Neu im Podcast von myMONK: Ich schäme mich so. Und folgst Du myMONK schon bei Instagram?

Text von: Romy Hausmann

„Nicht die Dinge machen uns zu schaffen, sondern die Art und Weise, wie wir diese wahrnehmen.“ – Epiktet

„Jetzt mach dir doch nicht so nen Kopf.“

Pardon, den hab ich schon. Seit Geburt an, um genau zu sein. Und er ist täglich schwer im Einsatz. Strickt an 60.000 – 80.000 Gedanken. Bei so einer Menge sind wohl zwangsläufig auch ein paar dabei, die sich anfühlen wie eine Hundert-Kilo-Eisenkugel am Fußgelenk. Die mich runterziehen und auslaugen. Klar hätte ich auch lieber 24 Stunden lang Ballermann-Stimmung im Gehirn und ein Tom-Cruise-mäßiges Dauergrinsen im Gesicht. Wäre lieber rund um die Uhr glücklich und positiv. Nur wie sollte ich sie denn aufhalten, die negativen Gedanken? Sie rammen ihre Fahnen in mein Hirn und erklären das entsprechende Areal für besetzt. Auf dem Ballermann herrscht Zapfenstreich und Tom Cruise vergeht das Lachen.

Doch, ich mache mir einen Kopf.

Ich kann gar nicht anders.

Es heißt, unsere Gedanken bestimmen, wer wir sind. Wie wir die Welt sehen. Wie wir uns in der Welt bewegen. Ob wir nach einem Rückschlag wieder auf die Beine kommen oder liegen bleiben wie ein Käfer auf dem Rücken. Kurz, wie Marc Aurel gesagt hat: „Das Leben eines Menschen ist das, was seine Gedanken daraus machen.“ An manchen Tagen halte ich mich für eine unbegabte Autorin, eine schlechte Freundin, eine miese Köchin, eine ungeduldige Mutter oder eine undankbare Tochter. Und ich kann mir noch sehr das Gegenteil einreden, ich nehme es mir einfach nicht ab.

Und genau dann mache ich mir einen Kopf.

Und ich glaube, das ist auch nicht verkehrt. Vielleicht geht es nämlich gar nicht darum, niemals schlecht zu denken. Vielleicht geht es einfach nur darum, was wir aus unseren negativen Gedanken machen. Wie wir sie bewerten. Wie wir besser mit ihnen umgehen.

Diese fünf Fragen können uns dabei helfen:

1. Entspricht mein Gedanke der Wahrheit?

Morgen sollst Du vor Deinem Chef und den Kollegen eine Rede halten und machst Dir jetzt schon ins Hemd. Du denkst, Du wirst es versauen, irgendwelchen Schwachsinn erzählen oder überhaupt gar keinen Ton rauskriegen. Das war ja schließlich schon früher so, als Du vom Lehrer an die Tafel zitiert wurdest.

Ein Großteil unserer Gedanken speist sich aus der Erinnerung. Aus (oftmals) schlechten Erfahrungen, die wir schon vor vielen, vielen Jahre gemacht haben – und die heute gar nicht mehr aktuell sind. Du hast, seitdem Du aus Kleidergröße 120 rausgewachsen bist, bestimmt schon unzählige Reden gehalten: Vor Deinen Kommilitonen, zur Hochzeit Deines besten Freundes, bei der Beerdigung von Tante Gerda, vor dem Gremium des Fußballvereins Deines Kindes – und Du hast es nicht nur überlebt, Du hast es wahrscheinlich sogar ganz gut gemacht.

2. Kann ich aus dem Gedanken Kraft schöpfen oder raubt er mir Energie?

Fragen wir uns, ob ein Gedanke uns gut tut – oder ob er uns eher nach unten zieht und uns nur unnötig Energie raubt. Wenn wir uns dessen erst mal bewusst sind, fällt es uns leichter, negative Gedanken ziehen zu lassen.

Das heißt nicht, dass wir solche Gedanken grundsätzlich unterdrücken sollten. Oft sind sie schließlich auch hilfreiche Hinweise oder ein wertvolles, in den Kopf gerutschtes Bauchgefühl. Es geht vielmehr darum, uns nicht komplett damit zu identifizieren. Uns klar zu werden, dass es einen Unterschied gibt zwischen einem Gedanken wie „Heute ist bei mir etwas schiefgelaufen“ und „Bei mir geht immer alles schief“ – und dieser Unterschied ist gewaltig: Wer „heute“ etwas falsch macht, kann es morgen besser machen. Wer (gefühlt) „immer alles“ falsch macht, hat eigentlich gar keinen Grund mehr, morgen überhaupt aufzustehen.

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3. Steckt hinter dem Gedanken eine schlechte Gewohnheit?

Zu wenig Schlaf, dafür drei Liter Kaffee und ne Stange Zigaretten zum Frühstück. Ein Mittagessen mit dem Vitamingehalt einer abgelatschten Schuhsohle. Das Herumdrücken auf der Fernbedienung als einzige körperliche Betätigung. Der Druck, auf Teufel-komm-raus mit den anderen mithalten zu wollen. Der Umgang mit Energie-Vampiren oder chronischen Nörgler- Freunden. Zu viel Stress, zu wenig Selbstliebe.

Gewohnheiten und Umstände wie diese machen einen Nährboden, auf dem negatives Denken erst so richtig „schön“ gedeihen kann. Manchmal lohnt es sich, zu hinterfragen, woher die negativen Gedanken kommen – und ob nicht vielleicht ein Laster, eine Angewohnheit oder irgendein anderer äußerer Umstand dahintersteckt, der uns runterzieht und den wir ändern können.

4. Steckt hinter dem Gedanken ein verdrängtes Problem?

Eine frühere Angst, sechs Meter tief im Vorgarten verbuddelt. Eine schlimme Erfahrung, die wie eine alte Narbe immer mal wieder wehtut, wenn das Wetter umschlägt. Ein Phantomschmerz aus der Vergangenheit, den wir zu verdrängen versuchen. Kennst Du das? Gerade einen neuen Menschen kennengelernt, ein echt netter Typ, nur sein Hemd finden wir ziemlich hässlich. Prompt grätscht dieser eine Gedanke dazwischen: „Das wird doch eh nichts mit dem.“ Warum nicht? Weil wir sein Hemd hässlich finden? Oder weil wir seit der Scheidung grundsätzlich nicht mehr an die Liebe glauben? Weil unser Herz in Wirklichkeit noch gar nicht abgeheilt und das hässliche Hemd ein willkommener Vorwand ist, sich nicht um das eigentliche Problem kümmern zu müssen? Das bei uns liegt, sechs Meter tief unter der Erde in unserem Vorgarten.

Womöglich ist der ein oder andere negative Gedanke also gar nicht so unnütz. Vielleicht mahnt er uns, die Schaufel rauszuholen und ein Problem auszugraben, um das wir uns längst hätten kümmern sollen.

5.    Wieviel Platz hat der Gedanke im großen Ganzen verdient?

Einige Dinge kann man sich einfach nicht schönreden (nicht mal schönsaufen mit drei Kästen Bier). Das verpatzte Vorstellungsgespräch nagt nicht nur am Ego, es beißt richtig kräftig rein und manchmal auch ein Eckchen ab. Aber wir können lernen, schlechte Erfahrungen – und damit auch die dazugehörigen schlechten Gedanken – in die richtige Dimension zu rücken. Hängt von diesem Job wirklich mein Leben ab? Nö, wäre halt nur schön gewesen, mit mehr Geld und einem bequemeren Bürostuhl. Gibt es noch andere Jobs, auf die ich mich bewerben könnte? Vermutlich schon. Na dann…

Wir können dafür sorgen, dass sich der negative Müll in unseren Köpfen nicht zu übermannshohen Türmen aufhäuft, uns die klare Sicht verbaut und alles schwarz macht. Mit diesen Fragen – und indem wir uns bewusst machen, wieviel Schönes und wie viele Möglichkeiten wir trotz aller Schwierigkeiten in unserem Leben haben.

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