Neu im Podcast von myMONK: Ich schäme mich so. Und folgst Du myMONK schon bei Instagram?

Es folgt ein Gastbeitrag von Norman von Vernünftig leben.

 

Ich mach‘ dich reich, jetzt gleich!

Dieser Beitrag ist dein Sechser im Lotto. Mit Zusatzzahl. Ich werde dir nämlich gleich zeigen, wie du auf der Stelle so reich werden kannst, dass es dir nie wieder an irgendetwas fehlen wird.

Es handelt sich um ein Tauschgeschäft. Ein Tauschgeschäft, bei dem du eines der wertvollsten Güter der Welt erhalten kannst. Wie der Name schon sagt, brauchst du natürlich einen Einsatz für diesen Tausch. Einen Gegenwert, den du anbieten kannst.

Dein Einsatz

In diesem Fall sind es keine materiellen Dinge, die du mir darbieten sollst, sondern deine Meinungen und Ansichten zum „Reich sein“.
Breite sie alle vor dir aus und zeig mir was du hast. Was bedeutet „Reich sein“ für dich?

Bedeutet Reichtum für dich vielleicht…

  • luxoriös zu wohnen?
  • mehr Geld zu haben als du ausgeben kannst?
  • einen tollen Sportwagen oder gleich mehrere zu besitzen?
  • um die Welt zu reisen und Luxusurlaube zu genießen?
  • jeden Tag in den feinsten Restaurants zu speisen?
  • eine Yacht und einen Privatjet zu haben?
  • nicht mehr arbeiten müssen?
  • exzessive Partys zu feiern?
  • shoppen bis die Kreditkarte glüht?
  • X zu haben / auf Y verzichten zu können / Z jeder Zeit tun zu können?

Hast du noch mehr zu bieten? Gut! Je mehr du zum Handeln hast, desto mehr kannst du von mir bekommen.

Dein Lohn

Wie sollen dich nun deine Erwartungen reich machen? Die Antwort ist so einfach wie genial:

Lass deine Erwartungen los und sei mit dem zufrieden, was du hast und wirklich brauchst!

Wahrscheinlich fragst du dich jetzt: „Alles schön und gut, aber was ist, wenn einer nur das Nötigste hat? Wie soll er denn zufrieden sein, wenn er gerade einmal so über die Runden kommt?“

Alles was über das Nötigste hinaus geht ist unnötig.

Alle diese Dinge, die wir für Anzeichen des Reichtums halten sind im Grunde überflüssig. Ich sage nicht, dass du diese Dinge jetzt aufgeben sollst, falls du sie hast und sie nicht genießen darfst. Es ist ok Wohlstand zu genießen, aber du brauchst ihn nicht wirklich zu einem glücklichen Leben. Du kannst ihn ansehen wie Blumen in einem Kornfeld. Der Bauer säte sie nicht, genießt ihren Anblick dennoch, wenn er die Ernte einfährt.

Was du wirklich brauchst ist Sauerstoff, Schlaf, soziale Kontakte, Nahrung und Schutz. Sonst nichts.

Die ersten drei dieser notwendigen Güter sind völlig kostenlos und fast überall auf der Welt zu beziehen.

Das vierte war auch mal weitgehend kostenlos. Aber auch heute lässt sich das wahre Bedürfnis nach Nahrung relativ günstig stillen. Der Körper, wenn er etwas braucht, meldet sich und verlangt zum Beispiel, dass du seinen Hunger stillst. Es ist ihm egal, ob du ihn mit Leckerbissen oder einer einfachen Mahlzeit stillst. Deinem Kopf hingegen ist es nicht egal. Er hat die Meinung, dass dein Essen besonders lecker sein sollte. Ähnlich ist es, wenn der Körper sich mit Durst meldet. Deinem Körper ist es egal, ob er Leitungswasser aus deinen Händen oder kostbares Luxuswasser aus einem Kristallglas bekommt. Du hast evtl. eine andere Meinung.

Das letzte wirklich notwendige Bedürfnis nach Schutz stellt für die meisten Menschen unserer Gesellschaft auch kein Problem dar. Hier genügt prinzipiell eine einfache Kleidung und eine kleine Hütte, die vor Kälte und Unwetter schützt. Auch vor Gefahren durch wilde Tiere oder ähnliches sind wir heute weitgehend sicher.

Was du wirklich im Leben brauchst, findest du also relativ einfach. Verfügst du über diese Dinge, so fehlt dir zu einem glücklichen Leben prinzipiell nichts.

Nun denkst du vielleicht: „Was ist das denn für ein toller Rat? Du versprichst mir Reichtum und zeigst mir Armut?“

„Nicht wer wenig hat, sondern wer viel wünscht, ist arm.“
(Lucius Annaeus Seneca)

Bedeutet im Umkehrschluss, dass derjenige wirklich reich ist, dem nichts fehlt (um glücklich zu sein).

Du hast also stets die Wahl: Willst du viel haben oder genug?

« Wer genug hat, der hat niemals zu wenig.
Wem aber genug zu wenig ist, der hat niemals genug. »

Das muss ich selbst erst einmal setzen lassen. Was heißt das?

Wenn genug zu wenig ist…

Ich habe noch keinen Menschen getroffen, der durch mehr Geld oder mehr Besitz wirklich zufriedener geworden ist. Das Gegenteil ist der Fall.

„Im Leben gibt es zwei Tragödien. Die eine ist die Nichterfüllung eines Herzenswunsches. Die andere ist seine Erfüllung.“
(George Bernard Shaw)

Hier ein paar Gedanken zur „Tragödie der Erfüllung“:

  1.  Derselbe Mensch, dieselben Probleme. Wer nach mehr strebt, setzt Hoffnungen und Erwartungen in die Erfüllung seines Wunsches. „Wenn ich erst einmal einen Ferrari fahre, dann werde ich bedingungslos glücklich sein“. Tritt die Erfüllung dann tastsächlich ein, so entsteht zwangsläufig Enttäuschung. Man fährt einige Wochen mit stolz geschwellter Brust umher und stellt schließlich fest, dass man immer noch der selbe Mensch mit den selben Problemen ist, jetzt eben nur in einem Ferrari sitzend, der ebenso wie ein Alltagswagen getankt, gewaschen und gewartet werden muss. So stellt sich erneut Unzufriedenheit ein und da wir mittlerweile eine Patentlösung zur Beseitigung dieser Unzufriedenheit einwickelt haben, wenden wir sie im selben Moment wieder an: Wir streben erneut nach mehr. „Es muss am Ferrari liegen. Wenn ich erst einmal einen Bugatti fahre…“. So entsteht ein Teufelskreis, der einen unglücklich macht.
  2. Gier und Angst. Wer mehr hat, der stellt fest, dass er (immer) mehr haben kann und will. So steigert sich nicht seine Zufriedenheit, sondern seine Begierde und damit auch die Angst sein „mehr“ wieder zu verlieren. Wie kommt es wohl, dass so viele wohlhabende Menschen Steuern hinterziehen? Gerade ihnen könnte es egal sein, sie haben ja nach dem Abzug sowieso noch mehr als sie ausgeben können. Diese Menschen besitzen ihr Vermögen nicht wirklich, sie werden von ihm besessen (so wie du sagst „ich habe Fieber“, wenn das Fieber eigentlich dich in seiner Gewalt hat).
  3. Qual der Wahl. Mehr zu haben bedeutet auch mehr Auswahl zu haben. Aus zu vielen Optionen zu wählen bedeutet gleichzeitig viele Optionen ungenutzt zu lassen. Diese „Unbefriedigung“ macht unglücklich. Du bist beispielsweise zufriedener mit deinem Eis, wenn du es in einer Eisdiele kaufst, in der es nur 10 verschiedene Sorten gibt, als wenn du es in einer holst, die dir 100 Sorten anbietet. So geht es nicht nur mit Kaufoptionen, sondern auch mit Aktivitätsoptionen, von denen wohlhabende Menschen ebenfalls mehr haben.

„Besser leben jene, welche das Glück noch nie besucht hat“
(Lucius Annaeus Seneca)

Aber auch die Nichterfüllung führt uns nicht zum glücklichen und zufriedenen Leben, denn wenn wir keinen Ferrari bekommen, ihn aber dennoch ersehnen, sind wir ebenfalls zwangsläufig unzufrieden.
An welcher Stelle lässt sich dieses Problem nun anpacken und lösen?

Die Lösung…

…ist das Problem. Wir können feststellen, dass das Problem der Unzufriedenheit nicht durch unsere Standardlösung – die Erfüllung eines Wunsches – beseitigt wird. Nun könnte man also sagen, dass diese „Lösung“ der falsche Weg ist. Ich gehe einen Schritt weiter und behaupte, dass unsere gängige „Lösung“ das eigentliche Problem ist.

« Unzufriedenheit entsteht nicht durch äußere Umstände, sondern durch unsere Erwartungen an sie. »

Dein ganzes Glück beruht letztlich auf dieser einfachen Erkenntnis, von der ich momentan immer mehr realisiere, wie sehr sie auf alle verschiedenen Lebensbereiche zutrifft. Schon in vielen Kulturen und zu den verschiedensten Zeiten haben Menschen diese Erkenntnis gewonnen und für die Nachwelt festgehalten:

Im Buddhismus ist es das elementare Prinzip des „Loslassens“ (Erwartungen, Begierden, Ängste, das Vergängliche…schließlich das eigene Ego), das eine unumgängliche Station auf dem Weg zur Erleuchtung darstellt.

„Der Ursprung all unserer Probleme ist unser Unvermögen loslassen zu können.“
(Aus dem Buddhismus)

In ähnlicher Form aus Indien:

„Der Ursprung allen menschlichen Leidens ist der qualvolle Unterschied zwischen der Welt wie sie ist und der Welt wie sie sein sollte.“
(Aus der indischen Weisheitslehre)

Im Christentum geht es ebenfalls darum sich selbst loszulassen um Raum für Christus zu schaffen:

„Ich muss abnehmen, Er muss wachsen.“
(Johannes der Täufer)

In der Psychologie spricht man vom „Konstruktivismus“ als einem Phänomen, bei dem sich der Verstand seine eigene Wirklichkeit schafft.

„Der Mensch findet zuletzt in den Dingen nichts wieder, als was er selbst in sie hineingesteckt hat.“
(Friedrich Nietzsche)

In der abendländischen Philosophie haben es viele, und als einer der ersten Epiktet, folgendermaßen formuliert:

„Nicht die Dinge selbst, sondern die Meinungen von den Dingen beunruhigen die Menschen.“

Schließlich haben es auch Dichter und Denker erkannt und zum Beispiel folgendermaßen für uns verpackt:

„Ich sag‘ es dir: ein Kerl, der spekuliert,
Ist wie ein Tier auf dürrer Heide
Von einem bösen Geist im Kreis herumgeführt,
Und rings umher liegt schöne grüne Weide.“
(Johann Wolfgang von Goethe)

Dies stellt nur eine kleine Auswahl davon dar, wie oft dieses mächtige Geheimnis bereits gelüftet wurde. Trotz seiner scheinbaren Popularität, wird es von den wenigsten Menschen wirklich beherzigt. Warum?

Eine hauptsächliche Ursache dafür ist wohl, dass wir unser eigenes Leben am Beispiel anderer ausrichten. Heute mehr als jemals zuvor, bekommen wir ständig über die Medien mitgeteilt, was wir besitzen müssen, wo wir sein müssen oder wie wir sein müssen. Wir vergleichen uns andauernd mit unserem Umfeld und folgen den ausgetretenen Wegen, die alle gehen – nicht unserem eigenen. Dieser wäre vielleicht dem ersten Anschein nach etwas unbequemer, würde uns aber dafür den Ausblick auf bislang verborgene Schönheiten und Schätze frei geben.

Ein weiterer Grund für die Nichtanwendung dieser Erkenntnis ist – neben der Unbequemlichkeit – die Verantwortung, die man übernehmen muss. Wenn man sich nämlich dafür entscheidet jeder Zeit selbst „seines Glückes Schmied“ zu sein, ist man auch jedes Mal selbst daran Schuld, wenn man nicht im Glück schwelgt. Die Tatsache, dass man nicht dauerhaft glücklich und zufrieden ist, ist natürlich in Ordnung. Man kann allerdings nun keinem äußeren Umstand mehr die dafür Schuld geben.

Du selbst entscheidest ob du arm bist oder reich

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Du hast die Wahl:

  1. Du kannst weiterhin der Menge auf ihren ausgetretenen Wegen folgen und die Verantwortung über dein Glück in Form von Erwartungen an deine Umwelt abgeben. Hier hast du die Vorteile eines bequemen und bekannten Weges und, dass du die Schuld abgeben kannst.
  2. Du kannst dich dafür entscheiden umzukehren, deine Erwartungen loszulassen und augenblicklich reich zu sein und genug zu haben. Deine Vorteile sind die selbst geschaffene Zufriedenheit, die dir niemand nehmen kann und die unbegrenzte Freiheit dein Glück jeder Zeit da zu finden, wo du gerade bist.

Welchen Weg wählst du?

 

Text von und herzlichen Dank an:

Norman Brenner

Norman ist Gründer der Seite vomLeben.de. Er behandelt dort die kleinen und großen Probleme im Leben und liefert dir praktische Erkenntnisse und klare Antworten.

vernuenftig-leben.de

Photo (oben): scott feldstein   Illustration: Norman Brenner