Neu im Podcast von myMONK: Ich schäme mich so. Und folgst Du myMONK schon bei Instagram?

Text von: Johanna Wagner

Ich bin müde und ausgelaugt, unterfordert im Job und überfordert vom Rest, alarmiert vom Smartphone und träge nach Feierabend: Augen zu, abtauchen, untertauchen, die Luft anhalten – mir die Luft zum Atmen nehmen.

Wie passt Du in dieser schnelllebigen, entgrenzten Welt voller Möglichkeiten eigentlich auf Dich auf? Mit einem ausgeschalteten Handy und einem Buch in den Händen am Abend? Mit Saunagängen und Wellness-Wochenenden? Mit Familientreffen oder Zeit nur für Dich?

Fest steht:

Wenn das Leben uns viel abverlangt, müssen wir umso besser auf uns achten

Dabei bedeutet Selbstfürsorge nicht, sich von den Anstrengungen des Alltags zu erholen, sich jeden Wunsch zu erfüllen und auf diese Weise kurzlebiges Glück zu erschaffen. Es geht auch nicht darum, sich von Urlaub zu Urlaub zu hangeln und die Tage dazwischen wie ungelebte Blätter aus dem Kalender reißen zu wollen…

Es geht darum, genau diese Tage – unser Leben – so zu gestalten und zu leben, dass sie unseren Vorstellungen entsprechen, dass wir uns selbst in unserem Leben wiederfinden, uns weiter- und aus den unsichtbaren Fäden entwickeln. Uns einen Alltag zu bauen und eine kleine Welt in der großen zu erschaffen, die uns wie eine Höhle schützt.

Selbstfürsorge ist eine Prophylaxe, die die Entfremdung von sich selbst, die Erschöpfung und Zerstreutheit gar nicht entstehen lässt.

Natürlich erweckt ein Schokoladeneis das belohnende Glücksgefühl nach Feierabend und auch ein stundenlanges Schaumbad ist Selbstfürsorge: Wir können die Gedanken schweifen lassen (und kommen so auf neue), unserem Körper und unserem Geist etwas Gutes tun, abschalten und so auftanken. Das ist die angenehme Selbstfürsorge, die die Seele baumeln lässt und die Beine mal hochlegt.

Aber Selbstfürsorge bedeutet auch etwas anderes:

Nämlich seiner Seele zu folgen, die Beine in die Hand zu nehmen und ganz aktiv auf sich zu achten – und das kann mitunter (zunächst) recht unangenehm sein. Für sich selbst zu sorgen geht nämlich oft damit einher, nicht zugleich auch allen anderen gerecht werden zu können, wenn wir die Dinge tun, die wir am wenigsten tun wollen:

Nicht mehr länger die Freundschaft pflegen, deren Zeit vielleicht abgelaufen ist, sondern einen ehrlichen Schlussstrich ziehen;

der Kollegin die Meinung sagen, weil ihre negative Art das ganze Umfeld vergiftet, und Stellung beziehen;

nicht allem und jeden zusagen, weil man Zeit für sich braucht, und somit vielleicht andere enttäuscht;

den Onkel nicht zur Hochzeit einladen, weil keine echte Beziehung besteht, dafür aber einen vertrauten Freund;

den Job kündigen und die Kollegen im Stich lassen, weil man einen Neuanfang sucht und den eigenen Weg verfolgt;

die Krankmeldung einreichen, auch wenn es brennt, aber erstmal gesundwerden.

Es gibt tausende große Kleinigkeiten, hinter denen wir uns verstecken, um anderen gerecht zu werden; um nicht ungerecht zu werden, aber uns selbst gegenüber unecht werden. Am Ende dankt es uns keiner, nur wir schreiten unleidlich immer weiter, während keiner etwas von uns hat – nicht einmal wir selbst.

Die unbequeme Selbstfürsorge führt zur Authentizität

Wir wollen doch von anderen nicht für unseren Schein, sondern für unser echtes Sein gemocht werden. Wir tun niemandem einen Gefallen, wenn wir uns verstellen – uns selbst schon gar nicht. Es geht darum, dass wir uns treu bleiben. Echt und authentisch sind.

Auch wenn der bequeme Weg leichter erscheinen mag, wird die unbequeme Ausflucht uns danach beschweren und wir werden uns bei anderen beschweren, dass die Freundschaft substanzlos ist, die Kollegin mit ihren Lästereien alles zerstört, die Zeit für uns fehlt, beim Anblick des Onkels an den lieben Freund denken, der heute fehlt, den Arbeitsplatz verfluchen, weil die Stelle nicht mehr zu uns passt und nicht einmal Zeit und Raum zur Genesung lässt.

Dabei liegt es an uns.

Wenn wir nicht für uns sorgen, tut es keiner.

Tauche nicht ab, sondern tauche auf und verändere

Wahre Selbstfürsorge zeigt zunächst die unbequemen Dinge auf, die, haben wir sie gemeistert, das Leben schließlich nachhaltig verwandeln. Sie stiftet auf den ersten Blick keine Erholung und greift viel tiefer als ein Schokoladeneis oder ein Schaumbad: Sie verändert den Alltag nachhaltig. Denn wenn wir nicht nur abtauchen, sondern in uns eintauchen, dann endlich auftauchen und unbeachtet der Außenwirkung sagen können „Mein Leben fühlt sich gut an“, haben wir ziemlich gut für uns gesorgt.

Wo versteckst Du Dein wahres Ich auf Deine Kosten?

Und was kannst Du tun, um diese Angelegenheit zu ent-wickeln, um so für Dich zu sorgen?

Mehr unter: Selbstfürsorge – Warum sie so wichtig ist und wie sie gelingt sowie unter Der 7-Tage-Plan für mehr Selbstfürsorge.

Photo: Strong woman / Shutterstock