Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Nein! Es ist Superman!

„Der hält mich doch für einen Vollidioten.“

„Ich schaffe das alles, ich kann schließlich locker für Drei arbeiten.“

„Nächste Woche wird alles den Bach runter gehen, das sehe ich schon kommen.“

Wir glauben gern, Superkräfte zu haben. Zum Beispiel Gedanken lesen, uns selbst klonen, oder die Zukunft vorhersehen zu können. Die Liste an Superkräften, die wir gar eigentlich gar nicht haben, ist genauso lang, wie sie verrückt ist.

Hier 12 dieser Superkräfte, mit denen wir uns höchstens selbst ein Bein stellen können.

P.S.: Wenn Du doch über eine oder mehrere dieser Kräfte verfügst und mich davon überzeugst, strick’ ich Dir gern mit meinen eigenen Händen eine passendes Cape aus Antimaterie oder Kryptonit oder was auch immer Du wünschst

#1 Telepathie und Omnilingualismus

= Gedanken eines Mitmenschen lesen können (Telepathie)

= Alles und jeden in der gesprochenen wie auch der nicht-gesprochenen Kommunikation zu verstehen (Omnilingualismus)

Weder können wir Menschen mit Gewissheit aus den Worten und Körperbewegungen aller anderen schließen, wie es ihnen geht und was sie wollen oder nicht wollen, noch können wir die Gedanken eines Anderen lesen.

Alles was wir tun können ist interpretieren. Es bleibt unsicher. Und glauben wir noch so oft, genau zu wissen, was im Gegenüber vor sich geht, ob er uns mag oder nicht, vernaschen oder in die Pfanne hauen, in den Himmel oder ins Grab bringen will. Wir werden wütend oder sind verletzt, fühlen uns ausgestoßen oder verachtet, wälzen uns stundenlang im Bett herum und fragen uns, warum er oder sie uns das angetan hat. Wir denken uns filmreife Geschichten aus, je später die Stunde, umso filmreifer die Geschichte. Meistens, ja meistens sind diese Geschichten nichts als Hirngespinste.

Wir können es einfach nicht wissen. Wir alle haben zu unterschiedliche Erfahrungen und Ansichten, sind zu unterschiedlich gestrickt und zu kompliziert, um den anderen wirklich in die Karten schauen zu können.

Das Gute daran ist: auch das Gegenüber kann nicht in unseren Kopf schauen. Was immer Du Dir gerade vorstellst, wenn Du mit Deiner Kollegin oder Deinem Kollegen sprichst … es bleibt geheim … natürlich nur, wenn Du nicht aus Lust oder Tollwut anfängst, zu sabbern.

Die Lösung: Offen miteinander sprechen. Ohne Vorurteile und Vorannahmen. Aussprechen, was einen verletzt, was man sich wünscht, wie man sich fühlt, was man befürchtet. Oder abwarten und aushalten, wenn gerade kein Gespräch möglich ist.

#2 Mentale und emotionale Manipulation

= Die Gedanken oder Gefühle von Mitmenschen beeinflussen können

Hast Du Dir auch schon mal gewünscht, jemanden dazu zu bringen, sich in Dich zu verlieben? Oder Dich wenigstens zu mögen? Oder sich ganz mies zu fühlen, weil er Dich nicht mag? Oder einfach einem Deiner Pläne zuzustimmen?

Das funktioniert so nicht, schätze ich.

Die anderen denken was sie wollen, und fühlen, wie sie fühlen. Sie lieben, mögen oder hassen Dich, stimmen Dir zu oder nicht. Intrigieren gegen Dich oder halten Dir den Rücken frei, wie ihnen danach ist. Natürlich können wir Dinge tun, die den Anderen wahrscheinlich freuen oder verletzen. Doch letztlich fehlt uns jede Kontrolle über dessen Reaktion.

Und hey, wenn Du diese Fähigkeit doch haben solltest, dann ist es vermutlich keine gute Idee, sie einzusetzen. Sowas nennt man „schwarze Magie“ – in das Leben eines Anderen eingreifen ohne dessen Einverständnis.

Die Lösung: Loslassen. Deine eigenen Gedanken denken, Deine eigenen Gefühle spüren, Deine eigenen Entscheidungen treffen. Deinen Platz in der Welt finden und nicht als Geist in den Häusern von Freunden und Fremden herumspuken wollen.

#3 Body-Switching

= Den Körper und das Leben eines Anderen einnehmen

Nichts davon, was uns Hollywood verspricht, werden wir jemals sein: Plötzlich Prinzessin. Plötzlich Prinzessin 2. Plötzlich Star.

Du bist Du und ich bin ich, und das wird auch so bleiben.

Vielleicht träumst Du manchmal davon, ein Anderer zu sein. Diesen Wunsch kann Dir weder jemand verbieten – noch erfüllen.

Ich bin dafür, dass wir mit dem arbeiten, was wir haben.

Außerdem übersehen wir bei solchen Fantasien meistens die Probleme dessen, der ja soooo ein tolles Leben hat. Alle Menschen haben ihr Paket herumzutragen.

Die Lösung: Verrat ich Dir, wenn ich plötzlich Prinz oder Star bin.

#4 Zeitreisen

= Woanders als im Hier und Jetzt zu sein. Besonders gern in der Vergangenheit.

„Hätte ich das damals nur gemacht.“

„Hätte ich ihr nur gesagt, dass ich sie liebe und um die Beziehung gekämpft.“

„Hätte ich dieses Jobangebot doch nur angenommen.“

„Hätte ich dieses Angebot doch nur niemals angenommen.“

„Wäre ich nur eher auf die Bremse getreten, bevor es mich aus der Kurve in die psychosomatische Klinik geschleudert hat.“

Unsere übermäßigen Grübeleien über gestern fressen so oft das Einzige auf, das wir wirklich haben: den einen Moment.

Wir suhlen uns in altem Leid (und in solchem, das noch gar nicht eingetreten ist). Dabei können wir weder rückgängig machen, was gestern geschehen ist, noch in die Zukunft reisen. Am wichtigsten, ist die Vergangenheit anzunehmen und hier und jetzt das Richtige zu tun.

Es kam, wie es kam,
und es wird kommen, wie es kommen wird.

Dazwischen liegt ein winziges Zeitfenster, in dem wir handeln und glücklich sein können.

Die Lösung: Meditieren lernen, oder Yoga, oder laufen gehen, oder achtsam essen … alles, was Dich präsent im Präsenz sein lässt. Dies immer schaffen zu wollen ist aus meiner Sicht ein unrealistisches Ziel und zudem nicht sinnvoll (siehe Der Unsinn vom ständigen Leben im Hier und Jetzt).

#5 Hellsehen

= Zukünftige Ereignisse vorhersehen können

Abgesehen davon, dass man nicht in die Zukunft schauen kann, finde ich es problematisch, dass ein großer Teil unserer Zukunftsgedanken negativer Natur sind.

Nächste Woche kommt ein Sonnensturm, oder eine Hyperinflation und wir werden alles verlieren, für das wir so lange gekämpft, gehortet und gespart haben. Die Außerirdischen warten schon, das Schicksal garantiert auch, bis es uns Einen reinwürgen kann. Buuuhuuu.

Daher schauen wir so oft in die Röhre, statt in die Zukunft … und doof aus der Wäsche, wenn doch alles so gekommen ist, wie es wollte, und nicht wie man selbst wollte oder dachte.

Wir können immer nur heute unser Bestes tun, inmitten all der Umstände, die sich genau hier zeigen. Das, was wir heute tun, können wir nach unserer Vision ausrichten, doch wir sollten diese Vision nicht mit der Realität verwechseln.

Die Lösung: Daran arbeiten, sich weniger Sorgen zu machen. Und in sich selbst investieren – das Einzige, das man garantiert sein ganzes (geistig gesundes) Leben lang hat.

#6 Wut in Superkräfte umwandeln

= Wenn Bruce Banner wütend ist, wird er zum Hulk. Wenn der Hulk wütend ist, wird er zu Chuck Norris.

Manche Superhelden, allen voran Hulk, entwickeln ihre besonderen Kräfte, wenn man sie wütend macht.

Bei uns normalen Menschen ist das etwas anders. Wir werden nicht grün, sondern rot; nicht stark, sondern schwach; unser Stresssystem dreht durch und so mancher ist schon tot umgefallen, als er sehr wütend war.

Auch Kampfsportler wissen: wütend kämpft man dumm. Man lässt sich zu Handlungen provozieren, die man später bereut (zum Beispiel weil man aus der Deckung gegangen ist und volle Schlagseite einstecken musste; oder weil man das falsche Ziel für seine Aggressionen wählte).

Wut und Rache sind keine guten Ratgeber, echt nicht. Man kann sich nicht mit Wut von Wut befreien, nicht mit Rache von Rachegelüsten.

An dieser Stelle möchte ich gern jemanden zitieren, der im Austausch mit mir folgendes schrieb (ich hoffe, das ist okay für Dich, R.!)

Sekunden der totalen Befriedigung, stundenlanges Nachbeben, tagelang Nitroglyzerin unter der Haut. Also: das Gleiche wie der eigentliche Racheanlass. Nein, ich würde mir den Affekt als Option offen halten, aber Rache … gerne würde ich auf diese Superdroge verzichten.

Die Lösung: Atmen. Einatmen … ein paar Sekunden lang halten … ausatmen … und wieder von vorn. Die Wut spüren, nicht verdrängen.

#7 Fakten wegzaubern

= „Nein, das kann so nicht sein!“

Der weltbekannte Coach Anthony Robbins wählt hierfür gern dieses Beispiel: auf seinen verwuchernden Garten zu schauen und dabei immer wieder zu denken „hier gibt’s kein Unkraut, hier gibt’s kein Unkraut“ ändert nichts, es macht es nur schlimmer.

Dem Strauß, der seinen Kopf in den Sand steckt, kann man besonders leicht in den Arsch treten (das könnte ihm sogar das Genick brechen, wenn ich’s mir recht überlege).

Die Lösung: Kopf aus dem Sand. Augen auf. Einatmen und ausatmen (das hilft oft, das mit dem Atmen). Akzeptieren, was man sieht. Und dann schauen, ob man es dauerhaft akzeptieren muss oder ändern kann.

#8 Unsichtbarkeit

= Das Gegenteil von Sichtbarkeit

Wer als Erwachsener Verstecken spielt, verliert immer. Hab ich selbst sehr, sehr lange ausprobiert. Entweder weil ich zu dünn, zu verpickelt, zu schüchtern, nicht cool genug oder was auch immer war, das mir gerade als Grund in den Sinn kam. Eine Zeit lang mag man damit direktem Feedback aus dem Weg gehen können, aber die Gedanken und Worte der anderen über einen werden damit nicht ausgelöscht.

Hinzu kommt: Du KannST DicH NicHT VERsteckEN – SiE WErdEN DicH findEn!

So oder so: Du wirkst auf die Welt.  Du bist lebendig, Du atmest und bewegst Dich, nimmst Energie auf und gibst sie ab. Wenn Du nicht unsichtbar werden kannst, warum dann nicht auch ganz zu Dir stehen, zu all Deinen Stärken und Schwächen?

Siehe auch 5 Dinge, für die ich mich schäme.

Die Lösung: als ich mich versteckte, ging’s mir nicht darum, nicht gesehen zu werden – sondern nicht verurteilt. Doch die wenigen Leute, die mich gesehen haben, werden sich auch ihr Urteil über mich gebildet haben, und die, die mich plötzlich nicht mehr sahen, auch. Wenn wir möglichen Urteilen nicht entrinnen können, dann sollten wir uns selbst doch zumindest die Chance geben, auch positiv angenommen, geliebt zu werden. Das geht nur, wenn wir uns anderen zeigen – und umso tiefer, je mehr wir uns zeigen.

[Anmerkung: um diesen Abschnitt lesen zu können, musst Du ihn mit der Maus markieren. Wenigstens im HTML kann ich ‚was unsichtbar machen – tadaa!]

#9 Phasenverschiebung

= Feste Objekte durchqueren können

Du hast vielleicht – so wie ich – auch schon hin und wieder versucht, mit dem Kopf durch die Wand zu rennen. Mit aller Kraft versucht, eine Wand aus Stahlbeton einzureißen, im Kopf oder im Herz eines Mitmenschen, oder bei einem Marathon durch irgendwelche Ämter.

Was zurückbleibt, ist ein blauer Fleck an Deinem Kopf und eine Menge Frustration darin.

Die Lösung: Manche Hindernisse lassen sich nicht durchqueren, dann müssen wir einen Weg um sie herum suchen.

#10 Adaptives Muskelgedächtnis

= Jede gesehene Handlung sofort 1:1 ausführen zu können

Was bei anderen leicht aussieht, ist sehr oft das Ergebnis aus jahrelangem Üben. Sei es beim Schreiben oder Sprechen, beim Coachen, beim Fotografieren, im Sport, im Business.

Ich halte es für eine sehr gute Idee, von den Besten zu lernen. Nur sollten wir nicht erwarten, dass wir sie innerhalb kürzester Zeit einholen können.

Ein erfahrener Mann, der gelernt hat, wie man auf Frauen zugeht, geht im selben Club auf diesselbe Frau zu und spricht sie an. Sie gibt ihm ihre Nummer. Ein unbeholfener, unerfahrener Mann geht im Club auf eine Frau zu und spricht sie an – mit denselben Worten. Sie gibt ihm einen Korb. Und der Unerfahrene wundert sich, hat er es doch gerade beobachtet, dass genau diese Worte bei dem Erfahrenen so gut funktioniert haben. Er weiß nicht, dass nicht die Worte entscheiden über Nummer oder Korb, sondern die Art und Weise, wer sie wie kommuniziert.

Dies lässt sich auf alle Situationen übertragen.

Die Lösung: Dir Zeit geben und nehmen, um richtig gut zu werden. Dir Vorbilder suchen, sie genau analysieren und respektieren, wie viel Zeit sie investiert haben, um das zu können, was sie nun scheinbar aus dem Ärmel schütteln.

#11 Replikation

= Eine beliebige Anzahl von exakten Kopien seiner selbst zu machen

Wir multitasken, multikarrieren, multinetzwerken, overdelivern heute mehr als in jeder Epoche, in der die Menschen vor uns lebten. Doch genau wie sie können auch wir uns und unsere Energie nicht multiplizieren. Und wenn die Last mehr und mehr steigt, bricht der Mensch irgendwann unter ihr zusammen.

„Können Sie das nicht noch schnell heute erledigen, Herr Kollege?“, ruft der Chef ins Büro, während man am Telefon einen Kunden glücklich machen und per Mail die unter der Arbeitsbelastung leidende Beziehung am Laufen halten will.

Die Lösung: Deine Augen schließen. Tief ein- und ausatmen. Dir vorstellen, dass Du an der Aufgabe arbeitest, die Du jetzt auch noch verantworten erledigen willst. Dich fragen: „Wie fühlt sich dieser Gedanke an, mir XY aufzuladen?“. Eher als Chance für Wachstum … oder so, als würdest Du damit riskieren, dass Du überfordert bist und es Dir schlechter geht? Hör‘ auf Dein Gefühl. Zu lernen, auf mein Gefühl zu hören, war eine der besten Entscheidung meines Lebens.

#12 Alchemie

= Materie in Gold verwandeln können

Alchemisten stehen vor ihrem Kessel und verwandeln in MacGyver-Manier irgendwelche recht wertlosen Zutaten unter Blitzen, Donnern und einer Dampfwolke zu Gold.

Als „normaler“ Mensch, wie ich es bin, und Du vermutlich auch, kommt aus einem solchen Gemisch nichts heraus als übel riechende Pampe.

Diese Pampe könnte man dann an einen Anderen verkaufen (den muss man aber auch erst finden und überzeugen), um daraus Gold (Geld) zu machen. Langfristig macht dieser verlogene Weg jedoch unglücklich, paranoid und krank.

Wer als Nicht-Alchemist langfristig Gold (Geld) einnehmen will, muss es sich aus meiner Sicht verdienen. Und etwas anbieten, das dem Empfänger wirklich hilft und ihn zurückkehren lässt, wieder und wieder, um mehr davon zu bekommen.

Die Lösung: Wert schaffen. Dir immer überlegen: wie kann ich meinen Kunden / Partner / Freund noch besser verstehen, wie kann ich ihm noch besser helfen mit dem, was ich tue? Siehe Wie Du Wert schaffen und von Deiner Leidenschaft leben kannst.

 

Inspiriert von: dumblittleman.com   Photo: Zach Dischner