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Es geht uns mit Büchern wie mit den Menschen. Wir machen zwar viele Bekanntschaften, aber nur wenige erwählen wir zu unseren Freunden.

– Ludwig Feuerbach

Wenn Du Lesen nicht liebst, dann bist Du nur noch nicht auf ein Buch getroffen, das Dich trifft, mitten ins Herz. Das genau dann kommt, wenn Du es so dringend brauchst wie ein Schwerkranker eine Organspende. Das Du nicht mehr aus der Hand legen kannst, bis zur letzten Seite, weil es Dich fesselt oder erheitert, Dir Trost spendet oder Dich alle Probleme vergessen lässt.

Vielleicht ist das mit Dir und den Büchern so eine Sache wie mit dem Dauersingle, der am Samstagabend zuhause Bier trinkt, allein, und die Liebe verflucht, weil sie ums Verrecken nicht in sein Leben treten will, in seine Wohnung, am Samstagabend, allein. Vielleicht hast Du die Liebe zum Lesen aufgegeben, Buchhandlungen und Bibliotheken gemieden, als seien es Minenfelder der Langeweile, die uns zu Staub machen können, sobald wir uns in diese Wortwüsten trauen.

Wundern würde es mich nicht, wenn Du Lesen bisher nicht lieben gelernt hast. Schließlich mussten wir uns fast alle in der Schule mit Pflichtliteratur rumschlagen. Mit zähen, fiesen Wälzern, fad und trocken, null gewürzt und schwer verdaulich wie der schlimmste Schulkantinenfraß.

Wer da nicht in der Freizeit Bücher in die Hände bekam, die ihn berühten und verführten, irgendwie die Leselotte / den Leselars in einem entjungferten, der hat vielleicht seit zehn oder zwanzig oder dreißig Jahren nichts mehr gelesen außer halbdeutschen Bedienungsanleitungen, unangenehmen Kontoauszügen und nervigen Emails. Oder weiterer Pflichtlektüre im Studium oder Job.

Warum nicht einfach lassen, wie’s ist, Bücher weiter mit der Verachtung strafen, die eigentlich den Lehrplänen gelten sollte?

Weil Lesen nicht nur wichtig und gut ist (siehe 8 Gründe, warum ich jede Woche ein Buch lese),
sondern vor allem,
weil Lesen eine fantastische Zeit bereitet.

Wenn man es richtig macht.

Dann wirst Du mit einem Buch in den Händen die fremdesten Länder, wenn Du magst sogar Galaxien bereisen können; Freunde finden, die teilen, was Du erfahren hast und denkst; Macht und Reichtümer und Sex haben, wenn Du das willst, und zwar mit wem Du willst.

Und das in jedem Alter: wie eine Kindheit ohne Märchen, wie eine Jugend ohne Liebe, wie ein Alter ohne Frieden nennt Carl Peter Fröhling ein Leben ohne Bücher.

Willlst Du die Liebe zum Lesen entfachen, dann hast Du so wohl die besten Karten und das leichteste Spiel:

  1. Deine Wahl. Vergiss Klassiker und Feuilletons und Bestsellerlisten. Wichtig ist nur, wonach Dir gerade ist – ob Krimi, ob Schnulze, ob Reiseliteratur oder Gedichtband oder Biographie oder Sachbuch zu einem Thema, über das Du lange mehr erfahren möchtest … Du bist frei, greif zu, wo auch immer Du magst. Und wenn Du es nicht mehr magst:
  2. Keine Qual. Lass das Buch fallen, wenn es Dich nicht packt. Kein Dieb ist schlimmer als ein schlechtes Buch, so ein italienisches Sprichwort. Es geht nur um Dich und Deine kostbare Lebenszeit, die es mit Lesezeit zu verschönern gilt. Nicht um einen weiteren Stapel Aufgaben, den Du abarbeiten musst, als seien Deine Augen nichts als rostige, quietschende Arbeitsgeräte, die sich durch die Seiten pflügen. Und auch nicht darum, durch die Lektüre schlauer-besser-stärker-reicher-motivierter-attraktiver-wissender zu werden.
  3. Raum und Ruhe. Hast Du einen schönen Platz für Dich und Deine neue Leidenschaft … einen Lieblingssessel oder das Bett mit einer gemütlichen Lampe, die Badewanne, eine Parkbank, mit einem Kaffee oder Tee neben Dir? Hast Du genügend Ruhe (ich zum Beispiel kann kaum lesen, wenn der Fernseher läuft mit lauter Rotz als wäre er ne kranke Nase)? Kannst Du Dich auf Dein Buch konzentrieren, statt gleichzeitig zu telefonieren und mit den großen Zehen auf der Tastatur Mails zu beantworten? Ist die Schrift groß genug für Dich (wenn nein, lohnt sich ein Ebook-Reader)? Wie langsam oder schnell Du liest, spielt keine Rolle. Nur: ob Du’s genießt. Dafür brauche zumindest ich ungestörte Zeit, die muss ich dann eben bei Facebook oder so abziehen.
  4. Kleine Schritte zur Gewohnheit. Feste Zeiten helfen dabei, neue Gewohnheiten zu schaffen. Und sobald Lesen zur Gewohnheit geworden ist, wirst Du es kaum mehr missen wollen. Vielleicht magst Du Dir ja immer morgens, oder in der Mittagspause, oder abends vorm Einschlafen ein Buch schnappen? Zehn Minuten täglich reichen für den Anfang völlig aus. Hauptsache 1: diese zehn Minuten machen Dir Freude und tun Dir gut. Hauptsache 2: Du liest wirklich regelmäßig, nicht nur einmal in der Woche.
  5. Schmökerfreunde. Lesen kann nicht nur Freude, sondern auch Freunde machen. In Bücherclubs, Facebook-Gruppen, bei Buch-Bloggern oder Youtubern und so weiter gibt’s tausend tolle Gelegenheiten, Menschen kennen zu lernen, die ähnlich ticken. Oder Du liest Deinen Kindern oder Enkeln vor.

Wenn Du Deine Liebe zum Lesen neu entfachen willst: Auf welches Thema oder welches Buch genau hast Du Lust, was möchtest Du mal ausprobieren?

Wenn Du es längst leidenschaftlich liebst: Welches Buch empfiehlst Du einem einem Neu-Leser?

Freu mich über Deinen Kommentar!

 

Photo: Mario Mancuso