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Diese Geschichte handelt von einem, dessen Namen Du vermutlich noch nie gehört hast. Der aber Berge versetzt hat, gewissermaßen.

Dashrath Manjhi lebt mit seiner Frau Falguni in einem abgelegenen Dorf in der Provinz in Indien in sehr armen Verhältnissen, sie gehören der niedrigsten Kaste an.

Er kennt Falguni schon seit Kindertagen, weil er aber so arm und ohne Arbeit ist, verweigert ihr Vater die Hochzeit lange Zeit. Nach einigen Jahren gelingt es ihm aber, seine große Liebe endlich zu heiraten. Die beiden sind sehr glücklich miteinander, sie haben nicht viel, aber sie brauchen auch nicht viel, weil sie sich haben

Eines Tages im Jahr 1960 macht sich seine hochschwangere Frau mal wieder auf den Weg, ihm sein Mittagessen zu den Feldern zu bringen, auf denen er schuftet.

Sie muss dazu über einen Berg klettern in der größten Hitze, als etwas Dramatisches passiert: Falguni rutscht mit einem Fuß aus und stürzt den Berg hinunter.

Ihr hungriger Mann wartet auf seine Frau und macht sich immer mehr Sorgen. Da bekommt er die Nachricht vom Unfall seiner Frau. Er rennt los, findet sie blutüberströmt und bringt sie zum nächstgelegenen Krankenhaus.

Das Problem ist: Das Krankenhaus ist zwar nicht weit entfernt, liegt aber jedoch einem Berg, den man nicht überwinden konnte. So werden aus einer kurzen Strecke 70 Kilometer.

Als sie ankommen, nach viel zu langer Zeit, erklären die Ärzte die Frau kurz darauf für tot, das Kind können sie noch gesund zur Welt bringen.

Das Herz von Dashrath ist gebrochen. Er liebt seine Frau mehr als alles andere auf der Welt und verflucht diesen verdammten Berg, der seiner Falguni das Leben gekostet hat. Er schwört sich, sich an ihm zu rechen und gleichzeitig anderen aus seinem entlegenen Dorf ein solches Schicksal zu ersparen.

Im Andenken an seine Frau nimmt er einen Hammer, eine Brechstange und ein Meißel und macht sich an seine unmögliche Mission. Er will einen Weg durch den Felsen bahnen.

Die Dorfbewohner und sogar sein eigener Vater halten ihn für verrückt. Erst wollen sie ihn abhalten, als das nicht gelingt, beginnen sie, sich lustig über ihn zu machen. Ebenso wie die Journalisten, als sie von der Geschichte hören und ihn interviewen.

Aber Dashrath lässt sich nicht abbringen, geht jeden Tag zum Berg mit seinem bisschen Werkzeug.

Nach ein paar Jahren kommt eine große Trockenperiode über die Region und sein Vater will ihn überzeugen, wenigstens jetzt endlich aufzuhören in eine Stadt zu ziehen, um dort Arbeit zu finden und seine Familie zu ernähren. „Was hast Du denn schon geschafft in all den Jahren, Du mit Deinem Berg?“

Aber Dashrath bleibt dran, bleibt beim Berg. Weil es kein Wasser und kein Essen gab, muss er schmutziges Wasser trinken und Blätter essen.

Mittlerweile haben wir schon 1975, 15 Jahre sind seit dem Unfall vergangen, als er die Einsicht hat, dass er allein es nicht schaffen kann. Also will er die Regierung um Hilfe bitten. Er möchte sein Anliegen persönlich vortragen, nur hat er nicht mal genügend Geld für ein Zugticket. Er fährt schwarz … fliegt auf und wird aus dem fahrenden Zug geworfen. Aber Dashrath gibt immer noch nicht auf. Er geht zu Fuß von seiner Provinz zur Hauptstadt.

Dort wird er harsch zurückgewiesen. Er solle seinen schwachsinnigen Plan beenden. Man verbietet ihm, sich in der Nähe des Berges zu begeben. Wovon er sich wieder nicht abbringen lässt.

Als er zurückkommt, helfen ihm ein paar andere Dorfbewohner, indem sie ihm Essen bringen und Werkzeuge besorgen, bis die Regierung davon hört und Dashrat einsperrt. Ein paar Journalisten, die inzwischen doch Sympathien entwickelt haben für diesen Mann auf seiner einsamen und verrückten Mission bekommen das mit und protestieren nun vorm Gefängnis, er wird freigelassen. Und macht weiter mit seinem Werkzeug. Geht wieder jeden Tag zum Berg, haut alles rein, was er hat, stemmt sich mit seiner ganzen Kraft und seinem ganzen Leben gegen diesen Berg und bekommt hier und da mit der Zeit auch etwas Hilfe.

1982, 22 Jahre mit fast täglicher Arbeit nach Beginn hat er einen 110 Meter langen, 9 Meter breiten und bis zu 7.5 tiefen Einschnitt durch den Berg angelegt, was den Weg von der Provinz zur nächsten Stadt von 70 auf 10 Kilometer reduziert.

Auch wenn das für seine Frau zu spät kam, können seitdem so Tausende aus der Provinz viel schneller zum Krankenhaus gelangen. Viele Medien haben darüber berichtet und ihn „Mountain Man“ genannt. Im Alter von 73 ist Dashrath Manjshi gestorben und hat sogar ein Staatsbegräbnis bekommen.

Wenn ich an den „Mountain Man „denke, dann sehe ich nicht nur, dass das Unmögliche oft möglich ist. Ich sehe auch, dass der Berg Arbeit, der vor mir liegt, trotz allem kleiner und machbarer ist als der echte gigantische Berg, den dieser Mann vor sich hatte.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem myMONK-Podcast. Die ganze Folge zum Thema kannst Du hier hören:

Photo (oben): Stock Photos von  Mariana Rangel / Shutterstock