AKTUELL: myMONK sucht Werkstudenten +++ Kennst Du schon den neuen Podcast? Und folgst Du myMONK schon bei Instagram?

Minimalismus heißt: einfacher leben, heißt: weniger brauchen, weniger arbeiten müssen, mehr Zeit haben für Dinge, die einem wirklich wichtig sind. Zum Leben zum Beispiel, zur Muße, zum Nichtstun. Für einen ausgiebigen Spaziergang, regelmäßige entspannte Treffen mit Freunden, gute Bücher, das Ausleben von Leidenschaften.

Minimalismus heißt auch: einen Fick zu geben auf das allgemein anerkannte Streben nach mehr Geld, steilen Karrieren, permanentem „Netzwerken“, der größeren Karre, dem Maledivenurlaub, dem Kauf einer Malediveninsel oder gleich aller Inseln.

Minimalismus erfordert Mut. Wer einfacher leben will, stößt auf Mauern von Unbewusstheit und Angst, den beiden Ursachen, die dem blindem Hetzen zugrunde liegen.

Lass uns ehrlich sein. Du weißt, dass Dein Kontostand viel unwichtiger ist als die Z e i t, die Du mit dem Zusammensein mit geliebten Mitmenschen und mit Deinen Leidenschaften verbringst. Du weißt das, ich weiß das, Deine strebsamen Kollegen wissen das – oder spüren es zumindest in ihrem Herzen, in den wenigen ruhigen Minuten, die bleiben.

Minimalismus ist Befreiung. Einfacher leben heißt klassischerweise: weniger müssen. Weniger wollen, haben, arbeiten, bekommen und besitzen müssen.

Was Minimalismus für mich bedeutet

Für andere heißt Minimalismus, jeden Tag etwas wegzuwerfen, das sie nicht mehr brauchen, oder insgesamt nur eine bestimmte Anzahl von Dingen zu besitzen. Die Dinge zu minimieren.

Für mich heißt Minimalismus: Die Pflichten zu minimieren. Ich minimiere meine Termine, ich minimiere den Zwang, irgendwann irgendwo sein zu müssen.

Im Schnitt habe ich jede Woche:

  • eine Handvoll Telefontermine
  • ¼ Arztbesuche

Andere Verpflichtungen kommen natürlich hinzu, sind aber weitestgehend unabhängig von Tagen, Uhrzeiten und Orten. Ich muss den Müll herunterbringen, einkaufen gehen, ein bisschen aufräumen, und Dinge tun, die mein Einkommen sichern (die ich aber nicht als Arbeit im fremdbestimmten Sinne auffasse).

Wie viele Gegenstände dabei um mich herum existieren, ist für mich zweitrangig. Ob ich 15 Handtücher / Teller / Pullover besitze oder 5, ist mir eher gleich. Meine Freiheit drückt sich nicht in begrenztem Besitz aus. Meine Freiheit drückt sich in Zeit aus, über die ich allein bestimme, in Stunden und Tagen, in denen ich hier oder dort sein, dies oder jenes früher oder später tun kann.

Dinge wegwerfen kann fast jeder. Nicht, dass es nichts bringen würde, wer verzichten lernt, lernt auch, dass er vieles von dem ganzen Müll gar nicht braucht und sich daher auch nicht für noch mehr Müll noch mehr abstrampeln muss. Nur: die echte Befreiung ist etwas anderes. Die echte Befreiung geschieht nicht im Kleiderschrank, nicht in den Küchenschubladen, nicht im Keller, nicht im Haben oder Nichthaben. Die echte Befreiung geschieht im Leben und in unserem Inneren, im Kleiderschrank und Keller alter Gedanken, Gefühle und Verpflichtungen.

Dies sind die wirklichen Lasten auf unseren Schultern, das Schwierige und das Schwere. Eine nackte Wohnung befreit ein bisschen, ein nackter Terminkalender jedoch deutlich mehr. Der nackte Terminkalender schafft Platz für das, was wirklich zählt: Z e i t.

Das ist doch unrealistisch! Und was macht man dann überhaupt den ganzen Tag?

Die verbleibende Zeit verbringe ich größtenteils mit Leidenschaften und Vergnügungen.

Und hier kommt der vermutlich zweitschwierigste Part des Ganzen (der schwierigste ist der Austritt aus der herkömmlich angestellt oder freiberuflich arbeitenden Gesellschaft). Möglich ist diese Art des einfacheren Lebens natürlich nur dann, wenn wir unser Überleben sicherstellen können. Und zwar so, dass das Geldverdienen weder Selbstzweck, noch Mittel zum Zweck ist, sondern eine natürliche Folge.

Dafür müssen wir unsere Leidenschaften und mögliche Einkommensströme zusammenbringen. Sonst ist man schnell auch nur ein hetzender Freelancer, der sich vom hetzenden Angestellten einzig darin unterscheidet, dass er an Krankheits- und Urlaubstagen nichts einnimmt.

„Liebt ihr die Arbeit, so ist es keine mehr“. Ganz stimme ich dem nicht zu, denn ich glaube an die Wichtigkeit harter Arbeit. Trotzdem wird die Arbeit durch Liebe zur Leidenschaft, vielleicht sogar zu einer Mission.

Mein Minimalismus zeigt sich auch im folgenden Punkt: morgen sehe ich die Sache mit dem Minimalismus vielleicht teilweise oder ganz anders als heute. Ich verpflichte mich nur auf wenigen Gebieten zu einer festen Meinung.

 

Photo: Jens Karlsson