Neu im Podcast von myMONK: Ich schäme mich so. Und folgst Du myMONK schon bei Instagram?

Es ist Abend und Du liegst auf der Couch und bist auf diesem anderen Blog. Design: wow. Texte: wow. Anzahl an Kommentaren, Twitter-Followern und Facebook-Freunden: einfach nur WOW. Ganz zu schweigen von den Einnahmen und Besucherzahlen, von denen Du dort lesen musst. Oder von den vielen Zielen, die dieser Blogger erreicht, oder seinem Superstar-Lifestyle.

Und Du? Du schreibst Dir seit gefühlten Ewigkeiten die Finger wund und trotzdem kommt Dein Blog kaum vom Fleck.

Du sinkst im Stuhl hinab, und ein Gefühl steigt in Dir auf. Nagt an Deinen Eingeweiden. Rast durch Deinen Kopf. Quetscht Dein Herz zusammen. Macht Deinen Hals ganz trocken.

Es ist der Blogger-Neid … und er hat Dich in seinen giftgrünen Klauen.

Ich kenne ihn nur zu gut. Es gibt ein paar Blogs, überwiegend sind es englischsprachige, die werfen mich manchmal einfach um.

Sooo gut. Sooo beliebt. WIE MACHT DER (ODER DIE) DAS!!!

(Oder noch schlimmer, wenn auch seltener: für mich nicht sooo gut, trotzdem sooo beliebt. Ich hätte es viel mehr verdient, grmmmpf.)

Und ich … ich kann und will mich echt nicht beschweren, aber in diesen Momenten vergleiche ich mich und mich, als wäre meine Arbeit hier, als wäre myMONK … nur B-Ware. Nicht komplett für die Tonne, aber ungefähr so creme-de-la-cremig wie Rührei und Dosenbier im Sterne-Restaurant.

Es nervt mich mega, mich so zu fühlen. Der alte Bekannte, der ständige Vergleich mit anderen.

Aber was ist das genau, dieser Neid?

Neid ist der Wunsch, mindestens genauso gut gestellt zu sein wie der Beneidete – und ein zutiefst menschliches Gefühl.

An sich nicht verwerflich ganz egal, ob die Bibel ihn zu den 7 Hauptsünden zählt. Es sei denn, es handelt sich um sogenannten „destruktiven Neid“, um den Wunsch, dass es einem selbst nicht nur besser geht, sondern dem Beneideten auch schlechter, wie in: „fahr doch gegen die Wand mit Deinem Scheiß-Porsche“ oder eben „hoffentlich bekommst Du 1A-Blogger ab morgen gar nichts mehr zu Papier und verlierst alle Leser und musst Dir wieder n ätzenden Job suchen“.

Gedient ist mit Blogger-Neid, so oder so niemandem. Vor allem nicht, wenn wir ihn festhalten.

Wie man besser mit Blogger-Neid umgehen kann

Hier ein paar Dinge, die mir helfen, mich von diesem Neid zu befreien, wenn er mich gepackt hat. Vielleicht hilft Dir ja das eine oder andere, falls er Dich mal überkommt.

Die Basis ist immer: das Gefühl wahrnehmen und annehmen. Wer den Neid einfach in den Kleiderschrank sperren will, mag ihn für kurze Zeit aus dem Blick bekommen, aber spätestens wenn’s dunkel ist und Du im Bett liegst, da öffnet er die Tür und starrt Dich an.

Daher besser: gar nichts tun, nur ruhig ein und aus atmen, den Neid spüren, das Gefühl zulassen.

Von dieser Basis aus können wir ein höheres Bewusstsein erreichen. Eines, in dem Neid weniger Chancen hat, weil wir klarer sehen, dass er vor allem Teil auf Illusionen beruht:

  • Der Erfolg des Anderen ist nicht Dein Misserfolg: Okay, da hat jemand mehr Leser als Du. Na und? Das heißt nicht, dass Du dadurch weniger Leser bekommen kannst. Das ist kein Nullsummenspiel. Ganz im Gegenteil. Es ist viel leichter, Deinen Blog bekannt zu machen, wenn es da schon ein paar andere in Deinem Feld gibt, die viele Leute erreichen.
  • Es geht um DICH: Angenommen, Du lernst jemanden kennen, den Du sehr magst. Wirst Du ihn dennoch aus Deinem Leben ausschließen, nur weil Dein Freundeskreis schon voll ist? Oder wirst Du einen alten Freund rausschmeißen, um Platz für den neuen zu schaffen? Eher nicht. Weil die Freunde nicht austauschbar sind, selbst wenn sie dieselben Hobbies haben und von denselben Dingen sprechen. So ist es mit Blogs auch. Und auch bei Blogs gilt: nur wer sich öffnet und sein wahres Ich zeigt, kann enge Banden knüpfen. Zeig Dich, und die für Dich richtigen Menschen werden Deinen Blog lesen.
  • Deinem Unterbewusstsein Überfluss signalisieren: Du könntest einen wertschätzenden Kommentar auf dem Blog hinterlassen, der Dich neidisch werden lässt. Oder den Blog auf Deinem verlinken oder ihn jemandem auf andere Weise empfehlen. Auf diese Weise lässt Du Dein Unterbewusstsein erfahren: es ist genug Platz für uns alle.
  • Lernen statt neiden: Statt: „Warum habe ich nicht so viele Leser, Einnahmen, …“ eine neue Frage stellen: „Was kann ich von dem anderen Blogger lernen?“
  • Zahlen sind nur Zahlen: Das Wichtigste lässt sich nicht in Zahlen ausdrücken. Es geht nicht darum, wie viele „Fans“ jemand hat, sondern mit wie vielen Lesern er wirklich in Verbindung steht – und wie tief diese Verbindung ist. Es geht nicht darum, wie viele Leute etwas teilen, sondern ob Deine Texte auch nur einem Leser wirklich helfen. Und es geht auch darum, wie viel Freude Dir das Schreiben selbst macht. Die meisten Zahlen können außerdem frei erfunden oder manipuliert sein. Vielleicht wär’s ja auch eine gute Idee, Deine Besucherzahlen etc. ein paar Wochen lang nicht permanent zu checken wie ein Junkie (da weiß ich, wovon ich spreche …).
  • Lies Bücher statt Blogs: Wenn sonst nix hilft, hilft doch immer dieses: den Auslöser vermeiden. Den Blog eine Zeit lang nicht mehr anklicken. Und stattdessen gute Bücher lesen. Hier ist die Möglichkeit des direkten Vergleichs kleiner.
  • Dein Leben ist so viel mehr: Da hat also jemandes Blog zehnmal mehr Besucher als Deiner. Und wenn schon. Vielleicht zahlt er dafür einen Preis, den Du gar nicht zahlen wölltest, vielleicht ackert er dafür 80 Stunden in der Woche mit schreiben und kommentieren und Mails beantworten, und Dir ist Zeit mit Deiner Familie und Deinen Freunden viel wichtiger? Vielleicht würde er seinen Blog hergeben für die tollen Kinder, die Du hast? Aber hier geht’s auch gar nicht darum, den erfolgreicheren Blogger kleiner zu machen. Viel mehr darum, dass Dein Leben aus so viel mehr besteht als aus WordPress, Klicks, Followers und passivem Einkommen.

Weiter geht’s

Das Wichtigste ist doch: Du hast den Anfang gemacht. Du hast Dich getraut, Deinen Blog gestartet und Deine Gedanken mitgeteilt – wie viele erfüllen sich diesen Traum schon tatsächlich … und reden nicht nur jahrelang davon, dass sie ja gern auch mal bloggen würden. Du kannst stolz auf Dich sein.

Und jetzt heißt es: Weiter geht’s.

Sei Du selbst. Du bist gut genug.

Sei dankbar für die Leser, die Du schon hast. Liebe sie.

Schreib weiter.

Hilf Deinen Lesern, so gut Du kannst.

Dann wird Dein Blog garantiert weiter wachsen, und weiter, und weiter – wenn es das ist, was Du willst.

Bin ich der Einzige, der manchmal Blogger-Neid empfindet?

Wenn nein: erlöse mich von dieser Angst! 😉

Und schreib mir, was Dir hilft, wenn der Neid Dich gepackt hat.

 

Photo: Daniel Zedda