|20. November 2012 13:46

Durchbruch – Wie man ein neues Level erreicht


“Life is hard if you live it the easy way and easy if you live it the hard way. ”
- Joe Pollack

Es ist hart, sich weiterzuentwickeln und Ziele zu erreichen. Der Olympiasieger, der im 100-Meter-Lauf allen scheinbar ohne Anstrengung davonrennt, musste zuvor zehntausende Stunden trainieren. Der Raucher, der seine letzte Kippe ausdrückt, kämpfte zehntausende Schlachten in seinem Inneren. Und wenn uns ein Buch oder Seminar auf eine neue Entwicklungsstufe zu katapultieren scheint, ging dem fast immer ein langer Prozess voraus, ob bewusst erlebt oder im Verborgenen.

Wie ich unter Ich bin okay // Guru-Diss schrieb, halte ich viele der Marketing-Versprechen aus der Selbsthilfe-Industrie für gefährlich – für die Kunden, aber auch für die Anbieter. Für die Kunden, weil sie meistens enttäuscht werden und die Schuld oft bei sich suchen („Ich bin einfach zu faul / zu doof / zu unmotiviert / zum Misserfolg verdammt“), wenn sie doch nicht innerhalb von drei Tagen dreißig Kilo leichter und drei Millionen Euro reicher sind. Und für die Anbieter, weil enttäuschte Kunden auf Dauer keine gute Grundlage für ihr Geschäft sind. Seit ich 16, also in den letzten 12 Jahren, habe ich eine recht große Menge an Selbsthilfe-Literatur, Audioprogrammen und Hypnose-CDs konsumiert und viel, viel Energie darauf investiert, um das Konsumierte umzusetzen und in mein Leben zu integrieren. Ich kann sagen: oft bin ich damit gescheitert. Und wenn ich erfolgreich war, dann nur nach großen Anstrengungen.

Wie ein Durchbruch abläuft

„Dieses Buch wird Ihr Leben verändern“ … ?

Zwischen dem Kauf eines Selbsthilfe-Buches und dem neuen, glücklicheren, erfolgreicheren, fitteren Leben liegt eine Strecke, die mit vielen kleinen Schritten mühsam zurückgelegt werden muss. Zunächst muss man das Buch lesen. Doch nur zehn Prozent aller Buchkäufer lesen ein Buch komplett von vorn nach hinten durch. Vielleicht enthält das Buch auch Übungen, die man gleich ausprobieren sollte … aber hey: die Übungen haben dann doch noch Zeit, bis man das Buch fertig gelesen oder die nächste Woche gekommen ist … und am Ende hat man sie nie gemacht. Und erst nach diesen bereits kraftkostenden Schritten kommt der härteste: das Gelernte umsetzen.

Es gibt nicht den einen Knopf im Kopf, den man nur finden und drücken muss, um sofort mehr Geld zu verdienen, reihenweise Partner anzuziehen und auszuziehen, den negativ schnatternden Affen im Kopf K.O. zu schlagen oder ein ähnliches neues persönliches oder berufliches Level zu erreichen.

Trotzdem reißen Menschen den „Gurus“ Bücher und Kurse aus den Händen, die den magischen Knopfdruck versprechen. Woran liegt das?

Es liegt daran, dass wir alle Momente kennen, in denen wir scheinbar plötzlich einen großen Sprung machen. Wir hören mit dem Rauchen, stellen unsere Ernährung um, trauen uns endlich, eine neue Karriere anzustreben – von einem Moment auf den anderen.

Doch wurde beim Lesen des Buches oder beim Besuchen eines Kurses nicht ein magischer Knopf gedrückt. Es war in der Regel meist schon ein lange währender Energieeinsatz in diese Richtung, der uns auf ein neues Level springen lässt.

So, wie ein Kind mit der Geburt „plötzlich“ nach neun Monaten Schwangerschaft auf die Welt kommt (und nie wieder zurückschlüpft).

So, wie ein Quantum erst nach reichlich Energiezufuhr per „Quantensprung“ ein neues Energieniveau erreicht (und nur unter großem Energieeinsatz wieder zurückspringt).

Oder so, wie Virgin-Gründer und Weltraumtourismus-Pionier Richard Branson ein Abenteuer überstanden hat, das ihm fast das Genick gebrochen hätte. Gemeinsam mit einem Freund wollte er der erste sein, der den pazifischen Ozean im Heißluftballon zu überquert. Kurz zuvor war ein Anderer gestorben beim Versuch, diese 8.000 Meilen lange Strecke mit einem Ballon zurückzulegen. Sein Ballon riss und er erfror im eiskalten Meer, bevor er von Suchtrupps gefunden werden konnte. Branson und sein Gefährte planten, einen besonders schnellen Luftstrom zu nutzen, der zwischen 20.000 und 40.000 Fuß über der Erdoberfläche verläuft. Darunterliegende Luftströme bewegen sich deutlich langsamer und hätten die Überquerung des Pazifiks aus irgendwelchen Gründen erschwert. Der Ballon, mit dem das Team unterwegs war, war recht groß. Als er in die Höhe des schnellen Stroms aufstieg, blieb die Kapsel mit den Abenteurern im unteren, langsameren Luftstrom hängen. Die unterschiedlichen Ströme rissen am Ballon, der zerstört zu werden drohte. Branson feuerte Energie in den Ballon, doch die Kapsel schaffte es nicht ins höhere Level. Eine „gläserne Decke“ stand der Rettung im Weg. Erst nach einer Weile, als mehr und mehr Brennstoffe die Kapsel des Ballons gegen die unsichtbare Decke drückten, gelang der Durchbruch. Nun waren beide Teile des Ballons in einem Strom. Wie die Geschichte weitergeht, könnt ihr selbst in Branson’s Buch „Screw it, let’s do it“ nachlesen). Wichtig ist an dieser Stelle: zwar brachte das letzte Teilchen Brennstoff den Durchbruch – doch zuvor mussten große Mengen an Energie eingesetzt werden, um ihn zu ermöglichen.

Genau so ist es auch im Leben. Nahezu jeder großen Veränderung geht eine Kette kleiner und großer Erfahrungen und Investitionen von Zeit, Kraft, Geduld und Gedanken voraus.

Ein einzelnes Buch, ein einzelner Kurs kann den Durchbruch herbeiführen. In der Regel ist er jedoch ein kleiner Schritt, ein kleiner Kratzer oder Riss an der gläsernen Decke, die zwischen uns und dem nächsten Level steht.

Dieser kleine Schritt, dieser kleine Kratzer ist wichtig. Er kann uns aber nur dann helfen, wenn wir uns anstelle des Schrittes nicht einen Sprung versprochen haben. Erhoffen wir uns von einem neu gekauften Produkt, dass es eines unserer Probleme sofort und für immer löst, wird dies in den meisten Fällen in Frust, Enttäuschung und Wut enden. Und vielleicht sogar dazu, dass wir aufgeben, obwohl wir in Wirklichkeit ein kleines Stück vorangekommen sind. So, als hätte Richard Branson hoch in den Lüften seinen Tod mit der Entscheidung besiegelt, nach dem ersten Treibstoff-Einsatz aufzugeben, der anscheinend nichts gebracht hat.

Der Durchbruch, ein neues Level, passiert plötzlich, ist aber die Folge vieler kleiner – kontinuierlicher – Einsätze von Treibstoff, unserer eigenen Energie.

Zwei Beispiele:

  • Als Student arbeitete ich in einem Call-Center. Ich rief fremde Menschen an ihrem Feierabend an, um sie zu befragen, welche Radiosender sie hören. Keine Ahnung, wen das mehr genervt hat: die armen Menschen, die ich beschwatzte, oder mich selbst. Eines Tages setzte ich mich ins Auto, um meinen Dienst im Call-Center anzutreten. Mitten auf der Strecke hielt ich an. Wendete. Fuhr wieder nach hause. Und schrieb meine Kündigung. Der Durchbruch geschah auf dem Weg zur Arbeit. In den Tagen und Wochen zuvor passierte jedoch fast unbemerkt Vieles, das die Kündigung erst möglich machte: meine Frustration über den Job wucherte, ich dachte darüber nach, wie dringend ich das Geld benötigte und ob ich es nicht anders verdienen konnte, ich stellte mir immer häufiger vor, wie ich kündigte, sagte mir immer wieder, dass ich woanders glücklicher werden kann. Der Unterschied zwischen Call-Center-Job und Kündigung ist wie der zwischen 1 und 0, bis zur Kündigung war es jedoch ein Prozess. Ich wachte nicht einfach plötzlich auf und schmiss den Job hin – auch wenn es mir selbst und anderen so vorgekommen sein mag.
  • Mit 14 Jahren fing ich mit dem Rauchen an. Sechs oder sieben Jahre später rauchte ich meine letzte Zigarette. Für mich war das ein echter Quantensprung zu einem neuen Level von Lebensqualität: ich fühlte mich lebendiger, fröhlicher, hatte seltener Kopfschmerzen und hustete nicht mehr wie ein asthmakranker Seehund. Die Kopfschmerzen, der Husten, das Gefühl, ständig vergiftet durchs Leben zu laufen, die Angst vor schlimmen Krankheiten sammelten sich an, waren Brennstoffe für den Durchbruch während meines letzten Zugs von der Pall Mall.

Du kennst solche Momente der Klarheit und Entscheidung sicherlich auch (und wenn Du mir davon erzählen willst, hinterlasse einen Kommentar oder schreib mir an info@mymonk.de). Eine Beziehung beenden, einen Heiratsantrag machen, ein Studium abbrechen oder beginnen … all das sind Situationen, in denen man spürt:

Mein Leben wird sich grundlegend ändern. Es gibt kein Zurück.

Negative Faktoren wie meine Unlust auf den Job oder der miserable Gesundheitszustand können ebenso Brennstoff sein wie positive: der Mut und die neuen Möglichkeiten, die ein Gespräch oder ein Buch vermitteln, die Lust auf ein neues Abenteuer oder die Liebe zwischen zwei Menschen.

Wie man einen Durchbruch schafft

Die meisten Diäten, Sportprogramme, finanziellen, künstlerischen oder beziehungsartigen Vorhaben scheitern. Grund dafür ist nicht der Ratgeber in Person oder als Buch. Wir haben einfach zu wenig und oder zu unregelmäßig Energie dafür aufgewendet, ein neues Level zu erreichen.

Vielleicht fühlen wir uns beim Lesen hochmotiviert und stellen uns vor, wie großartig es wird, das Gelesene umzusetzen. Welche Anerkennung, welche Gefühle, welche Belohnungen uns dann erwarten. Neuer Mut und neue Ideen bringen uns dabei ein Stück in die richtige Richtung, hin zu unserem Ziel. Wir lesen das Buch mit der neuesten Diät, nehmen vielleicht sogar schon die ersten Kilos ab und freuen uns wie ein Schnitzel (aus magerem Fleisch).

Doch dann legen wir das Buch beiseite und der Alltag schlägt zurück. Und schon wenige Tage später scheint alles, was wir uns vorgenommen hatten, im Keim erstickt zu sein. Wir verfallen in die alten Gewohnheiten.

Ein einzelnes Buch zu lesen verschafft uns nie genügend Energie für einen Durchbruch zu einer neuen Ebene. Eine Rakete benötigt den größten Teil ihres Treibstoffes, um abzuheben und die Erdanziehungskraft zu überwinden (Durchbruch), danach muss kaum noch Energie für den Antrieb aufgewendet werden. Setzen die Motoren der Rakete nicht genügend Treibstoff frei, stürzt sie zu Boden. Mit unseren Zielen ist es nicht anders.

Für viele Vorhaben müssen wir sehr große Energie aufwenden, um abzuheben und ein neues Level zu erreichen. Danach wird es viel leichter, das Level zu halten. Geben wir nicht kontinuierlich genügend Gas, stürzen wir genauso schnell ab wie die unterversorgte Rakete und alle bereits verbrannte Energie war verschwendet. Haben wir das neue Level jedoch einmal erreicht, wird es leichter. Dann können wir uns auch mal eine Pause gönnen. Die Rakete (oder der Satellit, den die Rakete befördert hat) ist im Orbit, und da bleibt sie auch erst mal ohne weitere Anstrengungen. Es reicht aus, hin und wieder etwas Energie nachzuschieben, um den Satelliten in der gewünschten Höhe zu halten. Inzwischen könnte man mich in einer Zigarettenfabrik einschließen, ich würde nicht schwach werden. Zur Zigarette zu greifen würde mich womöglich mehr Energie kosten als einfach weiterhin nicht zu rauchen, auf jeden Fall wäre es jedoch viel leichter für mich, nein zu sagen.

Wenn Du bewusst etwas ändern willst, brauchst Du genügend Treibstoff. Der genaue Treibstoff, den Du benötigst für den Durchbruch benötigst, hängt von Dir und Deinen Zielen ab. Die Menge des Treibstoffs ebenso.

Damit sich dauerhaft etwas ändert, kannst Du Dich der folgenden Treibstoffzusammensetzung bedienen:

  • Vom Ziel durchdrungen sein: sich mit dem Ziel so sehr zu identifizieren, dass man es ein- und ausatmet und einen Rahmen schafft, in dem Veränderung überhaupt gelingen kann. Dazu muss Dir Dein Ziel absolut und im Detail klar sein. Und Du solltest es aufgeschrieben haben und täglich lesen – es gibt verschiedene Studien, die belegen, dass niedergeschriebene und regelmäßig vor Augen gehaltene Ziele mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit erreicht werden.
  • Werde ein Meister Deines Fachs: mit jedem Buch, das Du über Dein Thema liest, sei es über Abnehmen oder über Zeitmanagement, und mit jedem Gespräch darüber, saugst Du neue Energie in Form von Vertrauen und Wissen auf. Wenn Du einen Autor aus diesem Feld liebst, dann lies alles von ihm. Oder lies das beste Buch, das Dir dazu unterkommt, hundertmal.
  • Ein unterstützendes Umfeld: helfen Dir die Menschen, mit denen Du viel Zeit verbringst dabei, Dich weiterzuentwickeln oder stellen sie Dir lieber ein Bein, um nicht selbst ins Hintertreffen zu gelangen? Sind die Orte, an denen Du Deine Zeit verbringst, Kraftpunkte für Dich oder lassen sie Dich in alten Gewohnheiten versumpfen?

Wenn Dir Dein Ziel nicht haargenau klar ist und Du es nicht niedergeschrieben hast, wenn Du Dich nicht intensiv mit ihm identifizierst, Dich weiterbildest und in Deiner alten Umgebung mit den alten Bekannten bleibst, die Dich zurückhalten … dann wird der Durchbruch nie gelingen. Nicht heute, nicht morgen, und nicht im nächsten Jahr.

Ohne die verschiedenen Durchbrüche würde ich vielleicht noch heute in einem Call-Center sitzen, dabei qualmen wie ein Schornstein und danach in eine leere Wohnung zurückkehren, in der mich die Einsamkeit bei lebendigem Leibe verzehrt.

Es war hart, und die nächsten Durchbrüche zu erreichen wird erneut hart. Die Alternative wäre jedoch, festzusitzen. Und das ist noch härter.

Ich bin mir sicher, dass Du schon viele Durchbrüche erreicht hast in Deinem Leben. Wenn Du das nächste Mal einen anstrebst, hilft Dir vielleicht der eine Gedanke, den dieser Text Dir geben soll:

Wenn Du etwas machst, mach’ es richtig. Wirf Dich mit aller Kraft hinein und Dein Durchbruch wird kommen.

 

 

 

Photo: Sorin Dragomirescu

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15 Kommentare

  • Ein schöner Artikel, habe selbst mit dem Rauchen, Drogen und dem Alk aufgehört.

    Was mich stört, als Vegetarier, ist der total bescheuerte Ausdruck, den auch andere verwenden, sich wie ein Schnitzel zu freuen, auch mit der Einschränkung schlank. Welches Tier freut sich geschlachtet auf dem Teller zu liegen? So ein Ausdruck auf einer spirituellen Seite… Bin mal gespannt, ob der Kommentar hier stehen wird, oder bleibt :-)

    • Hi Guruji,

      dankeschön für Deinen Kommentar – und erstmal mein größten Respekt für das, was Du geschafft hast!

      Mit der Schnitzelfreude hast Du Recht, das ist ein sehr seltsamer Ausdruck. Da war ich nicht sehr achtsam.

      Liebe Grüße

      Tim

      • In diesem Sinne, danke fürs Feedback Tim. Dieser Ausdruck hatte mich schon vorher geärgert, löst wohl einen Trigger bei mir aus. Wie ein Kind freuen, wäre ein schöner Ausdruck :-),

        sonnigen Tag aus München wünscht

        Guruji

  • Ein beeindruckender Artikel mit tief ausgearbeiteten Argumenten finde ich, Tim. Dass man eine Entscheidung nur treffen und sozusagen den Schalter umlegen oder gewissen Ratgebern fleißig folgen müsse, um dann planmäßig an ein Ziel zu kommen, das ist ein Denken, das dem Ego sehr gefällt, das sich dann auch gerne gleich in die Illusion begibt. Wir spüren es nicht zuerst mit dem Herzen. Auf dieser Eben leben wir eben oft hauptsächlich, haben es uns auch antrainiert. Klar, dass wie dann auch bei unseren Zielen nach Programmen, Regeln und Ratgebern fragen. Bei hohem Leidensdruck greifen wir auch zuweilen begeistert danach und werden auch aufgrund der Illusionen sogleich mit einem etwas niedrigeren Leidensdruck belohnt. Doch das was in mir ist, wo ist das dann? Das Weggeschobene kommt bestimmt zurück und dann kaufe ich mir einen neuen Ratgeber oder ein neues Seminar, gebe mir zuweilen auch selber die Schuld. Denn das, was so glaubhaft dargestellt wird, das muss ja stimmen…?

    Ja, manchmal braucht es großen Leidensdruck, gelegentlich auch schwerere Krankheiten, bis ich mal aus dem geschlossenen System des Vernunft-Denkens herausschaue, etwas stiller werde, einiges dann doch in Frage stelle, mein Glaubenssystem überdenke, und vielleicht wieder mal bete. Dann komme ich vielleicht in einen Zustand, der geprägt ist von Gleichmut, Akzeptanz und wenn`s hoch kommt, einem Gefühl von Dankbarkeit für die kleinen Dinge. Und ich tue wieder öfter das, was ich mit Liebe und “im Fluss“ tue, auch wenn meine Ängste noch heftig dagegen arbeiten sollten.

    Denn die Muster im mir können gar viele Schichten beinhalten, und das Ego ist mit seinen verführerischen Illusionen schnell zur Stelle, um die Ängste wieder zu überdecken. Richte ich mein Bewusstsein mit gleichmütiger Akzeptanz auf das schwierige Gefühl, das sich gerade in der obersten Schicht zeigt und taste ich gleichzeitig nach dem Ziel in mir, das sich gut anfühlt, so richtet sich etwas in mir aus und es löst sich auch immer etwas auf, das mir nicht gut tut. Ja es braucht oft schon Disziplin, diese Absicht aufrecht zu erhalten, bzw. immer wieder aufzugreifen, sich in den Fängen des alten Trott zu ertappen. Und die Absicht sollte mit starken Gefühlen gelebt werden, damit die Wirkung gut ist.

    Doch aufgrund der oftmals vielen Schichten kann der Weg tatsächlich ein langer sein. Doch was soll`s. Ich BIN auf dem Weg. Helfen kann nach meiner persönlichen Erfahrung sehr ein Glaubenssystem, in dem ich mich als mächtiges Wesen begreife, das tatsächlich die Macht hat, sich auszurichten und altes zu lösen. Ich sollte mich allerdings abwenden von Vorstellung der Schuld, Regelungen, Selbstherabsetzung oder Unwürdigkeit. Denn Selbstverurteilung schafft ja gerade wieder neue Hindernisse.

    Allerdings glaube ich nicht sehr an die Macht der Kraft und an die Schwere des Weges. Denn Kraft ruft Gegenkraft hervor. Wende ich Kraft auf, dann verschiebe ich etwas und ich verausgabe mich schnell. Es ist wieder nur die Stimme des Ego, das sagt, dass es anstrengend sein muss. Es geht auch weniger um das energische Schaffen dessen, was ich will, sondern eher um das liebevolle Abschaffen, dessen, was ich nicht mehr bei mir haben möchte, also das Loslassen der mich einzwängenden Muster und das Weiterschreiten, dorthin, wo ich mich freier fühle. Wirklich guten Zielen gehen wir in einer fließenden Art und mit einem Gefühl der Leichtigkeit entgegen. Denn wenn ich wieder etwas gelöst habe, etwas nicht mehr haben muss, dann wird mir leichter. Und während ich mich schon einfühle in den Zustand am Ziel, um die Absicht und Disziplin aufrecht zu erhalten, fühle ich mich auch gut. Ansonsten wäre es ein nicht besonders erstrebenswertes Ziel. Allein die alten Muster auf dem Weg können sich immer wieder unangenehm melden. Kraft bedeutet vielleicht auch nur, dass ich ein neues Ziel haben will, bevor ich hinderliches losgelassen habe. Soweit im Groben meine Sicht der Dinge.

    LG Richard

    • Dankeschön Richard für diese tollen Gedanken.

      Mit der Schwere des Weges … da bin ich mir gerade unsicher, ich schwanke da noch. Ich denke das ist recht tief in mir verankert, und noch bin ich mir nicht sicher, ob zurecht oder nicht.

      Du sprichst vom Einfühlen in den Zustand am Ziel – bist also auch überzeugt davon, dass Dinge wie Visualisierung wichtig sind? Ich weiß, heutzutage ist es schon fast ein Unding, das “Gesetz der Anziehung” nicht blind zu schlucken, aber ich frag trotzdem.

      Setzt Du Dir eigententlich Ziele für ein Jahr (nicht unbedingt Neujahrsziele)?

      • Ja Tim, ich denke, der Weg wird schwerer, wenn wir meinen, etwas darf nicht sein, was ist. Und mit Ungeduld und dem Einsatz von Kraft kann sich das verschlimmern. Der Grund ist der denkende Verstand, der den Verlauf steuern und die ständig vergleichen und bewerten möchte.

        Dabei können wir meist recht wenig überschauen, ob es einen tieferen Sinn hat, was wir erleben. Auch das Visualisieren wird meistens falsch verstanden und dann kopflastig angegangen. Ziele für ein Jahr visualisiere ich schon mal. Doch ich lasse dann den konkreten Verlauf auch los im Glauben, dass es angekommen und auf dem Weg ist, so wie es zu meinem Besten ist. Weiteres Nachdenken und Vergleichen bringt mich nur wieder weg von diesem Glauben, was ja einer Stornierung des Auftrages gleich kommen würde.

        Im Grunde hängt alles davon ab, ob wir in den Zustand hinein gehen, der zu einem beabsichtigten Ziel gehört. Damit richten wir uns im Energiekörper darauf aus und Ereignisse können dann folgen. Weiter Nachdenken heißt auch zweifeln und die Einstimmung auf den Zustand ist dahin und auch die Ausrichtung.

  • Wow, vielen Dank für diesen Artikel in diesem Moment.
    Ich habe gerade angefangen, einzusehen, dass ich viel zu oft sehr ungeduldig mit mir und meinen Veränderungen und Fortschritten bin – und keine 24 Stunden später les ich diesen Artikel hier von dir.
    Das hilft mir sehr, denn Gedanken habe ich viele, aber wenn ich so einen tollen Text lesen kann, prägt es sich noch mehr ein und ich beschäftige mich gedanklich mehr damit.

    Du hast mir den Morgen sehr versüßt =)
    Einen schönen Tag wünsch ich dir von Herzen!

    P.S. Habe gerade das Buch “5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen” von Bronnie Ware gelesen und in dem Buch stehen zwar meiner Meinung nach nicht weltbewegend neue Erkenntnisse, aber es ist sehr, sehr toll geschrieben und die Weisheiten, die vermittelt werden, sind superschön verpackt – eine Empfehlung an dich und alle, die diesen Kommentar hier lesen =)

    • Danke Dir, Shari! Der Buchtipp liegt schon länger auf meinem Wunschzettel. Irgendwann werd ich mir das auf jeden Fall vornehmen. :) LG Tim

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