Neu im Podcast von myMONK: Ich schäme mich so. Und folgst Du myMONK schon bei Instagram?

Vorbei die Zeiten, in denen ein Mann nur schießen, saufen, posen und sich unverletzbar hart geben musste, um als „echter Mann“ wahrgenommen zu werden. Vorbei sind aber auch die Zeiten der Gegenbewegung: weinerliche Weicheier haben genauso ausgedient, die alles … „hmmm … jaaa … klar“ … verstehen, aber weder für sich noch für andere kämpfen. Was bedeutet es aber dann, heute ein Mann zu sein? Und wie können zwanzigjährige oder fünfzigjährige Jungs zu Männern werden?

Ein Leitfaden für den neuen Mann in acht Akten:

#1 Nichts wird jemals einfach sein. Und nichts wird je anders sein.
#2 Entscheide. Keine Ausreden.
#3 Spüre die Angst. Und gehe hindurch.
#4 Sei stark. Sei schwach. Sei alles, was Du bist.
#5 Frauen verstehen für Anti-Frauenversteher.
#6 Andere Männer.
#7 Verantwortung: Kümmere Dich. Um Dich selbst, aber auch um andere.
#8 Du brauchst eine Mission (oder: Liebe für Männer, Teil 2).

1. Nichts wird jemals einfach. Und nichts wird je anders sein.

Kein Lebensbereich wird auf Dauer einfach und ohne Anstrengung verlaufen.

Und nichts wird irgendwann ganz anders, als es heute ist.

Wir glauben gern daran, dass die Partnerin sich nur ein bisschen ändern muss oder der Chef einsehen, wie sehr wir es doch eigentlich drauf haben im Job. Oder dass das Leben mühelos wird, wenn die Kinder erst aus dem Haus sind, man im Lotto gewonnen oder seinen Job gekündigt hat.

Deine Partnerin wird sich nicht ändern. Versuchst Du, sie auszutauschen, kommen alte und neue Probleme, Muster, die sich wiederholen und Charakterzüge, mit denen Du neu umzugehen lernen musst.

Dein Chef wird Dich nicht morgen und nicht übermorgen und nicht in fünf Jahren in den Arm nehmen und Dir sagen, wie glücklich er über Dich ist und dass es ihm leid tut, dass er erst jetzt erkannt hat, was für ein Glück er doch mit Dir hat.

Deine Kinder ziehen irgendwann aus (vielleicht erst viel später, als Du heute glaubst), dafür benötigen dann vielleicht Deine Eltern oder Schwiegereltern mehr Hilfe.

Wenn Du „endlich reich“ bist und für immer tatenlos am Strand herumliegen kannst, wirst Du neu herausgefordert werden: von Langeweile, Einsamkeit, Depressionen.

Es gibt zwar Herausforderungen, die besser zu einem passen, als andere. Die Herausforderung und die Verpflichtungen selbst bleiben aber. Das gesamte Leben lang.

Es hört niemals auf. Ein Mann weiß das und flüchtet sich nie lange in die Fantasie vom mühelosen Leben.

Geh’ davon aus, dass nichts jemals fundamental anders sein wird. Fang’ heute an, so zu leben, wie Du es schon immer wolltest. So, wie Du es liebst. Oder nimm Deine Träume mit ins Grab.

Ein Mann wartet nicht.

2. Entscheide. Keine Ausreden.

Ein Mann weiß um die Macht einer echten Entscheidung. Er weiß, dass er manchmal alte Türen schließen muss, um neue zu öffnen.

Er mag sich unsicher sein, während er den Türgriff heranzieht, um die alte Tür zu schließen. Er mag Angst haben. Und dennoch wird er es tun und einen lauten, prall gefüllten Raum voller anderer Männer hinter sich lassen, die sich lieber gegenseitig mit Ausreden beruhigen als Entscheidungen zu treffen:

„Dieses und jenes wollte ich schon immer tun. Wenn ich Rentner bin, hab’ ich endlich Zeit dazu.“

„Meine Geschäftsidee ist zwar verdammt clever und erfolgversprechend … aber so, wie die wirtschaftliche Lage gerade ist, konzentriere ich mich besser auf meinen öden Job, sicher ist sicher.“

„Ich würde ja gern meinen Lebenstraum angehen, aber der Zeitpunkt ist einfach nicht ideal.“

Ein Mann fällt Entscheidungen so, wie er Bäume fällt. Er schleicht nicht jahrelang um den Baum herum, kratzt nicht zögerlich mit seinen Fingernägeln am Stamm, um den Baum eventuell doch noch stehen lassen zu können. Mit seinem Willen und einem kräftigen Schlag bringt er Altes endgültig zum Einstürzen und Neues zu Tage.

Daher genießt er großes Vertrauen in sich selbst und von denen, die er liebt.

3. Spüre die Angst. Und gehe hindurch.

Jeder Mann kennt den Zweifel und die Angst. Doch nur echte Männer atmen beides mit offenem Herzen ein und schreiten voran.

In einem Buch über die buddhistische Psychotherapie von Matthias Ennenbach habe ich gelesen:

„Es geht nicht um die Befreiung VON den Gefühlen. Sondern um die Befreiung INMITTEN der Gefühle.“

Zweifel und Ängste werden den Mann immer begleiten. Die Frage ist, wie er damit umgeht.

Wenn er sie verdrängt oder sich ihnen beugt und stehen bleibt, werden sie stärker und der Mann fühlt sich schwächer, impotenter und hilfloser.

Wenn er sie annimmt und spürt und trotzdem unter Schmerzen hindurch geht, dahin, wohin es ihn hinzieht, dann wird der Mann stärker. Er spürt dann, auf dem richtigen Weg zu sein.

Manchmal sind es die Ängste und Zweifel allein, die einen Mann loslaufen lassen. Weil er niemals bereit ist, sich ihnen unterzuordnen.

Er weiß, dass er scheitern kann und häufig auch wird. Und er weiß, dass er auch damit umgehen und Neues über sich selbst lernen kann.

4. Sei stark. Sei schwach. Sei alles, was Du bist.

Nicht nur die Angst und seine Zweifel nimmt er an, ohne sich von ihnen bestimmen zu lassen. Gleiches gilt auch für all seine Stärken und Schwächen.

Er weiß, dass er sich immer wieder ausbrechen, sich von Verpflichtungen und Beschränkungen befreien und wie ein gesetzloser Krieger umherziehen will, der niemand anderen zu brauchen und alles zu beherrschen glaubt. Manchmal folgt er diesem Ruf, manchmal nicht. Aber immer hört er ihn.

Ein Mann versucht nicht, Teile von sich abzuspalten, auch wenn sie ihm dunkel und bedrohlich oder schwach und beschämend erscheinen.

Um sich selbst zu erforschen, zieht er sich regelmäßig zurück und meditiert.

5. Frauen verstehen für Anti-Frauenversteher.

Ein Mann weiß jedoch, wie (s)eine Frau ist und akzeptiert es. Er kennt ihre Bedürfnisse, ihre Verhaltensweisen, ihre Gewohnheiten. Er kennt aber auch seine Bedürfnisse und steht für sich ein.

Ein paar Dinge, die ich gelernt habe:

  • Halte Deine Liebe nicht zurück, nur weil Du Angst hast, dadurch verletzbar zu werden. Liebe mit allem, was in Dir ist.
  • Wenn eine Frau weint, nimm sie wortlos in den Arm. Auch wenn Du eigentlich viel lieber Vorschläge anbringen würdest, wie sie ihre Situation verändern kann.
  • Wenn eine Frau morgen eine andere Meinung hat als heute, ist das weder eine Lüge noch eine Bösartigkeit von ihr. Männer sagen (eher), was sie denken, Frauen (eher), was sie in diesem Moment fühlen – die Energie ihrer Gefühle strömt wie die Wellen eines Meeres.
  • Eine Frau unterstützt man in ihrer Entwicklung am besten, indem man sie wertschätzt, lobt und liebt. Und nicht, indem man sie anklagt oder herausfordert.
  • Setze Deine Grenzen. Sag es ihr klar, wenn Du ihr Verhalten Dir gegenüber nicht akzeptieren kannst. Die Beziehung wird dadurch besser, nicht schlechter.
  • Ein Mann ergreift die Initiative. Er geht auf die Frau zu, die er attraktiv findet, und macht den ersten Schritt. Das gilt nicht nur für das Kennenlernen, sondern auch für das Zusammenziehen und den Heiratsantrag. Und für eventuelle Trennungen, wenn der gemeinsame Weg vorbei ist.
  • Ein Mann zieht sich nicht dauerhaft in eine Beziehung zurück. Er liebt seine Frau, er liebt aber auch sein eigenes Leben und er will die Welt verändern.

6. Andere Männer.

Ein Mann weiß, dass er andere Männer braucht, um sich selbst zu sehen und weiter zu entwickeln.

Sieht ein Mann einen anderen Mann, wertet er ihn nicht ab. Weder, weil er sich bedroht von ihm fühlt, noch weil er glaubt, ihm überlegen zu sein.

Im Gespräch mit anderen Männern versteckt sich ein Mann nicht. Er vermeidet es aber auch, sich aufzublasen und anders oder „nach mehr“ aussehen zu wollen, als er ist.

Er spricht mit seinen Vertrauten offen über seine Erfahrungen, Niederlagen und seinen Schmerz und nimmt sich zu Herzen, was seine Freunde ihm sagen. Ebenso spricht er einen Freund an, wenn er glaubt, dass dieser sich unter Wert verkauft, anstatt sein volles Potenzial auszuleben.

7. Verantwortung: Kümmere Dich. Auch, aber nicht nur um Dich selbst.

Ein Mann muss, um erwachsen zu werden:

  • Finanziell auf eigenen Beinen stehen. Auf beiden. Er lebt unabhängig von seinen Eltern, von Freunden, der Partnerin und der Bank.
  • Sich auch sonst selbst versorgen können: kochen, aufräumen, Kleidung wählen, die ihm steht, etwas für seinen Körper und Gesundheit tun.
  • Sich um seine persönliche Entwicklung kümmern.

Doch das reicht nicht. Ein Mann muss auch Verantwortung für andere Menschen übernehmen.

Und zwar wirtschaftlich (seine Familie ernähren können) und spirituell (seine Freunde und andere Menschen beim Wachstum unterstützen, so gut er kann).

Dabei vergisst er jedoch nie seine eigenen Grenzen.

8. Du brauchst eine Mission (oder: Liebe für Männer, Teil 2).

Wenn ein Mann nur des Geldes wegen in einem Beruf arbeitet, ist er verloren. Ein solcher Job saugt ihn aus wie ein Blutegel der „Verpflichtungen“.

Seine Arbeit muss Ausdruck seiner Liebe sein.

Dafür benötigt er eine Mission.

Ein Mann muss seine Vision für eine bessere Welt entwickeln und mit aller Kraft und aller Leidenschaft für sie kämpfen.

P.S.: Ich selbst habe in vielen dieser Bereiche noch einen langen Weg vor mir. Und ich bin gewillt, auch heute wieder ein paar kleine Schritte voranzukommen. Wenn’s Dir ähnlich geht, freue ich mich sehr, von Dir zu lesen.

 

Photo: Sukanto Debnath