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Lange Jahre meines Lebens konnten mich die kleinsten Dinge aus der Bahn werfen. Wo andere Felsen in der Brandung waren, war ich ein Sandkorn, das hin und her gewirbelt wurde bei jedem Wellengang. Auch heute erscheinen mir manche Kleinigkeiten als Großigkeiten, mache ich aus manchen Eintagsfliegen unsterbliche Elefanten, bin ich frustriert und angepisst, zögerlich, unruhig, mitunter fahrig. Aber eben nur noch manchmal, nicht permanent. Für mich ein großer Gewinn an Lebensqualität.

Mark Aurel sollte wissen wie’s geht mit der inneren Ruhe. Er war römischer Kaiser und Philosoph aus der Richtung der Stoa (Stoiker), dem Namensursprung der stoischen Ruhe.

Stoische Ruhe: Kontrolle der Triebe und Affekte, um frei von Leidenschaften, selbstgenügsam und unerschütterlich zu werden. Nicht durch passives Hinnehmen erworben, sondern eine aktive Arbeit an der eigenen Person.

Wenn man mit Aurels stoischen Prinzipien ein römisches Reich regieren kann, dann helfen sie ja vielleicht auch dabei, das eigene Leben mit ruhiger Hand zu regieren.

Es folgt ein kurzer philosophischer Ritt zu mehr stoischer Ruhe, zurückgelegt auf dem Rücken von Aurels Zitaten. Yiiiiiiiiiiiihaaa.

#1 So isses, und nicht anders

„Wir müssen von ganzem Herzen alles, was uns trifft, willkommen heißen, wir dürfen auch innerlich nicht murren, ja nicht einmal uns wundern.“

„Es wäre dumm, sich über die Außenwelt zu ärgern. Sie kümmert sich nicht darum.“

„Verlust ist nichts anderes als Verwandlung.“

„Mache Dich von Deinen Vorurteilen los, und Du bist gerettet.“

Deine Anspannung entsteht im Raum zwischen dem, was ist, und dem, wie Du es gern hättest. Doch jeder Widerstand ist vergeblich. Stoische Ruhe erfordert, loszulassen, zuzulassen.

„Das darf so nicht sein“ – wer kann es denn verbieten? „Das müsste doch so sein“ – wo steht das?

#2 Die Farbe Deiner Seele

„Nach der Beschaffenheit der Gegenstände, die Du Dir am häufigsten vorstellst, wird sich auch Deine Gesinnung richten; denn von den Gedanken nimmt die Seele ihre Farbe an.“

„Unser Leben ist das, wozu unser Denken es macht.“

Mit einer sanftfarbigen, beruhigenden Seelenfarbe lebt es sich ruhiger als mit einem Batikmuster aus Schwarz und Kackbraun. Wenn wir den Pinsel, unsere Gedanken, in die Hand nehmen, dann werden die Dinge schöner und leichter.

#3 Im Inneren das Glück

„Steht es Dir doch frei zu, zu jeder Stunde Dich in Dich selbst zurückzuziehen. Gönne Dir recht oft dieses Zurücktreten ins Innere und verjünge Dich selbst.“

„Blicke in Dein Inneres. Da ist die Quelle des Guten, die niemals aufhört zu sprudeln, wenn Du nicht aufhörst zu graben.“

Solange wir  darauf warten, ruhig und zufrieden zu sein, bis dieses oder jenes Ereignis eingetroffen ist, solange bleibt die stoische Ruhe unerreichbar wie die Königstochter für den nichtköniglichen Xavier Naidoo in seinem Lied „Sie sieht mich einfach nicht“. Anstatt nach der Quelle des Guten in unserem Inneren zu graben, schaufeln wir das eigene Grab.

#4 Bald wieder vorbei

„Bald – und Du hast alles vergessen. Bald – und alles hat Dich vergessen.“

„Die Natur hat ebenso das Ende eines jeden Dinges zum Ziel wie seinen Anfang oder seine Fortsetzung, gleichsam wie der, der einen Ball aufwirft.“

Vieles Gute und Schlechte, das uns widerfährt, ist längst vorbei, während unsere Gedanken noch darum kreisen wie die Geier über einer verfallenen Leiche.

Wir versuchen, uns von den Erinnerungen zu ernähren. Aber so, wie ich keine Banane essen kann, die gestern auf dem Tisch lag und heute nicht mehr, so werde ich auch nicht satt von Vergangenem.

#5 Verhältnismäßig klein

„Betrachte die ganze Natur, wovon Du nur ein winziges Stücklein bist, und das ganze Zeitmaß, von welchem nur ein kurzer und kleiner Abschnitt Dir zugewiesen ist, und das Schicksal, wovon das Deinige nur einen Bruchteil bildet.“

„Blicke oft zu den Sternen empor – als wandelst Du mit ihnen. Solche Gedanken reinigen die Seele von dem Schmutz des Erlebens.“

Länger als die Ereignisse in unserem Leben leuchten die Sterne am Himmel. Und größer sind sie auch noch. Sehr viel größer. So, wie eine kleine Linie neben einer großen noch kleiner wirkt, so kann uns ein Blick in den Himmel beruhigen: letztlich sind wir mit all unseren Gelüsten und Problemen doch winzig.

#6 Rache ist bitter

„Die beste Art, sich zu rächen, ist, nicht Gleiches mit Gleichem zu vergelten.“

„Lass die Fehler der anderen dort, wo sie hingehören – zu ihnen.“

So machtvoll wir uns auch fühlen mögen, wenn wir gewaltsame Racheträume träumen, so machtlos sind wir, wenn wir sie ausüben. Denn damit hat jemand anderes unser Verhalten bewirkt, es war nicht frei. Rache verstärkt fast immer die Unruhe in uns.

Lass die Schweine wenigstens allein in die Hölle fahren, wenn Du ihnen nicht vergeben kannst.

#7 Die Gurke ist bitter, warum ist egal

„Eine bittere Gurke? Wirf sie weg. Dornensträucher im Weg? Weiche ihnen aus. Das ist alles. Frage nicht noch: wozu gibt es solche Dinge auf der Welt.“

Knüpft an den ersten Punkt an, die Akzeptanz. Doch anstatt nur zu akzeptieren, gilt es auch, den Umständen entsprechend zu handeln. Das Gegenteil von Handeln ist Verharren – in nutzlosen Fragen, auf die es keine Antwort für uns gibt.

Meine Oma sagte mir in einem Gespräch im letzten Jahr: „Was immer geschieht, Du darfst niemals die Frage stellen: warum ich?“. Meine Oma hat Recht, glaube ich.

#8 Verbunden

„Was dem ganzen Bienenschwarm nicht zuträglich ist, das ist auch der Biene nicht zuträglich.“

„Alle wirken zu einem Endergebnis zusammen, die einen wissend und aufmerkend, die anderen, ohne es zu achten.“

„Werde also nicht müde, Deinen Nutzen zu suchen, indem Du anderen Nutzen gewährst.“

Alles ist eins, alles ist Deins und meins.

Über Jahre meiner Kindheit und Jugend und jungen Erwachsenenzeit wollte ich mit dem Bienenschwarm nichts zu tun haben und lieber mein eigenes Nest bauen. Behaglich war es dort nicht. Es war leer und kalt und sinnlos. Es sind die Menschen, die das Leben lebendig und lebenswert machen. Wer sich ihnen nicht nur öffnet, sondern ihnen auch Dienste erweist, ist reich, dem gehört der ganze Bienenstock ebenso wie seinen Nachbarn. Außerdem ist es unheimlich beruhigend, zu fühlen, dass man nicht allein ist auf der Welt und mit seinen Vorhaben.

#9 Back to the roots, zurück zur Dankbarkeit

„Wie wichtig ist es doch, sich bei Delikatessen und ähnlichen Speisen vorzustellen, dass dieses die Leiche eines Fischs, jene die Leiche eines Vogels oder Schweines ist, ebenso, dass der Falerner der Saft einer Traube und das Purpurgewand die Wolle eines Schafes mit Blut einer Muschel benetzt.“

„Denke lieber an das, was Du hast, als an das, was Dir fehlt. Suche von den Dingen, die Du hast, die besten aus und bedenke dann, wie eifrig Du nach ihnen gesucht haben würdest, wenn Du sie nicht hättest.“

Wir sind nicht nur mit allen Menschen verbunden, sondern auch mit allen Tieren und Pflanzen und allem, was es sonst so gibt. Sich dessen bewusst zu sein, zum Beispiel beim Essen, erdet und beruhigt. Mit dieser Achtsamkeit bettet man sich in das große Ganze ein, wie ein Ungeborenes im Bauch der Mutter.

Mehr dazu unter Wie man aufhören kann, genervt und verletzt zu sein (in 60 Sekunden) und in den myMONK-Büchern Wie man die Dinge nicht mehr so persönlich nimmt sowie Wie man Sorgen, Stress und Selbstzweifel loslässt.

Photo: Farhad Ghaderi