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Was ist der Zen-Buddhismus? Was erwartet die, die den Weg des Zen gehen? Und lebt man diesen Weg?

Es folgt ein Interview mit Markus Schartner, Diplom-Mentaltrainer und Zen-Lehrer aus Österreich.

Hi Markus, freu mich sehr, dass Du Dir die Zeit für uns nimmst! Magst Du Dich den Lesern kurz vorstellen?

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Mein Name ist Markus Schartner, mein Alter ist 40 Jahre … ich bin das 2te mal verheiratet und habe einen 9 jährigen Sohn aus erster Ehe. Ich habe vor ca. 10 Jahren mit der Meditation begonnen und seit 8 Jahren bin ich Schüler eines großen japanischen Meisters, einem direkter Nachfolger von Gautama Buddha, dessen Namen ich hier ohne seine Zustimmung nicht geben möchte. Ich übe täglich Zazen (Zen-Meditation) und damit meine ich 365-366 Tage im Jahr ohne Ausnahme.

Du bist vor etwa 10 Jahren zum Buddhismus gekommen. Was hat Dich dahin geführt?

Das Leben selbst hat mich hierher getragen und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich dieses Leben leben darf. Es war ein harter Weg, bis ich zum Buddhismus gekommen bin. Eine Kindheit voller Hass,Gewalt und Einsamkeit … eine Pubertät die meinen ganzen Körper mit Narben gezeichnet hat … und eine Zeit des jungen Erwachsenwerdens, über die ich hier nicht sprechen möchte. Der Mensch neigt leider dazu, andere Menschen zu verurteilen und sie nicht zu sehen wie sie im Hier und Jetzt sind. Du hast einmal einen sehr schönen Spruch gepostet, der dazu passt „Der einzige Mensch der mich richtig betrachtet ist meine Schneider, er nimmt jedes mal neu Maß, wenn er mich sieht“.

Ich möchte keine Minute meines Lebens missen, denn all das hat mich zu dem gemacht, was ich in diesem Moment bin.

Was ist Zen? Und was hat es mit Buddhismus zu tun?

Zen ist eine Linie des Buddhismus. Die Wurzel des Buddhismus ist Buddha selbst, er erkannte, dass jeder Mensch frei von Leid sein kann, der Weg dorthin führt durch die Meditation. Man kann Monate, Jahre oder sogar ein ganzes Leben darüber diskutieren, philosophieren, jede Menge Bücher und Schriften lesen, aber es wird sich nichts bewegen. Ohne Meditation kein Fortschritt. Ich habe es zuvor auch mit anderen Religionen versucht, aber keine davon konnte mir inneren Frieden geben.


Was hat der Buddhismus Dir gegeben?

Der Weg, den ich gehe, hat mich erkennen lassen, dass das Leben nicht ernst ist … keinen Moment. Wenn jemand zu mir kommt und mich um etwas bittet, dann gebe ich es ihm, wenn ich etwas benötige, dann wird es mir gegeben. Wenn ich jetzt auf mein Leben zurückblicke, dann war all die Aufregung und der Stress umsonst (lachen).

Aber wenn man es nicht besser weiß, kann es sehr mühselig und zermürbend sein.

Probleme in Beziehung, Arbeit und Geld usw. bleiben an uns haften und lösen sich nicht so ohne Weiteres auf.

Meditation macht das Leben nicht leichter, aber es macht es angenehmer.

Wir lernen dadurch, unsere Probleme von einer anderen Seite zu betrachten. Und diese andere Seite zeigt uns, dass alles gar nicht so schlimm ist, wie wir glauben.

Aber ohne Meditation werden wir das nie erfahren. Es ist auch nichts, was man sich kaufen kann. Man muss die Zeit investieren, wenn man dauerhaft glücklich sein möchte. Ich muss auch noch dazu sagen, dass bei jedem, der täglich übt, ein Zeitpunkt kommen wird, an dem sich ein Zustand dauerhafter Zufriedenheit einstellen wird. Und der Übende dann selbst entscheiden wird, ob er den Weg weitergehen möchte oder nicht.

Was ist der Unterschied zwischen Schmerzen und Leid? Und wie kann die buddhistische Philosophie dazu beitragen, dass wir nicht unnötig leiden?

Verlangen verursacht Leiden. Wenn wir nichts wollen, dann leiden wir auch nicht. Dann sind wir nur. Dann beobachten wir, ohne zu urteilen. Das Problem der Menschheit ist das immer größere Verlangen. Die Hauptthemen sind Sex, Geld und Macht, was auch unschwer zu erkennen ist an unserer aktuellen finanziellen und politischen Lage.

Wir müssen lernen unser Verlangen, egal nach was, aufzulösen, wir müssen uns wie eine Lotosblüte durch den Schlamm ans Licht graben, erst dann können wir erblühen. Ansonsten werden wir keinen inneren Frieden finden und das ist etwas was jeder für sich machen muss.

Wir sind alleine auf diese Welt gekommen und wir werden sie auch wieder alleine verlassen. Und während der Dauer unseres Besuches hier, lernen wir viele Menschen kennen…die Eltern, die Freunde, den Partner,die Kinder … usw. aber dieses Leben muss jeder für sich selbst leben und verantworten.

Wie kann man den Buddhismus am besten kennen und leben lernen?

Grundvoraussetzung ist das Verlangen nach innerem Frieden. Ohne dieses Verlangen fehlt der Antrieb jeden Tag zu üben. Ich muss zugeben: es ist nicht einfach einen geeigneten Lehrer zu finden. Heutzutage glaubt jeder, der einen Meditationswoche besucht hat, dass er ein Buch schreiben muss. Es werden Buddhistische Schriften zitiert, damit es sich tiefsinnig anhört und dann wird der eigene Senf dazugegeben.

Ich kann nur jedem raten immer kritisch mit dem umzugehen was der Lehrer sagt. Es ist auch nicht nötig einen japanischen Meister aufzusuchen um mit dem Meditieren zu beginnen, es ist aber auf jeden Fall  wichtig sich für „EINE“ Richtung zu entscheiden und den Weg Schritt für Schritt zu gehen. Am Anfang ist es wichtig, die richtige Atemtechnik zu erlernen, diese übt man dann täglich. Man sollte auch hin und wieder einer Gruppe beiwohnen, da die Übung eine ganz andere Dynamik hat. Ich sage meinen Kursteilnehmern immer, täglich mindestens 25 Minuten üben, sollte es einmal nicht möglich sein, dann sind 5 Minuten auch in Ordnung.

Warum meditierst Du jeden Tag?

Es gibt verschiedenen Ziele.

Das erste Ziel ist einfach um im Alltag innere Ruhe und Gelassenheit zu finden, mit innere Balance ist es Grundsätzlich sehr angenehm sein Leben zu leben, das bedarf aber täglicher Übung. Die meisten Schüler meines Meisters üben so, täglich mit hin und wieder ausnahmen. Dann gibt es noch die Möglichkeit nur in Stresssituationen zu üben. Der Übende erlernt in einem ein- bis dreitägigen oder ein- bis dreimonatigen Kurs, der einmal wöchentlich stattfindet, die richtige Atemtechnik. Diese lässt sich je nach Bedürfnis anwenden. Manchen reicht das, viele aber beginnen dann irgendwann in ihrem Leben mit der täglichen Übung, da es ihnen doch nicht reicht. Und wer den Zustand inneren Zufriedenheit und Glückseligkeit einmal erlebt hat, möchte dann auch über kurz oder lang mehr davon.

Der Grundm warum ich täglich übe, ist um Erleuchtung zu erlangen wie z.B. der Dalai Lama, Thich Nath Hahn, Jesus, Mohammed  oder Buddha selbst, um ein Nachfolger meines Meisters zu werden. Ich möchte den Menschen den Weg zur inneren Befreiung zeigen, damit sie nicht mehr getrieben sind von Sex, Macht und Gier und um eine bessere Welt zu schaffen. Ich möchte dass, sich die Menschen mit Liebe und Respekt begegnen, dass man sich auf der Straße wieder grüßt, sich gegenseitig hilft und jeder Mensch glücklich und zufrieden ist. Auch wenn es im Moment aussichtslos erscheint wird bald wieder eine Zeit kommen, in der das zutrifft. Wir üben für den Augenblick. Kein Heute kein Morgen. Jeden Tag neu.

Was rätst Du Menschen, die in ihrem vollgepackten Tag dauerhaft einen festen Platz für das Meditieren schaffen wollen?

Ganz einfach. Keine Ausreden. Als ich mit der Übung begonnen habe war ich Produktionsleiter in einem Mittelständischen Unternehmen. Mein Sohn Aaron war gerade geboren, ich hatte jede Menge Arbeit und wenn ich nach Hause kam war meine Frau froh wenn sie den kleinen an mich abgeben konnte. Es kam eine Zeit in der ich dann Nachts des öfteren wach wurde weil das Telefon klingelte, aber es klingelte nicht, ich träumte nur davon und dann sagte ich mir ich muss etwas ändern, das kann doch nicht der Sinn des Lebens sein.

Wenn ich auf dem Totenbett liege, werde ich mich dann fragen: Wo war mein Leben? Und ich beschloss aufs „gute“ Geld zu verzichten und mit dem Meditieren zu beginnen. Von da an ging mein Leben finanziell abwärts und spirituell aufwärts (lachen). Ich weiß, wie schwer es ist so einen Schnitt zu machen, mir braucht keiner etwas von einem harten Leben zu erzählen. Aber der Mensch an sich glaubt, dass er das Geld braucht, was natürlich Blödsinn ist. Trotz meiner teilweisen unangenehmen Lebenssituation hatte ich immer ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen. Dieses Urvertrauen in die Existenz entwickelt sich mit der Zeit bei jedem Übenden, es wird irgendwann jeder spüren, dass uns nicht passiert, was nicht vorherbestimmt ist. Es hat mit der Zeit nichts mehr mit Glaube zu tun, sondern wir beginnen es zu wissen, dass es so ist. Alles Seiende ist immer auf dem Weg. Jeder hat zu jeder Zeit genau das, was ihm zusteht, also nicht herumjammern, sondern annehmen, nur so wird sich unser Leben ändern mit der Zeit ändern.

Du hast einen Zen-Meister, den Du zweimal jährlich in Japan besuchst. Was sind die wichtigsten drei Dinge, die Du von ihm gelernt hast?

Ich habe im laufe der Zeit eine sehr enge Beziehung zu ihm entwickelt. Es gibt keine drei wichtigsten Dinge, die ich von ihm gelernt habe. Alles was er sagt ist von unglaublicher Tiefe und Weisheit. Ich würde mich sehr freuen, wenn es auch mir in diesem Leben gegeben ist, die tiefen Einsichten meines Meisters eines Tages mit ihm teilen zu dürfen.

Wann und wo finden die Meditationsabende statt, die Du veranstaltest? Und wo können die Leser mehr über Dich und Deine Angebote erfahren?

Ich habe erst Ende letzten Jahres damit begonnen, mein erarbeitetes Wissen mit anderen zu Teilen. Es hat eine 10-jährigen Vorbereitungszeit und viele Tausende Stunden der Übung benötigt, und jetzt fühle ich, dass ich soweit bin. Zur Zeit läuft noch ein dreimonatiger Kurs in Amstetten (Österreich) bis ende März. Danach ist noch alles offen. Viel am Laufen, aber nichts fix. Ich habe die letzten Tage eine Facebook Account eröffnet, bei dem ich einmal täglich etwas posten und vielleicht auch Fragen von interessierten Menschen, die mir schreiben, beantworten werde. Aber ich werde mich nirgends aufdrängen.

Der aktuelle Kurs kam zustande, weil ich gefragt wurde, ob ich das machen möchte. Die Teilnehmer sind sehr begeistert und möchten, dass ich noch einen weiteren gebe. Ich würde mich freuen in Österreich, Deutschland und der Schweiz Tages- oder Wochenendkurse zu geben.Vielleicht finden sich ja Menschen, die das organisieren. Ich habe bis jetzt viele Anfragen aus allen Teilen Österreichs , doch noch ist es organisatorisch ein Problem. Es benötigt einen passenden Raum und die entsprechende Teilnehmerzahl. Alles steht noch am Anfang, doch wie es aussiehst, gefällt den Menschen, was ich zu sagen und zu lehren habe.

Das Gras wächst von selbst. Unser Leben auch. Verlangen verursacht leiden. Keine Verlangen-kein leiden. Ganz einfach.

Mehr über mich findet ihr auf www.zen-meditation.at und bei Facebook.

Herzlichen Dank, Markus!

 

 Photo (oben): HartwigHKD