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Text von: Lena Schulte

Manchmal habe ich das Gefühl, die Tage und Wochen und Monate verschmieren in der Rückschau zu einem zähen, unklaren Brei, in dem bestenfalls ein paar kleine Erinnerungs-Bröckchen schwimmen. Und der Rest? Puuhh… der ist irgendwo, irgendwie verloren.

Meistens bin ich so sehr mit Alltag beschäftigt, dass ich kaum Zeit habe, meine Gedanken und mein Tun ernsthaft zu hinterfragen. Was gerade noch so funktioniert, das wird beibehalten. Oft habe ich nicht bemerkt, wie ich mich damit in einen Treibsand von Routinen begeben habe, der mein Leben austrocknet und nach unten zieht. Und dann die Erkenntnis, wie viel ich mir anders wünschen würde … bei manchen Dingen wusste ich sogar nicht einmal mehr, ab welchen Punkt sie damals überhaupt schief zu laufen begannen.

Ich wusste nicht, ob ich tatsächlich mein ganzes Leben ruiniert hatte – aber meine Lebensfreude, die war ganz sicher im Keller.

Woran lag es? Was war passiert?

Wir ruinieren unser Leben, wenn wir der Vergangenheit zu viel Macht geben.

Lange Zeit beschlich mich in Gruppen immer das Gefühl, alle zu stören und nicht dazuzugehören. Ich wusste lange nicht warum das so war. Stattdessen machte mich in diesen Situationen so unsichtbar wie nur eben möglich. Erst als ich anfing mich mit diesem unerklärlichem Unbehagen genauer auseinanderzusetzen bemerkte ich, dass es einer Situation verschuldet war, in der ich tatsächlich nicht willkommen war. Eine einzige schlechte Erfahrung in früher Kindheit hatte ausgereicht, um mir eine fast zwanzigjährige Störfaktor-Brandmarke in mein Selbstbild zu kokeln. Und natürlich wurde ich darin immer wieder bestätigt – schließlich deuteten andere mein leises Verhalten als Desinteresse oder Arroganz.

Und seitdem ich das weiß habe ich mich nie wieder als Störfaktor empfunden, und bin der beliebteste Mittelpunkt auf jeder Party! Whoop-Whoop! … Na ja, schön wär‘s. Nichtsdestotrotz es ist schon einmal sehr hilfreich etwas genauer zu wissen, was da gerade gefühlstechnisch in mir abgeht – und warum.

Denn auch wenn wir in der Vergangenheit immer wieder etwas auf die gleiche Weise bestätigt bekommen haben: Es ist vorbei. Gestern zählt nicht mehr. Heute dürfen wir bestimmte Gefühle und Glaubenssätze genauer unter die Lupe nehmen, und auf ihren aktuellen Realitätsgehalt überprüfen. Wenn wir ganz wild sind, dürfen wir sogar ein Update vornehmen.

„Wie man Sorgen, Stress und Selbstzweifel loslässt“

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Wir ruinieren unser Leben, wenn wir zu viel auf andere schauen.

Egal, wie wahnsinnig toll Dein Leben bereits ist – es wird immer wen geben, der einen noch geileren Filter bei Instagram drüberlegen kann. Also vergleich Dich gar nicht erst mit anderen.

… Okay, wissen wir ja auch eigentlich. Vergleichen bringt nichts. Trotzdem ganz schön schwer, unser Gehirn daran zu erinnern, wenn wir ein paar Minuten später Facebook und Co. öffnen und es auf Hochtouren die reizüberflutenden Fotos und Statusmeldungen anderer auswerten muss. Klar wissen wir, dass vieles geschönt ist und oft nicht der Realität entspricht.

Einen Effekt hat es trotzdem. Jedes Mal, wenn wir uns diesen Dingen aussetzen, lassen wir andere mit ihren dreckigen High Heels durch unseren Geist laufen, wie es ja auch damals schon Gandhi gesagt hat (oder so ähnlich).

Wir haben nur ein gewisses Kontingent an Zeit und Nerven. Verschwenden wir nicht übermäßig viel davon für die unwichtigen Lebensereignisse anderer.

Also, Nein zu den „Schon wieder mit den Besties aller Besties unterwegs, während Du nur zu Hause hockst und mich bestaunen darfst, hach, mein Leben ist sohoho #geil“-Fotos. Nein zu den Aufmerksamkeitsbuhlern. Und Nein zu den schlimmen Shit-Storm-Kommentaren und all den anderen Zeitverschwendungen.

Wir ruinieren unser Leben, wenn wir unsere Gefühle übergehen.

„Klar, ich will auch nur was Lockeres“, nicken wir lieber, bevor noch rauskommt, wie romantisch und sehnsüchtig wir nach einer festen Partnerschaft suchen.

„Nein, ich bin überhaupt nicht traurig, dass es nur der zweite Platz geworden ist“, nicke ich lieber mit einem tapferen Lächeln, damit mich bloß niemand für eine schlechte Verliererin hält. „Hier ruht ein Beinahe-Gewinner ist schließlich auch ein geiler Grabsteinspruch.“

Wir wenden ziemlich viel Kraft auf, um unser Gesicht zu wahren. Nicht zuletzt auch, weil es schnell richtig peinlich werden kann, wenn wir ganz ehrlich zu unseren Emotionen stehen. Ich komme mir immer noch wie der letzte Vollidiot vor, wenn ich daran denke, dass ich nach einer desaströsen Abfuhr Herrn Abfuhr auch noch meine Gefühle gestanden habe. Diverse Analysenergebnisse meines Kopfkinos bestätigen: Ein Abgang á la „So what, dann liebst du mich halt nicht, als ob ich es nötig hätte!“ wäre für mein Ego durchaus schonender gewesen. Aber halt nur für mein Ego. Nicht für den anderen Teil in mir. Den ehrlichen. Den, der mich wirklich ausmacht.

Auch wenn es manchmal unangenehm werden kann: Mut schlägt im Nachhinein immer die Frage nach dem „Was wäre wohl gewesen wenn…?“ Und die kann ganz schön quälend werden, wenn der Moment erst einmal vorbei ist und unwiderruflich verloren. Wir wollen doch eigentlich auch so gemocht werden, wie wir wirklich sind. Und können dabei die aussortieren, die das nicht tun.

Für mich persönlich ist besonders der letzte Punkt im Alltag ziemlich schwierig. Aber zum Glück muss ich ja keine Prüfung darin ablegen. Vielleicht reicht es fürs Erste ja auch schon, in manchen Alltagsmomenten den Autopiloten einmal kurz auszuschalten. Mir zu Liebe. Damit ich nicht im Treibsand der Gewohnheit verloren gehe.

Mehr unter An alle die glauben, sie hängen im Leben hinterher und unter Langsam lerne ich, die Dinge sein zu lassen.

Photo: Portrait / Shutterstock | Inspiriert von: Bianca Sparacino