Träumst Du schon lange davon, ein Buch zu schreiben, Bilder zu malen, ein Musikstück zu komponieren oder Dein eigenes Unternehmen zu gründen? Und hast Du es immer wieder vor Dir hergeschoben? Oder mittendrin abgebrochen?

Dann hast Du Bekanntschaft mit einer ganz bestimmten Kraft gemacht. Und gegen sie verloren. Steven Pressfield, Autor von „The War of Art“ und „Do the Work“ nennt diese Kraft „Widerstand“ (Resistance). Er nennt sie auch ein Monster, denn sie frisst so viel Kreativität und Träume wie keine andere Sache in diesem Universum.

Wenn Du etwas erschaffen willst, das größer und beständiger ist als der vor sich hin plätschernde Alltag – sei es Kunst, ein Business oder ein anderes Projekt – dann solltest Du wissen, mit wem Du es zu tun bekommen wirst. Nur dann hast Du eine reelle Chance, Dein Vorhaben bis zum Ende umzusetzen.

Es ist über zehn Jahre her, als ich zum ersten Mal davon träumte, etwas wie myMONK zu erschaffen. Zehn Jahre sind eine verdammt lange Zeit, ich mag gar nicht daran denken, an welchem Punkt die Seite heute stehen würde, wenn ich den „Widerstand“ eher durchschaut und bezwungen hätte (bringt ja auch nichts, darüber zu grübeln).

Im Angesicht des Monsters

Schauen wir dem hässlichen Monster Widerstand ins Gesicht. Bist Du bereit?

  • Widerstand ist eine negative, unsichtbare Energie, die uns davon abhält, die nötige Arbeit zu tun, um einen Traum zu verwirklichen.
  • Sie zeigt sich als Gedanken und Gefühle, wie in „Das schaffe ich sowie nicht“, „Ist doch Spinnerei“, „Ich kann das nicht“, „Mir fehlt dieses und jenes dafür“„ Heute habe ich echt keine Kraft mehr dafür, aber morgen fange ich vielleicht an“. Die Kraft versucht alles in ihrer Macht stehende, um uns von dem abzuhalten, das unser Herz erfüllt und die Welt bereichert. Sie lügt, sie verführt, sie tötet.
  • Dem Widerstand ist es egal, wer Du bist. Widerstand ist nichts persönliches, es ist eine universelle Form, die jedem, absolut jedem begegnet. Sie ist nicht speziell hinter Dir her, sie will die Vorhaben von uns allen verschlingen.
  • Je mehr Du die Anwesenheit dieser negativen Energie spürst, umso wichtiger ist Dein Traum. Die größten Vorhaben treffen auf den größten Widerstand. Kommt Dir der Widerstand vor wie eine meterdicke Wand aus Stahlbeton? Dann ist das, wonach Du strebst, vermutlich etwas besonders Wertvolles.

Ich weiß, das klingt alles nicht gerade ermutigend.

Das Monster lässt sich aber besiegen. Niemals für immer, aber an jedem einzelnen Tag aufs Neue.

Wenn ich an meinem Macbook sitze, um einen Text wie diesen zu schreiben, dann habe ich die erste kleine Schlacht gegen den Widerstand schon gewonnen. Allein, weil ich mich hingesetzt und ein neues Textdokument geöffnet habe. Und nicht etwa einkaufen gegangen, den Fernseher angeschaltet, noch schnell diese oder jene ach so wichtige Mail beantwortet, auf Facebook herumgelungert oder irgendwelche technischen Spielerein an meinen Websites vorgenommen habe, die sich zwar so anfühlen, als hätte ich wirklich gearbeitet, aber keinerlei echten Wert schaffen. Doch der schwerste Kampf steht noch bevor. Ein leeres Dokument auf dem Bildschirm – und plötzlich fühlt sich mein Kopf genauso leer an. Alle Inspiration, jede Lust am Schreiben scheint verflogen. Der Drang, wieder aufzustehen und den Schreibtisch zu verlassen, steigt Minute für Minute an und selbst wenn ich diesem nicht nachgebe, juckt es in meinen Fingern, die mich gern doch noch mal auf das Mailprogramm oder Facebook klicken lassen, bevor ich dann „aber wirklich mal so richtig loslege“. An guten Tagen widerstehe ich dem Widerstand eisern. An weniger guten springt meine Aufmerksamkeit zwischen Browserfenstern, Emailprogramm und dem Textdokument. Und an ganz schlechten stehe ich vom Stuhl am Schreibtisch auf, mache mir einen Tee oder seit neuestem einen Gemüsesaft mit Weizengrasextrakt, und versumpfe anschließend in Unwichtigem.

Zum Glück werden die letzteren, die ganz schlechten Tage, seltener, weil ich den Feind inzwischen besser kenne und auch im Kampf besser gegen seine Klauen gewappnet bin.

Deine Rüstung, Deine Waffen

Die wichtigsten Mittel für den kreativen Kampf sind:

  • Ignoranz: Sitzen bleiben und einen Buchstaben, einen Pinselstrich, eine Note, eine Idee nach der anderen zu entwickeln. Buchstabe für Buchstabe, Pinselstrich für Pinselstrich. In Deinem Kopf kreisen demotivierende, Dich klein machen wollende Gedanken? Was soll’s, bleib sitzen. Du hast das Angst oder Gefühl, dass heute einfach gar nichts geht? Was soll’s, bleib sitzen. Wie ein sturer Esel, der sich von nichts und niemandem etwas sagen lassen will.
  • Leidenschaft: Deine Leidenschaft kann Dich tragen, sie wird stärker mit jedem Kampf, den Du gegen den Widerstand austrägst.
  • Blindes Vertrauen: Warum willst Du das tun, was Du tun willst? Könnte es eine Art „Bestimmung“ oder „Berufung“ sein, eine zweite starke Kraft im Universum, die über Deinen Verstand und Dein Ego hinausgeht und Dich etwas tun lassen will, weil Du es tun musst? Wenn Du darauf vertraust, dass Dein Vorhaben dieser Quelle entspringt, dann kannst Du auch darauf vertrauen, dass die Quelle Dich zum Ziel führen wird.
  • Verbündete: Nicht alle Freunde und Vertrauten werden Dir im Kampf helfen. Einige werden nicht wollen, dass Du Dich oder Dein Leben veränderst, weil sie Angst haben, Dich dann zu verlieren. Oder weil sie selbst spüren müssen, was ihnen fehlt, wenn Du ihnen mit Deinem Tun einen Spiegel vors Gesicht hältst. Genauso gibt es jedoch Menschen, die Dich unterstützen werden, die Dir zeigen, dass sie an Dich und Deine Idee glauben. Auf wen solltest Du hören? Auf die angstgetriebenen Pessimisten oder jene, die selbst stark sind?

Du kennst den Gegner, Du kennst Deine Mittel für den Kampf.

Dann kann es ja jetzt losgehen.

Man ist nie bereit genug

Gab es irgendwann man einen Zeitpunkt in Deinem Leben, in dem alles perfekt war und Du endlich beginnen konntest?

In meinem leider nicht, und vermutlich ist das bei den meisten Menschen auch nicht anders.

Mit jedem Tag des Aufschiebens kann der Widerstand mehr und mehr Gründe auftreiben, die dagegen sprechen, Deinen Traum zu verfolgen.

Du brauchst mehr Vorbereitungszeit?

Die Wirtschaftslage ist gerade schlecht?

Du hättest gern mehr Rücklagen auf dem Konto, falls es doch nicht klappt?

Du wartest noch auf den richtigen Geschäftspartner?

Du hast jetzt gerade nicht genügend Zeit oder Platz?

Es bist nicht Du, der so denkt. Es ist das Monster. Gib ihm genügend Zeit, und es wird Deinen Traum mit einer Liste von Sachen ersticken, die vermeintlich dagegensprechen, jemals anzufangen.

Bring den Ball heute ins Rollen. Ein erster kleiner Schritt reicht aus.

Siehe auch „Heute den ersten Schritt gehen“.

Durchhalten

Ist das Projekt gestartet, hilft nur noch eins: harte Arbeit. Ich könnte manchmal fast heulen vor Verzweiflung und Wut, wenn mir die ersten Zeilen eines neuen Artikels schon so schwer fallen. Aber es hilft nichts, ich muss dann am Schreibtisch, vor dem Computer sitzen bleiben.

Ignorant, blind vertrauend und mir meine Leidenschaft bewusst machend.

Der Widerstand lässt sich zwar nie für immer auslöschen, aber wenn man einmal wirklich drin ist im Tun, dann nimmt er doch sehr oft spürbar ab. Harte Arbeit verweist das Monster in die Schranken.

Siehe auch „Hart arbeiten, weich leben“.

Von vorn beginnen

Du hast Dein Werk vollendet, den Artikel oder das Buch geschrieben, das Bild gemalt, das Musikstück komponiert, Dein Unternehmen gegründet und etabliert oder ein anderes Projekt durchgezogen? Glückwunsch.

Dann gibt’s jetzt nur noch eins zu tun.

Von vorn beginnen.

Je länger Du damit wartest, umso mehr werden verlorene Tage zu verlorenen Wochen, Monaten und Jahren – und umso schwieriger wird es, den Kampf gegen den Widerstand erneut anzutreten, weil Deine Muskeln erschlaffen, während sich das Monster ins Fäustchen lacht.

Ich trinke jetzt einen Tee. Morgen geht’s weiter mit dem nächsten Artikel.

 

Photo: C Ambler