Neu im Podcast von myMONK: Ich schäme mich so. Und folgst Du myMONK schon bei Instagram?

Nehmen wir mal an:

Dein Sohn kifft erst, kokst danach, spritzt dann, hoffen wir mal, dass es nur Heroin ist und nicht Desomorphin („Krokodil“).

Deine Tochter ist auf einen Loverboy reingefallen, der sie vielleicht bald auf den Strich schickt, schick wie sie ist, und jung wie sie ist, ein gutes Geschäft.

Dein Mann ist abends gar nicht im Briefmarkensammlerverein, sondern auf der Suche nach solchen jungen Mädels.

Dein Kollege, ja, genau der, der gerade so vertieft in seinen Monitor starrt, ist gar nicht so nett zu Menschen, er isst Menschen.

Vielleicht ist alles auch eine Nummer alltäglicher. Der Sohn hat heimlich sein Studium geschmissen, vor zwei Jahren schon. Die Tochter ist magersüchtig, kommt doch nicht vom vielen Sport, dass sie bald weniger wiegt als ihr Smartphone. Der Mann liebt Dich eigentlich kaum noch, auch wenn er das behauptet. Und der Kollege ist einfach nur ein ganz gewöhnlicher Arsch, der Dich für zwei Pfennig an den Galgen hängen würde.

Trotzdem:

Willst du die Wahrheit wirklich wissen?

Ja und nein.

Unsere scheinbar heile Welt ist oft selbst dann leichter zu ertragen als die Wahrheit, wenn irgendwo in der hintersten Ecke unseres Kopfs Misstrauen und Zweifel an der Fassade nagen.

Wie sollten wir mit der Wahrheit leben, steht sie einmal nackt vor uns? Und wie damit, dass wir womöglich viel zu lange weggesehen haben (obwohl das sehr menschlich ist, ich selbst bin mir da auch nicht immer sicher)?

Lügen haben leichtes Spiel, wenn wir mitspielen.

 

P.S.: Trotzdem bleibt es seine bzw. ihre Lüge – die Lüge an sich hat mit dem Lügenden zu tun, nicht mit uns. Wir sind erst dann ein Stück weit verantwortlich, wenn wir trotz leiser oder lauter Zweifel wegschauen. Siehe Wie man Lügen nicht mehr persönlich nimmt.

P.P.S.: Siehe auch Der einzige Unterschied zwischen reifen und unreifen Menschen.

 

Photo: micadew