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Text von: Romy Hausmann, inspiriert durch die Lektüre „Die Schriften von Accra“ von Paulo Coelho.

„Der Winter kämpft darum, alleiniger Herrscher zu sein, aber am Ende wird er den Sieg des Frühlings hinnehmen müssen, der Blumen und Freude mit sich bringt.“ – Paulo Coelho.

Der Winter hat Dich in seinen fiesen, eisigen Krallen. Du kannst kaum atmen, die Kälte drückt Dir erbarmungslos die Luft ab. Du frierst, alles an Dir ist taub. Es gibt keine Aussicht. Keinen einzigen Sonnenstrahl. Keinen Horizont, höchstens diese monograue Fläche, die Dir von oben auf den Schädel drückt. Vielleicht hast Du gerade einen Verlust erlitten. Der Herzensmensch ist gegangen oder eine andere feste Größe in Deinem Leben ist weggebrochen. Vielleicht hast Du finanzielle Sorgen, vielleicht ist es die Gesundheit, die Dir zu schaffen macht.

Jetzt stehst Du da, zitternd und von Kälte durchdrungen und weißt einfach nicht, wie es weitergehen soll. Zweifelst womöglich sogar daran, dass es überhaupt irgendwie weitergehen kann. In Deinem Kopf: Erinnerungen. Die besseren Tage. Und das macht es irgendwie sogar noch schlimmer. Es quält Dich, dieses wunderschöne Damals, weil Du weißt, dass Du es unwiederbringlich verloren hast.

Ich bin jetzt 37 Jahre alt. Ich blicke auf Beziehungen zurück, Freundschaften, unterschiedliche Jobs, Wohnorte und Versionen meiner selbst. Und hier oder da hatte ich das Gefühl: Das ist für immer. Bis die dunkle Macht der Veränderung zuschlug, die Dinge zerschlug, aus dem Für immer ein Vorbei machte und mich mit nichts zurückließ als meinen Erinnerungen.

Ich habe viel gelernt, besonders in den letzten Jahren, bin entspannter geworden mit mir selbst und meiner Umwelt, aber an eines habe ich mich immer noch nicht so richtig gewöhnt: Daran, dass ich nichts festhalten kann. Dass die Erde sich manchmal in eine andere Richtung dreht, als in die, die ich gerne hätte. Veränderungen (vor allem natürlich die offenbar negativen) ziehen mir immer noch den Boden unter den Füßen weg, lassen ihn manchmal sogar aufreißen und ich stürze gefühlt in ein tiefschwarzes Loch, kopfüber und ohne Helm.

Anstatt mich sinnvoll zu fragen, wie ich besser mit der neuen Situation umgehen könnte, wird mein Kopf komplett von einer anderen Frage ausgefüllt: Warum? Warum musste (mir) das passieren? Warum konnte nicht einfach alles so bleiben, wie es war? Vielleicht kennst Du diese Frage, dieses Gefühl der Machtlosigkeit, das Gefühl der Starre. Vielleicht suchst Du ebenfalls nach einem Weg, damit klarzukommen, weil Du ahnst, dass dieses Gefühl alles nur noch schlimmer macht.

Hier mein Vorschlag:

Lass uns innehalten. Lass uns zusammen atmen für einen Moment.

Lass uns an die Natur denken und uns ein Beispiel an ihr nehmen.

Die Weisheit der Natur

In der Natur gibt es kein endgültiges Ziel, keinen Sieg, keine Niederlage. Es gibt immer nur Bewegung. Die Jahreszeiten werden in aller Selbstverständlichkeit voneinander abgelöst – jede nimmt etwas, jede gibt aber auch etwas zurück. Der Sommer bringt uns die Sonne, den blauen Himmel, die langen, lauen Nächte. Aber wir schwitzen auch, haben manchmal Kreislaufprobleme unter den heißen Temperaturen. Der Winter wiederum lässt uns frieren, wir beklagen seine Kargheit und die düsteren Tage; wir sehnen uns nach dem Frühling, der endlich wieder etwas Farbe bringen möge. Gleichzeitig ist der Winter auch die besinnlichste Zeit des Jahres.

Fakt bleibt: Die Jahreszeiten kommen und gehen. Sie fragen uns nicht um Erlaubnis. Warum auch? Sie sind Teil eines unabdinglichen, notwendigen Kreislaufs. Paulo Coelho beschreibt es in „Die Schriften von Accra“ so:

„Es gibt in diesem Kreislauf weder Sieger noch Besiegte, nur Etappen, die durchlaufen werden müssen. Wenn des Menschen Herz dies begreift, wird es frei. Dann erduldet es klaglos schwierige Augenblicke und lässt sich auch in Augenblicken des Ruhms nicht täuschen.“

Und vielleicht ist es im Leben eben manchmal so: Einmal bist Du der Hund, einmal bist Du der Baum. Einmal bist Du die Gazelle, die das Gras frisst, einmal die Gazelle, die vom Löwen gefressen wird. Beides wird vorübergehen, auch wenn wir das in akuten schlimmen Momenten manchmal vergessen. Wir sind machtlos gegenüber manchen Veränderungen. Sie kommen nicht, klopfen an unsere Tür und fragen: Wärst Du dann eventuell soweit? Sie kommen mit dem Rammbock und brechen unsere Leben auf, überraschend, überwältigend. Aber: Wir sind immer noch Wir. Wir erinnern uns daran, dass auf jeden Winter ein Frühling folgt. Dass selbst nach der schlimmsten Nacht ein neuer Morgen wartet. Dass selbst die dunkelste Stunde nur sechzig Minuten hat.

Und warum?

Weil es einfach so ist. Weil es Teil eines aufhaltsamen Kreislaufs ist. Weil wir ein Teil davon sind. Wenigstens darauf lässt es sich vertrauen, wenn wir das Gefühl haben, alles um uns herum stürze zusammen.

In „Die Schriften von Accra“ heißt es:

„Einen Kampf oder alles, was wir zu besitzen glaubten, zu verlieren, mag uns betrüben. Aber wenn diese Augenblicke der Traurigkeit vorübergegangen sind, entdecken wir die unbekannte Kraft, die in jedem von uns wohnt, eine überraschende Kraft, die unsere Selbstachtung steigert. Wir blicken in die Runde und sagen uns selber: „Ich habe überlebt“.

Daran versuche ich zu denken, in dunklen Momenten, in denen ich mich fühle wie ein kleines Mädchen, das im Menschengewühl die Hand seiner Mutter verloren hat. Ich habe schon vieles überlebt oder besser: überstanden. Diese Situationen rufe ich mir in Erinnerung und sie erfüllen mich mit Trost, manchmal sogar mit ein bisschen Stolz. Und Dir wird es genauso gehen. Denk an die vielen anderen Momente in Deinem Leben, die dir aussichtslos vorkamen. Du hast sie überstanden. Du hast schon einmal – vielleicht sogar mehrmals – Deine Stärke bewiesen. Du hast es geschafft. Und das wirst Du auch diesmal, ganz sicher.

Mehr dazu im myMONK-Buch „Wie man Sorgen, Stress und Selbstzweifel loslässt“ und in der Podcast-Folge „Die 4 Jahreszeiten Deines Lebens“:

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