Neu im Podcast von myMONK: Ich schäme mich so. Und folgst Du myMONK schon bei Instagram?

Was willst Du mit Deinem Leben anfangen?

Unter Warum Du Deine Lebensaufgabe kennen solltest schrieb ich über die Wichtigkeit einer „Lebensaufgabe“, „Bestimmung“ oder „Berufung“, unter Wie Du Deine Lebensaufgabe in 30 Minuten finden kannst und unter 7 Fragen, die Dich zu Deiner Lebensaufgabe führen gab’s Übungen dazu.

Seitdem erreichten mich viele Kommentare und Mails zu diesem Thema. Von Menschen, die ihre Aufgabe längst kannten oder mithilfe der Texte eine Antwort fanden … aber auch von vielen, die durch die Übungen keinen Zentimeter vorankamen. Entweder, weil ihnen tausend mögliche Antworten in den Sinn kamen oder nicht mal der Hauch einer einzigen. Manchmal fragten sie: „Ich finde meine Aufgabe nicht, was mache ich falsch?“, manchmal sogar: „Ich kenne meine Aufgabe nicht … ist mein Leben vielleicht sinnlos?“.

All das nur wegen eines Konzepts – wer weiß schon sicher, ob wir überhaupt eine Bestimmung haben, und wenn ja, welche? Ich persönlich mag dieses Konzept, weil die Lebensaufgabe Kompass in der unendlichen Weite, Halt in harten Zeiten und Kraftquell über lange Strecken sein kann. Sein kann, nicht muss. Wie ich sehen musste, kann das Konzept ebenso eine böse Falle sein, uns in die Irre führen, einkerkern und verzweifeln lassen.

Wenn Dir die Lebensaufgabe weiterhilft – sehr gut!

Wenn sie Dir nicht weiterhilft – genauso gut!

Warum Du keine Lebensaufgabe brauchst

„Lebensaufgabe“ klingt danach, als müsste man eine fertige und endgültige Antwort finden. Jetzt! Eine, die sich nie ändert. Kein Wunder, dass das ziemlich schwierig ist … was für ’ne Entscheidung. Willst Du Delphine retten, bis Deine Asche irgendwann im Meer verstreut wird? Oder Deine ganze Kraft in den Aufbau eines Yoga-Unternehmens, einer Gartenzwerg-Fabrik oder eines Porno-Imperiums stecken (ggfs. kombiniert mit Gartenzwergen, könnte ne jungfräuliche Fetisch-Nische sein), bis die Lampen ausgehen?

Echt schwer zu sagen, für viele von uns. Selbst dann, wenn die Lebensaufgabe breiter gesteckt und damit dehnbarer wird à la „Ich will Menschen helfen, ihr Potenzial auszuschöpfen“, hat sie zugegebenermaßen ihre Tücken.

Ich selbst zweifle manchmal, ob das ganze Berufungsthema überhaupt berechtigt ist – oder nicht für die meisten Leute zwangsläufig ein Mythos ist und bleiben muss. Mal hilft mir der Gedanke an eine Berufung, mal scheint er für mich zu verblassen wie das alte T-Shirt aus meinen lange zurückliegenden, unrühmlichen Zeiten als Hobby-Vereinsfußballer (Position: Auswechselspieler).

Gegen die Suche nach der Lebensaufgabe spricht:

  1. Für manche Menschen fühlt sich JEDE ausformulierte Lebensaufgabe falsch und irgendwie aufgezwungen an. Sie kneift und zwickt dann und zwingt, den Bauch und das Herz einzuziehen.
  2. Manche Menschen haben so vielfältige Interessen und Fähigkeiten, dass es ein Jammer wäre, würden sich diese „Multipotentials“ auf eine Sache begrenzen.
  3. Wir neigen dazu, eine Aufgabe als die unsrige zu ernennen, die das Ego und die gesellschaftlich akzeptierten Tugenden füttert („Oh, was bin ich n toller Mensch, ich will die Welt verbessern!“).  Aber wer sagt, dass die Berufung unbedingt die Welt verbessern muss? Wie Harold Whitman (ein Pseudonym; niemand weiß, wer dahinter steht) sagte: „Frage dich nicht, was die Welt braucht. Frage dich, was dich lebendig werden lässt und dann geh los und tu das. Was die Welt nämlich braucht, sind Menschen, die lebendig geworden sind.“ Und selbst wenn die Lebensaufgabe nicht mal das bräuchte …
  4. Nicht alle Fragen, die wir Menschen uns stellen, können und müssen beantwortet werden – wir können uns aber ewig mit ihnen aufhalten, sie als Ausrede nutzen, um jahrelang keinen Schritt voran zu gehen: „Solange ich meine Bestimmung nicht kenne, mach ich gar nichts!“. Vielleicht hat wirklich jeder von uns eine bestimmte Aufgabe, gottgegeben oder wie auch immer, aber keine Chance, sie klar zu sehen.
  5. Sie kann uns blind machen für Chancen, die nicht in unsere Definition passen. Tunnelblick ins Leere.
  6. Halten wir die Definition hingegen zu weit oder ändern sie immer wieder, wird sie überflüssig. Da wir alle wachsen, je älter wir werden, kann sich auch unsere Antwort auf die Frage nach der Bestimmung verändern.
  7. Wichtig ist vor allem, was wir tun – unsere Taten tragen eine weitaus größere Handschrift als sämtliche Überlegungen im stillen Kämmerlein. Die Taten sind es auch, die Früchte hervorbringen und uns am besten motivieren können weiterzumachen.
  8. Die Frage kann uns im schlimmsten Fall in echte Krisen stürzen („Ist mein Leben sinnlos, weil ich keine Lebensaufgabe habe?“).

Und der 9. und wichtigste aller Gründe, aus denen Du keine Lebensaufgabe brauchst:

An Dir ist nichts mangelhaft.

Du brauchst nichts leisten oder erfüllen – Du bist so oder so wertvoll.

Dein Leben allein ist purer Sinn und bedeutend.

Du kannst es auch einfach so auskosten. Und auch jenseits einer Lebensaufgabe eine Wagenladung großartiger Dinge erreichen, wenn Du Lust darauf hast.

Was soll ich mit meinem Leben anfangen – ohne Lebensaufgabe?

Wenn es das Konzept der Lebensaufgabe nicht ist … wie finden wir dann eine Antwort auf die Frage, was wir um Himmels Willen mit unsere Zeit auf der Erde anfangen sollen?

Bei mir war’s so: ich hab mich erst nach dem Start von myMONK intensiv mit dem Thema Lebensaufgabe beschäftigt und es nachträglich sehr passend gefunden für das, was schon da war. Das hat mir auch Kraft gegeben, ein Fundament gelegt über den brüchigen Boden, etwas Magisches, irgendwie. Am Anfang ist so ein Projekt wie die Seite, die Du gerade liest, einfach nur ne Schweinearbeit – und keine Sau klickt einen an. Man schreibt ins Leere, keine Leser, kein Feedback, kein Garnichts. Da braucht man einen Atem, länger als die Beine eines Supermodels auf High Heels. Apropos Supermodel, sagte ich schon: Du bist toll, Du bist wertvoll, egal was Du tust oder warum. „Du bist aus Gold“, heißt’s in einem Lied des österreichischen Rappers Materia.

Jedenfalls: angefangen hat myMONK noch vor der Frage nach der Lebensaufgabe. Ich war bereits seit einem Jahr oder so selbstständig und lebte von anderen Webseiten. Erfüllt haben die mich nicht völlig. Etwas fehlte mir, etwas Wichtiges, die Leidenschaft, der Grund, morgens aus dem Bett zu springen als hätte jemand n Eimer kaltes Wasser über mir ausgeschüttet. Ich begann, mir darüber den Kopf zu zerbrechen, was ich tun will. Dass es eine weitere Internetseite sein musste war klar – ich mache das schon eine Weile und kann mir für mich einfach nichts Passenderes vorstellen. Nur, worum sollte sie sich drehen, diese weitere Seite?

Ein paar Wochen kreiste die Frage in meinem Kopf, manchmal dachte ich, sie würde ihn gleich sprengen.

Und irgendwann kam ich auf die Antwort.

Nein, die Antwort kam auf mich zu.

Nein, sie war schon länger da, ich musste sie nur zulassen.

Schon seit vielen, vielen Jahren interessieren mich Persönlichkeitsentwicklung und Spiritualität. Warum nicht einfach mal damit loslegen? Ich begann, lauter Artikel von anderen Blogs und Portalen, die mir gefielen zusammenzusuchen und hier zu verlinken. Die ersten Besucher kamen, so vereinzelt, dass ich sie alle persönlich hätte begrüßen und bekochen können. Dann interviewte ich etliche Mönche, Yogis, Coaches und Therapeuten für Die myMONK-Essenz. Erst nach einem halben Jahr traute ich mich, regelmäßig eigenes Zeug zu schreiben. Und erst ab dann ging’s spürbar bergauf.

Naja, so entstand myMONK. Etwas, das mir mehr und mehr Spaß macht, an dem ich wachse und das dem einen oder anderen zu helfen scheint.

Die Seite kam nicht auf die Welt, indem ich nach meiner Lebensaufgabe fragte; ich fragte danach, worauf ich zurzeit Lust habe. Keine Ahnung, was passiert wäre, hätte ich erst eine definitive Antwort zu meiner Bestimmung abgewartet. Nein, die Antwort hat sich, wenn überhaupt, gezeigt nachdem ich losgegangen bin.

Also, wenn Du gerade feststeckst, warum nicht einfach mal loslaufen, in irgendeine Richtung, die Dich interessieren könnte. Der Rest ergibt sich dann schon.

Was ist mit Dir – glaubst Du an die Lebensaufgabe? Hast Du sie gefunden? Oder ist es an der Zeit für Dich, erst mal nicht weiterzusuchen, sondern einfach mal was auszuprobieren?

 

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