Neu im Podcast von myMONK: Ich schäme mich so. Und folgst Du myMONK schon bei Instagram?

Wir staunen vor den täglich neu eingeräumten Regalen in Supermärkten, Technikmärkten, Autohäusern, Reisebüros, mit großen Augen und großen Wünschen. Wir hetzen uns Karriereleitern rauf, die nicht in den herrlich blauen Himmel führen, sondern in immer üblere Druckgebiete. Wir kaufen und kaufen, leisten uns Dinge, die wir uns nicht leisten können, oder fantasieren uns zumindest hinein in den Luxus, auf den wir hoffen und den wir so sehr anstreben.

Die Frage ist:

Warum sind uns Geld und Konsum so wichtig?

Nicht, weil wir all die Dinge wirklich brauchen, natürlich nicht,
Nicht, weil uns die böse, böse Werbung manipuliert und dazu zwingt,
Nicht, weil wir dazugehören oder besser sein wollen als andere,
Nicht, weil wir uns wertvoller fühlen möchten.

Doch, ja, das vielleicht auch, dahinter steckt allerdings eine andere Antwort:

Weil dieser ebenso erschöpfende wie sinnlose Kampf noch immer leichter zu ertragen ist. Leichter als das, worüber wir nachdenken müssten, würden wir uns nicht permanent mit Geld und Konsum ablenken, sondern anhalten:

Die Zeit verstreicht unwiederbringlich, ohne Gnade.
Und wir gehen auf Alter, Krankheit und Tod zu, ohne Ausweg.
Das ist es, was uns erwartet am Ende.
Uns, und alle, die wir lieben (sofern wir nicht aus Angst vor Abhängigkeit vereinsamt sind).

Keine Anti-Aging-Creme kann das verhindern. Keine Klamotten, die uns jünger aussehen lassen sollen (50-jährige Frauen im knallengen Shirt mit der Aufschrift „Bunny“). Keine schicken Autos, in denen wir uns kräftig und mächtig vorkommen (60-jährige Männer im gelben Porsche). Kein angespartes Vermögen auf dem Konto und kein Konsum immer wieder neuer Produkte können uns retten, kein endloses Begehren und Begehrtwerdenwollen.

Denn zwei Dinge enden eben trotzdem: unsere Gesundheit (oder was davon übrig ist) und unser Leben (oder was davon übrig ist).

Die flache Welt von Arbeiten und Geldausgeben, Arbeiten und Geldausgeben, Arbeiten und Geldausgeben, die verzweifelte Suche nach mehr und nach Neuem halten uns in Bewegung. Umso stärker, als wir auch dort mit Angst konfrontiert sind. Doch ist die Angst vorm Jobverlust und dem Zurückfallen im Wettbewerb eine Ersatzangst. Sie liegt wie ein Blatt Papier über dem tiefen Agrund, den wir trotz aller Versuche nie ganz verdrängen können.

Uns erwarten Alter, Krankheit und Tod.

Dagegen können wir nichts tun. Wofür wir hingegen etwas tun können, ist ein Leben, das wir sinnvoll finden, das uns wirklich entspricht und erfüllt, und das den Gedanken ans Ende erträglicher macht, weil unsere Zeit nicht vergeudet, sondern mit Freude und Liebe gelebt haben.

Tick. Tick. Tick.

P.S.: Ich meine nicht das Geld für die Miete einer ausreichend großen und beheizten Wohnung oder für die notwendige Nahrung auf dem Tisch. Sondern das Geld, von dem wir träumen, Tag und Nacht, das Mehr-Geld und das Viel-mehr-Geld.

P.P.S.: Siehe auch: Warum Du so erschöpft bist (der schmerzhafte wahre Grund)

Photo: Thomas8047