich mich mit einem Kumpel abends vor dem Kamin traf und über Spiritualität und das Leben philosophierte. Wir sind nachts auch in einen Wald gefahren abseits der Stadt und haben von dort den phantastischen Sternenhimmel betrachtet. Das waren wunderbare Zeiten.
    Bei meiner Familie fühle ich mich auch immer richtig, richtig wohl.

    Das Problem bei alledem ist nur: Ich genieße die Werke Anderer. Wie soll ich denn damit Geld verdienen?
    Allein der Gedanke stößt mich ab: Ich MUSS etwas tun, um Geld zu verdienen, um den Lebensstandart zu erreichen, der mich glücklich macht. Keine Freiheit.

    Leider hat für mich der Weg nicht funktioniert, im Augenblick glücklich zu sein. Meist fühle ich nur eine gewisse Unzufriedenheim im Leben, die ich mit Essen und Pc-Spielen stopfe. Weil ich weiß, dass sich meine Träume nur mit einem hohen Preis erkaufen lassen: Viel Zeit mit Dingen zu verbringen, die ich nicht möchte: Routiniert Geld verdienen. Leben um zu Arbeiten um zu leben.
    Ich genieße die kleinen Freuden des Lebens, mein Studium ist auch nicht allzu nervig, aber wenn ich mich dann damit beschäftige, was ich WIRKLICH im Leben wünschte, komme ich immer verdammt schlecht drauf.

    Eine weitere Dimension kommt dazu: Ich weiß nicht, ob ich mich nicht doch immer unzufrieden fühlen werde, denn ich hatte mal das Ziel, ein normales Leben führen zu können. Ich hatte einen Freund, der illegal in Deutschland war und für uns gab es nichts Besseres, als ganz normal zu leben. Mit ihm war ich mal glücklich, obwohl wir gemeinsam von 700€ lebten. Nun habe ich das, was ich damals wünschte, die Beziehung ist aber leider zerbrochen – und wenn ich dann darüber nachdenke, bin ich immer noch nicht mit meinem Leben zufrieden.

    In meinem Studium lerne ich gerade etwas über die rational-emotive Therapie (RET). Da geht es darum, dass rationale Gedanken glücklich machen und irrationale unglücklich. Vom Leben zu erwarten, dass man frei sein kann und die meiste Zeit des Lebens glücklich, ohne viele Dinge machen zu müssen, die man nicht möchte (profane Dinge wie die Wohnung putzen zum Beispiel) ohne viel Geld zu haben, erscheint mir einfach nicht möglich, ohne im Lotto zu gewinnen.
    Oder ein Buch zu schreiben, was viel Geld abwirft.
    Es gibt zwei Wege, glücklich zu sein: Übersteigerte Erwartungen irgendwie zu bedienen oder die Ansprüche herunter zu fahren und mit weniger zufrieden zu sein. Zweiteres hat bisher nicht geklappt. Zumal ich auch eine Mutter habe, die für mich ein Traumleben hat: Ausreichend Geld, einen liebevollen Partner, ständig im eigenen Wachstum, frei.

    Vonwegen Fähigkeiten: Ich denke jahrelang an einer bestimmten Geschichte herum und kann mich stundenlang damit beschäftigen, sie weiterzuträumen und Szenen immer wieder durchgehen, bis sie perfekt sind – aber das zu machen, nur um damit Geld zu verdienen? Ich weiß nicht. Es fällt mir nämlich schwer, sie aufzuschreiben, weil ich die Szenen danach durchdenke, welche Bedürfnisse ich gerade habe. Ich nutze sie, um Konflikte im Inneren kreativ zu verarbeiten. Manche Szenen widersprechen sich also auch. Es ist eine sehr persönliche Geschichte. Ich müsste sie wahrscheinlich für andere Menschen schreiben und umbauen und mich auf ein bestimmtes Gerüst festlegen. Wäre sie dann noch meine Geschichte, die für mich über längere Zeit stimmt? Würde ich damit nicht einen sehr intimen Teil meiner selbst zeigen? Möchte ich das?

    Bemerkst du mein Dilemma?
    Ich schäme mich übrigens für meinen Traum vom Leben. Er ist so unrealistisch. Natürlich versuche ich trotzdem, ihn irgendwie zu erreichen und tue viel, was ich nicht möchte (routiniert arbeiten, Dinge lernen die mich nicht interessieren, Berichte schreiben, sehr reduziert leben um die Studiengebühren bezahlen zu können, also insgesamt sehr unfrei sein).

    Mich würde sehr interessieren, was du davon denkst. Natürlich erhoffe ich mir auch, dass du mir irgendeine Anregung gibst, wie ich das erreichen kann, aber ich glaube irgendwie nicht, dass es eine Möglichkeit gibt.

    Mein schamvollster Gedanke ist: Ich möchte viel haben und wenig geben.
    Ist das wirklich so? Und bin ich nicht völlig arrogant darin, diesen Wunsch zu haben? Was ist mit dem Rest der Welt? Geht es mir im Vergleich nicht schon wahnsinnig gut? Klar, ich spüre das Leid der anderen Menschen nicht jeden Tag. Somit spüre ich nicht, wie glücklich ich mich schätzen kann. Ist es überhaupt legitim, sein Glück darauf aufzubauen, dass es anderen schlechter geht?
    Das wäre nämlich die Konsequenz aus dem klugen Gedanken “Nur durch den Vergleich wird man glücklich oder unglücklich. Es geht nicht um die Ereignisse ansich, sondern wie man darüber denkt”.

    Tja, während er 30-Minuten-Übung konnte ich nicht weinen. Auch Meditieren hat nicht geholfen. Während ich dir diesen Kommentar schrieb, hat es mit dem Weinen – im positiven Sinne! – aber genau an der Stelle geklappt, als ich gerade von dem Nachmittag an der Bushaltestelle während des Sonnenuntergangs schrieb.
    Also gehe ich aus der Übung doch etwas positiver heraus. Auch wenn es mich immer erst wieder herunter zieht.

    Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen, denn deine Gedanken dazu bedeuten mir etwas. Du schreibst sehr reflektiert und was du schreibst entspricht mir sehr oft. Irgendwie macht dich das zu einem Teil von mir, zu einem Geschenk von meiner Seele :-)

    Liebe Grüße,
    Sonnentänzerin

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