An Zorn festhalten ist wie Gift trinken und erwarten, dass der Andere dadurch stirbt.

– Buddha

Was Buddha da sagt können wohl die meisten von uns nachvollziehen. Wir schaden vor allem uns selbst, wenn wir Zorn nicht nur in uns aufkommen spüren, sondern uns an ihm festklammern mit blutunterlaufenen Fingernägeln, der Atmung eines brünstigen Bullen und einem Gesichtsausdruck, als würden wir eine Melone aus dem Hintern pressen müssen.

Wie viel leichter das Leben doch würde,

wie viel ruhiger wir atmeten, lebten und schliefen,

ohne all den Ärger über Chefs, Kollegen, Kunden Nachbarn, Partner, Kinder, Eltern, verspätete Züge und Busse.

Nur … wie können wir den Zorn loslassen und uns von diesem Gift befreien?

Das leere Boot

Dazu eine Zen-Geschichte:

Ein Schüler fragte seinen Meister, wie er besser mit Zorn umgehen könne.

Der Zen-Meister antwortete:

„Stell Dir vor, es ist ein nebliger Tag. Du bist mit Deinem Boot draußen auf dem See. Durch den Nebel kannst Du kaum etwas erkennen. Bis plötzlich ein anderes Boot durch die Schwaden genau auf Dich zukommt.

Du wirst zornig. Du denkst: na so ein Arsch, ich habe erst gestern mein Boot neu angestrichen … und schon kracht das fremde Boot in Deins hinein. Du kannst die frische Farbe, die Du gestern so mühevoll aufgetragen hast, geradezu abblättern hören. Zorn!

Dann schaust Du genauer hin und siehst: das andere Boot ist leer. Niemand drin. Niemand, der Dich absichtlich gerammt hat.

Dein Zorn verfliegt. Du seufzt und denkst: ach was soll’s, dann muss ich demnächst eben noch mal streichen.

Die Sache ist für Dich damit gelaufen.“

Der Zen-Meister fuhr fort:

„So ist es mit allem im Leben und mit allen Menschen, denen Du begegnest:

Es ist, als würden wir von einem leeren Boot gerammt werden.“

Der Schüler sagte:

„Hmm, da ist was dran. Aber selbst wenn ich sehe, dass das Boot leer ist: ich werde erst einmal die ganze Welt verfluchen und mir einfach vorstellen, es säße jemand in dem Boot, der mir absichtlich schaden will.“

Da antwortete der Meister:

„Wohl wahr. So ticken wir Menschen. Doch je mehr wir üben, umso leichter können wir uns beruhigen und sehen, wie lächerlich und nutzlos es doch ist, an Zorn festzuhalten. Schuld ist immer das leere Boot.“

Du und Dein Zorn

Darin besteht der Trick: das Boot als leer anzusehen.

In den seltensten Fällen sind die Dinge, die Dich ärgern, beabsichtigt und nur da, um DIR zu schaden.

In den seltensten Fällen ist es persönlich gemeint. Und selbst wenn Dir jemand ganz persönlich schaden wollte: ist es dann nicht eine arme Sau, der sich und sein Handeln nicht unter Kontrolle hat und das Glück an völlig falschen Orten sucht?

Wenn Dich Zorn überkommt, schließe Deine Augen, atme ruhig und tief durch und stell Dir vor, wie Dich ein Boot gerammt hat (das Ärgernis) … doch wie niemand in dem Boot sitzt. Vielleicht musst Du nun neu planen oder streichen, aber wie lange kann man schon auf ein leeres Boot wütend sein?

Schuld ist immer das leere Boot.

 

Wenn Du Dich von Zorn, Enttäuschungen und Verletzungen befreien willst, wird Dir das Buch von myMONK helfen: „Wie man die Dinge nicht mehr so persönlich nimmt„.

 

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Da besonders viele Leser über diesen Post zum ersten Mal zu myMONK finden: herzlich willkommen, wenn Du neu hier bist! Hier ein paar weitere beliebte Texte zum Einstieg:

Photo: Hartwig HKD