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Jeder kommt ab und an mal zu spät. Normal. Aber manche von uns schaffen das immer. Chronisch unpünktlich. Zuverlässig unzuverlässig. Sorry, der Bus. Sorry, der Stau. Sorry, die Aliens. Frustrierend, wirklich.

Warum verpassen einige Leute jeden Zug, kommen zu jedem Meeting zu spät, zu jeder Hochzeit, zu jeder Beerdigung (teilweise sogar zu ihrer eigenen)?

Forscher haben herausgefunden, welche Eigenschaften in der Persönlichkeit zum permanenten Zuspätkommen führen. Und warum es so schwer sein kann, etwas dran zu ändern. Obwohl man damit das Umfeld anpisst, und obwohl das beruflich und privat ernste Konsequenzen mit sich bringt.

1. Falsche Selbsteinschätzung

Wer ständig zu spät kommt, hat meistens ein Problem mit seiner Selbsteinschätzung. Er kann den Zeitbedarf von Aufgaben nicht gut vorhersehen, glaubt immer wieder, er würde die Dinge schneller schaffen, als es der Realität entspricht. „Planungsirrtum“ nennen die Wissenschaftler das. Durchschnittlich unterschätzen wir alle, wie lange eine Aufgabe braucht, um ganze 40 Prozent.

Kenn ich von mir selbst, eigentlich sollte dieser Text schon längst fertig sein.

2. Multitasking

Unpünktliche Menschen neigen außerdem zum Multitasking, wie Studien von der San Diego State University aus 2003 gezeigt haben. Dazu befragte Jeff Conte mit seinem Team 181 U-Bahn-Fahrer in New York City und wertete ihre Daten zu ihrer Pünktlichkeit aus. Wer gern mehrere Dinge gleichzeitig erledigen will – Mails lesen, Staubsaugen, Essen, aufs Klo gehen – trat deutlich häufiger zu spät im Job an.

Der Grund: Multitasking erschwert unserem Gehirn die sogenannte „Metakognition“, die Bewusstheit darüber, was wir tun und was sonst noch alles ansteht.

3. Ein anderes Gefühl für Zeit

Ebenfalls von Conte stammt eine Studie aus 2001. Die Forscher stellten fest, dass es einen Persönlichkeitstyp gibt, der sehr viel häufiger zu spät kommt. Während der eher nervöse, Ziele-orientierte Typ A zur Pünktlichkeit neigt, kommen Menschen vom eher entspannten, zurückgelehnten Typ B später.

Damit zusammen hängt auch ein anderes Gefühl dafür, wie die Zeit vergeht. Für Typ A vergeht eine Minute gefühlt in 58 Sekunden. Für Typ B in 77 (!) Sekunden. Dieses Plus von 17 Sekunden summiert sich mit der Zeit ganz schön auf.

Was hilft

Geschätzte 90 Milliarden Dollar kostet Zuspätkommen allein die USA jährlich. Und wahrscheinlich noch viel mehr Nerven. Den Forschern zufolge sind aber die wenigsten Leute hoffnungslose Fälle. Am Zeitgefühl kann man zwar wenig ändern, aber man kann es sich immer wieder bewusst machen, dass einen die Realität stets überholt, während man auf der Zeitachse schlendert. Und das entsprechend in den eigenen Planungen berücksichtigen.

Wer regelmäßig unterschätzt, wie viel Zeit er für Aufgaben wirklich braucht, kann ebenfalls etwas tun: Einer Studie aus 2012 zufolge schätzen Menschen den Zeitbedarf deutlich realistischer ein, wenn sie sich vorab genaue Bilder im Geist von der Aufgabe machen („Erst mache ich Schritt 1, dann Schritt 2 …“).

Und dann hilft da noch die Erinnerung, dass wir für zwei Aufgaben meistens dreimal so lange brauchen, wenn wir sie gleichzeitig erledigen wollen.

So, pünktlich zum Ende des Textes ist er fertig.

Wenn Du gerade auf jemanden warten musst, mal wieder, siehe Wie man aufhören kann, die Dinge zu persönlich zu nehmen (in 30 Sekunden). Siehe auch Forschung: Intelligente Menschen neigen zu Chaos, langem Aufbleiben und Fluchen.

Photo: Time running von Shutterstock