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Text von: Romy Hausmann

Ein Kind auf seinem Weg ins Leben zu begleiten, ist die vielleicht schönste und gleichzeitig schwierigste Aufgabe überhaupt. Erfordert Liebe, Aufmerksamkeit, Geduld und manchmal Schnaps. Zwischen Richtig und Falsch kann oft nur ein gutgemeinter Versuch liegen. Erziehung, das ist ein seltsames, wackeliges Gebilde aus Glasknochen.

Eines der wichtigsten Dinge, sagen Experten (und wahrscheinlich auch der eigene Verstand) ist die Kommunikation. Wir machen tagtäglich den Erklär-Bär. Erklären, warum der Himmel blau ist und die Banane krumm. Erklären, warum es nicht okay ist, dem anderen Kind eins auf die Nase zu geben oder die Katze anzuzünden. Erklären Sachverhalte und gesellschaftliche Regeln. Versuchen, mit unseren Worten und unserem Verhalten ein Gebiet abzustecken, auf dem das Kind sich sicher fühlen kann, um ihm die Orientierung auf dieser großen, bunten, schönen, manchmal auch schlimmen Welt zu erleichtern.

Kommunikation mit dem Nachwuchs ist Hilfestellung, Verständnis, Bindung, Miteinander. Und legt – so das Ergebnis der amerikanischen Psychologin Dr. Samantha Rodman – den Grundstein für das Glücks-Empfinden. Sie sagt: „In der positiven Psychologie gehen wir davon aus, dass das Glücks-Gefühl sehr stark mit der inneren Einstellung verknüpft ist.“ Das gilt nicht nur für uns Erwachsene, sondern genauso für unsere Kinder.

Mit diesen 5 Fragen können Eltern ihren Kindern laut Dr. Rodman von klein auf eine positive Einstellung vermitteln – und sie so auch für Krisen-Zeiten stärken.

„Was ist heute gut gelaufen?“

In der großen Pause aufs Knie gefallen. Danach in Mathe bei 1+1 auf 3 gekommen und zur Klassen-Lachnummer geworden. Im Schulbus über die eigenen Schnürsenkel gestolpert und langgelegt. Und das alles auch noch vor den Augen der süßen Isabelle aus der 2B. Kein guter Tag. Die Laune am Boden. Der Beschluss, die Erstklässler-Karriere zu beenden und unverzüglich auf eine Baumschule zu wechseln, absolut ernstgemeint. So geht der kleine Paul heute Abend ins Bett. Mama sitzt auf der Bettkante und sagt: „Schule ist aber wichtig“, und Paul ahnt: „Da muss ich morgen wieder hin.“ An Schlaf ist nicht zu denken. Morgen, da ist Paul sich sicher, geht der Horror weiter. Wird noch schlimmer…

Psychologin Rodman rät, den Fokus des Kindes in solchen Situationen auf die positiven Dinge des Tages zu richten. Die Frage „Was ist gut gelaufen?“ lässt es Kraft schöpfen und zudem ein Gefühl für Dankbarkeit entwickeln. Stimmt, mit Mathe hat es heute nicht so gut geklappt, dafür hat Paul aber ein Lob von seiner Deutschlehrerin bekommen („Mensch, Paul, das „A“ hast Du aber besonders schön geschrieben!“). Stimmt, der Sturz aufs Knie hat wehgetan, aber Paul war unheimlich tapfer und hat nicht geweint. Darauf kann er stolz sein. Und die süße Isabelle ist bestimmt auch schon mal über ihre Schnürsenkel gestolpert (sind aber auch fies, die Dinger). Also kein Grund, die Chancen auf die zarte Sandkasten-Romanze gleich völlig abzuschreiben.

„Was kannst Du tun, um das Problem zu lösen?“ („Und wie kann ich Dir dabei helfen?“)

Wenn unsere Kinder in Schwierigkeiten stecken, packen wir nur allzu schnell die Fäuste aus, schnüren die Boxhandschuhe fest und sind bereit, uns für sie in jeden Ring zu werfen – natürlich. Schließlich lieben wir unsere Kinder und wollen möglichst alles Schlechte von ihnen fernhalten.

Nur: Will das Kind das eigentlich immer? Und: Wie hilft ihm das auf lange Sicht? Dr. Rodman sagt: „Gib Deinem Kind die Chance, ein Problem selbst zu lösen, denn das stärkt sein Selbstvertrauen. Überlegt gemeinsam, wie die Lösung aussehen könnte, falls Deinem Kind von allein nichts einfällt.“ Stehen wir am Ring und reichen die Wasserflasche. Eingreifen können wir notfalls (und auf Wunsch des Kindes) immer noch.

„Wie hast Du Dich dabei gefühlt?“

Oft hören wir Großen gar nicht so richtig hin, wenn die Kleinen – meist noch unbeholfen – ansetzen, über ihre Gefühle zu reden. Stattdessen wiegeln wir mit Standard-Floskeln ab („It doch nicht so schlimm!“), oder kommen Trost-Pflastern um die Kurve („Mama kauft Dir jetzt ein Eis und dann ist alles wieder gut.“). Damit – glauben wir – haben wir das Problem gelöst.

Dabei brauchen Kinder oft etwas ganz anderes: Ernstgenommen zu werden, sich wahrgenommen fühlen, überhaupt erst einmal üben zu können, wie man Gefühle formuliert. Kurz: Uns Erwachsene, mit offenen Ohren und absoluter Aufmerksamkeit. Dr. Rodman sagt: „Die eigenen Gefühle wahrzunehmen und ausdrücken zu können, ist ein wichtiger Aspekt beim Glücks-Empfinden. Wenn man seine Gefühle auf den Punkt bringen kann, fällt es leichter, damit zu arbeiten und auch entsprechende Lösungen zu finden.“

Ebenfalls wichtig: Auch andere haben Gefühle. Wie fühlt sich der Hund der Nachbarin, den Ihr gerade als lebendige Zielscheibe zweckentfremdet und mit Steinen beworfen habt? Wie fühlt sich das Mädchen, das Ihr wegen seiner roten Haare ausgelacht habt? Durch die Frage: „Wie, glaubst Du, hat der oder die andere sich gefühlt?“ lernt das Kind, sich in andere hineinzuversetzen und Mitgefühl zu entwickeln.

Und das lohnt sich: „Mitgefühl stärkt Körper wie Seele, macht psychisch robuster, physisch stärker und stimuliert nebenbei das Immunsystem“, schreibt Deutschlands bekanntester Medizinjournalist Dr. med. Werner Bartens in seinem Buch „Empathie – Weshalb einfühlsame Menschen gesund und glücklich sind“, für das er hunderte Studien aus der internationalen Empathie-Forschung ausgewertet hat.

„Können wir heute etwas Nettes für jemanden tun?“

Etwas für andere zu tun, stärkt die Zufriedenheit nachweislich: Es flutet uns mit Glückshormonen (Endorphinen) und kurbelt die Produktion von Oxytocin an, ein Hormon, das Vertrauen stärkt und soziale Bindungen vereinfacht. Ein paar Plätzchen für Tante Erna backen, die sich gerade vom Tod ihres Dackels erholt. Ein Bild malen, um Oma eine Freude zu machen. Der kranken Nachbarin die Einkäufe abnehmen. Zudem entwickeln die Kinder – zurecht – ein Gefühl von Stolz, wenn sie etwas Gutes getan haben.

„Was möchtest DU heute machen?“

Montags: Keyboard. Dienstags: Fußball. Mittwochs: Bockspringen. Donnerstags: Schach. Freitags: Pfadfinder-Gruppe. Und am Wochenende irgendein Turnier (Bockspring-Regionalmeisterschaft). Viele Kinder haben heutzutage Terminkalender, die voller sind als die von ausgewachsenen Top-Managern. Der Wochenplan, gemacht von Mutti. Soll ja mal was werden aus dem kleinen Klaus (nämlich: Bockspring-Weltmeister). So richtig Gelegenheit, eigene Interessen zu entwickeln, ganz entspannt Kind zu sein oder vielleicht – Vorsicht, super verrückte Idee – auch einfach mal „gar nichts“ zu machen, scheint absolut gegen den Trend der frühkindlichen Förderungs-Maschinerie zu gehen.

Fragen wir unsere Kinder doch einfach mal: Was möchtest DU heute machen? Was macht DIR eigentlich Spaß?

Dr. Rodman sagt: „Wenn Kinder ihre Aufmerksamkeit auf die Dinge richten dürfen, die SIE wirklich lieben, erleben sie einen Glücks-Zustand, einen regelrechten Rausch, den wir „Flow“ nennen.“ Der Ausdruck „Flow“ geht auf den Psychologen und Glücks-Forscher Mihaly Csikszentmihalyi zurück und beschreibt den Zustand, in dem ein Mensch so sehr in einer Aktivität aufgeht, dass er sich völlig darüber vergisst. Kann beim Bockspringen passieren. Auch beim Malen oder Musizieren. Vielleicht aber auch beim völlig willkürlich über die Wiese rennen im Sonnenschein. Das gibt zwar höchstwahrscheinlich keine Medaille. Macht aber – sogar wissenschaftlich bewiesen – trotzdem glücklich. Und das ist schließlich ja vielleicht das Wichtigste.

Mehr unter 20 Fragen an Dein Kind statt: „Naa, wie war Dein Tag?“.

Photo: Talk to the child / Shutterstock