Neu im Podcast von myMONK: Ich schäme mich so. Und folgst Du myMONK schon bei Instagram?

Gehetzt von Uhren und Zielen, gequetscht ins tausende Termine, geben wir alles und kommen doch nie wirklich an. Rastlos sind wir unterwegs, ständig begleitet vom Gefühl, etwas zu verpassen.

Was passiert da und warum?

Der Philosoph Alan Watts bringt es auf den Punkt (die Übersetzung ist von mir):

„Wir leben in einer Kultur, die komplett hypnotisiert ist von der Illusion der Zeit, in der der sogenannte ‚jetzige Moment’ nur noch gefühlt wird als unendlich kleiner Trennlinie zwischen der übermächtigen, alles verursachenden Vergangenheit und der allzu wichtigen Zukunft, die uns aufsaugt.

Wir haben keine Gegenwart. Unser Bewusstsein ist nahezu vollständig mit Erinnerungen und Erwartungen beschäftigt. Wir verstehen nicht, dass es nie eine andere Erfahrung gab oder geben wird als die im Hier und Jetzt.

So haben wir den Kontakt zur Realität verloren. Wir verwechseln die Welt, wie sie beschrieben und gemessen und über sie geredet wird mit der Welt, wie sie wirklich ist. Wir sind erkrankt an einer übertriebenen Faszination für Werkzeuge wie Namen und Zahlen, Symbole und Zeichen, Konzepte und Ideen.“

Für die Gegenwart, für das echte, pulsierende Leben, bleibt keine Zeit. Das muss warten. Für immer. Ich selbst kann mich davon überhaupt nicht ausnehmen. Ich springe häufig in Gedanken zwischen dem, was war, und dem, was werden könnte … und damit links und rechts am Hier und Jetzt vorbei (und das, obwohl ich fast ohne Termine lebe). Der Verstand, das Denken, verstrickt sich in Begriffen und Vergleichen und verweilt höchst ungern im Moment.

Es gibt noch einen weiteren Grund, warum wir das Leben verpassen. Unseren fanatischen Wunsch, festhalten zu wollen, was sich doch nicht festhalten lässt.

Alan Watts:

„In unserer Kultur macht sich ständig jeder Aufzeichnungen über alles mögliche, und es wird als wesentlich wichtiger angesehen, zu notieren, was geschieht, als ein Ereignis zum Zeitpunkt seines Geschehens zu erleben.“

Heute sind diese Aufzeichnungen natürlich vor allem Fotos.

Was vielleicht doch noch übrig wäre als schöner, bewusst erlebter Moment – im Urlaub, mit Freunden, oder allein bei einem Spaziergang durch die Natur – das opfern wir für Selfies und ein paar billige Likes auf Facebook und Instagram („oah, tooooolll!“). Falls wir uns die Bilder selbst je anschauen, sind sie eben nur noch eine Konserve, Leben aus der Dose.

Na gut, ich will uns jetzt mal nicht noch mehr Zeit stehlen. Schließlich hämmert die Zukunft schon wieder an die Tür.

 

Ebenfalls sehr lesenswert: Dieses Zitat bringt auf den Punkt, warum unsere Gesellschaft so kaputt ist. Wie man mehr ins Hier und Jetzt kommt erfährst Du hier: 10 einfache Wege zur mehr Achtsamkeit.

 

Photo: Thomas Leuthard