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Im ersten Weltkrieg und wahrscheinlich auch in vielen weiteren haben sich reihenweise Soldaten in den Fuß geschossen. Sie wollten nicht oder nicht mehr an der Front kämpfen, wollten ins Lazarett und nachhause geschickt werden.

Sie haben sich selbst arbeitsunfähig gemacht und haben riskiert, dafür für Landesverrat massiv bestraft zu werden.

Sie hatten verständlicherweise Angst um ihre Arme und Beine und um ihr Leben und davor, ihre geliebten Menschen nie wiederzusehen.

Die meisten von uns haben Angst, wenn es um einen ganz anderen Kampf geht – den für unsere Ambitionen … und viele von uns machen sich deshalb lieber arbeitsunfähig (wenn auch ohne Waffen), statt sich diesem Kampf auszusetzen.

Ich kenne die Angst vorm Scheitern nur zu gut. Die Angst davor, abgelehnt oder ausgelacht zu werden. Die Angst zu merken, dass ich „einfach nicht das Zeug dazu“ habe, nicht gut genug bin und mir lieber einen Job suchen sollte als das zu tun, wovon ich träume, seit ich 15 bin – ein eigenes Internet-Unternehmen aufzubauen.

Der Amateur macht mit dieser Angst das, was ich über viele, viele Jahre gemacht habe – und zum Teil immer noch mache: Er flüchtet vor ihr, er flüchtet vor seinem Traum in ein Schattenleben, das entweder gar nichts mit seinem Traum zu tun hat oder nur ein Abklatsch von dem ist, was er eigentlich tun will, wer er eigentlich sein will, wofür er eigentlich kämpfen will … vor dem, was sein Inneres eigentlich von ihm will (nenn es „Ruf“, wenn Du magst).

Er flüchtet, indem er rund um die Uhr arbeitet- aber an etwas, das nichts mit seinem Traum zu tun hat … und macht sich damit „arbeitsunfähig“ für das eigentliche Wichtige, weil er „einfach keine Zeit hat, tja, was willste machen“.

Er flüchtet sich in die Ausrede, dass das, wovon er träumt, doch schon so viele andere machen und dass er’s deshalb gar nicht erst probieren muss.

Er flüchtet sich in die Ausrede, dass er noch dieses und jenes braucht, um Anfangen zu können („Klar, Gedichte schreiben wäre cool, aber vorher muss ich unbedingt noch Germanistik studieren“).

Er flüchtet sich ins Warten, er wartet auf den Tag, an dem er morgens aufsteht und plötzlich keine Angst mehr hat. Er wartet darauf, dass ihn andere ermutigen oder Erlaubnis geben, der Partner, die Freunde, der Chef, die Welt.

Er flüchtet sich in Tagträume, wie toll es dann wird, wenn er auf dem Gipfel steht. Wobei er noch nicht mal seinen Rucksack gepackt hat, geschweige denn überhaupt von der Couch aufgestanden ist, während ihm alte Chips und Erdnussflips am Arsch kleben.

Er flüchtet sich ins „inspirierende“ Videos und Bücher, weil sich das ganz gut anfühlt, diese Ersatzbefriedigung.

Er flüchtet sich ins Pläneschmieden … Pläne, die er genauso gut gleich in den Mülleimer werfen könnte, weil er sie ohnehin nicht umsetzen wird.

Er flüchtet sich in die Fantasie, dass er ein „System“ findet, das ihn ganz schnell ganz erfolgreich macht, eine Abkürzung, die es nicht gibt.

Er flüchtet sich ins Geldverdienen, weil ihm das angeblich so wichtig ist. Toll, der neue BMW, aber warum schaut der Typ am Steuer so aggro? Vielleicht, weil er im Grunde hasst, womit er die Kohle macht.

Er flüchtet sich in Ablenkungen, in Drogen oder Sex, in stundenlanges sinnloses Internetgesurfe (immer auf dem neuesten Stand, was die aktuelle Größe von Kardashians Arsch angeht) und Email-Gechecke, in Arbeit, in seltsamerweise immer wieder schwierige Beziehungen mit großem Drama … Hauptsache, ihm bleibt keine Zeit und keine Energie für das, was er im Grunde seines Herzens tun will.

Er flüchtet vor der Stimme in seinem Kopf oder Herz oder Bauch.

Er flüchtet und flüchtet und kommt nirgendwo an.

Er flüchtet vor sich selbst und vor dem, was in ihm steckt.

Ich sage das, weil ich das meiste davon nur zu gut selbst kenne (sprich mich gern auf Kardashians Arsch an, wenn wir uns mal treffen).

Ein Amateur ist ein Autor, der nicht schreibt. Ein Blogger, der nur auf den Blogs anderer und auf sinnlosen Blogger-Konferenzen rumhängt. Ein stummer Sänger. Ein Unternehmer, der nichts unternimmt. Ein Yogalehrer, der nach seiner Ausbildung keine Schüler auftreibt. Ein Weltverbesserer, der nur die Quoten von Frauentausch auf RTL II verbessert. Ein Mönch, der statt zu meditieren jemandem mit der Buddha-Statue den Kopf einschlägt. Ein Erfinder, der nur eins erfindet: Gründe, warum er lieber in seinem für ihn öden Bullshitjob in der bleibt.

Ich hab neulich was von einem Anthropologen gelesen über Bullshitjobs, er schreibt:

„Es ist, als ob jemand da draußen sinnlose Arbeitsplätze erfindet, damit wir weiterarbeiten.“

Da gab es den Fall eines spanischen Beamten, der für die Beaufsichtigung eines Klärwerks jahrelang Gehalt bezog, obwohl er längst nicht mehr im Büro auftauchte. Bemerkt wurde das erst, als man ihm eine Medaille für seine treuen Dienste verleihen wollte.

Es gibt so viele Jobs, die ein einziger Schuss in den Fuß sind.

Jedenfalls: Ein Amateur ist nicht in der Arena. Wenn er überhaupt ins Stadion geht, steht er in den Zuschauerrängen und beobachtet nur die, die sich wirklich schmutzig machen und alles geben für das, wovon er träumt. Aber er verbringt sein Leben am Rand.

Ich weiß nicht, ob Du Dich darin wiedererkennst. Wenn ja: Es gibt eine Alternative. Das Leben als Profi. Der raus aus dem Schatten in die Arena tritt.

Der kämpft, für das, was ihm wichtig ist. Der was riskiert. Der die Verantwortung übernimmt für sich und seine Träume und seine kurze Zeit, in der er hier ist.

Du bist nur eine Entscheidung davon entfernt.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Podcast mit dem Titel „Die eine Entscheidung, die Dich wirklich voranbringt“. In dieser Folge erfährst Du mehr über das Leben als Profi und wie Du dorthin kommen kannst:

Photo: Shadow von red mango / Shutterstock