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Text von: Lena Schulte

Das Leben ist nichts für schwache Nerven. Vor allem, wenn man (so wie ich) ein Experte im Errichten von adipösen Luftschlössern ist, die nur darauf warten, mir bei der ungünstigsten Gelegenheit mit einem noch adipöseren Knall um die Ohren zu fliegen. Die Realität, die danach kommt, fühlt sich dann oft so an, als wäre die ganze Welt ein unfassbar schlechter Ort, nur dafür geschaffen, mich fertig zu machen. Dabei hat sich in der Realität nicht unbedingt viel verändert.

Um Aufpralle und ein Abtreiben in den Sumpf des Pessimismus zu verhindern, empfiehlt sich: immer wieder mal die eigenen Überzeugungen hinterfragen und schauen, ob an unseren Schlössern mehr dran ist als Luft.

Hier ist das Ergebnis meiner Inventur im Kopf:

Du kannst nicht auf ein Konto der Gerechtigkeit einzahlen

Es war einmal eine kleine Gazelle. Sie war die netteste und sozial engagierteste Gazelle auf der ganzen Welt, unglaublich beliebt, fleißig und angesehen, bis hin in die höchsten Gazellen-Kreise. Aber dann, eines Tages, kam der Löwe. Und er hatte Hunger. Und dann fraß er die kleine Gazelle und trug ihre Knochen als Statementkette. Einfach so.

So viele schlimme Dinge können im Leben geschehen. Einfach so. Ohne Vorwarnung. Obwohl wir gemacht und getan haben, immer positiv waren und vertraut haben. Und trotzdem. Wie schnell ist es passiert, dass wir selbst plötzlich (wieder) die Gazelle sind und eine Klatsche bekommen, deren Ungerechtigkeit bis zum Himmel stinkt? Und der Gerechtigkeit ist es einfach egal, was da mit uns passiert. Denn es gibt sie höchstens vor Gericht, nicht aber im Leben.

Unser Verstand denkt gerne, er hätte genug Macht, Gerechtigkeit im Außen selbst herzustellen. Zum Beispiel, indem wir ganz viel Gutes tun. Die Welt funktioniert jedoch nicht wie ein Konto, auf dem wir mit einer guten und moralischen Lebensführung einzahlen und dann als Zinsen die Erfüllung unserer Erwartungen erhalten. Unser persönliches Empfinden von Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit entsteht aus unrealistischen Konzepten und Erwartungen. Heißt nicht, dass wir ins Land des Achselzuckens auswandern sollten. Aber wenn das Leben wieder ungerecht ist, könnte es auch sein, dass sich nicht die ganze Welt gegen uns verschworen hat, sondern „nur“ unsere innere Erwartung vom Außen nicht erfüllt wurde.

Daran können wir wachsen. Wir können Akzeptieren lernen … und dass wir trotz der Ungerechtigkeiten immer Möglichkeiten haben, etwas zu beeinflussen.

Und wo wir schon beim Thema Ungerechtigkeit sind:

Du wirst verlassen, verraten, belogen und betrogen

Und ja, das tut echt hart weh. Auch beim zehnten Mal. Auch, wenn Du Dir fest vorgenommen hast, niemanden mehr an Dich heran zu lassen und Dein Herz und das Vertrauen in die Menschheit einzufrieren. Denn sobald Dir Dein Gegenüber wirklich wichtig geworden ist, bist Du verletzlich. Und es gibt Menschen, die das ausnutzen oder nicht wertschätzen können, und ihre Probleme mit sich und der Welt zu Deinen machen wollen. Und es gibt Menschen, die es gar nicht mitbekommen oder nicht verstehen können, dass Dir ihr Verhalten weh tut.

Und dann gibt es noch Menschen, die Dich für Deine Courage lieben und feiern, weiter nach vorne zu gehen, weiter an das Gute zu glauben und Dich ihnen zu öffnen. Trotz alledem. Vielleicht ist die Konfrontation mit der eigenen Verletzlichkeit sogar der beste Weg zum echten, authentischen Leben. Und vielleicht befreit es uns und unsere Beziehungen umso mehr, wenn wir unsere Verletzlichkeit nicht einsperren, sondern trotzdem das Risiko Nähe eingehen.

Alles Gute braucht mehr Einsatz und Zeit, als Du denkst

Dass gut Ding Weile haben will, fällt mir manchmal bereits ziemlich schwer. Dass gut Ding aber auch echten und vor allem langfristigen Einsatz haben will…puuh.

Es gibt ja die Theorie, dass wir 10.000 Stunden brauchen, um wirklich meisterhaft in einer Sache zu werden. Allerdings reichen diese 10.000 Stunden nicht aus, wenn wir nicht wirklich fokussiert, passioniert und engagiert bei der Sache sind. Andernfalls hätte ich die Schule mit mehr Applaus verlassen müssen.

Wirklich meisterhafte Leute auf ihren Gebieten vermitteln oft den Eindruck, als müssten wir zu besessenen Workaholics werden, die alles andere vernachlässigen. Doch legen Langzeitstudien nahe: Menschen, die ambitioniert sind, hart arbeiten und sich Herausforderungen stellen, sind gesünder und leben länger als die, die sich sogar vom Beine-hochlegen erholen wollen.

Entscheidend ist, aus welcher Motivation wir die Dinge angehen und inwiefern wir in der Lage sind, auf unseren Körper zu hören, wenn er wirklich nicht mehr kann.

Es scheint immer Abkürzungen zu geben, die uns schnellstmöglich ein kleines Stück vom Kuchen abbekommen lassen sollen. Wenn wir am Ende des Tages aber selbst einen richtig geilen Kuchen backen wollen, reicht es nicht, den Ofen einfach heißer zu stellen und ihn früher rauszuholen. Um die Dinge gut zu machen, müssen wir uns ihnen hingeben, auch wenn das heißt, sich erst einmal laaaange, lange lange durch zähe Teigmassen zu kämpfen.

Dafür ist die Belohnung dann auch größer, wertvoller, kostbarer, macht uns stärker und stolzer. Der Dalai Lama empfiehlt: „Miss Deinen Erfolg daran, was Du für ihn aufgeben musstest“.

Du hast ein Ablaufdatum

Ach ja, der Tod. Zu guter Letzt. Uuuh, wir werden alle sterben, Carpe Diem. Nutze die Caprisonne, bastle ein sagenhaftes Kunstwerk aus ihr, oder genieße sie zumindest, als sei sie Deine letzte.

Theoretisch weiß ich das, praktisch handle ich eher selten danach.

Denn dummerweise wissen wir halt auch, dass es heute höchstwahrscheinlich nicht der letzte aller Tage ist. Es gibt höchstwahrscheinlich ein „Später“. So lange wir leben, gibt es das nämlich immer, wir kommen Jahrzehnte lang damit davon. Wir überleben alle Tage unseres Lebens, bis auf einen, bis es wirklich nicht mehr weiter geht. Welch ungleichmäßige Verteilung.

Die Kunst ist es also nicht, in der Theorie zu erkennen, wie schnell alles vorbei gehen kann und Silvester immer wieder mit Schrecken festzustellen, dass die Jahre immer schneller sprinten. Die Kunst ist, es zu leben, vor allem im Alltag, mit dem die meisten von uns über 90 Prozent ihre Zeit verbringen. In diesem Alltag in kleinen Schritten einen Platz für das zu schaffen, was aus unserer Lebensgeschichte eine gute macht.

Das Ende fragt nicht, wann Dir seine Zäsur gerade in den Kram passt. Und ob Du bis dahin alles Vorgestellte erreicht und erlebt oder in Ordnung gebracht hast, zum Beispiel, dass…

Aber nein. Ende.

Wenn Du Zulassen und Loslassen lernen willst, kann Dir das myMONK-Buch helfen: Wie man Sorgen, Stress und Selbstzweifel loslässt. Mehr auch unter 20 brutale Wahrheiten über das Leben, die niemand zugeben will.

Photo: Sunrise von AstroStar / Shutterstock