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Text von: Christina Fischer

Neulich haben mein Mann und ich beschlossen, dass uns etwas Bewegung mal wieder gut tun würde. Wie ernst es ihm damit war begriff ich erst, als ich beim gemeinsamen Joggen nach kurzer Zeit nur noch seinen Staub schluckte. Als ich später wieder atmen konnte und meine Zunge nicht mehr auf dem Boden schleifte, wollte ich wissen, wie er sich zu diesem sportlichen Höhenflug motiviert hatte. Er antwortete schulterzuckend: „Ich hab mir einfach die ganze Zeit gesagt: ‚Lauf, Schwabbel, lauf!“

Wenn das Ziel nur erstrebenswert genug scheint, fällt es uns oft verhältnismäßig leicht, uns einen Ruck zu geben.Jetzt mache ich richtig Sport, stelle meine Ernährung auf den Kopf“, sagen wir uns vielleicht. Oder: „Jetzt reiße ich noch mehr Überstunden runter – bis der Chef endlich merkt, was er an mir hat!“ Kampfparolen gehen uns leicht über die Lippen. Sie werden uns von Vorgesetzten entgegen gerufen, nachdem die sie auf ihrem Führungskräfteseminar auswendig gelernt haben. Sie werden uns von den Titelseiten diverser Selbstoptimierungs-Ratgeber oder von den Bühnen großer Motivations-Coaches entgegengebrüllt. Manchmal flüstern sie uns auch Familienmitglieder, Freunde oder der Partner liebevoll ins Ohr. Und wenn alles nichts hilft, dann gibt es immer noch unseren eigenen inneren Antreiber, der uns wie ein Drill-Instructor „Lauf, Schwabbel, lauf“ ins Gesicht schreit. All diese Stimmen – geschrien oder liebevoll geflüstert – können uns den notwendigen Schubs geben, damit wir loslaufen und den ersten Schritt machen hin zum großen Ziel. Doch oft geht uns trotzdem schon bald wieder die Puste aus. Der Tank ist leer, unser innerer Motor röchelt und stottert. Nach einer Weile bleiben wir stehen.

Was kann uns noch antreiben, wenn alle Antreiber versagen?

Es ist ein Trauerspiel. Obwohl wir unzählige Selbsthilferatgeber inhaliert, den Badezimmerspiegel mit motivierenden Sprüchen tapeziert und eine Armada Motivations-Coaches in Youtube-Videos uns inspiriert haben, ist der Ofen plötzlich aus. Wir halten auf freier Strecke und fühlen uns hilflos, weil alles irgendwie nichts nützt. Doch dabei übersehen wir oft das Allerwichtigste: uns selbst. All die Motivationssprüche, das Anfeuern und das gute Zureden sind nämlich letztendlich nur wie der Versuch, ein Auto von außen anzuschieben. Die Räder drehen sich, doch es fehlt jemand im Inneren, der den Motor zum Leben erweckt. Wenn uns im Inneren nichts wirklich antreibt, mögen wir uns zwar von der Stelle bewegen, doch unser volles Potenzial können wir auf diese Art wahrscheinlich kaum entfalten.

Was bedeutet es Dir wirklich?

Es reicht nicht aus, nur ein vermeintlich erstrebenswertes Ziel vor Augen zu haben. Selbst dann, wenn wir etwas für ein gutes Ziel halten, bringen wir nicht immer die Motivation und die Ausdauer auf, es auch zu erreichen. So ergab beispielsweise eine Umfrage aus dem vergangenen Jahr (), dass der größte Teil aller Befragten, nämlich 80 Prozent, Gesundheit für ein „außerordentlich wichtiges Ziel“ halten. Trotzdem tun wir selten wirklich alles Menschenmögliche, um gesund zu leben. Der Harvard-Psychologe Robert Kegan belegte das sogar mit einer Studie unter Herzpatienten, denen aus ärztlicher Sicht dringend zu einem gesünderen Leben geraten wurde – denn genau dieses Stand auf dem Spiel. Obwohl die herzkranken Studienteilnehmer jedoch dem Tod förmlich ins Auge blickten, schaffte es lediglich einer von sieben Bypass-Trägern, seine Ernährung dauerhaft umzustellen und mit dem Rauchen aufzuhören. Selbst das Risiko des eigenen Todes konnte nur die wenigsten zum Handeln motivieren.

Das Wissen darum, dass ein Ziel wirklich erstrebenswert ist, reicht also nicht zwangsläufig aus, damit wir auch die Ausdauer aufbringen, es wirklich zu erreichen. Selbst wenn die Motivation anfangs noch so groß ist. Was in diesem Fall fehlt, ist schlicht ein guter Grund, warum wir dieses Ziel erreichen wollen – eine tiefe Intention.

Wer nicht brennt, kann sich nicht anfeuern

Eine Intention ist etwas, das über den Verstand hinausreicht, das vielleicht sogar größer ist als wir selbst. Sie geht mit verschiedenen „Symptomen“ einher, eines davon ist Begeisterung. Forscher an der Universität Göttingen fanden heraus, dass es nur im Zustand echter Begeisterung zu einer Aktivierung des Belohnungssystems im Mittelhirn kommt. Das wiederum ist die Bedingung dafür, dass sich die Bereitschaft für Höchstleistungen überhaupt erst einstellt. Wenn wir also von etwas nicht so fest überzeugt sind, dass sich echte Begeisterung einstellt und unser Herz mit an Bord ist, wird es immer unwahrscheinlicher, dass unsere Motivation ausreicht, um das Ziel zu erreichen.

Beispiele für diesen Effekt finden wir beinahe überall, wenn wir danach suchen.

Warum reißen die Menschen Apple die teuren iPhones förmlich aus den Händen, während Nokia den Laden inzwischen dicht machen kann (und das, obwohl die Nokia-Handys uns den Spielekracher „Snake“ beschert haben)? „Menschen kaufen nicht, was man herstellt; sie kaufen, warum man etwas herstellt“, sagt Ted-Talker Simon Sinek, der auch Autor des Buches „Start with why“ ist. Wenn zwei motiviert sind, gewinnt derjenige, der inspiriert ist, so Sinek. Wer also für seine Sache brennt, kann nicht nur sich selbst besser anfeuern, sondern er hat auch die Kraft, andere zu entflammen.

Und wofür brennst Du so?

Vielleicht ist aber das Beste an der Sache, dass es Dir, sobald Du weißt, warum Du etwas wirklich tust, gar nicht mehr so wichtig ist, irgendein fernes Ziel zu erreichen. Denn dann erfüllt es Dich bereits, Dich auf dem Weg zu befinden. Der Rapper, Coach und Buddhist Curse teilt in seinem Podcast „Meditation, Coaching & Life“ eine Geschichte, die ihm sein buddhistischer Lehrer einmal erzählt hat.

Dieser hatte schon immer eine Neigung zur Musik, verbrachte seine Jugend aber in einem buddhistischen Kloster, in dem nur bestimmte Instrumente erlaubt waren. Es waren genau die Instrumente, die ihn nicht interessierten. Also machte er heimlich mit den „nicht-religiösen“ Instrumenten Musik – bis seine Machenschaften eines Tages entdeckt wurden. Der Eintrag ins buddhistische Klassenbuch blieb aber glücklicherweise aus, der Lehrer hatte Verständnis. Nicht die Instrumente selbst machten nämlich die Musik heilig, sagte er, sondern die innere Motivation, mit der sie gespielt würden. Wenn wir etwas mit vollem Herzen tun, dann ist das an sich bereits eine Art „heiliger Akt“, dann kann etwas „Magisches“ entstehen. Oder etwas profaner ausgedrückt: Dann sind wir richtig gut. Dann stellt sich auch viel eher das Gefühl ein, sich auf dem „richtigen Weg“ zu befinden.

Die Autorin Elizabeth Gilbert schreibt in „Big Magic“ über ihre Zeit als junge Schriftstellerin vor dem Durchbruch. Obwohl sie sich finanziell kaum über Wasser halten konnte, habe sie nie an ihrem Ziel gezweifelt. Gilbert schreibt: „Wenn das Schicksal nicht wollte, dass ich Schriftstellerin bin, dann hätte es mich nicht zu einer machen sollen, finde ich.“ Die Dinge, die wir wirklich von Herzen erreichen wollen, sind schon längst in uns. Wir denken sie uns nicht aus, wir planen sie nicht. Und es ist unerheblich, ob uns das Universum vermeintlich dafür eigens auserwählt hat (vermutlich nicht) oder ob wir etwas einfach nur so, so gerne wollen. Dann ist nur noch wichtig, dass wir losgehen. Das können wir guten Gewissens tun, denn die Erfolgsaussichten sind ja erwiesenermaßen bereits viel höher. Wir müssen nur wissen, warum.

„Wer ein Warum hat, kann fast jedes Wie ertragen“, sagte Friedrich Nietzsche.

Möglicherweise müssen wir aber auch im Gesamten viel weniger ertragen, wenn unser Warum uns trägt.

Es ist zumindest wohl noch keine Goldmedaille im Langstreckenlauf durch „Lauf, Schwabbel, lauf“ errungen worden.

Mehr unter Wie man motiviert bleibt (auch wenn man noch keine Fortschritte sieht) und im Podcast mit der Folge „Was hilft, wenn Du durchhängst“  und im myMONK-Buch 12 Gewohnheiten, die Dein Leben verändern.

Photo: young woman von Yulia Grigoryeva / Shutterstock