Neu im Podcast von myMONK: Ich schäme mich so. Und folgst Du myMONK schon bei Instagram?

Es war einmal ein hungriger Esel. Der stand genau zwischen zwei Ballen Heu. Sie sahen beide gleichermaßen lecker aus. Der Esel konnte sich nicht entscheiden. Nach einer Weile fiel er um, ein tragischer Hungertod.

Schlimm so was.

Auch wir Menschen kennen solche Dilemmas. Vielleicht fand der Bauer den toten Esel nach einer Weile, und konnte sich dann nicht entscheiden, ob er ihn zur Suppe oder zum Gänsebraten verarbeiten soll … und verhungerte dann ebenfalls.

Manchmal gabelt sich der Weg und wir stehen davor und schaffen‘s einfach nicht weiter, nicht in die eine und nicht in die andere Richtung, und die Zeit verstreicht und verstreicht, während vielleicht einer der Wege immer weiter zuwächst.

Ich selbst war natürlich auch schon betroffen. Zum Beispiel als Student: sollte ich das BWL-Studium abbrechen, das zwar für den Lebenslauf gut ist, mich aber fertig macht? Und später dann: sollte ich meinen Unternehmensberater-Job schmeißen, der zwar sonnige Karriere-Aussichten hatte, mein Herz aber kalt ließ? Sollte ich die Passagiere aus diesem Bus retten, der auf den Abgrund zusteuerte oder lieber doch die atomare Kernschmelze verhindern (ach nein, das war nur einer meiner Superhelden-Träume …)?

Heute fällt mir in diesen Situationen oft ein Spruch ein, ich weiß leider nicht von wem er ist:

„Nur eine Möglichkeit zu haben, das ist ein Zwang. Zwei Möglichkeiten sind ein Dilemma. Erst drei Möglichkeiten sind eine freie Entscheidung.“

Und dann fällt mir noch was ein: dass es so gut wie immer mehr als zwei Möglichkeiten und damit ein Ende des Dilemmas gibt. Dass wir nur zu oft zwischen dem Für und Wider zweier Wege alle anderen Wege vergessen.

3 Auswege aus Deinem Dilemma

Hier einige Gedanken, wie wir die dritte Möglichkeit und mehr finden können, wenn wir zum Horizont schauen und uns nicht nur die Weggabelung vor Augen halten:

1. Der Mittlere Pfad:

Buddha begann seine spirituelle Reise mit strenger Askese. Er darbte. Er entbehrte allem, so sehr es nur ging. Eines Tages meditierte er unter einem Baum. Da kamen zwei Musiker vorbei und einer sprach zum anderen: „Spann die Seiten Deiner Sitar nicht zu fest, oder sie werden reißen. Und lass sie nicht zu locker hängen, denn sonst kannst Du keine Musik auf ihnen machen.“ Die Worte trafen Buddha mit Wucht. Er gab seine strengen Grundsätze auf und schlug einen neuen, leichteren, gemäßigteren Weg ein, auf dem er schließlich die Erleuchtung fand – den „mittleren Pfad“.

Wenn‘s Dir so geht wie mir, dann siehst Du schnell nur noch das Schwarze und das Weiße. Dabei hockt das Glück womöglich genau dazwischen, rund und bunt?

Etwa: statt kündigen und unter der Brücke leben müssen oder im Job bleiben und die Menschen unter der Brücke noch beneiden: weniger Wochenstunden im Büro, mehr Zeit für der Leidenschaft. Oder um 5 Uhr aufstehen und Zeit ins eigene Business investieren, während die Welt noch schläft. Nach und nach Wissen und Kunden aufbauen, bis der Traum ganz trägt und der Job überflüssig wird.

2. Die lange Sicht:

Hätte der Esel langfristiger gedacht, dann hätte er entspannt erst den einen und später den anderen Heuballen fressen können. Das Nur-Hier-und-Jetzt, das Entweder-Oder war eine Illusion.

Wir können so viel tun, wenn wir‘s nur nicht auf einmal tun wollen.

Erst die Hörner abstoß-stoß-stoßen, dann heiraten. Erst Job mit Geld und Sparen und dann ein paar Jahre in eine Waldhütte ziehen und nur noch die Natur anstarren.

3. Das ganz Andere:

Ein anderer Job statt einer Selbstständigkeit; eine andere Selbstständigkeit statt wieder zurück in einen Job?

Eine Beziehung weder mit der treuen Trantüte Torben noch dem drauf- und fremdgängerischen José, sondern Single sein und warten bis jemand kommt, der wirklich zu Dir passt?

Oder auch einfach mal nichts tun. Nicht abwägen, sondern abwarten, ganz bewusst und entspannt. Die Dinge ihren Lauf nehmen lassen, am Ufer stehen, einatmen, ausatmen; nicht hierhin oder dorthin wollen, sondern ankommen, wo man ist.

Falls es doch ein Dilemma bleibt …

… und Du noch immer nicht weißt, was Du tun wirst, dann kannst Du:

  • Eine Münze werfen … und liegen lassen. Schau nicht, ob Kopf oder Zahl oben ist, und frage Dich: welches Ergebnis wünsche ich mir? Das ist oft die beste Wahl (siehe 3 Methoden, Entscheidungen in 30 Sekunden zu fällen).
  • Dein Herz befragen. Es hat ein eigenes kleines Gehirn, wie Wissenschaftler herausfanden. Ich bin eigentlich ein ziemlicher Kopfmensch, doch ich hab‘s nie bereut, wenn ich im Zweifelsfall auf mein Herz gehört habe (siehe Was Dein Herz Dir sagen will).

Wenn Du gerade in einem Dilemma steckst und mir und uns davon erzählen magst, hinterlasse sehr gern einen Kommentar (oder hinterlasse keinen, oder einen halben, oder einen ganz woanders).

 

Photo: Ігор Устинський