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Text von: Romy Hausmann

Er und sie. Dieser Kuss. Wahlweise im Regen oder vor einem Sonnenuntergang. Passende Musik dazu, ein Streichorchester vielleicht. Und dann: der Abspann. Hollywood hat wieder ein Märchen erzählt, mit der typischen Botschaft: Liebe ist alles. Braucht nichts weiter. Ist die Antwort. Die Lösung. Rettet uns alle. Amen. Und wir glauben so gerne daran.

Nur: Hollywood lügt (ach, nee!?). Die Bücher lügen, die Werbung lügt, die Musik und selbst Dein bester Freund, der gerade frisch verliebt ist. Nicht böswillig, nein. Es scheint Teil unserer menschlichen Natur, die Liebe zu idealisieren. Doch genau darin liegt auch die Gefahr: Wir erschaffen unrealistische Erwartungen daran, was Liebe eigentlich ist und was sie für uns tun kann. Das wiederum macht es uns in unseren Beziehungen oft schwer.

Die Wahrheit ist: Liebe allein reicht nicht.

Liebe an sich ist ein ziemlich nerviger Partygast, wenn sie nicht auch noch ein paar Kumpels dabei hat: Respekt. Demut. Vertrauen. Hingabe. Verständnis. Freundschaft.

Jetzt sagst Du vielleicht: Ja, aber für mich gehört das alles zusammen. Die wahre, echte Liebe bringt das automatisch mit. Ehrlich? Frag mal eine Frau, die einen Mann liebt, der sie schlecht behandelt. Frag, warum sie ihn nicht verlässt. Weil sie ihn liebt. Ganz schön übel, diese Liebe, oder? Ein ziemlich böses Miststück, manchmal.

Hier sind drei harte Wahrheiten über Liebe und Beziehungen, angeregt von einem Text von Mark Manson.

1. Liebe heißt nicht unbedingt, dass man auch zusammenpasst

Sich zu verlieben ist etwas rein Emotionales. Da legen Herz und Hormone das Gehirn lahm – und wir sind machtlos. Aber dann kommt der Alltag, und der steht überhaupt nicht auf emotional. Der verlangt (auch) nach Logik und Rationalität.

Da sind der Sport-Crack und das Mädel, das mit Sport höchstens die samstäglichen Shopping-Marathons mit ihren Freundinnen verbindet. Er isst abends gerne Magerquark (wegen Muskelaufbau und so), sie würde lieber mal romantisch Essen gehen. Mit Champagner, um auf die Liebe anzustoßen. Geht nicht, er ist im Training. Sie ist genervt. Er genauso. Nach einer Weile wirft sie ihm vor, sein Sport wäre ihm wichtiger als sie, und vielleicht hat sie sogar Recht damit.

Da sind der junge Steuerberater, ein sehr akkurater Kerl, und die Lebenskünstlerin, das verrückte Huhn mit asymmetrischer Frisur. Sie arbeitet freiberuflich als Theaterschauspielerin, lebt für den Moment und oft von der Hand in den Mund. Ihre Finanzen machen ihn kirre. Sie soll sich einen festen Job suchen, an die Zukunft denken. In der, so stellt er sich vor, haben die Beiden ein Haus mit einem weißen Gartenzaun drum herum, zwei Quotenkinder und einen Hund. Sie dagegen träumt davon, irgendwann auf Bali zu leben, Hund: okay, Kinder: igitt!

Und da bin ich, mit 17, wie ich mich unsterblich in den Jungen aus dem Deutsch-LK verliebe. Wir tanzen bei einer Schulfeier eng zu den Backstreet Boys (sorry, das waren nun mal die Neunziger). Wir sind jetzt ein Paar. Ich fühle mich großartig. Aber dann trifft sich dieser Junge wieder heimlich mit seiner Ex-Freundin. Dann belügt er mich. Dann klaut er mir Geld aus dem Portemonnaie, um seine Ex ins Kino einzuladen. Und ich? Ich liebe ihn trotzdem. Auch wenn mir diese Liebe mir wehtut. Erst im Herzen, dann in meinem Gesicht. Er verpasst mir ein blaues Auge, als ich ihm eine Szene mache. Jetzt ist Schluss. Endlich denke ich wieder klar. „Quit playing games with my heart“. Als hätten die Backstreet Boys es schon vorher gewusst. Wir trennen uns nach ungefähr einem Jahr.

Das Problem ist: Die Liebe fragt nicht nach. Der Liebe ist es egal, ob wir an jemanden geraten, der uns gar nicht zu schätzen weiß oder dessen Lebensstil einfach nicht zu unserem passt. Der andere Ziele, Vorstellungen oder Ansichten hat. Der Liebe ist es egal, ob wir an jemanden geraten, der unsere Liebe gar nicht erwidert oder sogar ganz auf uns scheißt. Die Liebe an sich ist blind, ja, und ziemlich ignorant.

Die Liebe ist nichts ohne den Kopf.

„Wie man Sorgen, Stress und Selbstzweifel loslässt“

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2. Liebe löst keine Beziehungsprobleme

Frau Merkel würde sagen: Wir schaffen das. Weil Liebe alle Hindernisse überwindet. Weil wir alles schaffen, so lange wir nur zusammenhalten. Richtig? Nun ja…

Lass mich Dir von meiner letzten Beziehung erzählen. Da bin ich nicht mehr 17, sondern Anfang 30. Wir lernen uns auf einer Party kennen. Die Funken schlagen hoch, Feuerwerk, sofort. Nur: Ich lebe in München, er in Kiel. Blöd. Aber egal, wir schaffen das. Wir führen also eine Fernbeziehung. Weil wir beide beruflich eingespannt sind, sehen wir uns höchstens einmal im Monat. Macht nichts, wir lieben uns ja trotzdem.

Mit der Zeit wird es allerdings immer schwieriger, Termine zu finden. (Wie hässlich eigentlich, im Zusammenhang mit einer Beziehung von „Terminen“ zu sprechen, oder?) Na ja, egal, ist halt so, wir schaffen das. Vielleicht zieht er ja eines Tages in den Süden. Nur müsste er dazu sein Geschäft in Kiel aufgeben. Also gut, dann anders. Vielleicht ziehe ich ja eines Tages nach Kiel. Bloß: Was sollte ich da? Ohne meinen Job und ohne meine Freunde? Uns wird klar, dass auf lange Sicht einer von uns beiden zurückstecken müsste, denn im letzten halben Jahr haben wir uns gerade viermal gesehen. Wir schreiben uns viele Nachrichten: Ich liebe dich. – Ich dich auch. Doch irgendwann fühlt sich das nur noch leer an. Wir streiten heftig. Das Safeword: Liebe. Augenblicklich versöhnen wir uns. Bis wir wieder streiten. So drehen wir uns drei Jahre lang im Kreis. Und dann ist Schluss.

Liebe ist ein mieser Kit, wenn die Beziehung aus anderen Gründen Risse hat. Die können von Zeitmangel und Distanz herrühren, oder zum Beispiel von mangelndem Vertrauen. Denken wir an die eifersüchtige Frau, die ständig heimlich das Handy von ihrem Freund durchsucht.

3. Liebe ist nicht jedes Opfer wert

Wenn Du jemanden liebst, dann würdest Du für ihn sterben. Stimmt’s? So muss sie sein, die wahre Liebe. Wenn Du jemanden liebst, dann akzeptierst Du seine Launen. „In guten wie in schlechten Zeiten“ heißt es schließlich. Wenn Du jemanden liebst, dann stellst Du Deine eigenen Bedürfnisse zurück.

Jein.

Natürlich wirst Du in Deiner Beziehung öfter mal über Deinen Schatten springen und Kompromisse finden müssen – und das ist auch gut so. Das macht eine Beziehung aus.

Aber es gibt Dinge, die Du niemals opfern solltest: Deine Würde. Deine Selbstachtung. Deine körperliche und geistige Gesundheit. Deine Träume. Eine Beziehung soll Dich bereichern, sie darf Dir nichts wegnehmen, das Dir wirklich am Herzen liegt. Du bist wichtig und immer noch ein eigener Mensch. Du hast das Recht und die Pflicht, gut zu Dir zu sein. Und jeder, der Dir nicht guttut, verdient Deine Liebe nicht. Ja, ich weiß, das klingt so einfach und genau das ist die Liebe nun mal nicht. Ich hab’s ja selbst oft genug erfahren.

Aber glücklicherweise ist Liebe auch keine Einmal-und-nie-wieder-Veranstaltung im Leben. Du kannst Dich verlieben, wenn Du jung bist. Du kannst Dich verlieben, wenn du alt bist. Du triffst viele Menschen im Laufe Deines Lebens und wirst wieder Funken schlagen. Ganz sicher.

Also ist die Liebe eigentlich nur Mist?

Versteh mich nicht falsch. Ich habe nichts gegen die Liebe, im Gegenteil. Die Welt ist schön in Rosarot, für eine Weile lang. Letztlich funktioniert eine dauerhafte Beziehung aber nicht in nur einer Farbe.

Liebe allein reicht nicht, nein.

Sie ist ein guter Anfang, der beste, absolut.

Nur was kommt dann?

Freundschafts-geprüft

Eine Freundin sagte mal, sie teste ihre Beziehungen auf ihre Freundschafts-Qualitäten hin. Im ersten Moment fand ich das irgendwie einfältig, dieses „Mein Partner soll mein bester Freund sein“-Zeugs. Dann musste ich ihr aber Recht geben. Bei einem Freund würde ich nicht tolerieren, dass er mich ständig belügt. Ich würde die Freundschaft beenden. Warum sollte mein Partner mich also belügen dürfen? Ein Freund, mit dem ich nicht reden kann, gibt mir nichts. Wieso sollte das bei meinem Partner anders sein?

Natürlich ist dieser Tipp kein Garant für die große, lebenslange Romanze à la Hollywood, aber vielleicht ist er auch Dir eine Überlegung wert. Immerhin wünschen wir uns doch alle, dass unser Glück auch über den Abspann hinaus reicht.

Mehr dazu unter 10 Anzeichen, dass Du Deine Beziehung beenden solltest und unter 10 Gründe, warum Menschen in kaputten Beziehungen bleiben.

Photo: Christian Gonzalez