Neu im Podcast von myMONK: Ich schäme mich so. Und folgst Du myMONK schon bei Instagram?

Ich will Vegetarier werden.

Dafür brauche ich eure Hilfe.

Lasst uns aber vorher kurz auf mein bisheriges fleisch-fröhliches Leben zurückschauen.

Nicht Milch und Honig fließen in Bächen durch mein Schlaraffenland, sondern Zwiebelmettwurst und Schweinebraten

… und ich träume davon, wie ich in Slow-Motion mit offenem Mund und strahlenden Augen hineinspringe.

Meine Lieblingsspeisen, vom Kindesalter bis heute: Spaghetti mit Tomatensauce und Jagdwurst. Schweineschnitzel mit Kartoffeln und Blumenkohl. Mit Hackfleisch gefüllte Paprikaschoten. Hamburger. Noch mehr Hamburger. Ach komm, ein Hamburger geht noch. Ente, Gans oder Schweinebraten mit Knödeln. Brot mit Butter und Zwiebelmettwurst. Currywurst.

Ich liebe den Geschmack von Fleisch.

Zuhause hat immer mein Vater – sehr gut – gekocht. Meine Familie aß und isst wie die meisten größtenteils sehr gern Fleisch, zumindest verwehrt sich ihm niemand. Deswegen fühlt sich auch der bloße Gedanke, wie ich dem Fleischverzehr den Rücken kehr’, an wie ein mittelschwerer Verrat an meiner Familie.

Außerdem essen fast alle meine Freunde sehr gern Fleisch. Und deren Freunde. Soll heißen: ich bin mit Fleisch aufgewachsen und bis heute davon umgeben. Die allermeisten Menschen in meinem Leben würden bei der Wahl zwischen einem BigMac und irgendwelchem Gemüse ihre Zähne sofort in den öligen Burger rammen. Ich auch, bis jetzt zumindest.

Natürlich kenne ich die Bilder von Tieren, die unter Qualen verwurstet werden und scheibenweise auf meinem Teller landen und meine Brötchen bedecken oder selbst von Sauce bedeckt sind. Die abartig überfüllten Batterien mit Legehennen, die zusammengepferchten, kranken Schweine und Kühe. Die doch viel zu oft leidvollen Schlachtungen, bei denen es mir kalt den Rücken herunterläuft.

Deswegen habe ich seit Jahren Gewissensbisse, wenn ich Tiere esse, ich habe nämlich auch für lebendige Tiere große Sympathien (meistens habe ich das schlechte Gewissen zusammen mit dem Fleisch heruntergeschluckt, so gut es eben ging).

Deswegen habe ich mir einige Monate lang nur einen Fleischtag pro Woche genehmigt (fiel mir schwer, bald wieder aufgegeben).

Deswegen kaufe ich seit ein paar Jahren nicht nur Bio-Eier, sondern auch das irreführende „Bio“-Fleisch im Supermarkt (das deutlich teurer, jedoch nicht deutlich humaner ist).

Oft konnte ich damit mein schlechtes Gewissen etwas besänftigen, aber verstummt … nein, verstummt ist es nicht.

Das alles waren faule Kompromisse. Und damit soll jetzt Schluss sein.

Also heißt es nun:

Ich will Vegetarier werden.

In diesem Jahr. 2014. Das Jahr, in dem ich 30 werde und mich nicht nur endlich mehr um meine Gesundheit sorgen, sondern auch mit meinem Verhalten im Reinen sein will.

Diese Zeit, das ganze 2014, gebe ich mir, weil ich meine Strategie noch nicht kenne. Vielleicht funktioniert ja stückweises Reduzieren besser als eine Hauruckaktion. Vielleicht sollte ich Fisch erst später von meinem Speiseplan streichen.

Auch wenn ich noch nicht tief in die Materie eingestiegen bin, so viel ist mir schon klar geworden:

Es gibt sicher Argumente für und Argumente gegen das Essen von Tieren. Und womöglich gibt es regionale Produkte, bei denen die Tiere gut leben und sterben können.

Aber ich will trotzdem ganz auf Fleisch verzichten, statt nur noch ausgewähltes Fleisch zu essen. Warum?

Erstens bin ich mir nicht sicher, ob ich den Verzehr von Fleisch okay finde – egal wie das Tier gelebt hat, bevor es für mich sterben musste. Im Zweifel bin ich die letzten Jahre immer sehr gut damit gefahren auf mein Herz zu hören. Und das schreit: nein. Keine Tiere mehr auf meinen Teller.

Zweitens fällt mir konsequente Veränderung leichter. Als ich das erste Mal mir dem Rauchen aufhörte, dachte ich irgendwann, eine einzige Zigarette wäre doch gerade super, da passiert schon nichts. Aus einer Zigarette wurde eine Packung wurden weitere Packungen wurde erneut eine starke Sucht. Beim Essen ging es mir ähnlich, so wie mein einstiger einmal wöchentlicher Fleischtag schnell passé war und dem täglichen Konsum wich. Und es würde mir auch wieder ähnlich ergehen: da mache ich eben mal ne Ausnahme, im Restaurant, oder bei der Familienfeier, oder betrunken in der Nacht im McDonalds. Und schon folgen weitere Ausnahme, bis der Verzicht auf Fleisch wieder die Ausnahme ist.

Als Zwischenschritt kann ich mir vorstellen, erst mal weniger Fleisch zu essen, aber auf Dauer funktioniert das vermutlich für mich.

Langfristig bevorzuge ich für mich schwarz auf weiß: weder Fisch noch Fleisch.

Und dafür brauche ich Deine Hilfe

Wenn Du zu den vielen Vegetariern unter den myMONK-Lesern gehörst, kannst Du mir helfen.

Wie?

Mit moralischem Beistand ☺ – und mit Antworten auf diese Fragen:

  • WARUM bist Du Vegetarier? Und welche Bücher und Filme haben Dir bei Deiner Entscheidung geholfen, keine Tiere mehr zu essen? Ich lese gerade „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer und kann weiteren Stoff gut gebrauchen.
  • WIE bist Du Vegetarier geworden – von heute auf morgen oder Schritt für Schritt?

Ich freu mich sehr über eure Antworten.

UPDATE VOM 19.02.2016 // 10 DINGE, DIE ICH IN 2 JAHREN ALS VEGETATIER GELERNT HABE

 

Photo: Mark Rain