Neu im Podcast von myMONK: Ich schäme mich so. Und folgst Du myMONK schon bei Instagram?

„Ich will glücklicher sein“, denke ich, und dann denke ich an die Dinge, die mir dazu fehlen. An drei Jahre am Strand oder drei Millionen auf dem Konto oder dreimal mehr Leser hier auf myMONK. An makellose Gesundheit, an einen Ehrendoktortitel (ich würde irgendwann gern in Wartezimmern als „Dr. Tim, bitte“ aufgerufen werden). Daran, dass ich einen Raum betrete und sich alle umdrehen und jubeln, einfach so, weil ich sie mich so toll finden.

Ich frage also: „Was fehlt?“ und nehme in Gedanken einen Stift in die Hand und füge dem Bild, das mein Leben ist, etwas hinzu.

Das tun die meisten von uns. Und das ist auch, was uns viele Experten raten: Such Dir einen neuen Job oder Partner, kauf Dir einen Hamster.

Minus-Rechnen im Kopf

Wissenschaftler haben nun einen anderen Weg zum Glück gefunden. Einen, bei dem wir nicht ständig den faden Geschmack von Mangel im Mund haben, weil das Leben wie es jetzt ist, weniger bietet als die Fantasie.

Dieser andere Weg lautet: nichts hinzufügen, sondern etwas wegnehmen. „Mentale Subtraktion“ nennen sie‘s, Minus-Rechnen im Kopf.

Dazu fragen wir nicht: „Was fehlt?“

Sondern: „Was wäre, wenn etwas Positives, das wir schon in unserem Leben haben, auf einmal fehlen würde?“

Statt einen Stift nehmen wir also einen Radiergummi in die Hand und stellen uns das Leben ohne diesen positiven Faktor vor.

Besser als gewöhnliche Dankbarkeit

In Studien kam heraus, dass Menschen, die diesen Weg praktizierten:

  • Glücklicher sind als die, die‘s nicht tun
  • Ihre Beziehungen mehr genießen, indem sie sich ihr Leben ohne ihren Partner vorstellten (funktioniert nur bei intakten Beziehungen)
  • Achtsamer waren, den Alltag bewusster erleben, die vielen kleinen und großen Erlebnisse, die uns jeder Tag schenkt (Sonne auf der Haut, Blätter, die im Wind rascheln, Vögel, die singen, das Lächeln der Kollegin, die gelungene Arbeit)
  • Mehr Glück und Dankbarkeit verspüren als jene, die sich nur direkt auf das Positive konzentrierten, sich also fragten: „Wofür bin ich dankbar?“ oder „Was in meinem Leben ist gut?“

Die mentale Subtraktion geht tiefer als jede herkömmliche Dankbarkeit. Weil sie sich von hinten anschleicht, uns erschrickt, am scheinbar Selbstverständlichen rüttelt und es damit wieder präsent und kostbar macht.

Die Technik

Dazu gibt es eine kleine Übung. Sie wirkt am besten, wenn Du die Antworten aufschreibst (geht aber auch so):

  1. Wähle etwas Gutes aus Deinem Leben, etwas, das Dir am Herzen liegt. Ein Freund vielleicht oder Dein Partner und wie er Dich unterstützt, Dein Kind, Hund, Haus, Boot, Bunker, Klunker, Beruf, Deine Gesundheit, Deine Spaziergänge, die Zeit mit Deinem Hobby.
  2. Stell Dir Dein Leben ohne diese gute Sache vor. So klar und genau wie möglich. Du in diesem Bild (oder Film) ohne sie oder ihn oder es. Wie würde sich Dein Leben unterscheiden, wie anders wären Deine Tage, Wochen oder Wochenenden, Monate und Jahre ohne sie/ihn/es? Wie fühlst Du Dich bei dem Gedanken?
  3. Atme tief und langsam ein und aus, komm‘ zurück ins Jetzt. Wie fühlt sich diese gute Sache in Deinem Leben nun an, nach dieser kleinen Übung?

Wir brauchen nichts Neues, nicht mehr von irgendetwas, um glücklicher zu sein. Und das ist doch eine wunderbare Nachricht.

Es insgesamt lockerer anzugehen, ist ebenfalls immer eine gute Sache – siehe 5 Mantras, um die Dinge nicht mehr so persönlich zu nehmen. Mehr zur Dankbarkeit findest Du hier: Du hast nur 5 Minuten am Tag Zeit, um Dein Leben zu verändern? Forscher empfehlen DAS.

Photo: Sjoerd Lammers