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Tausende von Kontakten, aber kaum einer geht wirklich noch unter die Haut. Die Welt ist oberflächlich und die meisten Gespräche und Beziehungen sind es auch, kratzen höchstens an der Oberfläche, und selbst diese Kratzer polieren wir hinterher schnell wieder weg.

Wie können wir uns da näher kommen?

Bei Oliver Emberton hab ich von einer kleinen Übung gelesen. Einem Spiel, das uns jedem Fremden in kürzester Zeit verbinden kann, eine Brücke bauen kann zwischen zwei Köpfen und zwei Herzen. Es deckt manchmal Unglaubliches auf über die Spieler, schockt manchmal, rührt zu Tränen manchmal. Und kann der Grundstein für eine tiefe Freundschaft sein.

Das Spiel gibt es in verschiedenen Formen seit Jahrausenden. Es hat zwei Teile. Im ersten geben wir dem Anderen eine Anweisung. Im zweiten Teil lassen wir den Vorhang fallen und decken auf, was das alles soll und bedeutet.

Du kannst das Spiel auch allein spielen, mit Dir selbst. Aber nur ein einziges Mal. Ernsthaft. Na, Du wirst schon sehen.

Wichtig: Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten.

Bereit?

Teil 1: Die Anweisung

Stell Dir eine Wüste vor. Bis zum Horizont, in alle Richtungen, alles Wüste.

1. In dieser Wüste ist ein Würfel. Beschreib ihn. Wie sieht er aus? Wie groß ist er? Woraus besteht er, wo genau steht er? Konzentriere Dich auf die Details.

2. Während Du auf die Wüste und den Würfel schaust, bemerkst Du, dass da auch eine Leiter ist. Beschreib sie. Woraus besteht sie, wie groß ist sie, wo genau ist sie in Bezug auf den Würfel?

3. Außerdem ist nun ein Pferd in dieser Szene. Beschreib es, am wichtigsten: Wo ist das Pferd? Was tut es? Wenn es irgendwohin geht, wohin geht es?

4. Da sind jetzt auch Blumen. Beschreib sie. Wie viele gibt es, wie sehen sie aus? Wo stehen sie, bezogen auf Würfel, Leiter und Pferd?

5. Jetzt zieht ein Sturm auf. Beschreib ihn. Was für eine Art Sturm ist es? Ist er nah oder weit weg? Wohin zieht er? Beeinflusst er Würfel, Leiter, Pferd und/oder Blumen?

Teil 2: Die Auswertung

So, der Vorhang fällt.

Alles, was wir in dieser Szene sehen, sind Projektionen, wir projezieren unsere Identität und unser Leben in diese Vorstellungen, in diese Symbole.

1. Der Würfel bist Du.

Seine Größe steht für Dein Selbstbewusstsein. Großer Würfel, sehr selbstbewusst. Kleiner Würfel, weniger selbstbewusst.

Steht er fest auf dem Boden, bist Du eher bodenständig. Fliegt er in den Wolken, bist Du eher ein Denker oder Träumer.

Ist der Würfel transparent, bist Du eher offen. Ist er undurchsichtig und fest, dann eher verschlossen. Glüht er, bist Du besonders energisch und positiv, willst Menschen in Deiner Umgebung inspirieren. Ist er aus Granit, bist Du eher ein Beschützer und widerstandsfähig.

2. Die Leiter spiegelt Deine Freunde wider.

Lehnen sie sich an den den Würfel, sind Deine Freunde Dir sehr nah und abhängig von Dir (etwas, das in jeder tieferen Beziehung zwangsläufig passiert). Oder liegt die Leiter ungeliebt im Sand? Wie groß ist sie, wie robust, ist sie vielleicht sogar kaputt?

3. Das Pferd ist Dein Partner.

Es zeigt, wonach Du Dich in einer Beziehung sehnst. Manche Menschen sehen ein zuverlässiges Arbeitspferd, andere ein leuchtendes Eihorn.

Je weiter das Pferd vom Würfel entfernt ist, desto wichtiger ist Dir Distanz. Entfernt es sich immer weiter vom Würfel, kann das Deine aktuelle Beziehung widerspiegeln. Leckt das Pferd den Würfel vielleicht liebevoll ab? Oder reißt es mit seinen Zähnen ein Stück heraus?

4. Die Blumen stehen für Kinder.

Die Anzahl steht dafür, ob Du Dir viele Kinder wünschst. Manche sehen nur eine einzelne Blume, für andere wachsen die Pflanzen um den ganzen Würfel herum oder über ihn drüber.

Der Rest kann auch etwas aussagen über die Kinder, die man schon hat: Blühen sie auf, selbstständig und prächtig, oder sind sie kurz vorm Verdursten, müssen wir uns viel um sie kümmern?

Auch die Nähe oder Distanz zum Würfel (zu Dir) sagt etwas aus. Und einige sehen, wie das Pferd die Blumen frisst. Eher beunruhigend.

5. Der Sturm ist eine Bedrohung.

Je stärker er ist und je näher er kommt, desto bedrohter fühlst Du Dich im Leben. Während manche sehen, wie der Sturm in einiger Entfernung lustig mit dem Wüstensand spielt und vorbeizieht, ist er für andere ganz nah, taucht die gesamte Szenerie in apokalyptisches Licht, eine echte Gefahr für Pferd und Blumen und Würfel.  Menschen mit alten Traumata sehen letztere Variante sehr viel häufiger.

Das muss alles nicht stimmen, aber …

Wissenschaftspreise wird dieses Spiel vielleicht nicht gewinnen. Aber als ich die Übung gemacht habe, mit mir allein natürlich, traf die Interpretation in sehr vielen Punkten zu. Der Autor schreibt, seiner jahrelangen Erfahrungen nach trifft sie bei vielen Leuten ziemlich ins Schwarze.

Und selbst wenn das alles nur Unsinn ist: Mit der Übung tauschen wir uns mit einem bis dahin Fremden über die Bedürfnisse und Sehnsüchte, über Beziehungen und Kinder und Ängste. Auf eine spielerische, interessante Weise, und ohne ihm mit bitterem Ernst auf die Pelle zu rücken oder Füße zu treten.

 

Siehe auch Die 36 Fragen, die zum Verliebe führen und Die 6 Small-Talk-Sünden – Diese Fragen solltest Du nie stellen.

 

Photo: Gabriel Cabral