Neu im Podcast von myMONK: Ich schäme mich so. Und folgst Du myMONK schon bei Instagram?

„Jeder Mensch hat seine eigene Hölle: Meine befindet sich direkt hinter meiner ramponierten Visage“

… schrieb der Dichter Charles Bukowski. Und meint damit natürlich die Hölle, die die eigenen Gedanken erschaffen.

Die ewigen Sorgen, die nie enden wollenden Zweifel und Ängste, die Verzweiflung und die Wände, die in diesen Tagen oder Nächten immer näher zu kommen scheinen.

Die Gedanken werden so groß und so ernst und so nah für uns, füllen uns ganz aus, bis alles von hellgrau zu dunkelgrau zu tiefschwarz wird und kein Funken Licht übrig bleibt.

Was dann helfen kann ist eine Erkenntnis, von der Michael A. Singer in „The Untethered Soul“ schreibt:

Du bist nicht die Stimme in Deinem Kopf – Du bist der, der sie hört.

Dass Du sie hörst, heißt, dass Du nicht die Stimme selbst sein kannst. Du bist etwas anderes. Du bist der, der sie wahrnimmt.

Oder, in Buddhas Worten: Du bist der Himmel, nicht die Wolken. Die Wolken ziehen auf und vorbei, doch der Himmel ist immer derselbe und immer unbeeinträchtigt.

Das mag banal klingen, ist jedoch eine wirklich große Sache.

Denn wenn wir uns das klar machen, befreien wir uns – genau genommen nicht von den Gedanken, sondern inmitten der Gedanken (so nennt es der buddhistische Psychotherapeut Dr. Ennenbach).

Wir identifizieren uns nicht mehr so mit dieser Stimme, mit diesen Gedanken. Wir treten einen großen Schritt zurück, lehnen uns zurück, beobachten das Theater, das da aufgeführt wird, aus der sicheren Distanz.

Das Problem sind schließlich nie die Gedanken an sich, sondern dass wir ihnen glauben oder gegen sie anzukämpfen versuchen, uns in ihnen verstricken, uns mit ihnen verwechseln.

Auch nach der Erkenntnis sind die Gedanken noch da, aber sie verlieren ihre Macht über uns, nach und nach.

Wir können lernen, interessierter am Beobachten der Gedanken zu sein als an den Gedanken selbst.

Wir können anhalten, wenn uns einer von ihnen quält, und uns daran erinnern:

Ich bin nicht dieser Gedanke. Ich bin der, der ihn hört.

Auf diese Weise werden wir weder von ihm verschlungen, noch müssen wir gegen ihn ankämpfen. Wir können offen sein wie der Himmel, den Gedanken geschehen und vorbeiziehen lassen.

P.S.: Obwohl dieses Innehalten nur eine Minute dauert, ist es wohl eine echte Lebensaufgabe; etwas, das wir wieder und wieder üben dürfen. Mehr dazu im myMONK-Buch Wie man Sorgen, Stress und Selbstzweifel loslässt sowie unter Von Leid befreien mit einer einfachen Frage.

Photo: Thomas Leuthard