Neu im Podcast von myMONK: Ich schäme mich so. Und folgst Du myMONK schon bei Instagram?

Text von: Lena Schulte

Richard hat soeben Luna kennenglernt, die zukünftige Mutter seiner Kinder. Luna nur ihren neuen besten Freund.

Sarah hatte diesen einen Fehler begangen. Er wollte ihr verzeihen – wollte er wirklich.

Zwischen Ina und Dominik lief es perfekt. Dann kam das Jobangebot aus Übersee.

Es gibt viele Sachen, die wir Menschen so anstellen, um die eine Person zu finden. Der eine tollt im Tinder-Garten, der andere durchläuft jedes Wochenende einen Partymarathon und der nächste lässt sich von Ilse „Washana“ Müller in ein altes Leben zurückführen, um endlich die innere Liebesblockade aufzulösen.

Irgendwann muss es ja mal klappen! Den Partner fürs Leben zu finden ist für viele von uns schwer, sauschwer sogar. Umso berauschender, wenn man ihn dann tatsächlich gefunden zu haben scheint. Diesen einen wunderbaren Menschen, der uns vom Hocker haut. Unseren Menschen. Für den sich alles gelohnt hat. Bei dem wir eine Verbindung spüren, die sonst nur Catherine und Graf Rutherford auf ihrem pittoresken Gut in Nordschottland erleben dürfen, weil sie für eine Rosamunda-Pilcher-Verfilmung vor der Kamera stehen.

Und dann: das Ende – vielleicht noch, bevor es richtig begonnen hat. Auf Wolke sieben mit zweihundert Sachen gegen die Realität gekracht und in tausend Einzelteile zerschellt. Schmerzen und Tränen und der wenig hilfreiche Rat von anderen: „Komm, vergiss ihn / sie einfach!“

Warum aber fällt uns das so schwer … was können wir tun, wenn Vergessen unmöglich scheint?

Es ist normal, nicht loslassen zu können

Die Tage vergehen und vergehen, die Welt verändert sich, nur die Gedanken bestehen darauf, sich weiter im Kreis drehen zu dürfen. Vielleicht sieht eine Zeit lang alles gut aus, endlich geschafft. Doch dann reicht schon eine Kleinigkeit aus, ein Lied, oder ein bestimmter Geruch – und schon steigen die Erinnerungen wieder auf aus ihrem Grab. Und das Hier und Jetzt: wieder nur eine dürftige Notlösung und so viel anders, als es sein sollte.

Ich für meinen Teil komme mir in solchen Momenten wie der einzige Mensch auf Erden vor, der einfach nicht in der Lage ist loszulassen.

Und damit bin ich in bester Gesellschaft. Von der Sehnsucht nach der besonderen Person, mit der es nicht geklappt hat, können laut Umfrage selbst Leute mit sieben Jahrzehnten Lebenserfahrung noch ein Lied des Bedauerns singen. Ja, Siebzigjährige. Rentner, die teilweise für ganze Stammbäume verantwortlich sind und wer weiß was für Hürden im Leben gemeistert haben! Obwohl das in akuten Trauerphasen natürlich nur mäßig berauschende Aussichten sind, zeigt es dennoch: Wir sind nicht allein. Und auch nicht verrückt. Sondern ziemlich normal. Also brauchen wir auch nicht so hart zu uns sein (oder dem Freund, den das gerade erwischt hat). Es liegt nicht nur an uns, sondern auch daran, dass uns das Ende einer Liebe naturgemäß große Trauerenergie abverlangt.

Das Gehirn macht sich die Welt, wie es ihm gefällt

Ein Grund dafür könnte sein, dass uns unser Gehirn im Falle einer Zurückweisung nicht gerade hilft. Immerhin löst das Nein eines anderen – vor allem das „Nein, ich will Dich nicht (mehr) “ – dieselben neurologischen Vorgänge aus, die auch für die körperlichen Schmerzen zuständig sind. Ein Überbleibsel aus den Zeiten, in denen unser Überleben noch von der Gruppe abhängig war und soziale Zurückweisung unseren Tod bedeutet hätte.

Genauso wenig, wie man beim Laufen eine dicke Brandblase unter dem Fuß ignorieren kann, lässt sich also ein gebrochenes Herz mal eben ignorieren. Besonders sensible oder verwundete Menschen, die nach leidvollen Erfahrungen unter einem niedrigen Selbstwertgefühl leiden, trifft eine Zurückweisung natürlich besonders hart.

Oft kommt nach dem ersten Schock noch Hoffnung erschwerend hinzu. Vielleicht wird es ja doch noch was. Wir haben doch so gut zusammengepasst. Vielleicht braucht meine Person gerade einfach nur Zeit, um zu merken, dass ich der Partner fürs Leben bin. Und wenn es wirklich die große Liebe ist und es wirklich sein soll (und das soll es ja) wird es sich schon irgendwie wieder finden. Sowas gab es schließlich schon oft genug – wieso also nicht bei mir?

Klar ist das nicht ausgeschlossen. Als bekennender Fan von Wundern sind mir diese Gedanken auch sehr vertraut. Dann verliere ich mich schnell in Sehnsüchten – und mache mir das Leben im Angesicht der Realität damit noch viel schwerer. Wenn Träume für uns plötzlich zu transzendentalen Vorahnungen werden und Erinnerungen an die schöne Zeit auf einmal die stärksten Motivationsschübe auslösen, uns jetzt erst recht ins Zeug zu legen, ist zumindest Vorsicht geboten. Denn meistens sind Erinnerungen und Träume einfach nur das: Erinnerungen und Träume.

Die Illusionen durchschauen

Da es die verlorene Person eben nur ein einziges Mal gibt, schmerzt es, dass es nie wieder so werden kann, wie es mal war. Und dann sind da noch unsere idealisierten Vorstellungen, wie es denn gewesen wäre, wenn die Beziehung weitergegangen wäre. Wie es sich wirklich entwickelt hätte, das können wir dabei gut ausblenden. Immerhin gibt es dazu keine störenden Fakten.

Allerdings ist auch die große (verlorene) Liebe bloß ein Mensch, der sich mit der Zeit verändert, weiterentwickelt und vielleicht irgendwann absolut gar nichts mehr mit der Person zutun hat, in die wir uns anfangs verliebt haben. Anderenfalls würden wohl kaum so viele Ehen zerbrechen.

Ich selbst habe meine verlorene Beziehung und vor allem ihn als Person mit Vorstellungen vergoldet, die wenig mit der Wahrheit zu tun hatten. Unnötig zu erwähnen, dass ich Ewigkeiten damit verbrachte zu trauern und über ihn hinweg zu kommen. Diesen zweifelhaften Einsatz meiner Lebenszeit bemerkte ich natürlich erst, als ich die Person nach Jahren wiedertraf und mir ein absolut fremder Mensch gegenüberstand, der mir zudem sogar ziemlich unsympathisch war.

In diesem Moment wurde mir eins bewusst: Was uns nach einem Beziehungsende heilt, ist nicht das Vergessen, nicht der Wettkampf im Starksein und nicht das Zurechtbiegen von Erinnerungen auf eine Weise, die uns möglichst nicht mehr weh tut.

Es ist die Erfahrung, dass wir jemanden aus ganzem Herzen lieben, ihm das Beste der Welt wünschen und ihm vergeben können – und dass auch ohne ihn oder sie wieder ein gutes Leben auf uns wartet … ja, vielleicht sogar ein besseres.

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