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Auf die Kirche hatte er es abgesehen. Auf die Scheinheiligen. Auf die durchgedrehten Massen. Und auf uns alle, wenn wir uns selbst in die Tasche lügen.

Friedrich Nietzsche, schon im Alter von 24 Philosophie-Professor, zehn Jahre später von seinen Krankheiten in den Ruhestand gezwungen, Migräne und Magenprobleme, später noch schwere psychische Leiden und Schlaganfälle. Seine letzten Jahre von seiner Mutter gepflegt, dann von seiner Schwester, und 1900 mit 55 gestorben. Kein leichtes Leben, aber eins, das nachhallt, sein Werk hat ihn bei Weitem überlebt. (Die Nazis haben sich ziemlich bedient bei Nietzsche und seine Philosophie verfälscht und missbraucht. Die aktuelle Forschung spricht ihn jedoch frei von rassistischen Absichten.)

Seine Gedanken sind ein Spiegel, in den man nicht gern schaut. Ein Spachtel, der das Makeup von den Wunden kratzt. Eine Tier, das uns in der Dunkelheit verfolgt.

Und nicht nur das. Sie können uns auch helfen, die Augen zu öffnen und den eigenen Weg zu gehen.

Hier 50 dieser Zitate von Nietzsche.

Von Arbeit, Besitz und Freiheit

1. Wer von seinem Tag nicht zwei Drittel für sich selbst hat, ist ein Sklave.

2. Der Besitz besitzt. Er macht die Menschen kaum unabhängiger.

3. Allgemein ist die Hast, weil jeder auf der Flucht vor sich selbst ist.

4. Ein Beruf macht gedankenlos.  Er ist eine Schutzwehr, hinter welche man sich, wenn Bedenken und Sorgen allgemeiner Art anfallen, erlaubtermaßen zurückziehen kann.

5. Dem wird befohlen, der sich nicht selber gehorchen kann.

6. Wir leben in einem System, in dem man entweder Rad sein muß oder unter die Räder gerät.

Von Wahrheit und Lügen

7. Viel von sich zu reden kann auch ein Mittel sein, sich zu verbergen.

8. Die Menschen drängen sich zum Lichte, nicht um besser zu sehen, sondern um besser zu glänzen.

9. Es gibt bei jeder Handlung erstens das wirkliche Motiv, das verschwiegen wird, zweitens das präsentable, eingeständliche Motiv.

10. Niemand lügt soviel wie der Entrüstete.

11. Moralische Entrüstung besteht in den meisten Fällen zu 2 Prozent aus Moral, 48 Prozent aus Hemmung und 50 Prozent Neid.

12. Es ist mehr Vernunft in Deinem Leibe als in Deiner besten Weisheit.

13. Es kommt in der Wirklichkeit nichts vor, was der Logik streng entspräche.

14. Jedes Wort ist ein Vorurteil.

15. Tatsachen gibt es nicht, nur Interpretationen.

Von Liebe und Einsamkeit

16. Die Forderung, geliebt zu werden, ist die größte der Anmaßungen.

17. Das Verlangen nach Gegenliebe ist nicht das Verlangen der Liebe, sondern der Eitelkeit.

18. Es ist immer etwas Wahnsinn in der Liebe. Es ist aber immer auch etwas Vernunft im Wahnsinn.

19. Hüte dich auch vor den Anfällen deiner Liebe! Zu schnell streckt der Einsame dem die Hand entgegen, der ihm begegnet.

20. Was aus Liebe getan wird, geschieht immer jenseits von Gut und Böse.

Von Menschen und Massen

21. Jedermann hat gerade so viel Eitelkeit, als es ihm an Verstand fehlt.

22. Die Eitelkeit anderer geht uns nur dann gegen den Geschmack, wenn sie gegen unsere eigene Eitelkeit geht.

23. Erziehung ist das Mittel, die Ausnahme zu ruinieren zugunsten der Regel.

24. Die Insekten stechen nicht aus Bosheit, sondern weil sie auch leben wollen; ebenso unsere Kritiker: sie wollen unser Blut, nicht unsern Schmerz.

25. Wie wenig Anhänger zu bedeuten haben, begreift man erst, wenn man aufgehört hat, der Anhänger seiner Anhänger zu sein.

26. Ich fürchte, die Tiere betrachten den Menschen als ein Wesen ihresgleichen, das in höchst gefährlicher Weise den gesunden Tierverstand verloren hat.

27. Der Irrsinn ist bei Einzelnen etwas Seltenes – aber bei Gruppen, Parteien, Völkern, Zeiten die Regel.

Vom Leben und Leiden

28. Nicht woher ihr kommt, macht euch ehrenhaft, sondern wohin ihr geht.

29. Reife heißt, den Ernst wiedergefunden haben, den man als Kind hatte, beim Spiel.

30. In der Natur fühlen wir uns so wohl, weil sie kein Urteil über uns hat.

31. Alles Entscheidende entsteht trotzdem.

32. Alle guten Dinge haben etwas Lässiges und liegen wie Kühe auf der Wiese.

33. Die Mutter der Ausschweifung ist nicht die Freude, sondern die Freudlosigkeit.

34. Der Brief ist ein unangemeldeter Besuch, der Briefbote der Vermittler unhöflicher Überfälle. Man sollte nur alle acht Tage eine Stunde zum Briefempfangen haben und danach ein Bad nehmen.

35. Es ist leichter, einer Begierde ganz zu entsagen, als in ihr maßzuhalten.

36. In Wahrheit heißt etwas wollen, ein Experiment machen, um zu erfahren, was wir können.

37. Kein Sieger glaubt an den Zufall.

38. Kunst kommt von Können. Käme es von Wollen, so hieße sie Wulst.

39. Man muß noch genügend Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.

40. Nicht durch Zorn, sondern durch Lachen tötet man.

41. Zu jeder Seele gehört eine andere Welt.

42. Viele sind hartnäckig in Bezug auf den einmal eingeschlagenen Weg, wenige in Bezug auf das Ziel.

43. Keiner ist so verrückt, dass er nicht einen noch Verrückteren findet, der ihn versteht.

44. Das Leben ist viel zu kurz, um sich selbst zu begrenzen.

45. Die besten Menschen leiden am meisten am Dasein, aber sie haben auch die größten Gegenkräfte.

46. Wir müssen die Dinge lustiger nehmen als sie es verdienen; zumal wir sie lange Zeit ernster genommen haben als sie es verdienen.

47. Man ist am meisten in Gefahr, überfahren zu werden, wenn man eben einem Wagen ausgewichen ist.

48. Wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund irgendwann in Dich hinein.

49. Die Hoffnung ist der Regenbogen über dem herabstürzenden Bach des Lebens.

50. Wer ein „Warum“ hat, dem ist kein „Wie“ zu schwer.

 

Siehe auch 20 Zitate, die mich mit offenem Mund zurücklassen und Leben, als wohnte man in einer Blockhütte im Wald (Rat eines Aussteigers).

 

Inspiriert von: Raptitude.com, Photo (oben): Bezalel Ben-Chaim