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Erfolgreich sein. Das wollen wir alle. Was auch immer das für uns bedeutet: in Geld baden oder in Anerkennung. In möglichst vielen Betten liegen oder irgendwelchen Rankings weit vorn. In Kleidergrößen unterhalb der 50 oder Facebook-Freundes-Zahlen oberhalb davon. Oder ob wir einfach eine heitere zu Gelassenheit erlangen und nichts anderes mehr tun wollen, als Bio-Tee-mit-Stevia-trinkend in den Himmel zu starren.

Aber den Preis dafür zahlen, Tage und Nächte voller Druck und Fleiß, Kanister voller Blut und Schweiß, geschleppt in Büros, Fitnessstudios oder Meditationszentren … neeeeee, lass mal.

Gibt’s denn keinen Weg, mit Freude erfolgreicher zu sein?

Doch. Den gibt es. Wissenschaftlich erwiesen ist er auch.

Shawn Achor hat an der Harvard-Universität jahrelang zu Glück und positiver Psychologie geforscht. Heute gilt er als eine der führenden Stimmen auf diesem Gebiet. Er hat das Buch „The Happiness Advantage“ geschrieben und eine millionenfach angeklickte TED-Rede gehalten.

Auf ihn aufmerksam geworden bin durch Eric Barker vom Blog Bakedesuyo (ihm gebührt alle Anerkennung für die Inhalte dieses Texts) der mit Achor gesprochen hat über unsere Irrwege zu Glück und Erfolg. Und darüber, wie wir doch noch beides finden können, ohne unterwegs die Hoffnung und den Geist aufgeben zu müssen.

Also, was machen glückliche und erfolgreiche Menschen anders als der Rest derer, die sich durchschnittlich in ihren Berufen und sonstigen Bemühungen schlagen?

Hier fünf Grundsätze, gestützt auf unzählige Studien und Interviews mit Überfliegern.

1. Erfolg macht nicht glücklich. Glück macht erfolgreich.

Mit ein paar Kilos weniger, ein paartausend Euro mehr im Jahr oder im Monat oder am Tag wären wir glücklicher, mit diesem Traumjob, bei dem angeblich alles gut wird.

Hoffen wir.

Hoffen wir umsonst.

Das wurde schon tausendfach untersucht. Immer mit dem gleichen Ergebnis. Ein Ziel zu erreichen macht bestenfalls kurzfristig glücklicher, der Effekt hält nicht viel länger an als eine Errektion.

Drehen wir die Formel jedoch um, geht die Rechnung auf:

Wenn wir uns darauf konzentrieren, glücklich zu sein, werden wir automatisch erfolgreicher.

Achor sagt:

Wir können unser ganzes Leben dem Erfolg widmen, ohne dass unser Glückslevel dauerhaft ansteigt. Erhöhen wir aber unser Glückslevel und stärken unseren Optimismus, steigt die Erfolgsrate in jedem Lebensbereich im Vergleich zu einem neutralen, gestressten oder negativen Zustand.

Beruflicher Erfolg zum Beispiel hängt nur zu 25 Prozent von Intelligenz und Fähigkeiten ab – obwohl Unternehmen nach genau diesen Kriterien Menschen einstellen. Die restlichen 75 Prozent von drei anderen Faktoren:

Optimismus – Der Glaube, dass man den Ausgang einer Herausforderung mittels eigenem Verhalten beeinflussen kann.

Soziale Beziehungen – Ob man genügend und genügend tiefe Bezeiehungen in seinem Leben hat.

Einstellung gegenüber Stress – Wie man Probleme betrachtet, siehe nächster Punkt.

2. Probleme als Herausforderungen sehen, nicht als Bedrohungen

Kurz nach der Bankenkrise, die Zehntausenden von Bankern ihren Job gekostet hat und vielen weiteren ihren Seelenfrieden (und noch mehr Leute ihre Häuser und ihr hart erarbeitetes Geld), führte Achor eine Studie mit Bankern durch. Die meisten von ihnen waren gestresst wie scheue Tiere, die man in die Enge getrieben hätte, zittrig und voller Tränenflecken auf ihren teuren Sakkos. Ein paar von ihnen jedoch blieben gelassen, glücklich und fühlten sich der Situation voll gewachsen. Was unterschied sie?

Sie sahen die Probleme nicht als Bedrohung, sondern als Herausforderung, die sie würden meistern können.

Dieselbe Eigenschaft teilten Überflieger in sämtlichen anderen gebieten, wie die Psychologen feststellten.

„Schön für die!“, denkst Du vielleicht, „für mich sind Probleme aber leider bedrohlich!“ Kein Grund zur Verzweiflung, denn diese andere Einstellung können wir erlernen. In einem Experiment zeigte er den gebeutelten Bankern ein Video, in dem erklärt wurde, wie sie Probleme als Herausforderung sehen können (das Video steht mir leider nicht zur Verfügung – es zu finden wäre doch schon mal eine schöne Herausforderung). Die Teilnehmer jedenfalls wurden über die nächsten Wochen begleitet und hatten 23% weniger Stress-Symptome, gaben höhere Glückslevel an – und waren massiv engagierter und leistungsfähiger in der Arbeit.

Und wenn uns zum Beispiel die Arbeit bis zum Hals steht?

Sollten wir uns dann im Büro einschließen, Tschüss Freunde, Tschüss Familie, und erst wieder rauskommen, wenn wir bis zum Ende unserer Kraft einen Kampf gegen die Todos geführt haben?

3. Wer doppelt so viele Aufgaben und Probleme hat, braucht doppelt so viele Freunde

Achor betreute an der Harvard-Univsität neue Studenten, damit sie sich einleben können. Viele von ihnen wollten dem vielen Stoff, den sie zu lernen hatten, mit noch mehr und noch mehr Büffeln begegnen, verbarrikadierten sich ohne soziale Kontakte in der Bibliothek, aßen, tranken, schliefen dort, scheideten dort aus … und schieden aus, und zwar aus der Uni. Denn statt guten Noten wartete der Burn-out auf sie und ein Wechsel an eine harmlosere Uni.

Diejenigen Studenten performten besser, die inmitten stressiger Phasen mehr Zeit in soziale Interaktionen steckten. Das Gegenteil von dem, was die meisten von uns intuitiv tun.

Die Menge an soziale Verbindungen sagte die Leistung im Studium am besten vorher. Umso mehr, wenn es den Beteiligten nicht nur ums Nehmen, sondern auch ums Geben ging – wenn sie anderen Hilfe anboten.

Gleiches zeigte sich in sämtlichen großen Unternehmen, die Achor später untersuchte und beriet:

Menschen, die in ihrem Job gern andere unterstützen, waren zehnmal so engagiert wie die, die dies am wenigsten taten, signifikant glücklicher und hatten eine 40 Prozent höhere Chance, in den nächsten zwei Jahren im Unternehmen aufzusteigen.

Wir geben umso lieber, je dankbarer wir sind. Das führt uns zur nächsten Sache, die Überflieger anders machen.

4. Jeden Morgen eine „Danke“-Mail schreiben

Glücklich machen nicht die großen Glücksfälle des Lebens, die Millionen im Lotto, Millionenaufträge oder die Abwesenheit von Problemen („Wenn doch endlich…“), auf die wir noch warten müssen, oder der Urlaub, der uns innerhalb von zwei Wochen für die restlichen 50 im Jahr entschädigen soll.

Glücklich macht Dankbarkeit.

Achor empfiehlt ein kleines tägliches Ritual für einen dauerhaften Ansprung der Zufriedenheit:

Nimm Dir jeden Morgen zwei Minuten Zeit, sobald Du im Büro ankommst, schreibe eine Mail an jemanden, dem Du dankbar bist, und sag’s ihm.

Getestet hat er dies bei großen Unternehmen wie Facebook und Microsoft über 21 Tage. Die sozialen Beziehungen steigerten sich dadurch immens, die Teams erzielten höhere Leistungen als andere Teams mit höherem Durchschnitts-IQ und mehr Berufserfahrungen, und mit diesen Dingen stieg das Glück der Teilnehmer.

Auch andere kleine Rituale können glücklicher machen, zwei Minuten Sport oder Meditation zum Beispiel.

5. Die 20-Sekunden-Regel

Viel mehr als die Gene sind es eben unsere Gewohnheiten, die über das eigene Glück oder Unglück entscheiden:

Schaut man auf die Daten, erkennt man viele Überflieger, die sich nicht durch ihre Gene und Umwelt vom Durchschnitt abheben, sondern durch bewusst ins Leben geholte positive Gewohnheiten, die sie optimistischer mit den Herausforderungen umgehen lassen, ihnen weniger Stress und mehr Resilienz sowie Erfolg beschaffen.

Der härteste Teil an neuen Gewohnheiten ist der erste Schritt, wenn wir nicht nur lesen, lesen, lesen wollen, sondern wirklich etwas tun, wirklich etwas verändern. Hat sich der Hintern einmal vom Sofa geschält für ein paar Minuten Sport, oder ist die Nummer des Kunden gewählt, den wir gern gewinnnen möchten, dann haben wir das Schwierigste geschafft.

Es lohnt sich daher, diesen ersten Schritt so klein wie möglich zu machen (siehe Das Zen des Beginnens), damit wir uns so wenig wie möglich überwinden müssen.

Achor spricht von der „20-Sekunden-Regel“:

Die Wahrscheinlichkeit, etwas Positives zu tun, wächst unheimlich, wenn wir eine Tätigkeit drei bis 20 Sekunden schneller beginnen können. Etwa, indem wir die Sportschuhe fürs morgendliche Laufengehen neben’s Bett stellen. Andersherum funktioniert es ebenfalls: Nehmen wir die Batterie aus der Fernbedienung des Fernsehers, geben wir dem Drang, ihn gegen unser Vorhaben anzuschalten, sehr viel schneller auf.

Siehe auch 10 Dinge, die erfolgreiche Menschen noch vor dem Frühstück tun. Wenn Du mehr über Gewohnheiten lernen willst, wird Dir das myMONK-Buch helfen: 12 Gewohnheiten, die Dein Leben verändern.

 

Photo: Jeroen Werkman