|1. Februar 2013 11:03

5 Dinge, für die ich mich schäme

Da man uns verletzt hat, errichten wir eine Mauer um uns herum, damit man uns nie wieder verletzt; und wenn man eine Mauer um sich herum errichtet, wird man nur noch mehr verletzt.

- Jiddu Krishnamurti

„Ich bin nicht gut genug – und wenn es meine Umgebung mitbekommt, werde ich verletzt.“

In meiner Jugend schämte ich mich dafür, zu dünn zu sein. Also ging ich nicht in kurzen Hosen raus, auch nicht im Sommer. Das Schwimmbad sah ich meistens nur von außen. Es hätte ja jemand das Offensichtliche sehen können – dass ich zu dünn bin.

Später litt ich unter Akne. Also ging ich auch in langen Hosen nur noch selten raus. Den Sommer und alles andere sah ich meistens nur von drinnen, am Fenster stehend. Es hätte ja jemand das Offensichtliche sehen können – dass ich Pickel habe.

Je härter ich dafür kämpfte, alles zu verstecken, wofür ich mich schämte, umso verschlossener wurde ich, und umso einsamer. Am Höhepunkt meiner „Unangreifbarkeit“, die ich schuf, indem ich mich fast gar nicht mehr aus der Wohnung traute, war ich so gut wie am Ende.

Ich schämte mich so sehr, für die Pickel, mein Aussehen … und auch dafür, dass ich mich so schämte, mich von meiner Angst, angreifbar zu sein, so sehr habe unterjochen lassen (es gibt doch kaum etwas Peinlicheres, als mit rotem Kopf ertappt zu werden). Dafür, dass ich so abhängig von der Meinung Anderer war, dass ich mich lieber selbst einsargte.

Mit jeder Scham, vor allem mit jeder versteckten Scham, verhindern wir die Verbundenheit und Liebe. Wir sagen uns:

„Ich bin nicht so, wie ich sein sollte.“

Wenn wir eine tiefe Beziehung zu anderen Menschen haben wollen, müssen wir uns öffnen, uns so zeigen, wie wir sind – mit allen guten und (vermeintlich) schlechten Eigenschaften. Das macht uns verletzbar, ist aber die einzige Chance, uns wirklich zugehörig, verbunden und geliebt zu fühlen.

Uns angreifbar machen – und uns dabei selbst beweisen:

„Ich bin gut genug. Ich bin es wert, geliebt zu werden.“

Nun meine Geständnisse. Fünf Dinge, für die ich mich schäme:

  • Ich kann sauschlecht mit Kritik umgehen.
     
  • Meine Stimmung hängt an manchen Tagen sehr stark davon ab, wie sich das Besucherwachstum und Engagement auf myMONK entwickelt.
     
  • Ich urteile regelmäßig zu schnell über Menschen – und liege dann auch sehr oft daneben.
     
  • Meine Wohnung ist oft unterirdisch unaufgeräumt (so, dass ich deswegen niemanden einladen möchte).
     
  • Ich habe lange Zeit an meinen Fingernägeln gekaut – und tue es phasenweise noch immer. Okay, meistens.

Ich erzähle Dir davon, weil ich will, dass wir eine echte Beziehung miteinander aufbauen können.

Ich will Dich wissen lassen, wer und wie ich wirklich bin, dass ich mich für manches schäme und durchaus sehr verletzbar bin.

Damit Du entweder nie wieder auf myMONK zurückkehrst – oder bleibst, obwohl oder weil ich bin, wie ich bin.

Ich will der sein, der sich traut, als Erster zu sagen:

„Ich liebe Dich“.
 

 

Photo: r.f.m. II



Das könnte Dich auch interessieren

  1. 8 Dinge, die Dir niemand mehr nehmen kann
  2. 8 Dinge, die man über sich selbst sagen können sollte
  3. Die 12 Dinge, die glückliche Menschen anders machen
  4. Welche Meditation ist die richtige für mich? – Ayurveda hilft bei der Auswahl
  5. „Dinge, die ich mit 18 gerne gewusst hätte“ – Interview mit Elias Fischer

37 Kommentare

  • Sehr gut! :) Weiter so! Nur mit Authentizität geht`s – was leider viele sog. Berater und Begleiter vergessen/verdrängen.

    • Jap. Niiiiiiiieeeeder mit dem Unauthentischen. Das Feld des Begleitens und Beratens ist aus meiner Sicht ein so wichtiges und schönes – da ist es eine Schande, dass so viel gemurkst wird.

  • Ich bleibe :-)

    unterirdisch unaufgeräumt, wieder eine tolles neues Wort in meinem Wortschatz

    Danke, weiter so :-D

    • dem kann ich mich nur anschließen – auch ich werde bleiben :)
      was mich interessieren würde – wie unterirdisch unaufgeräumt bei dir aussieht. Weil es gerade in diesem Bereich und in dem empfinden sehr große Unterschiede gibt…
      ich habe früher immer wenn ich Besuch erwartet habe, stundenlang aufgeräumt und mich dann für die Unordnung entschuldigt :D

    • Danke Claudia, Du bist sehr willkommen hier :) . LG und ein schönes Wochenende, Tim

  • . ich schikaniere meinen Ehemann
    . ich schlage meinen Hund
    . ich schlage mich selbst
    . ich verate Kollegen beim Chef
    . ich schleime bei meinen Chefs
    . ich hatte schon Analverkehr und es hat mir gefallen
    . ich schaue Pornos im Internet
    . ich gebe vor klüger zu sein als ich bin
    . wenn ich zu faul bin etwas zu tun suche ich nach Ausreden oder geben anderen die Schuld
    . ich bin wohl einer von diesen Menschen von denen man immer hört

  • Ich hab noch eine längere Liste und unterirdisch aufgeräumt finde ich klasse. Da schäme ich mich auch oft, denn die anderen sind ja so ordentlich, meine ich, wenn sie evtl. mit hochgezogenen Augenbrauen mein Wohnzimmer beäugen. Aber es gibt auch welche die sagen: bei dir ist ordentlich. Die könnte ich dann knutschen.
    Ich bin erst gekommen und bleibe noch lange. Danke für deine wunderbare Arbeit.

    • Willkommen auf myMONK, liebe Romy!

      Diese Leute sind die besten, die da alles zudrücken, was sie haben und sogar noch ein Kompliment über die Ordentlichkeit über die Lippen bringen :)

  • Es ist doch die Frage ob es Dich stört? Weil, warum solltest Du dich sonst dafür schämen?
    Ist es dann nicht Anlass daran zu arbeiten?

  • ich schäme mich nie :-)
    Ich lebe in Achtsamkeit, wer in Achtsamkeit lebt hat ein Bewußtsein in dem was ist und was er/sie tut.
    Ich bekämpfe nicht meine Schwachstellen, ich atme bewußt ein, nehme meine Schwachstellen war und atme bewußt wieder aus.
    So erkenne ich mich, wie ich wirklich bin und verzeihe mir meine kleinen Schwachstellen.
    Wer ist denn perfekt? Wer will denn perfekt sein? Perfekt ist langweilig und unkreativ.
    Regelmäßig Zeit für sich nehmen mit Meditation.
    LG

    • ;-) Ein Mensch, der sich nicht schämt ist kein Mensch.

      • und warum soll ich mich schämen? Warum ist ein Mensch kein Mensch wenn er sich nicht schämt?
        Wer sich bewußt ist in dem was er ist und was er tut, der macht nichts, für das er sich schämen müßte.
        Sich selbst annehmen können, das ist der Weg.

        • Verstehe mich nicht falsch, ich möchte Dich nicht angreifen. Ich kenne nur absolut keinen Menschen, der sich noch nie geschämt hat und auch nicht weiter schämen wird.

          Es gibt immer wieder Situationen, in denen man nicht alle Faktoren kennt und berücksichtigen kann. Es kommt zu Situationen, für die man sich schämt! Und das ist auch absolut in Ordnung, weil schämen genauso dazu gehört, wie nicht schämen. Zu sagen, man würde sich nicht schämen ist, als würde man behaupten, eine Münze hätte nur eine Seite.

    • Hallo Ameliegnom,
      ich hab’ da mal ‘ne Frage:
      bekämpfst du deine Schwachstellen oder verzeihst du sie dir?
      Ich finde das ist ein großer Unterschied. Und du schreibst du lebst in Achtsamkeit. Ich bemühe mich auch darum und nehme mir regelmäßig Zeit für Meditation, Yoga und vieles mehr – aber immer achtsam zu sein gelingt mir bei nun wirklich nicht. Aber seitdem ich mich mehr um Achtsamkeit bemühe und meine Schwachstellen mir und anderen eingestehe – gibt es immer seltener Grund zur Scham – da stimme ich dir zu.
      Ich wünsche dir und allen anderen ein schönes Wochendene
      LG Birgit

  • Hallo Birgit Hallo Lue Cha
    weder akzeptieren noch bekämpfen, Schwachstellen gehören einfach zu uns, das ist ganz natürlich. Es gibt nichts zum Schämen und auch nichts zum Bekämpfen.
    Wir sind wie wir sind, sicher kann man nicht unentwegt in Achtsamkeit sein, das ist auch normal, in dem Augenblick wo ich aber anderen schade bin ich mir bewußt was ich tue und wenn ich mir dessen bewußt bin kann ich bereits Mitgefühl haben und mein tun korrigieren.
    Das ist ganz einfach nur das Leben, es ist wie es ist, es ist kein Grund zum Schämen.
    Wer ist denn perfekt? Wir sind Menschen, wir haben Fehler. Sich selbst annehmen.
    schau mal hier:
    http://vimeo.com/8184071
    A Collective Awakening for the Future of Our Planet
    Plum Village Brothers

  • Das kenne ich nur zu gut – ich glaub ich bin dadurch so ziemlich zynisch und Beziehungsunfähig geworden. Mein größtes problem ist/war schwul zu sein und ständig gesagt zu bekommen oder zu lesen, wie pervers ich doch bin, und das seit meinem 14ten lebensjahr. Mitlerweile schäm ich mich deswegen nicht mehr, aber die aufgebaute Mauer ist in Zement gegossen, und nur sehr sehr schwer abzureissen.

    • Hi Martin, vileen Dank für Deine offenen Worte. Ich kann mir vorstellen, dass es – je nach Umfeld – extrem schwierig sein kann, “so anders” zu sein. Und ich glaube, dass Du mit Deinem Kommentar einen weiteren kleinen Stein aus der Zementmauer gebrochen hast. Wünsche Dir alles Gute für Deinen Weg, und vor allem, dass Du wieder mehr Vertrauen in die Menschen fasst. Naja, in “die Menschen” kann man so nicht sagen, es gibt ja auch genügend Leute, die es nicht wert sind. LG Tim

  • Seit ich Dich neulich gefunden habe kehre ich fast täglich zurück und empfehle Dich weiter. MY MONK inspiriert mich und ich neheme es mir für meine nächstes Projekt zum Vorbild. Vielleicht darf ich Dich dafür mal interviewen?
    Ich liebe Dich auch,
    Nathalie
    … und das mit den Fingernägeln kenn ich… so what…

  • es gibt nicht schöneres als ehrlichkeit und wahrhaftigkeit. das macht das leben einfach. sobald man überlegt, was man wen wie sagt, wird es kompliziert. danke für die offenheit und die vorbildwirkung!

  • awwww – wie schön – diese offenheit war oft verbunden mit trotz in mir – nach dem motto “ihr wollt mich nicht so wie ich bin???? jetzt erst recht!!!

    bin auch oft wegen akne verspottet worden und wenn ich das wort “pickel” nur höre/lese kommen alte gefühle des ungeliebtseins hoch – obwohl es doch nur ein wort ist… schon komisch wie wir uns so vieles einreden lassen – aber schön, dass wir es uns nun selbst wieder “ausreden” können – nennt man dann wohl affirmation :-)

    ich liebe dich auch!
    danke danke danke für deine tollen artikel! <3

    Lucy

    • Hey Lucy, das kenn ich, diesen “Pickelworttrigger”, der einen an die schlechten alten Zeiten erinnert. Danke für Deine Worte! LG Tim

  • Hallo Tim,

    ich war gerade auf der Suche nach “irgendwas” auf deiner Seite, daß mir hilft mit meinem momentanen “Ärger” (Wut, Zorn…) umzugehen und bin bei diesem Artikel gelandet… warum? Keine Ahnung!
    Vielleicht weil ich mich auch dafür schäme, daß ich mit negativen Gefühlen nicht so gut umgehen kann..

    Wie auch immer, ich kann mich nur anschließen bei dem, was meine Vorredner sagen… dein “Nicht-Perfektsein” macht dich symphatisch und authentisch und zeigt mir, daß auch das ein Teil von mir ist der dazu gehört… eben nicht immer ruhig, ausgeglichen und sanftmütig durch die Gegend zu wandeln.

    Danke für deine Offenheit.

    • Hallo Monika, dankeschön :) . Letztlich sind und bleiben wir eben Menschen, schätze ich, da kann man noch so viel vermeintlich Unschönes wegmeditieren, wegaffirmieren oder wegtherapieren.

  • Hallo Tim

    Auch ich bleibe auf deiner Seite :) , denn mir ist beim durchlesen des Textes bewusst geworden wie oft ich mich schäme. Mir damit ein Bein stelle und selbst einschränke …für Nichts….
    :D das hat jetzt so eine gewaltige, innerliche Explosion gegeben das ich es nicht fassen kann!!! Es ist als würde sich ein seit Jahren verknotetes Knäul entwirren.
    Toll und Danke!!! :)

  • Mir würde im Traum nicht einfallen, zu gehen! Ich lese Deine oft, weil Sie inspiriert und gut tut!

  • Hmm, ich kann auch nicht sagen, dass ich mich fuer irgendwas schaeme! Ich steh zu allem was ich tu…

    Ich bleib aber auch – denn, merke: authentische Menschen mag man immer!!!

  • Scham hilft niemandem weiter. Das hier so aufzulisten wirkt wiederum so liebenswürdig, so offen und verletzlich, dass ich gar nicht anders kann, außer Dich gernzuhaben. Ich glaube mit diesem aufzählen ist das Gefühl von Scham schon etwas kleiner und weniger bestimmend geworden. Ich denke oft ich würde total unmodern und unattraktiv erscheinen, und brauche dann lange, bevor ich die WOhnung verlassen kann. Wenn ich mir das dann bewußt mache, dann werde ich richtig sauer und denke “sch*** auf die Meinung und den Blick der anderen! Du weißt, worauf es wirklich ankommt bei einem MEnschen” also, wenn mir klar wird worum es eigentlich geht, dann kann so ein überflüssiges Gefühl wie Scham seine MAcht Stück für Stück verlieren.

    Liebe Grüße

  • Lieber Tim,
    kann alle fünf toppen, z.B. mit:
    Bin zu feige, hier zu schreiben, wofür ich mich schäme, obwohl mich keiner kennt :-)

    Lieben Gruß
    C.

    • Hi C.,

      ja immerhin! Ist doch schon mal ein Anfang, zuzugeben, dass man sich für zu feige hält, um hier ‘was zuzugeben! :) )

      Liebe Grüße

      Tim

  • Du bist ein toller Kerl :-) Hier komme ich immer gerne her…
    Ob du nun eine unaufgeräumte Wohnung hast oder nicht…

    Ich schäme mich auch oft dafür, das meine Stimmung von den Besuchern meines Blogs abhängt. Ich glaube, dass ist so eine Macke von uns “Internetmenschen”.
    Ansonsten arbeite ich daran mich nicht für mich und meine Taten zu schämen.
    Perfekt sind wir alle nicht, das macht uns aus und gehört zu uns :)

    Liebe Grüße, Anni

    • Danke, Anni! :) )

      Dann wünsch ich Dir zwei Dinge: erstens, dass Du noch stolzer auf Dich und Dein Tun wirst … und zweitens, dass Du für Deine gute Arbeit noch mehr belohnt wirst und die Besucherzahlen explodieren! :)

      Liebe Grüße und einen schönen Sonntag Dir

      Tim

Hinterlasse einen Kommentar