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Wenn Du je ein Selbsthilfe-Buch gelesen oder ein Audioprogramm angehört hast, darüber, wie Du fitter werden kannst, dünner, reicher, erfolgreicher, selbstbewusster, attraktiver, gedächtnisstärker, spiritueller, einflussreicher, beliebter, bewusster, sinnvoller, biegsamer, unbeugsamer, entspannter, erfüllter, liebevoller, ruhiger oder was auch immer, dann kennst Du vermutlich das Gefühl: der Autor der kann das besser als ich. Er ist mir überlegen. Ihm gelingen die Dinge viel besser als mir. Ich lese seine Zeilen, will es genauso gut hinbekommen wie er, will seine Tipps umsetzen und alles schaffen, was mir das Programm verspricht, und ich schaffe es nicht. Also stimmt etwas nicht mit mir.

Ich beschäftige mich mit diesen Selbsthilfe-Themen jetzt seit … keine Ahnung … zwölf, dreizehn Jahren, und mir sind viele, sehr viele Produkte untergekommen, nach denen sich für mich nichts geändert hat, außer dass mein schlechtes Gewissen wuchs und wucherte. Mit jedem „Guru“, der immer glücklich, immer erfolgreich, immer fit und beliebt und überhaupt der Geilste ist.

Heute denke ich:

Leck’ mich doch, „Guru“.

Ich bin okay.

Heißt nicht, dass ich mich nicht weiterhin unheimlich gern mit den Themen auseinandersetze und weiterhin wachsen, will. Heißt auch nicht, dass ich nicht gern von Leuten lerne und mich inspirieren lasse, die in manchen Lebensbereichen (näher) dort sind, wo ich gern sein will.

Aber:

Wenn Du Dich als Guru positionierst, wenn Du behauptest, die einzige funktionierende Lösung für ein Problem zu kennen oder am besten gleich für alle Probleme, klappe ich Dein Buch zu oder schalte Dein Audioprogramm aus und werfe es in den Müll. Und wenn Du behauptest, erleuchtet oder immer gut drauf zu sein, dann erst recht. Sogar der Dalai Lama gibt zu, hin und wieder unfriedliche und unzufriedene Gedanken zu haben, also erzähl’ mir nichts.

Das Leben läuft nicht ohne Rückschläge, Krisen und Tränen ab.

Daran ändert Yoga nichts, Zen nichts, Qigong nichts, Kampfsport nichts, Ausdauersport nichts, Ziele setzen und visualisieren nichts, Zeitmanagement nichts.

Man kann dem Schmerz und den Niederlagen nicht entkommen, nicht für immer glücklich und erfolgreich sein.

Also ihr Dauergrinser, Ich-kenne-keine-Wut-oder-Enttäuschung-Proklamierer, Nie-Egoistischen, Erleuchteten … ihr Immer-Glücklichen, ihr Immer-Sieger und Immer-Positiv-Denkenden: wenn ihr wollt, dass ich euch anhöre, dann vergesst die Guru-Position und die Selbsthilfe-Lüge, man könne mit eurem Produkt sein Leben ohne Anstrengung für immer revolutionieren. Macht mir kein schlechtes Gewissen, sagt mir nicht, dass ich mich schuldig fühlen muss, wenn ich nach dem Lesen eures Buchs nicht sofort reich oder muskulös werde. Sagt es mir auch nicht indirekt, indem ihr eure Lösung als unfehlbar darstellt und mit mir etwas nicht stimmen muss, wenn ich’s nicht so hinbekomme wie ihr es angeblich tut.

„Kauf meinen Scheiß und ihr werdet für 24,95 € den Schlüssel des Erfolgs in die Hand bekommen – und wenn ihr zu blöd seid, ihn zu benutzen kann ich auch nichts für, dann kauft halt noch meine anderen Produkte“.

Diese Herangehensweise ist tot. (Zumindest liegt sie im Sterben.)

Gurutum ist eine längst überkommene Marketing-Strategie. Wir haben genug Überexperten und Heilsbringer gesehen, die uns nichts gebracht haben als weitere Selbstzweifel. Was wir wollen, sind echte, authentische Menschen, keine aalglatten, strahlenden „Götter“.

Ich lerne viel lieber und viel besser von jemandem, der sich zeigt, zugibt, die Höhen und Tiefen des Lebens zu kennen und einige bleibende Narben davongetragen hat, der seine Narben kennt und immer wieder mal spürt. Nur dann fühle ich mich mit ihm verbunden und kann wirklich offen sein für seine Ideen. Der „Guru“ dagegen erhebt sich über mich und kann mich daher nie tief erreichen.

Die Entfernung zwischen ihm, dem Guru, und mir ist einfach zu lang, um von ihm wirklich lernen zu können. Zwischen ihm und mir stehen seine Selbstdarstellung, die ich ihm nicht glaube und damit eine Wand, durch die er weder meine Hand nehmen noch mein Herz erreichen kann.

Wenn Du ähnlich fühlst und denkst wie ich, dann:

Lass’ uns die Gurus vergessen
und stattdessen
lieber ohne sie gemeinsam wachsen.

 

Photo: Nicholas A. Tonelli