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Für diese Geschichte geht mein Dank an die Leserin Anneke, sie hat sie mir geschickt.

Es war einmal ein Mann, der hatte vier Söhne. Er wollte, dass seine Söhne lernen, nicht allzu schnell zu urteilen. Darum sandte er sie alle vier mit einer Aufgabe hinaus. Sie sollten sich einen weit entfernten Birnbaum anschauen.

Der erste Sohn ging im Winter hin, der zweite im Frühling, der dritte im Sommer und der jüngste Sohn im Herbst.

Als sie alle zurückgekommen waren, rief der Vater sie zusammen und bat sie, zu beschreiben, was sie gesehen hatten.

Der erste Sohn sagte: “Der Baum war kahl und hässlich, gebeugt und krumm.“ Der zweite Sohn sagte: „Nein, er war bedeckt mit frischen, grünen Blättern und viel versprechenden Blüten.“

Der dritte Sohn war nicht einverstanden. Er sagte: „Nein, der Baum war mit Blüten übersät, die so süß rochen und so wunderschön aussahen, dass es das Gewaltigste war, was ich je gesehen habe.“

Der letzte Sohn konnte dem allen nicht zustimmen. Er sagte: „Nein, er war voll beladen mit reifen Früchten, voller Leben und Erfüllung.“

Der Vater erklärte seinen Söhnen daraufhin, dass sie alle Recht hätten, weil jeder von ihnen nur eine Saison im Leben des Baumes gesehen habe.

Er sagte: “Ihr dürft keinen Baum oder eine Person nur aufgrund einer einzigen Saison beurteilen und meinen, diese Saison würde euch schon alles über den Baum oder die Person verraten. Denn ihr eigentliches Wesen kann man erst am Ende ermessen, wenn alle Jahreszeiten gelaufen sind.

Wenn du im Winter schon aufgibst, verpasst du die Verheißung deines Frühlings, die Schönheit deines Sommers und die Erfüllung und Ernte deines Herbstes. Lasse nicht zu, dass der Schmerz einer einzigen Saison die Freude des ganzen Restes zerstört.

Verfasser/in: unbekannt

 

Photo: Nezih Durmazlar