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„Die Kunst des negativen Denkens“ … aha. Da kommt jetzt bestimmt was Ironisches. Was in Richtung „dreh den inneren Terror so richtig auf, wenn Du willst, dass es Dir schlecht geht“. Ha, ha.

Aber nein. Ist ernst gemeint.

Negatives Denken kann uns helfen. Wenn wir es richtig machen.

Schritt 1: Mit allem rechnen

Der stoische Philosoph Seneca schrieb:

„Einem weisen Menschen stößt nichts Unerwartetes zu. Nicht alle Dinge entwickeln sich so, wie er es sich wünscht. Die meisten aber so, wie er es einschätzt – und vor allem rechnet er immer damit, dass etwas passieren kann, das seine Pläne durchkreuzt.“

Negatives Denken heißt: sich auch mit dem Scheitern beschäftigen. Mit den möglichen Fehlschlägen, den Planabweichungen.

Das ist etwas anderes als Pessimismus. Wer so denkt, lässt den Kopf nicht hängen, sondern nutzt ihm klug. Er fürchtet das negative Denken nicht aus Angst vor einem Gesetz der Anziehung, das vielleicht/bestimmt gar kein Gesetz ist. Also wird er nicht so leicht überrascht, kann nicht so schnell umgeweht werden von einem Wind, der plötzlich aus der „falschen“ Richtung kommt. Vom Leben mussten (und müssen) wir das sonst immer wieder auf die harte Tour lernen.

Auf diese Weise sind wir gefasster, wenn Unschönes eintritt. Können es besser akzeptieren. Schneller aufstehen und weiter voran schreiten.

Dasselbe machten die Samurai, die täglich über ihren Tod meditierten. Genau so, wie es heute Spezialeinheiten verschiedenster Militärs lernen.

Schritt 2: Weiterdenken

Wenn ich mich vor unerwünschten Erlebnissen fürchte, steigen Gedanken und Bilder und Töne in meinen Kopf, werden von winzigen Daumenkinos zu 3D-Filmen auf gigantischen Leinwänden, ziehen mich rein, quetschen mich aus. Nahezu real. Und verdammt beängstigend.

Dann, wenn die Angst am größten ist, tue ich, was wir in diesen Situationen meistens tun: Ich steige aus. Renne aus dem Kino. Lenke mich ab. Unterschwellig ist die Angst natürlich nicht weg. Sie ist durch die Flucht größer geworden.

Hier wird die Kunst des negativen Denkens zum zweiten Mal wichtig. Wir gehen dazu den Weg, der erst mal weniger nahe liegt. Wir bleiben im Kopfkino. Beim „Negativen“. Und spinnen den Film weiter. Was passiert nach dem, wovor wir bangen? Wie geht es weiter?

Was, zum Beispiel, geschieht wirklich, nachdem wir einen Korb bekommen haben von der schicken Tante, die wir angesprochen haben? Werden wir sterben? Ist unser Leben vorbei? Nein. Es ist ein Korb, keine Todesspritze. Vielleicht tut es weh, okay, aber erstens vergeht das und zweitens haben wir damit unsere Komfortzone erweitert und das nächste Mal sogar schon ein bisschen weniger Angst.

Vor allem aber können wir so auch für die ungünstigen Fälle Pläne entwickeln. Nehmen sie damit in die Hand. Und fühlen uns deutlich weniger ausgeliefert.

Die Beschäftigung mit dem „Negativen“ wird dadurch sehr positiv für uns.

Mehr dazu unter 5 Gründe, häufiger negativ zu denken und 9 Prinzipien für stoische innere Ruhe.

Photo: Jacob Bøtter