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Nicholas Petrie, ein Thriller-Autor aus den USA, ist gerade Ende 20, als sein Arzt diese Worte ausspricht … „Sie haben Krebs.“ Magenkrebs. OP. Er solle einfach das Beste hoffen, sagen die Ärzte. Petrie will es verdrängen, lenkt sich ab mit Reisen und Arbeit. Ein Jahr später ist der Krebs zurück, dieses Mal in der Leber. Nach langem Suchen finden die Mediziner einen Weg, auch diesen Tumor zu entfernen. Doch das Ablenken will nun nicht mehr gelingen, die OP ist vielleicht ja wieder nur eine kurzfristige Erlösung.

Petrie dreht fast durch, wie er bei HBR.org schreibt. Sorgt sich Tag und Nacht, die Gedanken drehen sich um nichts anderes mehr, Angst, Angst, Angst, Panikattacken. Breiten sich gerade neue Tumore aus? Muss er bald sterben?

Dann trifft er einen Mann namens Dr. Derek Roger. Der hat 30 Jahre lang zum Thema Resilienz geforscht, dazu, warum manche Menschen auch dem stärksten Sturm standhalten (oder schnell wieder aufstehen), während andere von uns schon ein Windhauch zu Fall bringen kann (und nicht wieder aufstehen). Roger bringt dem jungen Petrie bei, was ihm helfen kann. Dieser wendet es an … und seine Ängste werden kleiner und kleiner.

Seine Situation hat sich nicht geändert. Der Leberkrebs kommt sogar zurück, fünf Jahre später. Trotzdem kann er wieder durchatmen und sein Leben leben.

Druck ist nicht gleich Stress

Die erste und wichtigste Erkenntnis, so der Psychologe, ist diese:

Äußerer Druck führt nicht automatisch zu innerem Stress.

Stress kommt nicht durch andere Menschen oder Lebensumstände. Sondern von unseren Reaktionen auf diese Dinge.

Wir machen die kaputte Gesellschaft verantwortlich für unseren hohen Stresspegel, die Chefs, die Kunden, die Schwiegermonster, die schreienden Kinder, die bohrenden Nachbarn, die Krankheiten, das böse Geld.

Aber es gibt Menschen, die einer Menge Druck gegenüberstehen und trotzdem im Großen und Ganzen gelassen bleiben können.

Weil zu Druck erst noch eine weitere Zutat hinzukommen muss, damit Stress im Kessel entsteht: Grübeln. Was das angeht, bin ich ein ziemlich guter und freigiebiger Koch. Wie vertraut es mir doch ist, das ständige zwanghafte Nachdenken über das, was vielleicht oder auch nicht geschieht, über das, was geschehen ist, was geschehen soll oder nicht.

Erst das erzeugt die dauerhaften unheilsamen Gefühle in uns. Während wir mit dem einzelnen Moment doch fast immer umgehen könnten, laden wir uns so noch das gesamte Gewicht der Zukunft auf. Tausend Tonnen Stress, die uns aus dem Gleichgewicht bringen. Und zu Boden drücken.

„Wie man Sorgen, Stress und Selbstzweifel loslässt“

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Gedanken lenken … und loslassen

Vier Dinge empfehlen Dr. Roger und Petrie, um uns von dieser Last zu befreien.

  1. Aufwachen. Einen großen Teil der Zeit fährt unser Verstand wie im Schlaf auf Gleisen, die die Vergangenheit gelegt hat. Wir denken, was wir eben immer gedacht haben, tun, was wir immer tun. In diesem Umfeld fühlen sich Sorgen am wohlsten. Weil uns gar nicht richtig bewusst wird, was sie anrichten. Der erste Schritt ist daher, aufzuwachen, die Gedanken im Bahnhof des Hier und Jetzt ankommen lassen. Zum Beispiel, indem wir unseren Körper bewegen, aufstehen, in die Hände klatschen. Oder unsere Sinne einsetzen: Was ich höre jetzt gerade, was sehe, spüre, schmecke ich?
  2. Aufmerksamkeit bewusst lenken. Immer können wir entscheiden, worauf wir uns konzentrieren. Am besten geeignet: Dinge, die wir selbst beeinflussen können. Der Psychologe empfiehlt dazu eine einfache Übung. Nimm ein Blatt Papier. Zeichne einen Kreis. Und dann schreib in den Kreis alles, was Du beeinflussen kannst … und außerhalb davon alles, was nicht in Deiner Macht liegt. Dann sehen wir klarer. Wichtig ist auch: Wir können für Lebensbereiche und andere Menschen sorgen, ohne uns ständig um sie sorgen zu müssen.
  3. Die richtige Perspektive finden. Wenn’s Dir so geht wie mir, spinnt Dein Kopf … manchmal aus kleinen Unwägbarkeiten die katastrophalsten Szenarien, verheddert sich darin und findet kaum noch einen Weg daraus. Das beste Mittel, um die Weben zu durchtrennen und wieder frei zu werden, sind Fragen. Etwa: Wie wichtig wird das in 5 Jahren noch sein? Was ist halbwegs realistisch betrachtet wirklich das Schlimmste, was passieren kann – und was könnte ich dann tun? Was kann ich aus der Situation lernen? Birgt sie vielleicht sogar Chancen?
  4. Loslassen. Loslassen kann schwer sein – vor allem, wenn wir darunter etwas Falsches verstehen. Doch es kann gelingen, wenn wir unseren Gefühlen den Raum geben, den sie brauchen. Und uns immer wieder daran erinnern, dass wir an der Situation (aktuell) vielleicht nichts verändern können – dass sie einfach ist, wie sie ist, ganz gleich, wie sehr wir uns dagegen zu stemmen versuchen.

Druck und Stress sind zwei paar Stiefel.

Das erste Paar stellt uns das Leben vor die Tür.

Doch das zweite entscheidet, wie bequem oder unbequem wir durchs Leben gehen – und dieses können wir selbst wählen lernen.

Mehr unter Wie man seine Einstellung ändert, wenn man die Situation nicht ändern kann und im myMONK-Buch Wie man Sorgen, Stress und Selbstzweifel loslässt.

Photo: Hängematte von Shutterstock