„Wenn etwas passieren soll, muss es gleich am Anfang passieren“, schreibt Laura-Vanderkam, Expertin für Zeitmanagement und Autorin von What the Most Successful People Do Before Breakfast.

Diese Sicht teilen sehr viele erfolgreiche Künstler, Autoren, Forscher, Geschäftsleute, Coaches und Familienmenschen. Und sie ist wissenschaftlich begründet. Prof. Roy Baumeister von der Florida State University fand heraus: Die menschliche Willenskraft ist ein Muskel, der im Laufe des Tages ermüdet.

Die meisten von uns haben erst dann Zeit für sich, ihre Leidenschaften, ihre Träume, wenn dieser Muskel vom Tag längst erschöpft ist. Schlapp von all den Aufgaben, die uns die anderen anschaffen. Schlapp auch davon, uns zusammenzureißen, und der etwa saunervigen Kollegin nicht im Meeting zu sagen, dass sie bitte einfach mal ruhig sein und nachhause gehen soll.

Was ist die Alternative? Uns die Zeit zu nehmen. Und zwar noch bevor die Maschinerien des Tages anlaufen und unsere Kräfte platt fahren wie eine Dampfwalze. Am Morgen, mit frischer Energie, können wir am besten tun, was uns wirklich wichtig ist … und das, während der Rest der Welt vielleicht noch schläft.

Hier zehn Dinge, die erfolgreiche Menschen vor dem Frühstück tun (zumindest, bevor alle anderen gefrühstückt haben). Nicht jeder macht alles davon, aber alle folgenden Gewohnheiten sind unter ihnen sehr weit verbreitet.

1. Sie stehen früh auf.

Vanderkam hat 20 der bekanntesten CEOs befragt. Ihre Erkenntnis: 90 Prozent stehen an Wochentagen vor 6 Uhr auf. PepsiCo-Chef Indra Nooyi zum Beispiel um 4 Uhr, obwohl er „erst“ um 7 Uhr im Büro ist. Disney’s Chef Bob Iger um 4:30 Uhr, um Zeit zum Lesen zu haben. Twitter-CEO Jack Dorsey um 5:30 Uhr zum Joggen. Der Dalai Lama springt sogar 3:00 Uhr aus dem Bett.

Warum? Weil diese Zeit heilig ist. Keiner ruft an, keiner klopft an, keiner stört. Wir haben Ruhe und Kontrolle. Studien zufolge sind Leute, die früher aufstehen, außerdem optimistischer.

Zwar gibt es chronobiologisch bedingt Morgenmenschen und Abendmenschen – die Gene entscheiden zu 50 Prozent darüber. Spielraum zum früheren Aufstehen ist jedoch nachweislich bei beiden Gruppen drin – wenn sie sich daran gewöhnen und entsprechend früher ins Bett gehen. Am Schlaf zu sparen ist nicht empfehlenswert, es macht uns nämlich auf Dauer zu Zombies. Das ist auch der Hauptgrund, warum wir scheitern, wenn wir früher aufstehen wollen: Wir holen uns den Schlaf nicht an anderer Stelle zurück und sind nach einer Weile nur noch fertig.

Erfüllte und produktive Tage beginnen vor allem früher als die, die sich nach Tretmühle anfühlen.

(Mehr dazu unter 5 Gründe, um 5 Uhr morgens aufzustehen – und wie Du das schaffst.)

2. Sie trinken Wasser.

Huffington Post-Gründerin Arianna Huffington beginnt ihren Morgen mit einem großen Glas Wasser, wie auch der Die 4 Stunden Arbeitswoche-Autor Tim Ferris und viele weitere.

Nach der Nacht ist unser Körper besonders dehydriert. Eine Studie der University of Connecticut hat gezeigt, dass wir uns bereits mit milder Dehydrierung deutlich schlechter konzentrieren können. Mit einem halben Liter Wasser nach dem Aufstehen wecken wir den Körper richtig auf. Wer einen Spritzer Zitrone hinzufügt, bringt gleich noch die PH-Werte ins Gleichgewicht, reduziert Schmerzen und Entzündungen und unterstützt die Hirnfunktionen.

3. Sie machen ihr Bett.

Dauert nur eine Minute und wirkt vielleicht wie keine besonders große Sache. Macht jedoch glücklicher, produktiver und gesünder, wie eine Studie mit 68.000 Teilnehmern gezeigt hat.

Die Gewohnheit setzt einfach ein Zeichen, legt den Grundstein für einen Tag, an dem wir uns nicht treiben lassen. Ähnlich wie eine kalte Dusche. So können wir andere Gewohnheiten leichter durchhalten.

4. Sie machen Sport.

„Heut abend werde ich noch Joggen gehen!“ Ein echter Klassiker in meiner Gedankenwelt. Die Wahrheit: Nee, werde ich nicht, sehr wahrscheinlich… und zwar aus gutem Grund. Eben wegen der oben erwähnten Willenskraft-Ermüdung. Auch die Hanteln bleiben liegen, diese eingestaubten Jungfrauen aus Stahl.

Viele erfolgreiche Menschen gehen das anders an. Xerox-Cheffin Ursula Burns etwa ist zweimal wöchentlich mit ihrem Personal Trainer um 6 Uhr morgens verabredet. Investor Kevin O’Leary hüpft täglich um 5:45 Uhr auf seinen Crosstrainer. Anna Wintour, Chefredakteurin der Vogue und womöglich die wichtigste Frau der Modebranche, spielt vor der Arbeit stets eine Runde Tennis.

Muss eine ziemlich wichtige Sache sein, wenn Leute mit so eng getakteten Terminen sich gleich zu Beginn des Tages dem Sport widmen. Dadurch haben sie mehr Energie, weniger Lust auf ungesundes, einschläferndes Essen und weniger Stress im Verlauf des Tages. Es macht sie kreativer, weil  Bewegung eine Menge Sauerstoff ins Gehirn pumpt und so den Nebel im Kopf klärt. Und sie schlafen am Abend besser ein.

Das braucht kein Hardcore-Training sein, auch ein Spaziergang oder Yoga können Wunder wirken.

5. Sie meditieren.

Warum steht der Dalai Lama so früh auf, um 3 Uhr? Will er bei den Astro-Lines anrufen, die um die Zeit im Fernsehen laufen? Nein, der Dalai Lama duscht und meditiert anschließend bis 5 Uhr.

Er sammelt sich, wird ruhig, wird klar. Fühlt sich verbunden. Frei von allem, was später anstehen mag, wenn die Welt die Augen aufreißt und ihn anstarrt – „komm, sag mal was, Dalai Lama, mach doch mal was“.

Es muss nicht Meditation sein und schon gar nicht über Stunden. 20 Minuten reichen, schon zehn sind wertvoll, oder lass es fünf sein. Ein Tee, achtsam zubereitet und am Fenster getrunken, Blick auf die schlafenden Straßen, ist auch eine Option.

Benjamin Franklin etwa lief morgens einfach immer durch seine Kammern, dachte nach, schrieb Ideen auf, bevor er der Menschheit die Türen öffnete.

6. Sie lesen.

Sie lesen. Und zwar keine Mails, mit denen andere Menschen ihre Finger durch den Monitor nach ihnen ausstrecken. Sondern etwas Inspirierendes. Etwas, das sie motiviert und weiterbringt. Ein Buch, einen Blog. Sie füttern ihr Gehirn mit guter Nahrung.

Als Warren Buffett, der große Investor, nach seinem Erfolgsgeheimnis gefragt wurde, antwortete er: „Ich lese 500 Seiten, jeden Tag. So funktioniert Wissen: Es summiert sich, baut aufeinander auf wie Zinseszins.“ Etwa 80 Prozent seiner Arbeitszeit verbringt Warren Buffet nur damit (neben Büchern zählen in seinem Fall auch etliche Zeitungen zur Lektüre). Bill Gates liest immerhin mindestens ein Buch in der Woche, Mark Zuckerberg ein halbes.

Steve Siebold, der 1.200 Millionäre interviewt hat, fand heraus, dass Lesen eine der Lieblingsbeschäftigungen nahezu aller reichen Menschen ist (nicht Saufen oder Arschloch sein, wie etliche Leute vielleicht denken mögen).

(Siehe auch 8 Gründe, warum ich ein Buch pro Woche lese.)

7. Sie schreiben auf, wofür sie dankbar sind.

Klar, das Leben ist unfair und hart und mir fehlt’s an vielem. An einer Villa mit Pool oder wenigstens einer gemütliche Hütte im Wald. Und an neonfarbenen Lamborghinis für die Tage mit dem angeschlagenen Selbstbewusstein. Vor allem aber fehlt es mir oft an einem: Dankbarkeit für das, was ich schon habe.

Täglich drei Dinge aufzuschreiben, für die wir dankbar sind, ist eines der wirkungsvollsten Mittel, unsere Lebenszufriedenheit und Gesundheit zu stärken, mehr Mitgefühl zu entwickeln und entspannter duchs Leben zu kommen. Dankbarkeit verändert unser Gehirn dauerhaft. Sie rückt unsere Perspektive zurecht, lässt uns das ganze Bild sehen statt nur den hässlichen Flecken, die üblicherweise die gesamte Aufmerksamkeit auf sich ziehen wie eine kleine Warze im Gesicht eines Supermodels.

Mehr noch: Nach und nach können wir so die Geschichten unseres Lebens umschreiben, die Überschriften werden positiver. Und diese Tinte fließt auch auf das noch leere Blatt des anstehenden Tages.

8. Sie planen ihren Tag.

Wenn wir keinen Plan haben, machen andere einen für uns. Schneller, als uns lieb ist, verläuft der Tag dann auf Gleisen, für die wir uns nicht entschieden haben. Am Ende haben wir uns reichlich bewegt, aber leider nicht in die Richtung, in die wir eigentlich wollten.

Eine ausgefeilte weltraumgetestete Zeitmanagement-Technik braucht das nicht. Am besten ist noch immer, diese eine Frage zu beantworten, idealerweise schriftlich:

Was sind meine drei wichtigsten Aufgaben für den heutigen Tag?

Nicht die dringendsten, sondern jene, die tatsächlich einen Unterschied in unserem Leben machen.

Die Streber unter uns können noch ergänzen: Warum genau ist diese Aufgabe wichtig für mich?

Man kann das natürlich auch schon am Vorabend tun (Barack Obama macht das zum Beispiel so) und es sich am Morgen nur noch mal vergegenwärtigen.

9. Sie widmen sich ihrem Traum.

Ein Traum bleibt ein Traum, solange wir selbst nichts für seine Erfüllung tun. Wenn Du schon seit Jahren ein Buch schreiben oder ein Online-Business gründen willst, das Dich von Deinem Job befreit … wie wär’s damit, noch vorm Gang ins Büro daran zu arbeiten?

Ohne Unterbrechung. Ohne Ablenkung. Ohne schreiende Kinder und schreiende Kunden.

Eine Geschichts-Professorin berichtete Vanderkam, dass sie jeden Morgen von 6 bis 9 Uhr an ihrem Buch über Religion und Politik in Westafrika geschrieben hat – nur in diesen Stunden fand sie die Zeit, in Ruhe zu recherchieren und konzentriert zu schreiben, bevor sie ihren Lehrtätigkeiten in der Uni nachging.

Ich weiß. Das ist anstrengend. Ich selbst bin über Monate jeden Morgen 5 Uhr aufgestanden, um noch Berater-Job an meinen Internetseiten zu arbeiten. Davon hab ich hier schon häufig geschrieben und werde wahrscheinlich auch nicht so schnell damit aufhören … denn dieses frühe Aufstehen hat sich mehr als gelohnt für mich und ich glaube fest, dass es sich für Dich auch lohnen wird.

(Wenn Du gerade keinen großen Traum hast, findest Du vielleicht einen mit diesen 7 seltsamen Fragen.)

10. Sie verbringen Zeit mir ihrer Familie.

… sofern diese schon wach ist (wenn nicht, kann man solange ja lesen, planen, arbeiten, oder 30 Liter Wasser trinken).

Dem Kind aufmerksame Minuten schenken. Zusammen das Frühstück vorbereiten. Oder mit dem Partner über die gemeinsamen Ziele, Träume und Pläne sprechen. Oder Liieeeebe machen. Nicht erst am Abend, wenn man hirntot von der Arbeit kommt und gerade noch so die Glotze anmachen kann, und auch das nur, wenn die Fernbedienung in Reichweite ist (ich hatte zu diesem Zweck mal einen Greifarm aus dem 1-Euro-Shop, mit dem man normalerweise Müll vom Boden aufhebt).

So kann die frühe Zeit zur kostbarsten des ganzen Tages werden.

Wie könntest Du Deinen Morgen zu etwas Großartigem machen?

Meiner Erfahrung nach sehr wichtig: Nimm Dir nur eine Sache auf einmal vor, nicht alles auf einmal. Mehr dazu kannst Du im myMONK entdecken: 12 Gewohnheiten, die Dein Leben verändern.