Neu im Podcast von myMONK: Ich schäme mich so. Und folgst Du myMONK schon bei Instagram?

Was nicht alles dazwischen kommt. Zwischen uns und das Leben, wie es sein soll.

Auto kaputt, Urlaub fällt ins Wasser. Job abgesagt in letzter Sekunde, Wasser steht bis zum Hals. Sohn sitzengeblieben zum vierten Mal, ewiges Bewohnen des Kinderzimmers wahrscheinlich. Mücke gestochen, Schlaf gelaufen. Zähne ausgefallen, voll in den Kuchenteig, alles noch mal neu backen.

All diese Probleme. Hinter jeder Ecke lauern sie wie fiese Clownsfratzen auf Sprungfedern, stets einsatzbereit, verstaut in den schön verpackten Geschenken des Teufels. Immer wieder Hürden und Hindernisse und immer öfter der Gedanke: ach komm, ich hab keinen Bock mehr. Warum kann nicht einmal etwas klappen, warum kann ich nicht einmal meine verdammte Ruhe haben, verdammter, verdammter Dreck.

Mir ging‘s letztes Jahr so. Ich wollte einfach friedlich vor mich hin arbeiten und leben und das konnte doch wirklich nicht zu viel verlangt sein. War es aber, wie so oft. Keine schlimmen Zwischenfälle zwar, doch ein Haufen kleiner, und dieser Haufen stank mir gewaltig. Irgendwann nervte mich jede Abweichung von meinem idealen Tag so sehr, dass ich keine Worte dafür finde.

Was mir dann geholfen hat, war eine Idee von Marc Aurel, dem alten Stoiker. Eine neue Sicht auf meine Welt:

Was im Weg ist, wird zum Weg.

Es geht nicht allein ums Akzeptieren, nicht nur um die Einsicht, dass die Dinge selten glatt gehen, und zwar bis wir im Sarg liegen, darauf ist Verlass.

Und nicht darum, stumpf ein Hindernis nach dem anderen aus dem Weg zu räumen für ein paar viel zu kurze Momente Glück zwischen ihnen.

Es geht um mehr:

Die Hindernisse stehen uns im Leben nicht im Weg, sie SIND das Leben.

Wie wir mit ihnen umgehen, definiert uns und ob wir die Zeit hier als pausenlosen Kampf erleben oder als Abenteuer.

Sehen wir Hindernisse als Feinde, dann brechen sie meterhohen Wellen gleich über unseren Köpfen zusammen und drücken uns in den Schlamm, und kaum schaffen wir‘s aufzutauchen und nach Luft zu schnappen, kommt die nächste. Und die nächste. Und die nächste.

Sehen wir sie als Möglichkeit, Neues zu erfahren, zu wachsen, zu reifen, stärker zu werden, als Menschen voranzukommen, dann halten wir den Kopf über Wasser, mehr noch, wir reiten wir auf der Welle. Und auf der nächsten. Und auf der nächsten.

Es ist wie in dieser kurzen Geschichte:

Ein Schüler kam zum Meister, völlig fertig, das sah man schon aus weiter Ferne.

„Ich habe so viele Probleme, Meister, sie drücken mich nach unten und ich fürchte, bald unter ihnen zusammen zu brechen!“

„Das Leben ist leicht wie eine Feder, mein Junge“, sagte der Meister.

„Ich widerspreche Dir ungern, Meister, aber ich spüre mein Leben wirklich wie 1000 Kilo auf meinen Schultern!“

„Wie selbst sind es, die sich die Last auf die Schultern laden.“

„Aber …“, entgegnete der Schüler, doch der Meister unterbrach ihn, hob die Hand und sagte:

„Dieses ‚Aber‘ mein Junge, wiegt allein 1000 Kilo.“

Ich schaff‘s längst nicht immer und selten sofort, diese neue Brille aufzusetzen. Aber jedes mal wenn ich‘ schaffe, geht‘s mir besser und ich fühle mich stärker – innerlich befreit nicht vom Problem selbst, sondern von der Last meiner alten Sicht auf das Problem.

Also, lass uns bei der nächsten Gelegenheit nicht jammern (oder nicht nur) sondern daran denken:

Ja, ich nehme dieses Problem an.

Ja, es ist da und es ist okay.

Das Hindernis ist der Weg.

Siehe auch Ein kleiner Gedanke von Buddha, der Dein Leben heilen kann.

 

Photo: Hartwig HKD