Neu im Podcast von myMONK: Ich schäme mich so. Und folgst Du myMONK schon bei Instagram?

Woran denkst Du und was fühlst Du, wenn Du „Produktivität“ hörst?

Ich denke an Maschinen und an Menschen, die wie Maschinen sein wollen oder sollen, das letzte Quäntchen Leistung aus sich herausquetschen, als wären sie nur Orangen und das Leben nichts als eine riesige erbarmungslose Saftpresse.

Ich fühle mich wie die hohlen Reste der Orangen, wenn ich die Maschine auch nur aus der Ferne rattern höre.

Dabei könnte Produktivität etwas sein, das Freude macht, statt auslaugt. Erfüllung bringt statt Leere. Sanfte Wärme bedeutet, statt tote Kälte oder vernichtende Überhitzung.

Hängt ganz davon ab, wie wir Produktivität verstehen und wo wir ansetzen, wenn wir produktiv sein wollen.

Was bedeutet Produktivität?

Klassisch definiert wird sie so:

Produktivität = Output / Input

Je mehr bei unserem Tun herausspringt und je weniger wir dafür einsetzen müssen, umso produktiver sind wir. Wir können also entweder mehr leisten oder weniger reinstecken, um produktiver zu werden.

Die Chancen stehen in der Dienstleistungsgesellschaft sehr gut, dass Du, lieber Leser, eine Arbeit hast, bei der Du vor allem Deine Zeit einsetzt. Zeit ist also unser wichtigster Input (und nicht zum Beispiel Holz).

Den Output können wir festlegen als Wert, den wir mit unserem Tun schaffen.

So ergibt sich:

Produktivität = Wert / Zeit

Wer produktiver sein will oder soll, der wird meist bei der Zeit einsetzen. Schneller arbeiten, mehr Aufgaben abhaken, Pausen und Erholung „optimieren“, um die Orange so schnell wie möglich auszupressen.

Also tun wir, was wir immer getan haben, und wie wir es immer getan haben – nur eben gehetzter als vorher. Sozusagen die „Espresso-Methode“: sauf morgens 30 Espressi und dann ackere Dich mit einem Puls von 480 ab!

Und was passiert?

Wir werden nicht erfüllter, sondern nur noch leerer.

Ich glaube es waren die Chinesen, die sagten: „wenn Du in die falsche Richtung gehst, verlierst Du Dich umso mehr, je schneller Du gehst.“

Statt das Tempo zu erhöhen, können wir auch für einen Moment anhalten. Ruhig durchatmen. Ein und aus, ein und aus.

Und dann überlegen: wohin soll die Reise gehen? … was wollen wir mit unserem Leben und unserer Zeit anfangen?

Oder: wie wollen wir Wert schaffen?

Erst dann macht es Sinn, sich um die Geschwindigkeit zu kümmern.

Außerdem können wir an der Wert-Seite viel mehr schrauben, während die Zeitoptimierung doch bald schon ein Ende hat – kein Mensch in einer Minute 500 Bäume Fällen, Wörter schreiben oder Leute am Telefon bequatschen. Außerdem kostet es Zeit zu lernen, schneller zu werden.

Was bedeutet Wert?

Zeit lässt sich in Zahlen messen, bei Wert ist das nicht so einfach. Vielleicht leben wir deswegen in einer Welt, die Produktivität in der Geschwindigkeit sucht.

Wert musst Du selbst definieren.

Unabhängig von der Gesellschaft, die Wert – und damit auch Produktivität – oft mit Geld gleichsetzt, oder Besitz oder eben damit, beschäftigt zu sein, egal, womit.

Wie Du Wert definierst, bestimmt auch darüber, was es für Dich heißt, produktiv zu sein.

Und es entscheidet darüber, ob Du das Gefühl hast, den Tag genutzt zu haben, wenn Du ins Bett gehst.

Lass uns anschauen, aus welchem Bestandteilen sich Wert zusammensetzt: Das sollte uns dabei helfen, ihn für uns zu definieren.

Steve Pavlina schreibt von vier Dingen, die Wert einer Tätigkeit ausmachen:

Wert = Essenz x Einfluss x Dauerhaftigkeit x Anzahl

  • Essenz: Worin genau liegt der Wert, den Du schaffst? Wird das Leben dadurch schöner, angenehmer, reicher, unterhältst Du Menschen damit, oder hilfst Du ihnen auf eine tiefere Weise? Bist Du dabei leicht austauschbar wie ein Fließbandarbeiter, oder tust Du etwas, das nur Du (oder wenige) so tun kannst, wie Du’s tust?
  • Einfluss: Wen beeinflusst Dein Werk? Dich, Deine Lieben, Deinen Arbeitgeber, die Welt, alle zusammen? Für wie viele Menschen (oder Tiere) ist wertvoll, was Du tust? Für einen, zehn, 50, 1000, eine Fantastillion?
  • Dauerhaftigkeit: Wie lange hält der Wert an, den Du schaffst? Für ein paar Stunden, weil Du zum Beispiel über aktuelle Nachrichten schreibst, die schon morgen von vorgestern sind? Oder über 100 Jahre, weil Du zum Beispiel ein Bild malst, das ewig über der Wohnzimmer-Couch von Familie Müller hängt und sogar vererbt wird? Ist es schnell vergessen, was Du erschaffst – oder von Dauer?
  • Anzahl: Wie viele Stücke Wert schaffst Du? Wie viele Bilder malst Du, Videos produzierst Du, Texte schreibst Du, Reden hältst Du, Gerichte kochst Du, Programme programmierst Du?

Lassen wir die Anzahl zunächst mal außen vor, sie hängt ja mit dem klassischen Schneller-schneller-schneller-Mehr-mehr-mehr zusammen, auf das wir uns bei „Produktivität“ so oft konzentrieren. Der größeren Hebel liegen bei den anderen drei Bestandteilen  – Essenz, Einfluss und Dauerhaftigkeit. This is where the magic happens. (Ohje dabei fällt mir ein: das sagen immer die Stars, wenn sie einem Kamerateam ihr Schlafzimmer zeigen mit dem kreisrunden Bett und dem Spiegel an der Decke.)

myMONK scheint viel mehr Wert zu schaffen, ich bin also deutlich produktiver, seit ich selbst hier texte und mein Herz in die Wörter schmeiße, und nicht mehr nur Interviews durchführe und Links zusammentrage wie im ersten halben Jahr (Wert-Essenz steigt). Zumindest bekomme ich seitdem viel mehr Kommentare und Mails von Menschen, denen die Seite nicht nur gefällt, sondern wirklich hilft. Seitdem wächst sie außerdem viel schneller, erreicht also immer mehr Leute (Einfluss steigt). Auch mir selbst macht myMONK seit dieser Entscheidung viel, viel mehr Freude. Dauerhafter ist der Wert auch geworden, weil manche meiner Aussagen bei manchen Lesern viel länger hängen bleiben, seit ich Hirnschmalz hineinstecke, um die Inhalte so gut ich kann auf den Punkt zu bringen (Dauerhaftigkeit steigt).

Statt einfach noch mehr Interviews zu machen und Links zu posten (Anzahl, nur begrenzt zu steigern), habe ich an der Essenz-Schraube gedreht, der Einfluss stieg als Folge davon.

Verstehen wir Produktivität so, dann können wir sie leicht auf alles in unserem Leben anwenden. Sie bezieht sich nicht nur auf den Beruf, und nicht nur auf Kollegen oder Kunden, sondern auch auf uns selbst, unseren Partner, unsere Kinder, Nachbarn im Haus oder im Geist, unsere Straße, unsere Stadt, das Land, das Universum und vielleicht sogar den, dessen Spielball das Universum ist.

Die Freizeit kann ebenfalls mehr oder weniger produktiv sein. Nehmen wir den Sonntagnachmittag: Ein Spaziergang ist meist wertvoller als fernsehen – die Entspannung geht tiefer und hält länger an, es ist deutlich gesünder und beeinflusst vielleicht sogar noch andere Menschen, die Du nett grüßt, oder Deinen Partner, der sich Dir anschließt. An anderen Tagen ist das wertvollste, was wir tun können, vielleicht wirklich, uns vor die Glotze zu hauen und alle Gliedmaßen und Synapsen durchhängen zu lassen, weil wir das gerade am meisten genießen und Genuss uns in diesem Moment am wichtigsten ist.

Wie gesagt: Produktivität hat nicht nur mit ERLEDIGEN zu tun, sondern von jedem selbst zu definieren.

Wie produktiv bist Du?

Wie produktiv bist Du – welchen Wert schaffst Du für wen und ist er von Dauer?

Wie schön machst Du Dir Dein Leben, welche Qualität hat es für Dich?

Gibst Du viel Geld für viel Scheiß aus, oder setzt Du es produktiv ein?

Wie viele Menschen berührst Du … und vor allem: wie tief?

Hockst Du wie ich über lange Zeit allein in einer dunklen Wohnung und siehst fern, oder gehst Du auf Menschen zu, öffnest Dich ihnen, hörst ihn zu, schaffst echte Beziehungen und hilfst ihnen, wenn sie Deine Hilfe brauchen?

Welchen Wert schafft Deine Arbeit für Dich, Deine Familie und die Welt?

Ödet die Arbeit Dich an, bringt sie Deiner Familie nur einen kaputten Daddy oder eine kaputte Mama, und bringt sie die Welt keine drei Millimeter weiter, oder tust Du etwas von Herzen gern und gut?

Wenn Du Dir ein Leben wünschst, das nicht mehr nur an Dir vorbeizieht, sondern bunter ist, erfüllter, reicher, abenteuerlicher, verbundener und sinnvoller, dann wird’s Zeit, Produktivität neu zu definieren.

Nicht schneller hetzen, sondern einen neuen Weg einschlagen.

Produktiver werden – auf Deine Weise.

Statt Dich wie eine Orange von der Maschine auspressen zu lassen, immer schneller, nimmst Du Samen und pflanzt Bäume damit, die Dir viel bedeuten und anderen Schatten spenden.

 

P.S. Mehr über „Wert“ findest Du hier: Wie Du echten Wert schaffen und von Deiner Leidenschaft leben kannst.

 

Photo: Hartwig HKD