
Träumst Du schon lange davon, ein Buch zu schreiben, Bilder zu malen, ein Musikstück zu komponieren oder Dein eigenes Unternehmen zu gründen? Und hast Du es immer wieder vor Dir hergeschoben? Oder mittendrin abgebrochen?
Dann hast Du Bekanntschaft mit einer ganz bestimmten Kraft gemacht. Und gegen sie verloren. Steven Pressfield, Autor von „The War of Art“ und „Do the Work“ nennt diese Kraft „Widerstand“ (Resistance). Er nennt sie auch ein Monster, denn sie frisst so viel Kreativität und Träume wie keine andere Sache in diesem Universum.
Wenn Du etwas erschaffen willst, das größer und beständiger ist als der vor sich hin plätschernde Alltag – sei es Kunst, ein Business oder ein anderes Projekt – dann solltest Du wissen, mit wem Du es zu tun bekommen wirst. Nur dann hast Du eine reelle Chance, Dein Vorhaben bis zum Ende umzusetzen.
Es ist über zehn Jahre her, als ich zum ersten Mal davon träumte, etwas wie myMONK zu erschaffen. Zehn Jahre sind eine verdammt lange Zeit, ich mag gar nicht daran denken, an welchem Punkt die Seite heute stehen würde, wenn ich den „Widerstand“ eher durchschaut und bezwungen hätte (bringt ja auch nichts, darüber zu grübeln).
Schauen wir dem hässlichen Monster Widerstand ins Gesicht. Bist Du bereit?
Ich weiß, das klingt alles nicht gerade ermutigend.
Das Monster lässt sich aber besiegen. Niemals für immer, aber an jedem einzelnen Tag aufs Neue.
Wenn ich an meinem Macbook sitze, um einen Text wie diesen zu schreiben, dann habe ich die erste kleine Schlacht gegen den Widerstand schon gewonnen. Allein, weil ich mich hingesetzt und ein neues Textdokument geöffnet habe. Und nicht etwa einkaufen gegangen, den Fernseher angeschaltet, noch schnell diese oder jene ach so wichtige Mail beantwortet, auf Facebook herumgelungert oder irgendwelche technischen Spielerein an meinen Websites vorgenommen habe, die sich zwar so anfühlen, als hätte ich wirklich gearbeitet, aber keinerlei echten Wert schaffen. Doch der schwerste Kampf steht noch bevor. Ein leeres Dokument auf dem Bildschirm – und plötzlich fühlt sich mein Kopf genauso leer an. Alle Inspiration, jede Lust am Schreiben scheint verflogen. Der Drang, wieder aufzustehen und den Schreibtisch zu verlassen, steigt Minute für Minute an und selbst wenn ich diesem nicht nachgebe, juckt es in meinen Fingern, die mich gern doch noch mal auf das Mailprogramm oder Facebook klicken lassen, bevor ich dann „aber wirklich mal so richtig loslege“. An guten Tagen widerstehe ich dem Widerstand eisern. An weniger guten springt meine Aufmerksamkeit zwischen Browserfenstern, Emailprogramm und dem Textdokument. Und an ganz schlechten stehe ich vom Stuhl am Schreibtisch auf, mache mir einen Tee oder seit neuestem einen Gemüsesaft mit Weizengrasextrakt, und versumpfe anschließend in Unwichtigem.
Zum Glück werden die letzteren, die ganz schlechten Tage, seltener, weil ich den Feind inzwischen besser kenne und auch im Kampf besser gegen seine Klauen gewappnet bin.
Die wichtigsten Mittel für den kreativen Kampf sind:
Du kennst den Gegner, Du kennst Deine Mittel für den Kampf.
Dann kann es ja jetzt losgehen.
Gab es irgendwann man einen Zeitpunkt in Deinem Leben, in dem alles perfekt war und Du endlich beginnen konntest?
In meinem leider nicht, und vermutlich ist das bei den meisten Menschen auch nicht anders.
Mit jedem Tag des Aufschiebens kann der Widerstand mehr und mehr Gründe auftreiben, die dagegen sprechen, Deinen Traum zu verfolgen.
Du brauchst mehr Vorbereitungszeit?
Die Wirtschaftslage ist gerade schlecht?
Du hättest gern mehr Rücklagen auf dem Konto, falls es doch nicht klappt?
Du wartest noch auf den richtigen Geschäftspartner?
Du hast jetzt gerade nicht genügend Zeit oder Platz?
Es bist nicht Du, der so denkt. Es ist das Monster. Gib ihm genügend Zeit, und es wird Deinen Traum mit einer Liste von Sachen ersticken, die vermeintlich dagegensprechen, jemals anzufangen.
Bring den Ball heute ins Rollen. Ein erster kleiner Schritt reicht aus.
Siehe auch „Heute den ersten Schritt gehen“.
Ist das Projekt gestartet, hilft nur noch eins: harte Arbeit. Ich könnte manchmal fast heulen vor Verzweiflung und Wut, wenn mir die ersten Zeilen eines neuen Artikels schon so schwer fallen. Aber es hilft nichts, ich muss dann am Schreibtisch, vor dem Computer sitzen bleiben.
Ignorant, blind vertrauend und mir meine Leidenschaft bewusst machend.
Der Widerstand lässt sich zwar nie für immer auslöschen, aber wenn man einmal wirklich drin ist im Tun, dann nimmt er doch sehr oft spürbar ab. Harte Arbeit verweist das Monster in die Schranken.
Siehe auch „Hart arbeiten, weich leben“.
Du hast Dein Werk vollendet, den Artikel oder das Buch geschrieben, das Bild gemalt, das Musikstück komponiert, Dein Unternehmen gegründet und etabliert oder ein anderes Projekt durchgezogen? Glückwunsch.
Dann gibt’s jetzt nur noch eins zu tun.
Von vorn beginnen.
Je länger Du damit wartest, umso mehr werden verlorene Tage zu verlorenen Wochen, Monaten und Jahren – und umso schwieriger wird es, den Kampf gegen den Widerstand erneut anzutreten, weil Deine Muskeln erschlaffen, während sich das Monster ins Fäustchen lacht.
Ich trinke jetzt einen Tee. Morgen geht’s weiter mit dem nächsten Artikel.
Photo: C Ambler
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Hm, wenn es so viel Kraft gegen den Widerstand braucht, ist es dann doch nicht das, was ich wirklich, wirklich schon immer tun wollte. Müsste es mir nicht in diesem Fall wie von Zauberhand einfach so dahin gleitend, eben im Flow gelingen?
Allerdings, wie bekomme ich raus, was ich denn wirklich, wirklich gerne tun wollen könnte? Was meine Potenziale sind?
Herzlich, Martin
Der Flow kommt ja oft, wenn man sich durchringt durch die anfängliche Unlust und die Ausreden – den Widerstand. Ist vielleicht wie mit dem Joggen und dem “Runners High” ähnlich: nur, weil wir keine Lust drauf haben, heißt es nicht, dass Bewegung nicht das richtige für uns ist. Ein Stück Paradoxon bleibt aber dennoch darin, schätze ich.
Deine andere Frage möchte ich gern so beantworten: auf http://mymonk.de/7-fragen-die-dich-zu-deiner-lebensaufgabe-fuehren/ schreibe ich von Fragen / Hinweisen / Zeichen, die einem bei der Entdeckung der Lebensaufgabe helfen können. Nun ist die Lebensaufgabe ein recht hoch gegriffenes Konzept, ich denke jedoch, dass die Fragen aus diesem Artikel auch grundsätzlich geeignet sind, herauszufinden, was man wirklich gern tun tun wollen könnte.
Bei mir war es so: ich wusste schon laaange, dass ich gern schreiben möchte. Irgendwann fing ich dann damit an, nur um kurz darauf für 7 Jahre wieder eine Pause mit dem Schreiben einzulegen. Ich wusste, was ich von Herzen gern tun wollte, traute mich aber einfach nicht. Kann man so bestimmt nicht auf alle Menschen übertragen, nach meinen Erfahrungen zumindest sind es jedoch eher die Selbstzweifel als das Unwissen, das einen bei der “Entdeckung” und Ausübung im Weg stehen.
Guter Artikel! Macht mir Mut mich wieder-zu-setzen!
Hi Keymono, das Wort “setzen” lässt mich ahnen, dass Du auch etwas Kreatives machst? Würd’ gern mehr erfahren! LG Tim
Beim Thema innerer Widerstand erinnere ich mich gerne an eine Geschichte, die Ashtanga-Yogi David Swenson gerne in seinen Workshops erzählt: Wenn man meint, sich zum Yoga nicht aufraffen zu können, solle man sich ein einfaches Ritual halten: die Matte aus der Ecke zu holen, ausrollen und einen einzigen, bewussten Atemzug darauf machen, bevor man sie wieder wegpackt. Steht man angesichts dieses simplen Deals mit sich selbst schließlich auf der Matte, wird man überlegen, vielleicht doch noch einen 2. oder 3. Atemzug zu nehmen – wenn man doch schon mal da ist. Und eigentlich könnte man auch schnell einen Sonnengruß machen. Vielleicht einen 2., 3. usw. Und bevor man es sich versieht, ist man schon mittendrin in der Yogapraxis!
Ich finde, das ist eine gute Taktik, das kleine Monster zu überwinden!
Hi Jeannette,
zunächst mal herzlich willkommen auf myMONK (ich glaube, wir kennen uns noch nicht?)!
Weise Worte über kleine Schritte, die der Yogi da fand. Auf mich trifft das sehr oft, wenn auch nicht immer zu: ein fast unsichtbar kleines Vorhaben starten und von da aus das nächste, bis die ganze Sache (und das ganze “Monster”) erledigt ist.
LG
Tim
ja, der innere Widerstand!ich muss eigentlich für meine Prüfung lernen die ich mitte diesen Monats machen werde.und ja dieser Artikel ist ganz gut:-)wenn man das liest was man weist, ist die Wirkung dessen um so größer. Fühlt sich an als ob das Monster so ein wenig gegen die Wand gedrückt wird.
ich muss definitiv anfangen zu lernen.
Danke für ihre Verbundenheit, Verbündeter.
LG
max
Hey Max,
kenn ich gut, zu gut sogar. Kaum ein Satz ist mir im Studium so oft durch’s Hirn geflogen wie “ich müsste jetzt anfangen zu lernen” … oder “endlich weiterlernen”.
Die Frage ist halt oft: was steckt dahinter, warum schieben wir das so lange vor uns her?
Bei mir war’s der Anspruch, unbedingt eine Supernote schreiben zu müssen. Ich kam dann erst ins Lernen, als die Angst, komplett zu versagen, noch größer war als die, nicht outperformen zu können …
Hoffe, Du konntest das Monster inzwischen einsperren und hast angefangen!
LG
Tim
…und nun sitze ich wieder hier
…
…
ich muss das mal so ausprobieren.
warum ich aufschiebe ist, weil mir persönlich es nicht sooo viel bedeutet wie es eigentlich sein soll.obwohl ich denn Sinn dessen auch verstehe und verstehe auch das es später im Berufsleben ich mir selber dafür danken werde dass ich es doch durchgezogen habe, dennoch sitze wieder hier
ich denke die beste Methode ist nicht darüber nach zu denken sonder sich einfach setzten und einfach anfangen.so als ob ich mich fürs meditieren innerlich schon mal einstelle ohne Gedanken.
LG
max
Maaaaaaaaaan, nützt doch alles nix, jetzt hau rein, Max!
Bring die Sache hinter Dich. Das Ende ist in Sicht.
Vielleicht ja erstmal nur eine winzige Sache vornehmen – 10 Minuten lernen – und dann schauen, was passiert?
LG
Tim