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Gloria Fleischmann von Radiant Health (übersetzt ,,strahlende Gesundheit”) ist Yogalehrerin und verfolgt derzeit ein besonders spannendes Projekt, bei dem Menschen mit und Menschen ohne körperliche oder geistige Beeinträchtigung gemeinsam üben – das sogenannte „Setukara-Yoga“. Wie dabei alle Beteiligten gewinnen berichtet Gloria im myMONK-Interview.

Liebe Gloria, es freut mich sehr, dass ich Dich für das Interview gewinnen konnte! Wie geht’s Dir jetzt gerade, in diesem Moment?

Nun, im Moment fühle ich mich gut geerdet, ganz bei mir und voller schöner Eindrücke, die ich bei den diesjährigen Setukara Yogatagen in Niederösterreich, die erst vor wenigen Tagen zu Ende gegangen sind, mit ganz vielen lieben Menschen sammeln durfte. Vielleicht mag das Gefühl des geerdet Seins, des in seiner Mitte Ruhens auch mit dem Elefantengott Ganesha zu tun haben, mit dessen Qualitäten wir uns während dieser Tage so ausführlich beschäftigt haben. Er ist ja auch der Qualität des Muladhara Chakra (Wurzelchakra) zugeordnet, das für Lebenskraft, Urvertrauen, Sicherheit und Geborgenheit steht. ☺

Wie kamst Du zum Yoga – und wie war Deine erste Yogastunde?

Puh, das ist gar keine so einfach zu beantwortende Frage. Ich denke, das ist eine Frage der Definition. Wenn wir Yoga als eine Philosophie, als eine Lebenseinstellung betrachten, dann müsste meine Antwort lauten, dass ich schon sehr früh Yoga praktiziert habe und zwar als Kind, weil ich da voll und ganz im jeweiligen Moment gelebt habe. Deshalb zähle ich Kinder auch zu meinen größten Lehrern. Sie sind noch vollkommen frei von Konditionierungen und mentalen Zwängen. Ihr Zustand ist das, was wir durch Yoga wieder erreichen wollen. Kleinkindern zuzusehen, wie sie absolut im jeweiligen Moment verweilen, mit welcher uneingeschränkten Freude und schlichtem Glücksgefühl sie ihre Umwelt erleben, mit welcher Hingabe und Vertiefung sie sich einer Sache, einem Spiel widmen können – das sind alles gelebte yogische Ziele. Sehen wir Yoga hingegen nur als eine rein sportliche Übung, dann müsste meine Antwort auf deine Frage ganz anders lauten. Vor Jahren hatte ich mit einer ernsthaften chronischen Krankheit , der Endometriose, zu kämpfen und meine Ärztin riet mir neben der damaligen hormonellen Behandlung zu verschiedenen mentalen Methoden wie Qigong, Meditation und Yoga. Ich stand unter großem Druck und hatte ständig Stress. Nach meiner ersten Yogastunde, schwebte ich schließlich wie auf Wolke 7 nach Hause. Seitdem kann ich mir mein Leben ohne Yoga nicht mehr vorstellen. Obwohl ich anfangs nur den körperlichen Zugang zum Yoga hatte, hat er mir geholfen meine chronische Krankheit zu überwinden und gibt mir in meinem Leben die Kraft und Ausgeglichenheit, die ich brauche um bei mir selbst zu bleiben. Ich bin gelassener, ausgeglichen und spüre eine ungeheure Energie in mir, eine enorme Lebenslust, die mich so vieles meistern lässt.

Hast Du heute eine andere Einstellung zum Yoga als zu Beginn Deiner Praxis?

Auch für mich war Yoga anfangs rein auf eine körperliche Ebene beschränkt. Durch meine Ausbildung in einem Sivananda Ashram und die intensiven Yogaerfahrungen während meiner Reisen, aber auch dem intensivem Studium der Yogaschriften wie dem Yogasutra, der Bhagavad Gita, den Uphanishaden, Büchern von Sri Tirumalai Krishnamacharya, T.K.V. Desikachar, K. Pattabhi Jois, B.K.S. Iyengar, Mark Whitwell, Krishnamurti und Deepak Chopra, und meiner eigenen intensiven Praxis, habe ich Yoga als Philosophie, als meinen Lebensweg erkannt. Für mich ist Yoga ein Weg sich selber kennenzulernen. Es ist die tägliche Auseinandersetzung  mit vermeintlichen Limitierungen, und ein Lernprozess diese scheinbaren Grenzen zu überwinden. Das reicht dann vom Versuch seine eigenen mentalen Einschränkungen und Konditionierungen zu lösen bis hin zu einer philosophisch, spirituellen Praxis: zu erfahren, wer man ist und dass dieses Ich in Einheit mit dem großen Ganzen steht. Ich praktiziere Yoga, weil es mich auf dem Weg zu mir selbst auf allen Ebenen voran bringt: ich kann mich regenerieren, Kraft aufbauen, mich öffnen, loslassen und zur Ruhe kommen – körperlich genauso wie mental. Yoga eröffnet mir eine ganz  bestimmte Art und Weise, wie ich das Leben sehe und lebe, wie ich mit mir, meinen Gedanken und Gefühlen umgehe, wie ich meine Beziehungen zu anderen Menschen, meine Ernährung und meinen Umgang mit diesem Planeten gestalte.
Ich unterrichte einen ganzheitlichen Yoga, das heißt Yoga, das weit über die Körperübungen (Asanas) hinausgeht. Ich lasse unterschiedliche Yogastile wie das Ashtanga Yoga, Jivamukti Yoga und Vinyasa Flow Yoga in meine Stunden fließen. Mein Schwerpunkt liegt dabei auf einer ganzheitlichen Vermittlung von Yoga, die unter anderem Pranayama, Bhakti Yoga, Mantrenrezitation und Meditationsübungen beinhaltet.

(Wie) hat Yoga Dein Leben verändert?

Der Yoga hat vor allem zur Zeit meiner Ausbildung zur Yogalehrerin mein Leben umfassend verändert. Ich bin in der Sivananda Tradition ausgebildet und habe diese ganzheitliche, integrale Yogaschule gewählt, weil sie eine tiefe, intensive Yogaerfahrung ermöglicht. Es war eine ganz bewusste Entscheidung mich zur Yogalehrerin ausbilden zu lassen. Ich hatte mir damals die Frage gestellt: „Was willst du eigentlich von deinem Leben?“. Nach zwei Studien und einem fordernden Nebenjob fühlte ich mich irgendwie ausgepowert und irgendwann stand für mich fest, um was es mir im Leben geht: nicht Geld, Macht und Prestige, sondern Freude, Harmonie, Zeit für sich und andere Menschen. Da ich gerne mit Menschen bin und mir das Yoga jeden Tag so viel bringt, wollte ich diesen Schatz einfach mit anderen Menschen teilen und an sie weitergeben. Meinen ersten Job als Yogalehrerin hatte ich dann schon bevor ich noch die Ausbildung angefangen hatte. Seither bewegt sich so viel auf mich zu, ohne dass ich mich auf die Suche danach machen müsste oder gar Anstrengungen dafür aufwenden müsste. Das ist auch Yoga – wenn das was du wirklich willst, ständig im Fluss ist und sich auf dich zubewegt, du es quasi anziehst.

Magst Du uns erklären, was Setukara-Yoga ist und was es so besonders wertvoll für alle Beteiligten macht?

Das Setukara Yoga ist aus dem Bedürfnis heraus entstanden, Menschen aus ihrer Vereinzelung herauszuholen und wieder näher zueinander zu bringen. Vor allem Menschen mit Behinderung, ob körperlich oder mental, sind an den Rand unserer Gesellschaft gedrängt, oftmals allein und erfahren so nicht die ihnen gebührende Aufmerksamkeit und Achtung. Aber auch der Manager oder kreative Werbefachmann ist aufgrund der zunehmenden Anforderungen in einer sich immer schneller drehenden Welt oftmals allein und seine Sehnsucht nach Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit bleibt unerfüllt. Yoga ist ein wunderbares Mittel um diesen Menschen wieder Raum für sich zu geben, aber auch Begegnungen mit anderen Menschen zu schaffen, nach denen wir uns sehnen und die uns auf allen Ebenen bereichern.

„Setukara“ ist ein Sanskritwort und meint, das „Bauen von Brücken“. Es ist ein Yogastil der Brücken zwischen Menschen schafft, da er unterschiedliche Menschen zueinander führt. Setukara-Yoga folgt dem Inklusionsgedanken, der eine gemeinsame, nicht ausgrenzende und separierende Kultur anstrebt, in dem Heterogenität als Bereicherung gesehen wird und alle Menschen, gleich ob mit oder ohne körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung voneinander profitieren. Es führt Menschen in ihrer Einmaligkeit zueinander und eröffnet zugleich einen Weg zu einem selbst. Der Fokus liegt dabei auf dem Miteinander, in dem menschliche Verschiedenheit angenommen und wertgeschätzt wird. Zugleich werden körperliche Übungen (Asanas), Meditation (Dhyana), Konzentration (Dharana), Atem-Energiekontrolle (Pranayama) und Entspannung als ganzheitlicher Yogaweg gelebt. Besonders am Setukara Yoga ist auch, dass die Asanas auf die individuellen Bedürfnisse der Schüler und Schülerinnen angepasst werden, was auch ein ganz wichtiger Aspekt beim Yoga ist und in der Tradition von Krishnamacharya  steht.

Es war aber auch ein besonders Anliegen, vor allem Menschen mit mentaler Beeinträchtigung Yoga in dieser Form anbieten zu können. In der Yogaszene ist es zwar immer noch eine Besonderheit Yoga für Menschen mit Behinderung anzubieten, aber immerhin gibt es schon vereinzelt Lehrer, die solche Kurse anbieten. Leider sind diese Kurse dann wieder nur für eine bestimmte Gruppe, meist nur für Menschen mit körperlicher Behinderung und so bleiben sie wieder vom Rest der Gesellschaft getrennt. Für Menschen mit mentaler Behinderung sind solche Kurse noch seltener und es gibt bisher kein Angebot, das in dieser Weise, wie es durch Setukara Yoga möglich ist, Menschen mit mentaler, körperlicher und ohne Behinderung einen Raum bietet, gemeinsam Yoga zu praktizieren.

Viele meiner Schüler und Schülerinnen profitieren von dieser Form des Yoga, etwa wenn sie erkennen, dass man nirgendwo hin muss, dass man nicht irgendwas bestimmtes erreichen muss, sondern dass immer schon alles da ist und dass im Loslassen können von Leistungsdruck und Perfektionismus, dem funktionieren müssen, wir alle miteinander verbunden sind und gut sind, so wie wir sind. Es ist schön zu erleben, wie Menschen gerade durch den Kontakt mit Menschen mit Behinderung, durch deren Offenheit und Aufrichtigkeit, mit sich selbst mehr ins Reine kommen. Und es ist schön zu sehen, wie Menschen freier und freier werden. Neben dem wöchentlich stattfindenden Kurs, bei dem seit Monaten mehr und mehr Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zueinander finden, veranstalte ich auch die Setukara Yogatage.

Alle TeilnehmerInnen haben erzählt, dass diese intensive Zeit des Yoga in Gemeinschaft sie erfüllt und bereichert hat, weil sie hier so viel Offenheit, zwischenmenschliche Wärme und Respekt für ihr Sein erfahren haben und dass sie mit dem wunderbaren Gefühl nach Hause gegangen sind, ein ganz großes Geschenk für ihr Leben bekommen zu haben und dass sie weitermachen werden, weil Setukara Yoga ihre Sicht auf die Welt grundlegend verändert hat. Sie erleben es als etwas ganz besonderes, dass wir zu zweit unterrichten. Wichtig ist, dass während die eine ansagt, die andere stets zur Stelle ist, um konkret Hilfestellung anzubieten und behutsam zu korrigieren. Da wir alle Übungen an die jeweiligen Voraussetzungen unserer Schüler und Schülerinnen anpassen und in eher kleineren Gruppen arbeiten, erfährt jeder Einzelne volle Aufmerksamkeit und kann in seinem momentanen Bewegungsrahmen die Übungen mitmachen. Besonderes Augenmerk legen wir beim Setukara Yoga auch auf Meditation und Atemübungen, da gerade Menschen mit körperlicher Behinderung in der Regel ein viel zu kleines Lungenvolumen haben und es mit  gezieltem Pranayama (Atemübungen) vergrößert werden kann. Das ist besonders wichtig, wenn man bedenkt, dass der Mensch durch bessere Sauerstoffversorgung seinem gesamten Organismus und besonders den inneren Organen Gutes tut. Neben der körperlichen Ebene kommt im Setukara Yoga vor allem der psychischen und spirituellen Ebene besondere Bedeutung zu. Und das schätzen die Yogaschüler und Schülerinnen. Wenn wir etwa mit Mudras (Handhaltungen) , Chakren (Energiezentren) oder der Tiefenentspannung arbeiten, dann tauchen die Schüler und Schülerinnen erst tief ins Yoga ein.

Viele von ihnen haben zum ersten Mal an einem Satsang teilgenommen, wo wir meditieren, Kirtan singen und über Patanjali sprechen und wo ein Austausch darüber stattfindet, wie man glücklicher und zufriedener leben kann. Und ganz viele erzählen, dass sich ihr Leben dadurch so positiv verändert, weil sie einfach mit sich und der Welt in Verbindung kommen. Yoga an sich verändert einen ja nicht wirklich, er bringt dich nur einfach wieder mehr zu dir. Das Schöne daran ist, dass wir Konditionierungen und Erwartungen durch Yoga ablegen können und so freier werden. Wenn wir aufhören, auf die Unterschiede zu schauen, und viel mehr darauf achten, wo unsere Gemeinsamkeiten sind, spüren wir die Verbundenheit. Das ist Yoga.

Was ich abschließend noch sagen will ist, dass wir gerade dabei sind, eine eigene Webseite für das bisher österreich- und deutschlandweit einzigartige Setukara Yoga aufzubauen und wir uns über jede helfende Hand und finanzielle Unterstützung freuen. Und natürlich auch auf noch mehr Menschen, die diese wunderbare Erkenntnis durch Yoga auch erfahren möchten.

Neben dem Setukara-Yoga bietest Du weitere Kurse an, zum Beispiel das „NUAD“, das passive Yoga, bei dem der Behandelte sanft in verschiedene Yoga-Stellungen bewegt wird. Wann ist NUAD besonders sinnvoll und hilfreich?

Nuad (passives Yoga oder Thai Yoga Massage) ist eine 2.500 Jahre alte energetische Körperarbeit, die der Energiebalancierung von Körper, Seele und Geist dient. Nuad vereint eine Reihe unterschiedlicher bewährter Heilmethoden, wie Yoga, Akupressur, Reflexzonenmassage, Atemtechnik, Meditation und ayurvedisches Wissen. Es zeichnet sich aber vor allem durch einen achtsamen Umgang mit dem Klienten aus, da es auf Nächstenliebe und Meditation aufbaut. Während einer Nuad-Sitzung wird der Körper behutsam in unterschiedliche Yoga-Positionen gebracht, die den gesamten Körper dehnen und kräftigen. Dabei arbeite ich mit sanften Druck der Handflächen, Daumen, Ellebogen und Füßen. Dieses passive Körpertraining zeichnet sich durch fließende, am Atem orientierten Bewegungen aus, die der Gelenksöffnung, Muskeldehnung und Durchblutung der Gewebe dienen. Durch die Aktivierung der körpereigenen Energielinien (Nadis) und Energiezentren (Chakren) lösen sich innere Anspannung und körperliche Verspannungen, sodass eine energetische Ausgewogenheit entsteht.  Es löst unter anderem müde und schmerzende Muskeln, reduziert inneren Stress und körperliche Verspannungen, lindert Rückenschmerzen und verbessert die körperliche Beweglichkeit. In eigener Praxis biete ich Nuad für Einzelpersonen an und leite immer wieder Workshops in denen man die grundlegende Technik der Thai Yoga Massage erlernen kann.

Wo finden Deine Kurse statt – und wie können interessierte Leser am besten mit Dir in Kontakt treten?

Im Moment unterrichte ich im Ooom Studio in Wien, im 2ten Bezirk, der Leopoldstadt. Neben meinen Hatha Yoga Stunden BASICS (Anfänger) und BALANCE (Mittelstufe/Fortgeschrittene) unterrichte ich auch den bisher in Österreich und Deutschland einzigartigen Yogastil des „Setukara Yoga“ für Menschen mit und ohne mentaler, wie körperlicher Beeinträchtigung. Neben meinen Yogastunden im Yogastudio unterrichte ich auch Hatha Yoga in Unternehmen zur Gesunderhaltung der Mitarbeiter am Arbeitsplatz und biete Nuad (Thai Yoga Körperarbeit) in eigener Praxis an. Alle Infos zu aktuellen Stunden, Workshops und Retreats findet ihr unter www.radiant-health.at. Auf Facebook findet ihr mich hier. Für mehr Infos oder persönlichen Kontakt können mir interessierte Leser und Leserinnen auch gerne persönlich schreiben: gloria@radiant-health.at.

Vielen Dank für das Interview, Gloria!

 

Photo: dMap Travel Guide