
Was die Lebensaufgabe (Bestimmung, Berufung) ist und warum sie so wichtig für uns ist, hast Du vielleicht schon hier gelesen. Unter Wie man seine Lebensaufgabe in 30 Minuten findet habe ich eine Technik vorgestellt, die Dir die Augen öffnen und Tränen hinein treiben kann. Sie basiert auf der Sprache des Herzens. Weil nicht jeder etwas mit diesem Vorgehen anfangen kann, möchte ich Dir noch einen zweiten Weg vorstellen, wie Du Deine Lebensaufgabe finden kannst. Sie basiert auf beiden Sprachen, der des Herzens und der des Verstands. Wenn Du eher ein rationaler Typ bist, Dich die erste Übung nicht weitergebracht hat oder Du sie von Vornherein schon zu schräg fandst, um sie auszuprobieren, können Dir die folgenden Fragen helfen, Deine Lebensaufgabe mittels analytischer Betrachtung zu finden. Die Lebensaufgabe wird Dir Orientierung, Kraft und Halt geben, Dich an Orte führen, an die Du mit simplen Vorsätzen oder Zielen kaum gelangen wirst. Ohne Lebensaufgabe ist es sehr viel schwerer, über sich hinaus zu wachsen, die Welt zu verändern und Menschen in Dein Leben holen zu können, die selbst brennen, inspirieren, aus ganzem Herzen lieben und leben, etwas bewegen.
Wenn ich Artikel wie diesen lese mit einer Übung, von anderen Bloggern und Autoren, dann wandern meine Augen über den Text, ich nicke hier und da mit dem Kopf und denke „ja, stimmt, so ist das, er hat recht“. Dann surfe ich weiter, ohne mir Zeit für die Übung genommen zu haben. Ich fühle mich so, als hätte ich etwas für mich getan, nur, indem ich den Text lese. Und vielleicht ist es auch so. Ganz sicher aber hätte ich viel mehr getan, hätte ich nicht anschließend gleich die nächsten dreißigtausend Texte gelesen, sondern mir Zeit genommen, für diesen einen, mit dieser einen Aufgabe. Das sehe ich dann, wenn ich mich in den seltenen Gelegenheiten wirklich mit den Fragen oder Aufgaben befasse. Wir sind zum Glück keine Schüler mehr (wenn Du, lieber Leser, doch noch zur Schule gehst: mein Beileid, doch auch diese Zeit geht vorbei ☺), es gibt keinen Lehrer, der uns irgendetwas aufträgt. Übrigens, hatte ich schon erzählt, dass mir mal ein Sportlehrer in den Hintern getreten hat, als ich einen Volleyball als Fußball benutzte? Ich glaube, dieser Typ war sich seiner Lebensaufgabe nie bewusst oder hat sie genauso mit Füßen getreten wie mich. Der kleine Penner. Egal, zurück aus der Schulzeit ins Jetzt, aus dem Alltag dorthin, wo so vieles auf Dich wartet, zum Weg Deiner Lebensaufgabe. Und zu den sieben Fragen. Nur Du kannst entscheiden, ob Du Dir die Zeit nimmst, sie wirklich zu beantworten. Auf dass sie Dir helfen mögen.
#1 Was tust Du mit Liebe, was liegt Dir am Herzen?
Womit verbringst Du Deine Zeit am liebsten, wenn Du frei bist?
Malen? Schreiben? Reden? Musizieren? Schneidern? Entwerfen? Skateboarden? Gärtnern? Basteln?
Oder, aus verschiedenen Blickwinkeln anders gefragt:
Wofür würdest Du Dich am liebsten ehrenamtlich engagieren, wenn Du es noch nicht tust?
Was würdest Du Deinen Mitmenschen am liebsten von Dir geben?
Worin wärst Du am liebsten die Nummer 1 auf der Welt?
#2 Worüber willst Du immer mehr wissen?
Gibt es Themen, über die Du immer mehr lernen willst. Themen, bei denen Du nie das Gefühl hast, jetzt mal genug zu wissen?
Schaust Du Dir eine Kochsendung nach der anderen an, liest immer wieder Bücher und Zeitschriften übers Heimwerken, Gesundheit, Sport, Spiritualität, Psychologie oder andere Wissenschaften, sprichst Du auf Partys immer gern über etwas, um vom Anderen mehr darüber zu erfahren?
Oder, anders gefragt: zu welchem Bereich würdest Du in einer Bibliothek gehen, wenn Du dort ein paar Stunden verbringen müsstest (Toilette und so zählen nicht)?
Was Dich so sehr interessiert und worüber Du mehr und mehr wissen willst, ist das, was nicht nur Dein Herz, sondern auch Dein Verstand liebt.
#3 Wann bist Du inspiriert und kreativ?
Gibt es Tätigkeiten, bei denen Schaffenskraft und gute Ideen nur so aus Dir heraussprudeln? Könnte es sein, dass sich bei diesen Tätigkeiten eine Pforte öffnet, durch die etwas durch Dich real wird, das größer ist als Du selbst?
Fließen etwa die Farbe, Noten, Rezepte, Geschichten, Gedichte eher von selbst aufs Papier als dass Du sie Dir mühsam ausdenken müsstest?
Was auch immer es ist, das Dich kreativ sein lässt, ist ein Zeichen. Ein großes sogar.
#4 Was fällt Dir immer wieder auf?
Wenn Du durch die Stadt läufst, fernsiehst oder im Büro bist – was fällt Dir dann immer wieder auf? Wie schlecht (oder auch fantastisch) die Schaufenster dekoriert sind, wie lieblos Eltern mit ihren Kindern umgehen, wie sehr die Menschen ihre Seele oder ihren Körper vernachlässigen, wie amateurhaft Werbetexte geschrieben werden oder wie lausig Deine Kollegen ihre Reden und Argumentationen aufbauen?
Sicher hast Du Dich schon mal gefragt, warum um alles in der Welt bestimmte Verhalten oder Ergebnisse nicht auffallen.
Das, was Dir regelmäßig ins Auge springt, das, was Du besser, schärfer und schneller siehst als die meisten anderen Menschen, all das können Hinweise auf Deine Lebensaufgabe sein.
Vielleicht gibt es ja einen Grund dafür, dass ausgerechnet Dir ausgerechnet diese Dinge auffallen?
#5 Wofür bekommst Du Komplimente?
So manche kleinen und großen Talente sind uns entweder nicht bewusst, oder wir stempeln sie vor uns selbst ab als „ach, das kann doch jeder“ oder „naja, so toll ist’s nun auch nicht geworden“. Komplimente von anderen weisen uns auf eigene Talente hin. Insbesondere solche Komplimente, die wieder und wieder auftreten.
Die Lebensaufgabe vereint immer zwei Dinge: Leidenschaft und Fähigkeit. Es reicht nicht, etwas gern zu tun. Da kann man die Welt noch so gern mit seinem Gesang zu einem besseren Ort machen wollen, wenn die Stimme selbst nach Jahren des Trainings lausig ist, kann dies nicht die Lebensaufgabe sein (vielleicht ist es dann eher das Komponieren und Songtexten).
Während die ersten Fragen überwiegend auf die Leidenschaften abzielten, sind Komplimente objektive Hinweise darauf, dass in einem etwas Großes schlummert (oder bereits erwacht ist).
#6 Was würdest Du tun, wenn Du wüsstest, Du könntest nicht scheitern?
Der Verstand kann unser Freund und unser Feind sein. Unser Freund, weil er uns von gefährlichen, unsinnigen Vorhaben abhält. Und unser Feind, weil er Gefahren und Unsinn oft falsch einschätzt und uns so auch von Vorhaben abhält, die uns wachsen lassen und unser Leben sowie die Welt schöner machen würden.
#7 Was willst Du in Deinem nächsten Leben tun?
Noch einen Schritt weiter geht diese Frage. Mit ihr umschleichst Du Deinen kritischen, mit Gehtnichts und Darfnichts und Sollnichts vollgestopften Verstand noch leiser. Die Frage, was Du im nächsten Leben gern tun würdest, kann Dir die Lebensaufgabe offenbaren, indem sie die Matschgedankenmaschinerie beruhigt, gewissermaßen lahmlegt. Denn er braucht sich bei dieser Frage nicht einschalten und Dich von vornherein abhalten, weil nach ihm ja allein Deine Ideen und Träume absoluter Schrott seien, die sich niemals umsetzen ließen.
Also: wenn Du Deine Augen schließt und Dir Dein nächstes Leben vorstellst … wie würdest Du es verbringen, wer würdest Du sein?
Und was davon ist auch für dieses Leben schon nicht ganz ausgeschlossen?
Demnächst ein Kaiser, Tiger oder Elefant oder eine Elfe zu werden ist vermutlich schwierig, aber welche Deiner Träume könntest Du schon in diesem Leben verfolgen?
(Für diese Frage geht mein Dank an Denise Kempen.)
Wenn Du mehr über die Lebensaufgabe wissen möchtest, könnte dieser Text interessant für Dich sein: Die 12 Schritte auf dem Weg der Lebensaufgabe.
Photo: Dhilung Kirat
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Hi Monk,
da ich nun schon 2 Stunden damit verbringe, mich durch all die vielen Beiträge und Kommentare zu lesen und – wie ich feststellen muss – du dir ein umfangreiches Wissen (und vermutlich auch durch Eigenerfahrung) angeeignet hast, bin ich so motiviert, dass ich (übrigens zum 1.mal) selbst ein Kommentar schreibe.
Schon oft über einige Jahre hinweg hab ich “Tests” mit mir durchgeführt, hab mich in mich hinein gespürt, vieles niedergeschrieben und mir unendlich viele Antworten gegeben.
Es hat mich nicht weiter gebracht als bis zu der Erkenntnis, dass ich gescheitert bin in meinem Leben.
Der Gründe dafür gibt es viele, man könnte auch sagen Ausreden, denn jeder Mensch hat seinen eigenen Schicksalsrucksack zu tragen und fühlt sich deshalb nicht als gescheitert.
Deine 7 Fragen finde ich sehr gut!
Ich selbst hab diese 7 Fragen und auch deine “12 Schritte auf dem Weg der Lebensaufgabe” vor Jahren in eine Frage verpackt:
Was würde ich tun, wenn ich nur mehr 2-5 Jahre zu leben hätte?
Auch hier würde ich so viel tun wollen wofür 5 Jahre wohl nicht ausreichen würden.
Ich kenne viele meiner Stärken uns Schwächen und war trotzdem bisher unfähig, etwas daraus zu machen. Vielmehr hab ich den Kampf aufgegeben und hab aufgehört zu “funktionieren”.
Jahrzehntelang Arbeit, Familie, Aktivitäten für Menschen in meinem Umfeld, grenzenlos positiv und gebend. Ich hab es geschafft, jetzt freier zu sein als die meisten Menschen die ich kenne – mein Leben und meine Zeit gehört zu 90% mir!
Um zum Punkt zu kommen: Ich habe jetzt die besten Voraussetzungen mich zu entfalten und bin trotzdem unfähig, mich selbst zu disziplinieren, um mein Leben so zu gestalten, wie ich es mir wünschen würde.
Mein Körper ist gesund, ich hab keine Geldsorgen, meine Kinder sind erwachsen und im Berufsleben, habe eine attraktive, mich liebende Partnerin. Kann es sein, dass jeder Mensch nur begrenzt Energie in seinem Leben zur Verfügung hat?
Liebe Grüße Andreas
Hi Andreas,
vielen Dank für Deine Zeilen. Und für Dein Lob an myMONK – zwei Stunden mit den Texten zu verbringen ist natürlich ein Riesenkompliment. Also dann zunächst mal herzlich willkommen hier!
Dass Du gescheitert bist in Deinem Leben, das kann ich aus dem wenigen, was Du schreibst, überhaupt nicht herauslesen. Du bist auf der Suche, und auch wenn Du vielleicht nicht sichtbar weitergekommen bist, dann sicherlich unsichtbar. Vielleicht stehst Du kurz vor einem Durchbruch. Und vielleicht haben Dich die letzten Jahre Schritt für Schritt näher an ihn herangeführt. Vielleicht hat Deine Verzweiflung darüber, Deinen Weg noch nicht klar identifiziert zu haben, dazu geführt, dass Du in Zukunft vielen anderen helfen kannst, die sich in einer solchen oder einen ähnlichen Situation befinden.
Wenn Du auf Deine Frage “Was würde ich tun, wenn ich nur mehr 2-5 Jahre zu leben hätte?” noch keine Antwort gefunden hast, die Dich berührt … wie wäre es dann mit einer anderen Frage? Die Frage mit den 2-5 Jahren führt zu einem Druck, der Dich eventuell lähmt, wie mir scheint.
Worauf hättest Du Lust, was würdest Du liebend gern tun … und wie könnte schon heute oder spätestens morgen der EINE, ERSTE / NÄCHSTE Schritt in diese Richtung ausschauen?
Das Ding mit den 2-5 Jahren mag für manche funktionieren, für mich persönlich tut er es nicht – das erdrückt mich. Genau wie das Thema “Lebensaufgabe” auch nicht der richtige Ansatz für jeden Menschen in jeder Situation ist. Könnte doch sein, dass Dir etwas weniger Druck und ein Blick einzig auf den heutigen oder maximal noch morgigen Tag gerade besser zu Dir passt?
Hoffe, Du kannst was damit anfangen.
Liebe Grüße
Tim
P.S.: Ich glaube durchaus, dass jeder Mensch nur begrenzte Energien hat. Aber es ist nicht wie mit dem Spruch, “1000 Schuss, dann ist Schluss”, der gegen die Selbstbefriedigung angewendet wurde – sondern eher auf den einzelnen Tag bezogen. Nein, es ist sicher eher so, dass kein Mensch gleichzeitig für einen Triathlon trainieren (wenn er unsportlich ist), eine Non-Profit-Organisation aufbauen (wenn er das noch nie gemacht hat) und Schachweltmeister werden kann. Wir alle haben begrenzte Energien, denke ich. Und das ist auch völlig in Ordnung.
Hallo Tim,
danke für deine ausführliche Antwort.
Du hast mir damit schon wieder einen Schritt weitergeholfen.
Liebe Grüße Andreas
Andreas,du scheinst mir ausgebrannt zu sein.Mir ging es auch so ähnlich.Versuche doch mal täglich neue Energien zu tanken mit Tai chi chun,Meditation,Gärtnern,yoga.Tue was für dich selbst.Du mußt lernen dich selber zu lieben,wieder einen Zugang zu dir selbst zu finden.Nicht immer nur kämpfen,die Schönheit in der Natur suchen,eine gute Körperhaltung üben damit die Energie fließen kann.Ich wünsche dir dass du findest was du suchst!
Hallo Birgit,
danke für deine Antwort!
Also mit dem ausgebrannt sein hast du absolut Recht!
Genau das bescherte mir eine unbefristete Pensionierung, da ich plötzlich unfähig war, auch nur die einfachsten Dinge zu tun.
Das mit dem Energie tanken ist so eine Sache – für viele Menschen wird Meditation, Yoga etc. der richtige weg sein, jedoch nicht für mich.
Oft habe ich auch von Menschen gehört: “geh raus an die Luft, in die Natur” – und dann war ich an der Luft und in der Natur – und ich habe es als total sinnlos empfunden.
Ich kenne mich selbst schon sehr gut und weiß, dass Lust und Freude die Triebfeder meines Lebens sind. An 2.Stelle kommt der Sinn und das Ziel (manchmal auch in umgekehrter Reihenfolge).
Aber da es dir selbst auch mal so ergangen ist und du da wieder einen Weg raus gefunden hast glaub ich dir natürlich was du schreibst.
Liebe Grüße
Andreas